- Apple bestätigt den Start der neuen Siri für 2026, nachdem Berichte über weitere interne Verzögerungen aufkamen.
- Die geplanten Features wie persönlicher Kontext, Bildschirmerkennung und tiefere App-Integration könnten gestaffelt ausgeliefert werden.
- Apple erwägt eine Partnerschaft mit Google Gemini und hat die Siri-Führung umstrukturiert, um das Projekt zu beschleunigen.
Verzögerungen und interne Herausforderungen
Apple hat gegenüber CNBC bestätigt, dass die grundlegend überarbeitete Version von Siri weiterhin im Jahr 2026 erscheinen soll. Diese Bestätigung erfolgte, nachdem Berichte über mögliche weitere Verzögerungen aufkamen. Ursprünglich sollte die neue Siri bereits im Frühjahr 2025 starten, doch Apple musste im März 2025 einräumen, dass die Assistentin noch nicht bereit sei.
Die Entwicklung verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Apple arbeitete zunächst an einer Hybrid-Architektur, die bestehende Befehle und große Sprachmodelle kombinieren sollte. Diese Lösung erwies sich jedoch als nicht ausreichend leistungsfähig. Software-Chef Craig Federighi erklärte, dass die erste Generation der Architektur zu eingeschränkt war und Apples hohen Ansprüchen nicht genügte. Daraufhin entschied sich das Unternehmen, vollständig auf eine zweite Generation zu setzen, die auf großen Sprachmodellen basiert – ähnlich wie ChatGPT oder Claude.
Diese strategische Neuausrichtung führte auch zu personellen Veränderungen. Apple trennte sich von KI-Chef John Giannandrea in der Siri-Führung und übergab die Verantwortung an Vision-Pro-Chef Mike Rockwell. Die Umstrukturierung sollte die Entwicklung beschleunigen und das Projekt wieder auf Kurs bringen.
Die geplanten Funktionen
Ein Large Language Model ist ein KI-System, das auf riesigen Textmengen trainiert wurde und menschenähnliche Gespräche führen kann. Bekannte Beispiele sind ChatGPT, Claude oder Google Gemini. Apple plant, Siri mit solch einem Modell auszustatten, damit die Assistentin komplexere Anfragen versteht und natürlicher antwortet.
Die neue Siri soll drei Hauptfunktionen erhalten, die Apple bereits bei der Worldwide Developers Conference 2024 vorgestellt hatte. Diese Features sollten ursprünglich schon längst verfügbar sein, wurden aber auf 2026 verschoben.
Persönlicher Kontext wird Siri ermöglichen, E-Mails, Nachrichten, Dateien und Fotos zu durchsuchen und zu verstehen. Nutzende können beispielsweise fragen: „Zeig mir die Dateien, die Eric letzte Woche geschickt hat“ oder „Was ist meine Passnummer?“ Siri wird aus den vorhandenen Informationen lernen und personalisierte Antworten geben können.
Bildschirmerkennung erlaubt es Siri, zu sehen, was gerade auf dem Display angezeigt wird, und entsprechend zu handeln. Wenn jemand eine Adresse per Nachricht schickt, kann man Siri bitten, diese zum Kontakt hinzuzufügen. Oder man kann ein Foto betrachten und Siri auffordern, es an eine bestimmte Person zu senden.
Tiefere App-Integration bedeutet, dass Siri deutlich mehr Aufgaben in und zwischen Apps erledigen kann. Die Assistentin wird in der Lage sein, Dateien zwischen Apps zu verschieben, Fotos zu bearbeiten und zu versenden oder gleichzeitig Wegbeschreibungen abzurufen und die Ankunftszeit zu teilen.
Technische Grundlage und Partnerschaften
Berichten zufolge erwägt Apple, für die neue Siri auf externe Technologie zu setzen. Das Unternehmen soll Tests mit Modellen von OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) durchführen. Besonders interessant ist die mögliche Zusammenarbeit mit Google: Apple zahlt Google angeblich dafür, ein maßgeschneidertes Gemini-Modell zu entwickeln, das auf Apples Private Cloud Compute-Servern läuft.
Diese Partnerschaft würde nicht bedeuten, dass Google-Dienste oder Gemini-Features direkt in Siri integriert werden. Stattdessen würde im Hintergrund ein Gemini-Modell arbeiten, während die Benutzeroberfläche vollständig von Apple gestaltet bleibt. Eine solche Lösung könnte Apple Zeit verschaffen, um parallel an einem eigenen großen Sprachmodell weiterzuarbeiten.
Die Entscheidung für oder gegen externe Partner ist noch nicht gefallen. Apple testet sowohl eigene Modelle als auch Lösungen von Drittanbietern. Diese Unsicherheit hat bereits zu Unzufriedenheit unter Apples KI-Mitarbeitenden geführt. Konkurrenten wie Meta haben die Situation genutzt und mehrere wichtige KI-Ingenieure von Apple abgeworben – mit Gehaltspaketen von bis zu 200 Millionen US-Dollar.
Zeitplan und Ausblick
Apple hat öffentlich nur zugesagt, dass die neue Siri im Jahr 2026 erscheinen wird. Intern zielt das Unternehmen offenbar auf das Frühjahr 2026 mit iOS 26.4 ab. Diese Software-Version könnte im März erscheinen, da Apple traditionell die .4-Updates für bedeutende neue Funktionen nutzt.
Allerdings gibt es Berichte über interne Probleme. Siri soll in Tests manchmal Anfragen nicht korrekt verarbeiten und zu lange für Antworten benötigen. Deshalb ist es möglich, dass Apple die Funktionen gestaffelt ausliefert. Einige Features könnten mit iOS 26.4 kommen, andere erst mit iOS 26.5 im Mai oder sogar erst mit iOS 27 im September 2026.
Trotz der Verzögerungen zeigt sich Apple zuversichtlich. Federighi erklärte bei einem unternehmensweiten Treffen im August, dass die Neugestaltung von Siri erfolgreich verlaufen sei. Die Überarbeitung werde größer ausfallen als ursprünglich geplant. CEO Tim Cook versicherte den Mitarbeitenden, dass Apple die nötigen Investitionen tätigen werde, um im Bereich KI führend zu werden.
Die erste Beta-Version von iOS 26.4 wird voraussichtlich noch im Februar erscheinen. Dann werden Entwickelnde und Testende erstmals konkret sehen können, welche Siri-Funktionen tatsächlich bereitstehen. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob Apple den selbst gesetzten Zeitrahmen einhalten kann – oder ob es zu weiteren Verschiebungen kommt.








