Apple steht vor erheblichen Herausforderungen durch stark steigende Speicherkosten, die sich zunehmend auf das Geschäft des Unternehmens auswirken werden. CEO Tim Cook kündigte während des jüngsten Quartalsberichts an, dass Apple im laufenden Quartal mit „deutlich höheren Speicherkosten“ rechnet – und die Situation wird sich voraussichtlich weiter verschärfen.
- Apple erwartet im Juni-Quartal deutlich höhere Speicherkosten, die sich zunehmend auf das Geschäft auswirken werden.
- Die KI-Industrie treibt die Nachfrage nach Speicherchips in die Höhe, Hersteller priorisieren profitable Server-Komponenten statt Consumer-Hardware.
- Apple will die iPhone-18-Preise trotz steigender Kosten stabil halten und die Verluste über das Services-Geschäft ausgleichen.
Warum die Speicherpreise explodieren
Die dramatischen Preissteigerungen bei Arbeitsspeicher und Flash-Speicher haben ihre Ursache in der massiven Nachfrage durch die KI-Industrie. Chip-Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron priorisieren die Produktion von High-Bandwidth-Memory für KI-Server, da diese Verträge deutlich profitabler sind als das Geschäft mit Speicher für Consumer-Geräte. Die Hersteller arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze, können aber die Nachfrage nicht decken – was die Preise in die Höhe treibt.
Laut Analysen von TrendForce könnten die Preise für konventionelles DRAM im laufenden Quartal um bis zu 95 Prozent steigen, NAND-Preise um bis zu 60 Prozent. Eine Analyse der Financial Times geht davon aus, dass Speicher bis 2027 bis zu 45 Prozent der iPhone-Komponentenkosten ausmachen könnte – verglichen mit etwa zehn Prozent heute.
Apples Strategie: Kosten absorbieren statt Preise erhöhen
High-Bandwidth-Memory ist eine spezielle Form von Arbeitsspeicher, die für extreme Datenübertragungsraten optimiert ist. HBM wird hauptsächlich in KI-Servern und Hochleistungsrechnern eingesetzt, wo massive Datenmengen verarbeitet werden müssen. Die starke Nachfrage nach HBM für KI-Anwendungen führt dazu, dass Chip-Hersteller ihre Produktionskapazitäten von Consumer-Speicher wie LPDDR auf HBM umstellen.
Während des Quartalsberichts erklärte Cook, dass die höheren Speicherkosten bisher teilweise durch bestehende Lagerbestände ausgeglichen werden konnten. Sobald diese Vorräte aufgebraucht sind, werden die Kosten für Apple jedoch deutlich steigen. Der CEO kündigte an, dass das Unternehmen eine „Reihe von Optionen“ prüfe, gab aber keine Details zu konkreten Maßnahmen bekannt.
Analyst Ming-Chi Kuo geht davon aus, dass Apple die Startpreise für das iPhone 18 trotz steigender Komponentenkosten stabil halten wird. Die Strategie: Apple will die höheren Kosten zunächst absorbieren, um Marktanteile zu gewinnen, und plant, die Verluste über das Services-Geschäft wieder auszugleichen. Kuo betont, dass Apple aufgrund seiner starken Verhandlungsposition und langjährigen Lieferantenbeziehungen besser positioniert ist als die meisten Wettbewerber.
Erste Auswirkungen bereits sichtbar
Die Auswirkungen der Speicherkrise sind bei Apple bereits spürbar. Das Unternehmen hat die 512-GB-RAM-Upgrade-Option für den Mac Studio gestrichen und den Preis für das 256-GB-Upgrade erhöht. Einige Mac-Studio- und Mac-mini-Konfigurationen mit höheren RAM-Kapazitäten sind derzeit nicht bestellbar, bei verfügbaren Modellen gibt es außergewöhnlich lange Lieferzeiten.
Die neuen MacBook-Air- und MacBook-Pro-Modelle, die Anfang März vorgestellt wurden, sind ebenfalls teurer als ihre Vorgänger – allerdings rechtfertigte Apple die Preiserhöhungen mit mehr Speicherplatz in den Basismodellen. Die Kosten für RAM-Upgrades blieben überraschenderweise unverändert.
Auswirkungen auf die gesamte Branche
Während Apple aufgrund seiner Premium-Positionierung und hohen Gewinnmargen vergleichsweise gut aufgestellt ist, trifft die Speicherkrise andere Hersteller härter. Samsung erhöhte kürzlich die Preise mehrerer Smartphones und Tablets in den USA – ein Zeichen dafür, dass auch große Hersteller die steigenden Kosten nicht mehr vollständig absorbieren können.
Laut IDC wird der globale Smartphone-Markt 2026 um 13 Prozent einbrechen, von 1,26 Milliarden auf 1,1 Milliarden verkaufte Geräte. Besonders günstige Android-Smartphones werden stark betroffen sein. IDC-Analystin Nabila Popal spricht von einer „seismischen Verschiebung“ im Markt und erwartet keine Entspannung vor Mitte 2027.
Langfristige Perspektiven
Die Speicherknappheit könnte auch langfristige Auswirkungen auf Apples Produktstrategie haben. Gerüchte über einen gestaffelten Launch-Zyklus für das iPhone 18 werden teilweise mit den Lieferengpässen in Verbindung gebracht. Statt die gesamte Produktpalette im Herbst zu veröffentlichen, könnte Apple nur die Pro-Modelle im September auf den Markt bringen und günstigere Varianten erst im Frühjahr 2027 folgen lassen.
Selbst wenn sich die Situation entspannt, erwarten Experten nicht, dass die Speicherpreise auf das Niveau von 2025 zurückkehren werden. Dies könnte zu einer dauerhaften Verschiebung hin zu höheren Smartphone-Preisen führen – eine Entwicklung, die die gesamte Branche nachhaltig verändern dürfte.








