Quelle: https://www.maclife.de/news/steve-jobs-zeigt-man-angemessen-beleidigung-reagiert-100113867.html

Autor: Alexander Trust

Datum: 30.05.19 - 14:37 Uhr

Vor 20 Jahren: Steve Jobs zeigt, wie man angemessen auf eine Beleidigung reagiert

Vor 20 Jahren: Steve Jobs zeigt, wie man angemessen auf eine Beleidigung reagiert. Im Rahmen der WWDC 1997 kam Steve Jobs zu einer Frage- und Antwortrunde mit Fans und Medienvertretern zusammen. Diese ist als „Fireside Chat“ bekannt und wurde von Fans für die Nachwelt aufgehoben und digitalisiert. Im Rahmen der Fragerunde wurde der Apple-Gründer von einem Teilnehmer scharf angegriffen und zeigte aber genug Selbstbewusstsein und rhetorisches Geschick, aber auch Empathie, um souverän darauf zu antworten.

Haben Sie schon einmal ein Rhetorik-Seminar besucht? Steve Jobs interessierte sich für diese Disziplin, die ihm half, ein besserer Redner zu sein. Rhetorik ist dabei durchaus ein weites Feld. Dazu kann auch gehören, dass Sie Kritik oder Feedback aushalten müssen, nachdem Sie Ihre Argumente vorgetragen haben, ohne Widerworte geben zu dürfen.

Denn er weiß nicht, wovon er spricht

Jobs allerdings schwieg an diesem Tag nicht, als ihn ein Fragesteller im Fireside Chat scharf anging. Der fühlte sich offenbar durch Jobs vorherige Worte gekränkt. Denn der Apple-Gründer erklärte vor versammelter Mannschaft, warum er denkt, dass OpenDoc ein totes Pferd sei und Apple es in seinem nächsten Betriebssystem nicht berücksichtigen werde.

Der Mann konfrontiert Jobs mit dem Vorwurf, der Apple-Gründer habe heute gezeigt, dass er von vielen Dingen, von denen er spricht, gar keine Ahnung habe. Er fordert, Jobs solle sich rechtfertigen und explizit darlegen, warum Java in irgendeiner Form die Idee von OpenDoc repräsentiere.

Im Video ungefähr bei Minute 50 wirft also dieser Mann Steve Jobs vor, nicht zu wissen wovon er spricht. Er fordert außerdem, Jobs solle doch bitte erklären, was er die vergangenen sieben Jahre getan hätte. In diesem Moment geht ein Raunen durch das Auditorium.

Jobs reagiert gefasst und empathisch

Interessant ist, wie Jobs auf den Angriff reagiert: Er greift in die Rhetorikkiste und nimmt die Argumente der Gegenseite auf. Man könne es nicht jedem Recht machen, erklärt er, und der Herr im Publikum habe Recht. Denn bestimmt gibt es Aspekte von OpenDoc, die gut seien, und mit denen er sich nicht auskenne.

Lesetipp

Damals: Steve Jobs erklärt das Konzept der „Machbarkeitsfenster“

Damals: Steve Jobs erklärt das Konzept der „Machbarkeitsfenster“. Es gibt Menschen, die halten alles, aber auch wirklich alles für... mehr

Dann folgt das große Aber: Jobs schränkt ein, dass man nicht auf Teufel komm raus eine Idee verfolgen, nur weil man selbst sie gut findet. Man müsse eine Idee aus der Perspektive des Nutzers denken. Man könnte auch die Technologie nicht einfach so entwickeln und später versuchen eine Idee fürs Marketing zu entwickeln. Doch diesen Fehler habe er selbst häufig gemacht. Dem Verbraucher sei es letztlich egal, welche Technologie eingesetzt würde, die er unter Umständen sowieso nicht versteht. Dem Verbraucher sei nur wichtig, dass etwas seinen Wünschen entspricht und tut, was er erwartet. Drum gibt es manchmal in der Theorie ganz tolle Ideen, die sich in der Praxis aber nicht durchsetzen, weil niemand in der Lage ist, sie dem Verbraucher zu vermitteln.

„One of the things I've always found is that you've got to start with the customer experience and work backwards for the technology. You can't start with the technology and try to figure out where you're going to try to sell it. And I made this mistake probably more than anybody else in this room.“ (Steve Jobs)

Ansichten des Steve Jobs

Sie sollten sich, wenn Sie wollen, den ganzen Beitrag in voller Länge anschauen. Er ist deutlich über eine Stunde lang und enthält aber ein paar interessante Ansichten des Apple-Gründers.

Für ihn sei zum Beispiel Fokussierung nicht, sich einem Thema mit aller Aufmerksamkeit zuzuwenden, sondern vielmehr anderen Themen abzuschwören und „Nein“ zu sagen. Man müsse oft und viel öfter nein sagen, um sich zu fokussieren.

Lesetipp

Trifft Apple das gleiche Schicksal? Steve Jobs erklärt, warum Unternehmen scheitern

Trifft Apple das gleiche Schicksal? Steve Jobs erklärt, warum Unternehmen scheitern. Der verstorbene Apple-Chef gab durchaus auch Interviews, die... mehr

An einer anderen Stelle erklärt Jobs, dass die eigene Motivation besonders wichtig sei. Adobe würde sich mit Photoshop dumm und dämlich verdienen, hätte aber keine Ressourcen übrig, die App auf Apples kommendes Betriebsystem zu portieren. Die Angst von Entwicklern, dass nur große Märkte genügend Gewinn abwerfen würden, entkräftet Jobs mit einem Beispiel der Firma Lighthouse. 18 Entwickler hätten Software für das NeXTStep-System entwickelt, das eine deutlich kleinere Nutzerbasis hatte als „Wintel“ oder Apple und trotzdem konnten alle handelnden Personen davon leben. Es gehe im Leben um Möglichkeiten, und diese zu nutzen.

Wenn Sie sich von diesen beiden Ideen und der Motivation, die sie ausstrahlen, angesprochen fühlen, lege ich Ihnen das Video wärmstens ans Herz. Denn es enthält noch viele weitere solcher Erkenntnisse.

Lesetipp

Steve Jobs über Microsoft: Produkte ohne Seele

Steve Jobs über Microsoft: Produkte ohne Seele. Wenn Sie Apple schon eine Weile verfolgen, dann werden Sie wissen, dass das Unternehmen eine ganz... mehr