Kommentar

Tim Cook: „Keine Vereinigung von iOS und OS X“ – wird sich Apples Entscheidung rächen?

Bereits vor einigen Monaten hat Apple bekannt gegeben, dass es keine Geräte mit Touchscreen und dem Betriebssystem OS X entwickeln wird. Nun hat Apples Chef Tim Cook auch die Entwicklung eines sogenannten vereinigten Betriebssystems, wie es beispielsweise Windows 10 ist, ausgeschlossen. Cooks Argumente machen Sinn. Trotzdem handelt es sich dabei um eine riskante Entscheidung, die sich langfristig rächen könnte.

Von   Uhr

Apple Chef Tim Cook hat die Idee eines vereinigten Betriebssystems für Desktop-Geräte und mobile Geräte wie iPads und iPhones abgelehnt. Cook, und dabei dürfte es sich wohl auch um die Ansicht Apples handeln, glaubt, dass eine Vereinigung des mobilen Betriebssystems und des Desktop-Betriebssystems die Software nur schlechter machen würde. Apples Chef hält spezialisierte Betriebssysteme für die bessere Option.

Damit stellt sich Apple entgegen der allgemeinen Entwicklung. Microsoft arbeitet seit Jahren an einem einzigen Betriebssystem für alle Geräte. So handelt es sich bei Windows 10 für das Smartphone um mehr oder weniger dasselbe Betriebssystem wie bei Windows 10 für den Desktop-Rechner. Lediglich die Oberfläche ist angepasst. So ein vereinigtes Betriebssystem bietet mehrere Vorteile: So können Nutzer auch auf einem Tablet Programme verwenden, die eigentlich für einen Desktop-Rechner konzipiert sind. Zusammen mit einer Maus und einer Tastatur kann ein Tablet somit beispielsweise schnell ein vollwertiger Rechner werden. Die Einsatzmöglichkeiten und die Produktivität sollten sich erhöhen. Außerdem ist es für Entwickler von Programmen einfacher ihre Programme für alle Plattformen – Smartphones, Tablets und Desktop-Rechner – zu schreiben. Auch die Synchronisation von Daten zwischen den Geräten sollte auf diesem Weise zumindest theoretisch einfacher und umfassender werden.

Microsoft ist dabei nicht alleine. Auch Canonical, der Entwickler des Linux-Betriebssystems Ubuntu, hat sich dazu entschieden, ein einziges Betriebssystem für alle Geräte zu entwickeln. Dabei geht Canonical sogar noch einen Schritt weiter: Am Ende sollen Nutzer nur noch ein einziges Gerät besitzen, das sowohl Desktop-Rechner als auch Smartphone ist – abhängig davon, ob Tastatur, Maus und Display an das Gerät angeschlossen sind oder nicht.

Apple setzt dagegen auf zwei getrennte Betriebssysteme. iOS ist auf die Bedienung via Touch ausgelegt, während OS X für Maus und Tastatur geeignet ist. Apple hat einen Touchscreen für Macs und MacBooks auch bereits rundheraus abgelehnt. Das Unternehmen bringt die Betriebssysteme nicht über eine Vereinigung zusammen, sondern setzt stattdessen auf Datensynchronisation über die iCloud. Auch eine Funktionen, beispielsweise das Telefonieren ist seit OS X 10.10 Yosemite und iOS 8 über den Mac möglich.

Die Erfahrung mit Windows 8 beziehungsweise Windows 8.1 hat uns bisher gelehrt, dass die Vereinigung der Betriebssysteme tatsächlich ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Tim Cook mag also durchaus Recht haben, wenn er sagt, dass ein Betriebssystem für alle Geräte im Großen und Ganzen auch in Zukunft schlechter sein wird als zwei spezialisierte Betriebssysteme.

Langfristig könnte sich dies allerdings rächen. Ein erstes kleines Beispiel hierfür ist das iPad Pro: Bei dem Riesen-iPad handelt es sich offenbar um ein hervorragendes Gerät, das für einige Aufgaben, beispielsweise Designarbeiten, sehr gut geeignet ist. Auch die meisten iPad-Anwendungen werden auf dem iPad Pro sicher hervorragend zu bedienen sein. Am Ende handelt es sich aber immer noch um ein großes iPad mit einer hervorragenden Stylus-Integration, während Microsoft mit dem Surface dank des vereinigten Betriebssystems eine echte neue Geräteklasse schaffen konnte, die Erfahrungsberichten und Tests zufolge ein sehr guter Allrounder ist. Apple wird mit dem iPad Pro keine echte Konkurrenz zum Surface sein können, da das Gerät ein auf Touch spezialisiertes Betriebssystem besitzt. Das MacBook mit 12 Zoll-Retina-Display ist da schon eher ein Konkurrent. Das besitzt jedoch keinen Touchscreen und kann somit nicht als Tablet verwendet werden.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Nutzer überhaupt ein Allround-Gerät benötigen. Braucht Apple also einen echten Surface-Konkurrenten. Die Frage lässt sich noch nicht beantworten. Das dritte Surface scheint sich gut zu verkaufen, die ersten beiden Generationen waren jedoch eher Ladenhüter. Außerdem wurde Windows 8 unter anderem wegen der konfusen Nutzerführung eher schlecht als recht angenommen. Ob dies bei Windows 10 besser sein wird, wird erst in den nächsten Monaten klar sein. Gleichzeitig geht das Wachstum bei Tablet-Verkäufen zurück. Wie rosig die Zukunft eines iPad Air oder iPad mini sein wird, ist derzeit völlig unklar.

Apple scheint sich jedoch dazu entschieden zu haben, die Entwicklung zu einem vereinigten Betriebssystem nicht mitzumachen. Das ist in vielen Augen eine riskante Entscheidung, da ein Entwicklungs-Rückstand nur schwer oder gar nicht aufzuholen ist, wie es Microsoft mit seinem Windows Phone bereits schmerzlich erfahren musste. Hoffen wir, dass Apple hier die richtige Entscheidung getroffen hat.

Diskutiere mit!

Hier kannst du den Artikel "Tim Cook: „Keine Vereinigung von iOS und OS X“ – wird sich Apples Entscheidung rächen?" kommentieren. Melde dich einfach mit deinem maclife.de-Account an oder fülle die unten stehenden Felder aus.

"während Microsoft mit dem Surface dank des vereinigten Betriebssystems eine echte neue Geräteklasse schaffen konnte,"

Der Fakt ist der: Eine Universalgerät, das alles kann, muss bei speziellen Anwendungen immer Abstriche machen. Ob so Profianwendungen höchster Güte in bestmöglicher Qualität und geringster Zeit möglich sind??? Ich bin da im Zweifel. Ein iPad ist sicher robuster als ein Surface, egal welche Werkstoffe da genommen werden. Scharniere hier und keine da, zum Beispiel.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.