Sieh’s mal Neo

Apples Frühjahrsfeuerwerk: Studio Display (XDR)

Apple hat gleich zwei neue Monitore vorgestellt: Das Studio Display für ambitionierte Anwender fällt unter reine Produktpflege, das Studio Display XDR für Profis ist indes wirklich neu – und weckt Begehrlichkeiten.

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Vier Jahre hat Apple gewartet, bevor es sein Studio Display erneuerte. Vier Jahre, in denen der Monitor still und zuverlässig seinen Dienst tat, während rundherum die Entwicklung von Displaytechnik weiterlief. Man darf das nicht als Gleichgültigkeit auslegen – Apple ist selten gleichgültig, wenn es um seine Produkte geht. Eher als eine Art gelassenes Vertrauen in die eigene Arbeit. Und Peripherie muss ja nun wirklich nicht im Jahrestakt ausgetauscht werden.

Nun sind gleich zwei Nachfolger da, und sie sprechen sehr unterschiedliche Zielgruppen an. Was sie eint: Beide sehen praktisch identisch aus. Was sie trennt: Technik, Einsatzzweck – und ein happiger Preisunterschied, das Studio Display kostet sportliche 1.699 Euro, das Studio Display XDR gar stolze 3.499 Euro.

Die neue Version des Studio Display von 2022 ist, von außen betrachtet, nicht vom Vorgänger zu unterscheiden. Gleiches Aluminiumgehäuse, gleiche Abmessungen, gleiche elegante Schlichtheit. Den Unterschied sieht man erst auf der Rückseite: zwei Thunderbolt-5-Anschlüsse statt des bisherigen einzelnen Thunderbolt-3-Ports. Einer verbindet den Monitor mit dem Mac und lädt ihn dabei mit bis zu 96 Watt – genug, um auch ein MacBook Pro mit 14-Zoll-Bildschirm schnell aufzuladen. Der zweite Thunderbolt-5-Port erlaubt das Verketten von mehreren Displays oder das Anschließen schneller Peripheriegeräte. Dazu kommen zwei USB-C-Ports mit bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Wer mehrere Monitore betreibt oder externe Festplatten anschließt, wird das im Arbeitsalltag schnell zu schätzen wissen.

Das Mini-LED-Panel im neuen Apple Studio Display XDR liefert satte Kontraste und eine wirklich beeindruckende Helligkeit – auch und vor allem in der Spitze.
Das Mini-LED-Panel im neuen Apple Studio Display XDR liefert satte Kontraste und eine wirklich beeindruckende Helligkeit – auch und vor allem in der Spitze. (Bild: Apple)

Die Firmware verrät, dass im Display der neue A19-Chip steckt, ein erheblicher Sprung gegenüber dem bisherigen A13 Bionic. Die 12-Megapixel-Webcam unterstützt wie gehabt den Folgemodus, bei dem die sprechende Person automatisch im Bild gehalten wird, sowie die Schreibtischansicht: In Videocalls lassen sich gleichzeitig Gesicht und Tischfläche zeigen – praktisch für alle, die regelmäßig etwas präsentieren oder erklären. Wer bislang eine separate Webcam auf dem Monitor balanciert hat, kann diese getrost beiseitestellen. Die sechs Lautsprecher liefern laut Apple 30 Prozent tiefere Bässe als beim Vorgänger. Der Trailer des F1-Films klang in Berlin überraschend voll und räumlich – besser jedenfalls, als man es von einem Monitor je erwarten würde.

Das Display selbst: 27 Zoll, 5K-Auflösung, 600 Nits, True Tone, 60 Hertz. Sauber, scharf, farbtreu und für den Alltag vollkommen ausreichend. Was fehlt, ist ein nochmals besseres Panel mit ProMotion. Wer einen modernen Mac mit 120-Hertz-Display kennt, wird beim Scrollen einen kurzen Moment der Ernüchterung erleben. Nicht weil das Bild schlecht wäre, sondern weil man weiß, dass es auch anders geht. Apple hat das bewusst so entschieden – Hallo, Studio Display XDR!

Das XDR ist äußerlich kaum vom Standard-Modell zu unterscheiden. Gleiche Größe, gleiches Design, gleicher Look. Innen aber arbeitet ein Mini-LED-Panel mit 120 Hertz, 1.000 Nits SDR und 2.000 Nits HDR, dazu, so verrät es die Firmware, ein A19-Pro-Chip – dieses Display hat mehr Power als ein MacBook Neo.

Das Kontrastverhältnis: eine Million zu eins. In der Praxis leuchten Fotos und Videos regelrecht aus dem Display, dunkle Bereiche bleiben tatsächlich dunkel, helle Lichter knallen mit einer Intensität, die LCD-Panels nicht erreichen. Die Bildqualität dürfte einhellig Lob finden. Für Foto- und Videoprofis besonders relevant: 16 Farbprofile, darunter Presets für HDR-Fotografie, Adobe RGB und Druck-Workflows. Einziger Kritikpunkt erster Tests: Die Adobe-RGB-Abdeckung scheint bei rund 86 Prozent, was für manche Druckworkflows nicht ganz ausreicht – für die allermeisten kreativen Workflows aber mehr als genug ist.

Ein wichtiges Detail, das beide Monitore teilen: Sie funktionieren laut Apples Datenblatt ausschließlich mit Macs auf Apple-Silicon-Basis und setzen macOS Tahoe 26.3.1 voraus. Wer noch ein Intel-basiertes Gerät betreibt, sollte das vor dem Kauf wissen.

Die Bildschirme waren im Hands-on-Bereich leider gegenüberstehend aufgebaut, nicht nebeneinander – aber auch ohne Ein-zu-eins-Vergleich ist klar, welches der beiden Modelle man haben möchte. Das Studio Display ist eine solide Aktualisierung für alle, die einen zuverlässigen Apple-Monitor suchen. Das Studio Display XDR indes ist für alle, die professionelle Farbarbeit leisten und das Beste wollen, was Apple derzeit bieten kann. Die Frage lautet also nicht: Welches ist besser? Sondern: Welches brauchst du wirklich – reicht das Budget für die Antwort, die du dir insgeheim vermutlich schon längst gegeben hast?

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Nur endlich mal mehr als 27 Zoll wären schon schön! Mindestens 32 Zoll wären auf jeden Fall deutlich besser.

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