Wer das iPad Air mit M4 zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird zunächst enttäuscht sein – zumindest, wer äußerlich Neues erwartet hat. Die schmale Silhouette mit 6,1 Millimetern Bauhöhe, das Alugehäuse und die vier Farbvarianten Blau, Violett, Polarstern und Space Grau sind identisch geblieben. Doch der Eindruck täuscht, unter der vertrauten Hülle steckt ein besserer Motor.
Im Alltag fällt die gesteigerte Leistung auch tatsächlich auf. Apps starten spürbar schneller. Wer in iPadOS 26 mehrere Fenster gleichzeitig nutzt, profitiert vom komplett überarbeiteten und flüssigen Fenstermanagement. In unserem Test haben wir das 13-Zoll-Modell mit Mobilfunk parallel mit Safari, Pages, Pixelmator Pro und der Dateien-App belastet, ohne dabei Verzögerungen zu bemerken. Die Kombination aus M4-Chip und 12 GB gemeinsamem Arbeitsspeicher, 4 GB mehr als noch im Vorgängermodell, sorgt dafür, dass selbst anspruchsvolle Workflows nicht ins Stocken geraten. Wo beim Vorgänger mit M3 gelegentlich Apps im Hintergrund neu laden mussten, bleibt beim M4 alles zuverlässig im Speicher.
Apple Intelligence bewies sich im Test besser als sein Ruf. Apples KI-Lösung vermag etwa Texte auf Knopfdruck umzuschreiben, zusammenzufassen oder Korrektur zu lesen – vieles passiert auf dem Gerät, rechenintensivere Funktionen werden über Apples datenschutzkonforme Private-Cloud-Compute-Infrastruktur abgewickelt. Die Schreibwerkzeuge funktionieren mittlerweile auch auf Deutsch und liefern brauchbare Ergebnisse. Auch das Zusammenspiel mit dem Pencil Pro funktioniert: Die Quetsch-Geste etwa zum Werkzeugwechsel in Procreate oder Notizen ist nach kurzer Eingewöhnung ein echter Produktivitätsgewinn. Wer das Magic Keyboard anschließt, bekommt mit dem Keyboard samt 14-Tasten-Funktionsreihe und dem Trackpad ein überzeugendes Notebook-Erlebnis. Der Aufpreis von 349 Euro ist zwar happig, verwandelt das Air aber nahezu in einen vollwertigen Laptop.
Tolle Technik
Der M4-Chip ist das Herz des Updates. Die 8-Kern-CPU mit drei Performance- und fünf Effizienzkernen liefert laut Apple bis zu 2,3-mal mehr Leistung als der M1. In unseren Geekbench-Tests lag das iPad Air nur wenige hundert Punkte hinter dem aktuellen iPad Pro mit M5. Die 9-Kern-GPU mit hardwarebeschleunigtem Raytracing macht sich vor allem bei Spielen bemerkbar: Resident Evil 4 und Assassin’s Creed Mirage liefen im Test flüssig und ohne die Ruckler, die beim Vorgänger gelegentlich auftraten. Die 16-Kern-Neural-Engine ist dreimal schneller als beim M1 und damit bestens gerüstet für die wachsenden Anforderungen im Bereich der KI.
Neu ist im iPad Air außerdem der Apple-eigene N1-Funkchip, der Wi-Fi 7, Bluetooth 6 und das Smarthome-Protokoll Thread unterstützt. Im Cellular-Modell steckt zudem das hauseigene C1X-Modem, das laut Apple bis zu 50 Prozent schnellere Datenraten liefert als der Vorgänger und dabei 30 Prozent weniger Energie verbrauchen soll. Im Test waren die Mobilfunkgeschwindigkeiten durchgehend beeindruckend, für uns waren eher Netzqualität und verfügbare Geschwindigkeit im Vertrag limitierende Faktoren.
Das Liquid-Retina-Display bleibt unverändert gut – mit P3-Farbraum, True Tone, Antireflexbeschichtung und bis zu 600 Nits Helligkeit beim 13-Zoll-Modell. Das heißt aber auch: ProMotion mit 120 Hertz sucht man weiterhin vergeblich. Die 60 Hertz fallen beim Scrollen und bei schnellen Animationen auf, vermutlich der deutlichste Bereich, in dem das Air hinter dem Pro zurückfällt. Auch Face ID bleibt dem Pro vorbehalten. Die Touch-ID-Einschalttaste funktioniert zwar zuverlässig, ist aber weniger komfortabel, insbesondere wenn das iPad im Magic Keyboard steckt.
Die Akkulaufzeit gibt Apple mit bis zu zehn Stunden an. Im Alltag kamen wir mit dem 13-Zoll-Gerät problemlos durch den Arbeitstag.

Für wen lohnt es sich?
Wer von einem iPad Air mit M1 oder älter kommt, bekommt mit dem M4 ein gewaltiges Upgrade: schnellerer Chip, mehr Arbeitsspeicher, bessere Konnektivität sprechen für einen Wechsel. Für Nutzerinnen und Nutzer eines M3-Modells ist der Sprung hingegen überschaubar: Der Leistungszuwachs von rund 30 Prozent macht sich nur bei rechenintensiven Aufgaben bemerkbar, Wi-Fi 7 bringt nur dann Vorteile, wenn der heimische Router es unterstützt. Studierende, Kreative und alle, die ein Tablet suchen, das im Alltag einen Laptop ersetzen kann, finden im iPad Air das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der gesamten iPad-Familie.
Alternativen? Nun, das iPad Pro mit M5 weckt mit OLED-Display, ProMotion mit 120 Hertz, Face ID und dem Vier-Lautsprecher-System einiges an Begehrlichkeiten, kostet aber mindestens 1.449 Euro für die 13-Zoll-Variante und damit 600 Euro mehr als das Air. Auf der Android-Seite ist das Samsung Galaxy Tab S10 FE+ der engste Konkurrent, das allerdings in Benchmarks hinter dem iPad Air zurückbleibt. Wer komplett auf Tablet-Funktionen verzichten kann, bekommt mit dem neuen MacBook Neo ein vollwertiges Notebook schon ab 699 Euro – ohne Touchscreen allerdings.
Würdiges Upgrade
Apple hat an den richtigen Stellschrauben gedreht: mehr Leistung, mehr Speicher, bessere Konnektivität, gleicher Preis. Wer nicht auf OLED, ProMotion oder Face ID angewiesen ist, bekommt hier das beste iPad für die allermeisten Nutzenden. Das Air war schon immer das iPad der Vernunft, mit dem M4 ist es das iPad der klugen Entscheidung.
»Das iPad Air ist das iPad der Vernunft. Wer im Apple Store mit dem Pro liebäugelt, sollte vorher nüchtern vergleichen: In der Praxis ist das Pro nur marginal besser, aber deutlich teurer. Den Unterschied spürt man bei Display und Face ID. Für alles andere überzeugt das Air. Meine klare Kaufempfehlung für alle, die mehr wollen als ein Basis-iPad, aber keine 1.449 Euro ausgeben möchten.«
Fazit
Das iPad Air mit M4 ist das beste iPad für die allermeisten Nutzenden, es bietet Pro-Leistung im schlanken Gehäuse. Wer auf OLED und Face ID verzichten kann, bekommt ein Tablet, das kaum Kompromisse macht und die Lücke zum iPad Pro nahezu vollständig schließt.
| Produktname | iPad Air M4 |
|---|---|
| Hersteller | Apple |
| Preis | 849 € |
| Webseite | www.apple.de |
| Pro |
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| Contra |
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| 1,2sehr gut |








