Die „überall dabei“-Photoshop-Alternative

Polarr 3 im Test: Alternative Bildbearbeitung am Mac, iPhone und im Browser

Polarr 3 lässt die Grenzen zwischen Desktop- und Web-Apps fallen, die Bildbearbeitung Polar etwa ist auf Mac und iPhone, aber auch im Browser zu Hause. Kann sie etablierten Lösungen zur Bildbearbeitung am Mac das Wasser reichen?

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Die Kunst der Manipulation von Fotos ist längst nicht mehr Profis vorbehalten, die das Spiel mit Photoshop und seinen teuren Erweiterungen wie ein exklusiver Zirkel betreiben. Nicht zuletzt das iPhone sorgte auch hier für eine Demokratisierung: Der Schnappschuss mit dem Smartphone ist schnell mit einem Filter interessant gemacht, und nicht nur Apples „Fotos“ liefert zahlreiche Möglichkeiten zur nachträglichen Verbesserung der Bildersammlung gleich mit. Dedizierte Apps offerieren noch weitergehende Funktionen, für deren Ergebnisse man vor gar nicht allzu langer Zeit noch teure Agenturen kontaktieren musste. Und so muss sich eine heutige EBV-Software schon längst nicht mehr nur an alteingesessenen Boliden wie Photoshop, sondern besonders in ihrer Handhabung auch an vermeintlichen Leichtgewichtlern wie Pixlr, Snapseed und VSCO messen lassen.

Die Vorher-Nachher-Darstellung gestattet den Vergleich des Originalbilds zu den geplanten Veränderungen.
Die Vorher-Nachher-Darstellung gestattet den Vergleich des Originalbilds zu den geplanten Veränderungen. (Bild: Screenshot)

Polarr 3 bietet konsequente Vielfalt

Neuzugang Polarr verfolgt einen zweigleisigen Ansatz: Eine umfangreiche Sammlung leistungsfähiger Filter sorgt für schnelle Erfolgserlebnisse, während ambitioniertere Anwender eine Vielzahl professioneller Werkzeuge zur gezielten Nachbearbeitung vorfinden. Auch in der Anzahl unterstützter Plattformen lässt sich das Programm nicht gern festlegen: Polarr fühlt sich nicht nur in einer Desktop-Version auf dem Mac und als mobile App auf iPhone und iPad, sondern auch unter Windows, Android und sogar Linux wohl. Wer auf eine lokale Installation ganz verzichten will, der kann auf eine – offline ausführbare – App für Chrome zurückgreifen oder Polarr kurzerhand im Webbrowser nutzen. Für unsere Test haben wir uns für die native Mac-Version entschieden, der die reinen Online-Varianten jedoch in nichts nachstehen. Auf dem iPhone und iPad ist die Bedienung konzeptbedingt etwas anders, beim Funktionsumfang müssen jedoch ebenfalls keine Abstriche gemacht werden.

Die kostenfrei aus dem App Store herunterladbare Basisversion von Polarr ist mit 36 Filtern ausgestattet, die sich bereits mit beeindruckenden Ergebnissen einsetzen lassen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann für knapp 20 US-Dollar die Vollversion erwerben, die das Programm um 70 weitere kategorisierte Filter erweitert. Außerdem ergänzt sie verschiedene Funktionen zur Erstellung eigener Filter, der lokalen Anpassung von Fotos sowie zur Stapelverarbeitung. Der erworbene Lizenzschlüssel lässt sich gleichzeitig für drei verschiedene Web- oder Desktop-Installationen nutzen. Wer also unterwegs ein Bild auf dem iPad anpasst, kann die Bearbeitung auf dem heimischen Mac vertiefen, ohne eine weitere Lizenz erwerben zu müssen.

Erstaunlich ist der geringe Umfang der verschiedenen Programmversionen. So umfasst die iOS-Version nicht mehr als 10 MB, auf dem Mac kommt Polarr gerade einmal auf 4 MB. Das ruft wehmütige Erinnerungen an alte 68k-Zeiten wach.

Polarr 3: Vorbildliche Einarbeitung

Polarr empfängt Erstbenutzer mit einer umfangreichen Einführung in seine Möglichkeiten und die Benutzeroberfläche. Auf Wunsch führt ein zusätzliches Tutorial in die Bildverbesserung anhand eines praktischen Beispiels ein, eine ständig verfügbare – wenn auch bisher nur englischsprachige – Online-Hilfe erklärt die Funktionen und Fachbegriffe und nimmt so auch Neueinsteiger in Hand. Lehrvideos auf YouTube ergänzen das hervorragende Angebot.

Doch auch ohne den Workshop erschließt sich Polarr schnell: Eine Schnellauswahl am unteren Fensterrand offeriert die importierten JPEG-, PNG-, BMP- und RAW-Bilder (bis 42 Megapixel) zur Bearbeitung. Das aktuelle ausgewählte Bild wandert in eine Filterübersicht zur linken Hand, wo eine Reihe Vorschaubilder die jeweiligen Auswirkungen vorwegnimmt. Weitere Filterkategorien warten in einem Aufklappmenü auf ihren Benutzer. Ein simpler Mausklick wendet den Filter an. Das eigentliche Highlight bei der Arbeit: Eine unbegrenzte Verlaufsübersicht listet alle Schritte chronologisch auf, sodass Sie alle Phasen gezielt anschauen, widerrufen und nochmals anwenden können. Ebenfalls hilfreich: Eine Vorher-Nachher-Ansicht stellt das Originalbild dem aktuellen ausgewählten Arbeitsschritt gegenüber und hilft so bei der objektiven Beurteilung des Fortschritts. Eine Mischfunktion blendet einen Filter zudem auf Wunsch stufenlos prozentual ein und sorgt so für ein sanftes Verschmelzen mit dem Original.

Filter & Werkzeuge in Polarr 3 für Mac

Auch Profis sollten übrigens den qualitativ hochwertigen Standardfiltern eine Chance geben – das Ergebnis weiß schnell zu überzeugen und bietet eine solide Grundlage für eigene minimale Anpassungen. Besonders ambitionierte Anwender werden schnell den Wunsch verspüren, in die Zusatzfilter zu investieren – und nicht enttäuscht werden. Mit einem besonderen Bonbon wissen indes die iOS- und Android-Versionen von Polarr aufzuwarten: Zusammen mit dem Fotodienst „Unsplash“ wurden zehn Filter erarbeitet, die Fotos die typische Ästhetik der Nutzergemeinde verleihen – leider haben Sie es bisher nicht in die Desktop- und Web-Versionen geschafft.

Wer tiefer in die Magie der Bildbearbeitung einsteigen möchte, findet eine reichhaltige Auswahl professioneller Werkzeuge. Ein radialer Filter gesellt sich zu einem Verlaufsfilter inklusive Farbtemperatur, Sättigung, Dynamik, Klarheit, Kontrast und Belichtung sowie Licht- und Schatteneinstellungen. Die eigentlichen Anpassungen verteilten die Entwickler sinnvoll auf sieben Kategorien, die Zugriff zum Beispiel auf die Belichtung, Klarheit und Schärfe, die Rauschreduzierung, Körnung und Randabschattung sowie die Linseneinstellung gestattet. Intuitive Werkzeuge für die Nachbearbeitung der Sättigkeit anhand von HSL-Werten sowie Farbkorrekturen per RGB-Kurven und Tonwerten runden die sehr umfangreichen Manipulationsmöglichkeiten ab. Auf eine Texteingabe müssen „Polarr-isten“ bisher allerdings verzichten.

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Dynamik pur: perspektivische Rotation in Echtzeit.
Dynamik pur: perspektivische Rotation in Echtzeit. (Bild: Screenshot)

Zu gefallen weiß auch das Beschneidungswerkzeug. Es geizt nicht mit Standardformaten auch für den Videoeinsatz der bearbeiteten Bilder und lässt das schnelle Drehen und Spiegeln des aktuellen Materials zu. Noch beeindruckender: Der Winkel der perspektivischen Rotation lässt sich mittels eines virtuellen Rads bedienen, die Änderungen direkt im Arbeitsfenster kontrollieren – kreativer kann man kaum arbeiten.

Polarr 3: Die perfekte Symbiose

Polarr stellt eine perfekte Symbiose aus schneller Foto-Filtermaschine für iPhone und iPad und semiprofessionellem Bildbearbeitungswerkzeug für den Mac dar. Neben der aufgeräumten Oberfläche und der Multiplattform-Unterstützung weiß besonders die schnelle Arbeitsgeschwindigkeit auch auf älteren Macs sowie der schlanke Umfang zu gefallen – da tut auch der Download ohne WLAN-Netz nicht weh. Zumindest die freie Version dieses Programms sollte auf keinem Apple-Gerät fehlen.

Fazit

Ob Gelegenheits-Schnappschuss oder ambitionierte Nachbearbeitung – Polarr ist eine echte Allzweckwaffe.

Testergebnis
ProduktnamePolarr 3
HerstellerPolarr
Preis19,99 $
Webseitewww.polarr.co
Pro
  • sehr intuitive Benutzerführung
  • Qualität der Filter und Werkzeuge
  • umfangreiche Einführung
  • Vorher-Nachher-Vorschau RAW bis 42 MP
  • Preis
Contra
  • kein Textwerkzeug
  • Webversion hat Probleme beim Import sehr großer Bilder
  • „Unsplash“-Filter nur für mobile Apps
Bewertung
1,2sehr gut
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