Neue Regeln

Auch Dienste müssen zahlen: Apple lehnt Readability-App ab

Unklarheit herrschte bisher darüber, ob Apples neue Regeln für In-App-Käufe und -Abos nur auf eBooks und digitale Magazine angewendet werden, oder alle Firmen betroffen sind, die einen Abo-Dienst anbieten. Die Ablehnung der Readability-App gibt darauf eine Antwort.

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Readability formatiert eine Webseite so, dass sie leichter auf einem Smartphone/Tablet lesbar ist. Dieser Dienst wird in Form eines Bookmarklets angeboten, eine eigene iOS-App, entwickelt von Marco Arment (Instapaper, Tumblr), sollte die Bedienung komfortabler gestalten. Um Autoren im Web zu unterstützen, startete Readability ein neues Angebot: Wer über Readability Artikel liest, unterstützt damit die Autoren der entsprechenden Seiten mit einem geringen Geldbetrag. Dies ist schon insofern fair, da Readability natürlich die Anzeigen entfernt, mit denen sonst eine Webseite finanziert wird. Apple selbst nutzt übrigens legal Teile des Readability-Codes (nachzulesen im Safari-Hilfe-Menü unter „Anmerkungen”) für die Safari-Reader-Funktion - natürlich ohne Entschädigung für Autoren.

Ironischerweise setzt Readability wie Apple auf das 70-30-Modell: 70 Prozent gehen an die Autoren, 30 Prozent verbleiben bei Readability. Die Höhe des Abo-Betrags beträgt minimal 5 US-Dollar, kann ansonsten aber frei festgelegt werden.

Nun wurde die Readability-App aufgrund der neuen Richtlinien Apples abgelehnt. In Punkt 11.2 heißt es, dass Apps, die ein anderes System als die In-App-API zum Erwerben von Inhalten oder Diensten nutzen, abgelehnt werden. Readability müsste also eine Möglichkeit anbieten, Abos auch innerhalb der App abzuschließen. Dann reduziert sich allerdings der Betrag, der für Autoren und Readability selbst übrig bleibt.

Richard Ziade von Readability beschwert sich, dass diese Richtlinien offensichtlich auch auf Anbieter von Diensten anbieten. Apple habe zwar das Recht, die Richtlinien für den App Store festzulegen, aber dies würde kleinere Firmen nur davon abhalten, in ihre Apps zu investieren. Readability wird nun weiter auf den Webbrowser setzen.

Für Readability ist das Ausweichen auf den Browser kein Problem, da keine Funktionalität verloren geht. Anderen Cloud-Diensten könnte dies schwerer fallen: Dropbox im Browser ist sicher möglich, aber als iOS-App ungleich komfortabler - und was wird aus den vielen Apps, die Dropbox nutzen? Andererseits wäre es für Apple aber schwer die Grenze zwischen Inhalten, Funktionalität und Diensten zu ziehen. Wie konsequent Apple Punkt 11.2 der Richtlinie anwenden wird, muss sich noch zeigen - es ist kaum vorstellbar, dass beispielsweise Skype oder Netflix abgelehnt werden.

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Langsam stellt sich die Frage wie interessant ein iPad überhaupt noch ist? Mir scheint Apple übertreibt es!

Wie sieht es denn mit er C't App aus? Die bietet die einzelnen Ausgaben ja für Abonennten der Papierausgabe kostenlos an?!?

Scheinbar will Apple nur noch rechtzeitig bevor die Konkurrenz loslegt die Standards ("70/30 bei wirklich allem") hoch schrauben.
Sobald die Konkurrenz (in Zukunft zudem bei Tablets) Apple nennenswert Marktanteile abjagt, lässt sich so ein System nicht mehr einführen und durchsetzen.
Und da die Anbieter mit ihren Apps nicht warten wollen, bis die Konkurrenz mal endlich verfügbar ist und Marktanteile erobert hat, werden sie sich bis dahin längst in Apples System gefügt haben.

Wenn alles und jedes auf der Plattform reguliert wird, hat es auch seine negativen Seiten. Ein gesundes Maß ist notwendig. Apple muss m.E. nicht an jeder Kleinigkeit 30% mitverdienen. So schön es für den Anwender ist (die Einfachheit des Apple-Modells), ich vermute, dass ab Jahresende aufgrund dieser Restriktionen die anderen Tablet-Hersteller Zulauf bekommen und sich von Apple abwenden.
Dann sage ich Danke Apple, dass ich in euch investierte und keinen Benefit durch die Entwickler bekomme (zugegeben Extrem, aber möglich).

Punkt 11.3 der Richtlinie mag wohl lauten, Apple verliert langsam das Verständnis selbst langjährige Apple Anhänger. Die Nutzungsqualität von Apple Hard- und Software war bislang höher als der Wettbewerb. Stück für Stück wird es jedoch dramatisch abgebaut obwohl man bereit ist dafür etwas zu bezahlen. Das Gegenstück zur iTunes Revolution, nach meinem Eindruck. Da bekomme sogar ich ein unbehagliches Gefühl und weiss nicht ob ich das mittrage. In den sauren Apfel will ich nicht beissen.

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