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Der Ursprung des Macintosh-Computers

Die Wurzeln des Mac

Als 1968 Douglas C. Engelbart eine neue Methode zur Bedienung von Computern präsentierte, inspirierte er auch Apple. Dieser Artikel klärt darüber auf, wie vor 50 Jahren die Zukunft begann, ohne einen Paukenschlag. Unentdeckt von den meisten. Ungeahnt sogar von denen, die Zeuge ihres Anbrechens waren.

Es war mit 13 Grad ein ungewöhnlich kühler Tag in San Francisco, dieser 9. Dezember 1968. An diesem Montag gewährte der Computeringenieur Douglas C. Engelbart in einem unscheinbaren Konferenzraum der „Fall Joint Computer Conference“ einen Einblick in ein völlig neues Konzept der Benutzung von Computern. Eine grafische Oberfläche, die die direkte Interaktion mithilfe einer die Tastatur ergänzenden Maus ermöglichte. Nie zuvor wurde etwas Gleichwertiges versucht: Daten stellten sich innerhalb sogenannter Fenster dar, Texte ließen sich direkt am Bildschirm editieren, kopieren und neu einsetzen. Unglaublich!

Eine kurzer Blick in die Vergangenheit: Ende der 1960er-Jahre kostete eine Computeranlage hunderttausende US-Dollar und beanspruchte nicht selten einen Büroraum für sich. Zu ihrer Bedienung waren hochspezialisierte Techniker nötig, die die Geräte mit auf Lochkarten und Magnetbändern festgehaltenen Daten fütterten. Auch der von Engelbart während der Vorführung genutzte Computer füllte einen ganzen Raum und stand fast 50 Kilometer entfernt, um seine Ergebnisse unter Zuhilfenahme einer gemieteten Fernverbindung in San Francisco auszugeben. Aber es war nicht diese damalige Wundermaschine, die der 43-jährige Erfinder demonstrieren wollte. Es war eine radikal neue Idee von der Bedienung eines Computers, die Engelbart erstmals der Welt vorstellte.

Vielleicht war Steven Levy der erste, der fast ein Vierteljahrhundert später die Tragweite dieses kalifornischen Dezembertages erfassen sollte. In seiner 1994 veröffentlichten „Computer-Biografie“ „Insanely Great: The Life and Times of Macintosh, the Computer That Changed Everything“ („Das Leben und die Zeit des Macintosh, dem Computer, der alles veränderte“) bezeichnete der „Newsweek“-Redakteur Engelbarts Präsentation als „die Mutter aller Demos“ und spielte damit wohl bewusst auf die oft irrwitzigen Technik- und Grafikshows der Demoszene an. Gleichzeitig spannte er den offensichtlichen, aber oft vergessenen Bogen zwischen Engelbarts Vorführung und dem Computer, der später der Macintosh werden sollte. Vielleicht ist Douglas Engelbart an diesem 09. Dezember 1968 eine erste Demonstration des Mac gelungen – auch wenn er es wohl kaum ahnen konnte.

Kein Mac-Fan: Douglas C. Engelbart

Douglas C. Engelbart
Douglas C. Engelbart (Bild: SRI International)

So bahnbrechend die Erfindungen und Entwicklungen von Douglas C. Engelbart auch für die heutige Computerbenutzung sind, so unbefriedigend empfand der Vordenker ihre Implementation. Nachdem mehr und mehr seiner Mitarbeiter ab den 1970er-Jahren zu Xerox PARC wechselten und die Finanzquellen des ARC nach und nach versiegten, blieb Engelbart allein mit seiner Entwicklung zurück. Er verkaufte die Rechte am NLS an das Netzwerkunternehmen Tymshare, erhielt jedoch auch hier keine weitere Unterstützung. Zwar erhielt Engelbart eine späte Anerkennung wie den „IEEE Computer Pioneer Award“ im Jahre 1992 und 1997 den prestigeträchtigen „Turing Award“. Gleichzeitig ärgerte es ihn, dass sein Lebenswerk zumeist auf die Erfindung der Computermaus, die er als simples Beiwerk seiner Vision empfand, reduziert wurde. Steve Jobs’ Mac verachtete er aufgrund dessen Konzentration auf Benutzerfreundlichkeit und die WYSiWYG-Darstellung – zynisch wandelte er den Leitsatz in „What You See is All You Get“ um. Engelbart starb im Juli 2013 im Alter von 88 Jahren. Seine Tochter verwaltet sein intellektuelles Erbe im Douglas Engelbart Institute.

Vannevar Bush und der Memex

Engelbarts Ideen kamen nicht von ungefähr. Während seiner gesamten Schaffensperiode inspirierten ihn die Gedanken des Analogrechner-Pioniers Vannevar Bush. In seinem Artikel „As We May Think“ vom Juli 1945 für das Monatsmagazin „The Atlantic“ (das heute pikanterweise Laurene Powell Jobs gehört, der ehemaligen Frau des Apple-Mitbegründers Steve Jobs) prognostizierte der damalige Wissenschaftsberater des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt eine Zeit, in der die gesamte Wissenssammlung der Encyclopedia Britannica auf die Größe einer Streichholzschachtel reduziert werden könne und eine Bibliothek mit mehreren Millionen Büchern nicht mal mehr einen Schreibtisch befüllen würde. Im Grunde sah er die Digitalisierung großer Datenmengen voraus – und extrapolierte aus der noch in den Anfängen steckenden Computertechnologie seiner Zeit die dazu erforderlichen Schritte. In seinem Artikel ersann Bush eine fiktive Maschine: den Memex oder „Memory Extender“. Dabei bewies er einen fast unglaublichen Ausblick: Als Metapher diente ihm ein Schreibtisch, auf dem sich Daten ablegen lassen. Bücher aller Art, Fotos und Zeitschriften könnten so erfasst und archiviert werden. Der Anwender würde statt einer Tastatur ein Eingabemedium wie einen Hebel zur Navigation nutzen. Im darauffolgenden November ergänzte das renommierte „Life“-Magazin einen Auszug des Essays mit einer Illustration, die entfernt an heutige Desktop-Umgebungen von Computern erinnert.

Douglas Engelbart war als junger Radartechniker der US Air Force Ende des Zweiten Weltkriegs auf den Philippinen stationiert, als ihm der Artikel des „Generals der Physik“ („Time Magazine“) Bush in die Hände fiel – und seine Karriere (oder wie er es selbst nannte: seinen Kreuzzug) entscheidend veränderte. Engelbart erlangte einen Ph.D. im sich gerade entwickelnden Feld der Computerwissenschaften, wurde Mitglied eines „Think-Tanks“ namens Stanford Research Institute (SRI) und legte hier in den 1960er-Jahren den Grundstein für das Augmentation Research Center (ARC). Dessen bekanntestes Produkt: das oN-Line System (NLS) – erstmals vorgestellt 1968 auf der Fall Joint Computer Conference.

Von Käfern und Punkten

Zwar lenkte Engelbart die Aufmerksamkeit bei der NLS-Präsentation auf die neuartige Computeroberfläche – die Hardware, die er benutzte, hatten die Teilnehmer jedoch ebenso wenig zuvor erlebt. Unter der US-Patentnummer 3.541.541 1963 erstmals als „X-Y-Positionsanzeiger für ein Bildschirmsystem“ angemeldet, entwickelte der damals nicht einmal 40-Jährige nichts Geringeres als den Vorläufer der heutigen Computermaus – und als dessen Erfinder sollte Engelbart in die Geschichte eingehen. Mittels eines integrierten Potentiometers und zwei Rädern erkannte das Gerät die Nutzerbewegungen, um eine Markierung auf dem Bildschirm zu bewegen. Spätere Versionen vereinfachten die Gestaltung auf eine Kugel – und kamen der ersten Apple-Maus somit schon sehr nah.

Den Namen „Maus“ befand Douglas Engelbart bei seiner NLS-Präsentation indes fast als albern: „Irgendwann haben wir das Gerät so genannt, und dabei ist es geblieben“, sagte er später. Der Name erschließt sich im Zeitalter von Bluetooth-Mäusen nur noch schwer, analoge Versionen erinnerten mit ihrem Kabel-„Schwanz“ und Tasten-„Augen“ jedoch durchaus an die kleinen Nager.

Andere Begriffe des NLS-Systems sind hingegen nicht erhalten geblieben. Den mit der Maus zu bewegenden Cursor bezeichnete das ARC-Team scherzhaft als „Bug“ („Käfer“) – und focht mit zwei Benutzern gleichzeitig wahre Käfer-Kämpfe zur Entspannung am Bildschirm aus. Heute meint ein Computerbug etwas gänzlich anderes. Übrigens handelte es sich bei dem Positionsmarker auf dem Monitor um ein recht grobes Gebilde, das man schlicht als „Tracking-Spot“ („Ortungspunkt“) bezeichnete – der heute gewohnte Mauspfeil lag noch in weiter Zukunft.

Ein Fenster in die Zukunft

Doch was wäre die Computermaus ohne eine grafische Benutzeroberfläche? Und die lieferten Engelbart und sein Team gleich mit: Der Tracking-Spot schwebte während der Präsentation oberhalb eines virtuellen Schreibtischs, der seine Daten in einem Fenstersystem preisgab. Das NLS-Interface teilte sich in unter- und nebeneinander liegende Bereiche auf: Oben links zeigte es ein mithilfe einer gemieteten Standleitung übertragenes Videobild eines ARC-Mitarbeiters, daneben ein Feld zur Eingabe von Kommandos, unten ein für beide Teilnehmer sichtbares Dokument.

Engelbart begann seine Demonstration, indem er Buchstaben und Wörter auf den weißen Hintergrund eingab. Er löschte einige, kopierte sie und setzte sie an anderer Stelle wieder ein. Dann ging er noch weiter: Er erzeugte mehr Text, als der Bildschirm fassen konnte, indem er die Worte aus dem Zwischenspeicher immer wieder einsetzte und verbarg alle Absätze bis auf den ersten – fast wie bei einer modernen grafischen Textverarbeitung. Daraufhin notierte er eine Einkaufsliste, ordnete ihre Bestandteile in verschiedene Gruppen, ließ sie automatisch nummerieren und verbarg sie durch ein Umschalten unter ihren Kategorien. Damit nicht genug: Engelbart ließ auf einem Diagramm die Läden anzeigen, die er besuchen wollte, ordnete die Einträge seiner Einkaufsliste den entsprechenden Geschäften zu und erklärte die Vorteile, Informationen innerhalb einer Datenhierarchie zu verwalten – heute bezeichnet man dieses Erschaffen von logischen Verknüpfungen als Hyperlinking. Der Erschaffer selbst sprach in Anlehnung an Vannevar Bushs Ideen von einem Weg, Gedanken zu organisieren und damit „Informationsstrukturen zu repräsentieren.“

Rechts ist eine frühe Version der Dreitastenmaus zu sehen, die Engelbart entwickelte und die Apple später adaptierte und vereinfachte.
Rechts ist eine frühe Version der Dreitastenmaus zu sehen, die Engelbart entwickelte und die Apple später adaptierte und vereinfachte. (Bild: SRI International)

Computerpionier Alan Kay, der zwischen 1984 und 1997 Mitarbeiter von Apple war und vorher als Forschungsleiter im legendären Xerox Palo Alto Research Center arbeitete, merkte später an, dass einige Konzepte des NLS durchaus schon vorher bekannt gewesen seien, doch erst Douglas Engelbart sie zusammengeführt hätte. Zudem gelang es ihn, die Vision seines Mentors Bush umzusetzen, Computernutzern eine dem menschlichen Denken entsprechende Verbindung zu den zu verarbeitenden Informationen zu ermöglichen.

Und noch ein Detail war zukunftsweisend: Das NLS erlaubte als eines der ersten Systeme das kollaborative Arbeiten an einem Dokument – ähnlich, wie man es heute von iWorks und Google Docs gewohnt ist. Das oN-Line System ermöglichte einem entfernt arbeitenden Kollegen die Einsicht in den Text sowie das Bewegen des Cursors, um auf bestimmte Teile hinzuweisen – auch wenn die maximale Anzahl der Mitarbeiter zunächst mit einem Teilnehmer bereits erreicht war.

Ein Kamerateam unterstützte Engelbarts Präsentation vor Ort. Der eigentliche Computer stand 50 Kilometer von San Francisco entfernt.
Ein Kamerateam unterstützte Engelbarts Präsentation vor Ort. Der eigentliche Computer stand 50 Kilometer von San Francisco entfernt. (Bild: SRI International)

Vom NLS zum Mac

Zwar konnte Douglas Engelbart mit seiner Präsentation viele Fachleute beeindrucken, trotzdem stand das NLS lange Zeit unter keinem guten Stern. Das Augmentation Research Center hatte trotz (oder gerade wegen) seiner zukunftsweisenden Ideen stets mit Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen – und es oblag hauptsächlich seinen Protagonisten, Gelder für das Projekt zu beschaffen. Robert W. Taylor von der NASA etwa unterstützte die Entwicklung der ersten Computermaus, weiteres Kapital kam von der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums. Dessen Direktor J.C.R. Licklider hatte einige Jahre zuvor selbst ein Papier erstellt, in dem er sich für interaktive Computerschnittstellen aussprach. Als Bob Taylor Licklider 1965 als Leiter der ARPA ablöste, kanalisierte er weitere Gelder in Richtung des ARC-Teams.

Innovationsstätte SRI

Das SRI fungiert heute als eigenständiges Unternehmen im Bereich der Naturwissenschaften.
Das SRI fungiert heute als eigenständiges Unternehmen im Bereich der Naturwissenschaften. (Bild: SRI International)

Im Jahr 1946 gründeten Treuhänder der Stanford University das Stanford Research Institute (SRI), das sich unter anderem als eines der ersten Forschungseinrichtungen mit der Luftverschmutzung auseinandersetzte. 1949 richtete es gar das wohl erste Symposium zu dem Thema aus. 
Doch die Arbeit des SRI brachte auch zahlreiche Innovationen im IT- und Technologiebereich hervor. So entwickelte das Institut das erste optische Videolaufwerk als Vorläufer der CD-ROM und DVD und gilt als Vordenker bei der Weiterentwicklung der blauen LED, die später in Blu-Ray-Playern Verwendung finden sollte.
Im Bereich der Computerbedienung lieferte das SRI nicht nur entscheidende Impulse für die grafische Benutzerschnittstelle: Ein Ableger des kalifornischen „Think-Tanks“ präsentierten 2010 nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit im Bereich der Artifiziellen Intelligenz auch den vielleicht ersten im Massenmarkt einsetzbaren Sprachassistenten. Sein Name: Siri. Nach dem Aufkauf der Siri-Technologie integrierte Apple sie im Oktober 2011 in das damals neu vorgestellte iPhone 4s.

Steven Levy beschreibt diese Anfangszeit in seinem Buch so: „Acht Jahre floss das Geld, wenn auch angesichts der Möglichkeiten des Militärs mit höchstens 25 Millionen US-Dollar pro Jahr eher bescheiden. Bis irgendein pedantischer Senator die ARPA zwang, ihre Ausgaben zu begrenzen und nur solche Projekte zu unterstützen, die eine direkte militärische Verwertbarkeit versprachen.“

Doch Taylor kam den Bürokraten zuvor und hatte längst ein neues Forschungszentrum bei dem in Connecticut beheimateten Technologiekonzern Xerox gegründet: das Palo Alto Research Center, besser bekannt unter dem bis heute legendären Namen Xerox PARC, in direkter Nachbarschaft des Stanford Research Institute, an dem auch Engelbart agierte. Taylor engagierte einige der brillantesten Köpfe im noch jungen Feld der Computerwissenschaften, darunter einige Kernmitarbeiter des ARC.

So war es wohl nur logisch, dass eines der ambitioniertesten Projekte von PARC die Weiterentwicklung der mausunterstützten Computerbedienung sein sollte. Das blieb nicht unbemerkt: Im Dezember 1979 klopften die Gründer der vielleicht heißesten Unternehmen aus der neuen Boom-Kultur des Silicon Valley, die zur Zeit der „Mutter aller Demos“ noch Hals über Kopf in ihrer Pubertät steckten, an die Xerox-Tür in Palo Alto: der eine hieß Steven „Steve“ Paul Jobs, der andere William „Bill“ Henry Gates III.

Apple Lisa
Apple Lisa (Bild: Apple)

Und der Rest ist Geschichte?

Der „Rest“ ist in Wirklichkeit eine Sammlung von Mythen. Tatsächlich besuchte der Apple-Mitbegründer Ende der 1970er-Jahre die Zukunftswerkstatt des damaligen Technologie-Riesens. Dass er hier jedoch eindrang und zum ersten Mal mit einer Maus und einer grafischen Benutzeroberfläche konfrontiert wurde und diese Idee später bei „diesem reichen Nachbarn“ (On-Ton Bill Gates) wie ein Freibeuter stahl, darf man jedoch getrost bezweifeln – die chronologischen Daten stimmen mit dieser immer wieder weitererzählten Räuberpistole schlichtweg nicht überein.

Die Wahrheit ist vielmehr, dass sowohl der Lisa-Computer als auch das Macintosh-Projekt relativ weit fortgeschritten waren, noch bevor Jobs und einige seiner Mitarbeiter bei Xerox vorstellig wurden. Dokumente aus dem Herbst 1979, also Monate vor dem PARC-Besuch, belegen, dass die Planung für die neuen Apple-Computer von Anfang an eine benutzerfreundliche Oberfläche sowie ein unterstützendes Eingabegerät vorsahen. Zudem waren viele Apple-Ingenieure schon vor der Stippvisite ihres Chefs mit der Arbeit von Xerox PARC vertraut – einige haben dort sogar mitgearbeitet, bevor sie zu Apple kamen. Andere arbeiteten in den 1960er- und 1970er-Jahren direkt mit Douglas Engelbart am SRI und hatten somit die ersten Gehversuche einer grafischen Oberfläche und der Maus miterlebt.

Es war der damalige Leiter des Macintosh-Projekts, Jef Rasik, der Steve Jobs zu einem Besuch von Xerox PARC überredete, um den zunächst zweifelnden Apple-Chef von dem Ansatz zu überzeugen, den er und sein Team bereits verfolgten. Zudem trat Xerox als Kapitalgeber für Apple auf, Jobs stand also recht pragmatisch in der Pflicht, für die Arbeit seines Geldgebers Interesse zu bekunden.

Trotzdem ist es natürlich keineswegs übertrieben, dass die zahlreichen Innovationen in den PARC-Laboren Apples Ansatz entscheidend beeinflussten und die Abstammungslinie sowohl der Lisa als auch des Mac letztlich von deren Pionierleistung geprägt ist. So entstand das Konzept der modernen Menüführung in den Köpfen der Xerox-Mitarbeiter – das NLS sah zum Aufruf von Kommandos vielmehr traditionelle Tastaturkombinationen und einige akustische Signale als deren Bestätigungen vor. Zudem bot das NLS noch keine echten Fenster, sondern teilte den Bildschirm streng genommen in verschiedene Ein- und Ausgabezonen ein.

Apple verfeinerte Xerox’ Menüansatz, ergänzte die Möglichkeit der direkten Manipulation von sich überlappenden Fenstern und führte das Verschieben von Dateien anhand ihrer Piktogramme ein. Und schließlich überarbeitete der bereits mit dem Consumermarkt vertraute Hersteller Engelbarts unzuverlässige und für Neueinsteiger eher verwirrende Computermaus, reduzierte deren drei Tasten auf eine einzige und die Herstellungskosten von 300 auf 15 US-Dollar pro Stück.

Wer war Bob Taylor?

Unter der Verantwortung von Bob Taylor entstand der erste Laserdrucker sowie der Vorläufer des Internets.
Unter der Verantwortung von Bob Taylor entstand der erste Laserdrucker sowie der Vorläufer des Internets. (Bild: PARC)

Robert W. Taylor (1932-2017) gehört zweifelsohne zu den unbesungenen Helden in der Computergeschichte. Nicht etwa, weil er selbst als Erfinder und Entwickler auftrat, sondern zahlreiche ihrer Schlüsselentwicklungen beaufsichtigte – und das, obwohl Taylor keine formelle Ausbildung im Gebiet der Computerwissenschaften besaß.
Während seiner Tätigkeit als Investitionsmanager im Bereich der bemannten Raumfahrt der US-Weltraumbehörde NASA lieferte er die Finanzierung der ersten Computermaus. Zudem ermöglichte er als Direktor des Büros für informationsverarbeitende Technologien des US-Verteidigungsministeriums bis zum Jahr 1969 die Finanzierung und Entwicklung des ARPANET, das als Vorläufer des heutigen Internets gilt.
Daraufhin gründete er bei Xerox die PARC-Forschungslabore. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1983 entstanden unter seiner Federführung unter anderem der erste Laserdrucker, die kabelgebundene Ethernet-Technologie sowie die Textverarbeitung Bravo – die Microsoft später zu seinem Erfolgsprodukt Word weiterentwickeln ließ, das bis heute den Markt beherrscht.

Hyperspeed im Cyberspace

Douglas Engelbart gebührt jedoch der Titel des wahren Pioniers in der Entwicklung einer grafischen Benutzeroberfläche – mehr noch als den Mitarbeitern der Xerox-PARC-Labore und fairerweise auch weitaus mehr als dem Team um Steve Jobs, der die Technologie intelligent und originär für den Massenmarkt kompatibel gestalten ließ. Autor Steven Levy bezog sich einmal mehr auf die „Mutter aller Demos“ und jenen denkwürdigen Wintertag am 09. Dezember 1968, als er schrieb: „Die Zukunft wurde nicht nur erklärt, sie war anwesend, als Engelbart seine Zuhörer in Hyperspeed durch den Cyberspace pilotierte“. Seitdem haben wir einen weiten Weg zurückgelegt – und Apple setzte die Wegmarken mit Meilensteinen von der Lisa über den Mac(intosh) bis hin zum iPhone und iPad. Doch es war Douglas Carl Engelbart, der die Richtung vorgab.

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Tja, die glorreiche Xerox Parc Geschichte war nur ein nettes Märchen. Wer hat es erfunden? Apple. Nur das iPad gab es schon ... im Film „Odyssee im Weltraum“! :D