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Digitales Fernsehen unter macOS und iOS

DVB-T2 HD am Mac & iPad: HD-Fernsehen überall genießen

Mit der Einführung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T2-HD versprechen die Anbieter kabelloses HD-Fernsehen – unabhängig vom Standort. Funktioniert das auch mit einem Apple-Gerät? Wir haben gleich mehrere Produkte unterschiedlicher Hersteller ausprobiert, darunter neben USB-Sticks auch einen Netzwerk-Tuner, mit dem Sie noch weitaus mehr anstellen können.

Ende März dieses Jahres wurde das Antennenfernsehen DVB-T ab- und das hochauflösende DVB-T2 HD eingeschaltet. Statt den Tatort also in 720 mal 576 Pixeln zu sehen, stehen mit der HD-Variante 1.920 mal 1.080 Pixel zur Verfügung. Das wirkt sich vor allem positiv auf die Bildqualität aus. Zudem steht mehr Sendern diese Art der Übertragung dank der neuen Technik zur Verfügung. Statt also wie bisher knapp 30 Sender per DVB-T zu empfangen, sind es mit dem neuen Standard rund 40. Leider ist die neue Übertragungsart nicht kompatibel zur alten. Bisherige DVB-T-Empfänger sind in Deutschland nunmehr Elektroschrott. Gleiches gilt für DVB-T2-Empfänger aus dem Ausland. Während die Welt bei DVB-T2 auf die H.264-Kompression setzt, kommt in Deutschland das leistungsfähigere H.265 zum Einsatz.

Was ist DVB?

Grundsätzlich gibt es die drei Fernsehübertragungsarten DVB-C, DVB-S und DVB-T. DVB steht für „Digital Video Broadcasting“. Der Buchstabe „C“ steht für den Empfang per Kabelanschluss, „S“ für Satellit und „T“ für terrestrisch, also für Antenne. Die beim „S“ und dem „T“ angehängte 2 steht für die jeweilige zweite Generation.

Laut Werbung müssen Sie beim Kauf einfach auf das grüne Freenet-Logo auf dem Empfänger achten. Das ist aber genau genommen nur nötig, wenn Sie daran interessiert sind, RTL, SAT1 und die anderen privaten Sender zu konsumieren. Denn die setzten bei DVB-T2 auf eine Verschlüsselung. Die kostenpflichtige Entschlüsselung hat man hingegen in die Hände von Freenet gelegt. Ab 5,75 Euro pro Monat erhalten Sie eine Smartcard oder einen Code für die Entschlüsselung. Dafür muss Ihr Empfänger natürlich die passenden Voraussetzungen erfüllen. Wollen Sie nur ARD, ZDF und deren Tochtersender sehen, ist das Logo nicht nötig, die H.265 oder auch HEVC genannte Fähigkeit aber schon.

Die Kandidaten

Kommen wir zur Praxis. Das Testfeld setzt sich aus allen uns bekannten DVB-T2-HD-fähigen Tunern für den Mac zusammen. Da wäre der Eyetv-T2-Hybrid vom Platzhirschen Geniatech, der die Produktpalette von Elgato übernommen hat. Der kleine USB-Stick kann DVB-T2 und DVB-C jeweils unverschlüsselt empfangen und wird zusammen mit der Lizenz für EyeTV 3 ausgeliefert. Der zweite Vertreter ist der TVButler von Dvblogic. Auch dieses Modell ist ein USB-Stick für DVB-T- und DVB-C-Empfang. Die passende Software Dvblink laden Sie kostenlos aus dem Internet. Der dritte Kandidat ist der Freenet-TV-USB-TV-Stick mit der kostenlosen Software Freenet-TV-Player aus dem Internet. Als einziger Kandidat kann dieser die privaten Sender empfangen – den ersten Monat sogar kostenfrei. Für die Freischaltung wird lediglich ein Code, aber keine Smartcard benötigt. Abgerundet wird das Feld vom Octopus Net von Digital Devices. Der Netzwerktuner kann DVB-C, -S2 und T2 empfangen und stellt den Stream im lokalen Netzwerk zur Verfügung. Dazu enthält sein auffallend massives Metallgehäuse einen 5-Port-Gigabit-Switch. Im Gegenzug wird er ohne Software ausgeliefert und im Test mit der kostenpflichtigen Software SAT>IP-Viewer von Christian Hackbarth betrieben.

Alle Probanden müssen ihre Qualitäten an einer Dachantenne aus den 1970er-Jahren, der One4All-SV9455-Außenantenne und der One4All-SV9495-Zimmerantenne unter Beweis stellen. Die letzten beiden stellen die Empfänger auf eine harte Probe, denn laut dem offiziellen Informationsportael „dvb-t2hd.de“ benötigen wir an unserem Teststandort eine Dachantenne.

Kommentar: Kinderkrankheiten

Seit etwas über zehn Jahren nutze ich DVB-T, doch ein Umstieg auf DVB-T2-HD fällt mir schwer. Zwar gibt es funktionierende Lösungen, aber ausgereift ist keine davon. Das meiste Potenzial hat der Octopus Net, weil er zum einen allen Übertragungsarten offen gegenübersteht und zum anderen das Signal geräteunabhängig im lokalen Netzwerk zur Verfügung stellt. In Kombination mit der ausgereiften EyeTV-Software wäre das toll.

Doch derzeit haben alle Lösungen mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, die möglicherweise in Zukunft beseitigt werden. Neben Abstürzen und schwachem Empfang stört vor allem die hohe Prozessorauslastung: Bei allen Receivern sind es durchschnittlich rund 250 von 400 möglichen Prozent. Die gleiche Sendung via DVB-S benötigt hingegen nur 18 Prozent Rechenleistung, also nicht einmal ein Zehntel. Würden die Hersteller die Grafikkarte zum Dekodieren nutzen, ginge dies erheblich energiesparender vonstatten. Gerechnet auf eine Folge Tatort drückt sich der Stromverbrauch schon fast in Euro aus. Das ist zu viel. Vor allem, weil bei dieser Rechenlast die Lüfter anspringen und so den Fernsehspaß tatkräftig zu verhindern wissen.

Stellen die Hersteller dieses Manko ab und bringen einen Tuner in der Qualität des Octopus mit einer Software des EyeTV auf den Markt, steht dem Genuss der öffentlich-rechtlichen Sender via DVB-T2 nichts mehr im Wege. Ob Ihnen die privaten Sender im Jahr fast 70 Euro wert sind, müssen Sie allerdings entscheiden.

Die Einrichtung

Bevor es losgeht, müssen Sie die Receiver an den Rechner respektive ins Netzwerk einbinden, die Software installieren und die beiden Komponenten miteinander verknüpfen. Was in der Theorie einfach klingt, wird nur von Geniatech problemlos beherrscht. Mit Abstrichen auch von Freenet, da Sie sich dort vor der Benutzung auf der Webseite registrieren müssen. Dvblogic setzt bei der Software auf ein Server-Client-Gespann, welches das Signal auch im Netzwerk zur Verfügung stellt – oder besser stellen sollte. Die Einrichtung des Servers setzt ein wenig technisches Verständnis voraus und ist alles andere als Mac-typisch, was vor allem an der wenig mitteilsamen Oberfläche mit vielen unverständlichen Optionen liegt. Dafür erkennt die Software nicht nur den TVButler, sondern auch andere Tuner im Netzwerk – getestet mit dem Octopus Net und dem Netstream4Sat von Elgato. Mit dem Octopus war allerdings kein Empfang möglich. Die Ursache ist ungeklärt und wird noch erforscht, muss aber nicht an der Software liegen. Der Empfänger von Digital Devices kommt völlig ohne Software daher, was Sie dazu nötigt, sich selbst darum zu kümmern. EyeTV unterstützt den Octopus leider nur bei der Verwendung von DVB-S, der SAT>IP-Viewer aus dem Mac-App-Store aber auch beim DVB-T2-gucken. Dessen Einrichtung und die Verwendung ist schnell gemacht.

Freenet TV

Der etwas unpassende Name Freenet TV steht für die Vermarktung der privaten TV-Sender in HD-Qualität. Während der HD-Empfang der öffentlich-rechtlichen Sender mit der Haushaltsabgabe abgedeckt ist, zahlen Sie für den Empfang der privaten Sender zurzeit eine Gebühr. Pro Monat fallen 5,75 Euro oder pro Jahr 69 Euro pro Gerät an. Dafür erhalten Sie die Erlaubnis zum Entschlüsseln der privaten Sender per Smartcard oder Code.

Freenet-TV-Software
Freenet-TV-Software (Bild: Hersteller)

Sat>IP Viewer von Christian Hackbarth
Sat>IP Viewer von Christian Hackbarth (Bild: Hersteller)

Dvblogic Dvblink
Dvblogic Dvblink (Bild: Hersteller)

Geniatech Eyetv
Geniatech Eyetv (Bild: Hersteller)

Die Software

Geniatechs EyeTV lässt sich Mac-typisch per Maus oder Tastatur steuern. Sie bekommen zudem einen vierzehntägigen „Electronic Program Guide“, also einen elektronisch aufbereiteten Programmführer, frei Haus. Sendungen können Sie pausieren, in Zeitlupe abspielen sowie vor- und zurückspulen. Mit Wiedergabe- und Aufnahmelisten, auf Wunsch auch intelligent – vergleichbar den iTunes-Pendants. Senderwechsel funktionieren mit geringer Verzögerung. Sie können unterschiedliche Kriterien für intelligente Aufnahmen oder regelmäßige Wiederholungen, zum Beispiel bei Serien, festlegen. Die anderen drei Programme verzichten auf diverse entsprechende Eigenschaften. Intelligente Aufnahmen kann sonst keiner, und der Freenet-Player verzichtet sogar auf jegliche Art von Aufnahme. Die mitgelieferten EPGs sind sehr rudimentär und beim Freenet-Player sogar nur statt des Fernsehbilds einsehbar. Außerdem beschränkt er die Anzeige nur auf die aktuelle Sendung. Freenet hält auch einen Eingriff in die Wiedergabe nicht für nötig. Pausieren, Spulen und Aufnehmen von Sendungen ist nicht vorgesehen. Senderwechsel sind nur über ein Einblendmenü möglich. Mit dem SAT-IP-Server können Sie aus dem EPG Aufnahmen programmieren und laufende Sendungen pausieren. Der EPG von Dvblink bietet eine vierzehntägige Übersicht und kann auch Serien automatisch aufnehmen. Die Oberfläche ist gewöhnungsbedürftig, aber durchaus gut nutzbar. Jedoch macht der zugrundeliegende Server in unregelmäßigen Abständen Probleme, sodass der Player die Wiedergabe verweigert. Ein Neustart des Servers ist nur als „Root“ möglich, aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Am Ende müssen Sie einen Neustart des Rechners machen, um den TVButler wieder nutzen zu können. Dem Player fehlt eine Spul- und eine Pausenfunktion.

One4all SV9495: Aktive Zimmerantenne mit 54 db Verstärkerleistung.
One4all SV9495: Aktive Zimmerantenne mit 54 db Verstärkerleistung. (Bild: Hersteller)

One4all SV9455: Aktive Außenantenne mit 52 db Verstärkerleistung und zehn Meter Koaxialkabel.
One4all SV9455: Aktive Außenantenne mit 52 db Verstärkerleistung und zehn Meter Koaxialkabel. (Bild: Hersteller)

Die Empfangsstärke

Bei der Nutzung der Dachantenne ist dem Opctopus und dem Freenet-Stick nichts vorzuwerfen. Der Geniatech-Stick schwächelt – wahrscheinlich bedingt durch die Software – beim Empfang von Programm mit einer Dolby-Digital-Plus-Tonspur, also aller ZDF-nahen Sender. Der DVBLogic-Stick bietet ein gemischtes Bild. Meist gibt es keine Probleme, aber manchmal bricht das Bild vor lauter Artefakten zusammen und wird zu einer grauen Fläche. Der Ton läuft dabei weiter. An die Außenantenne angeschlossen, stellt der TVButler den Betrieb nahezu ein. Alle anderen Receiver lassen sich davon nicht beeindrucken. Vom Anschluss an die Zimmerantenne bleibt lediglich der Octopus unbeeindruckt. Der Freenet-Stick kommt ab und zu ins Stocken und der EyeTV-T2-Stick bricht immer wieder für kurze Zeit die Wiedergabe ab. Der TVButler empfängt gar kein Signal mehr.

Die Ausstattung

Ginge es nur nach der Hardware, ist der Octopus Net uneinholbar weit vorn. Er beherrscht alle DVB-Formate, bringt einen 5-Port-Gigabit-Switch mit und sendet sein Signal ins lokale Netzwerk. Er kommt als einziges Modell ohne Software und Mini-Zimmerantenne daher. Für den Test nutzen wir den SAT>IP-Viewer, der nur bedingt überzeugt. Ihm fehlen eine intelligente Aufnahmefunktion sowie ein brauchbarer EPG. Das alles bietet Eyetv, die mit Abstand beste Software im Test. Der passende USB-Stick von Geniatech kann DVB-C und -T empfangen und die mitgelieferte Zimmerantenne mag für ein Ballungsgebiet in der Nähe eines Senders ausreichen. Gleiches gilt für den TVButler von Dvblogic. Lediglich die Software fällt ab. Es gibt nur einen rudimentären EPG – und die versprochene Konnektivität zum iPad ist zurzeit schlichtweg nicht existent. Der Freenet-Stick beherrscht zwar nur das DVB-T2-Signal, aber darum geht es hier ja auch. Als einzige Lösung sehen Sie damit auch die privaten Sender in HD. Der EPG ist brauchbar, aber aufnehmen oder pausieren können Sie die Sendungen nicht.

DVB-T2-HD erklärt

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T2-HD ermöglicht Ihnen – je nach Region – den Empfang von bis zu 40 Fernsehsendern in HD-Qualität. Alle Sender senden nur noch in HD-Qualität. Dabei sehen Sie die öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD, ZDF, Phoenix und KiKa ohne weitere Kosten. Für die privaten Sender wie RTL, Sat.1 und ProSieben benötigen Sie eine Smartcard oder einen Code von Freenet-TV und einen passenden Empfänger. Der deutsche DVB-T2-HD-Standard ist nicht mit den anderen DVB-T2-Standards kompatibel. Ihr Empfänger muss explizit für das deutsche DVB-T2-HD HEVC oder H.265 geeignet sein.

Die richtige Antenne

Um überhaupt in den Genuss von DVB-T2 zu kommen, benötigen Sie die richtige Antenne. Je nach Standort kann das eine Zimmer-, Außen- oder eine Dachantenne sein. Dabei ist die Reihenfolge aufsteigend. Eine Dachantenne geht also immer, auch wenn diese aus der Röhrenfernseher-Zeit stammt. Möglicherweise müssen Sie allerdings den Antennenverstärker aktualisieren. Welche Antenne Sie benötigen, sehen Sie auf der Webseite „dvb-t2hd.de/empfangscheck“. Die bisherigen DVB-T-Antennen sind kompatibel zu DVB-T2-HD. Für den Test haben wir eine alte Dachantenne unbekannter Bauart, die aktive Außenantenne SV9455 von One4All mit 52 dB Verstärkerleistung und die aktive Zimmerantenne SV9495 von One4All mit 54 dB Verstärkerleistung verwendet. Je stärker die Antenne, desto besser die Bildqualität, denn bei schwachem Signal stocken die Sendungen und die Bilder bekommen unschöne Artefakte bis zum vollständigen Zusammenbruch der Übertragung.

Fazit

Wenn Sie keine Satellitenschüssel besitzen und auch ein Kabelanschluss nicht zur Verfügung steht, ist DVB-T2-HD eine Alternative, die meistens gut funktioniert, aber noch diversen Kinderkrankheiten eine Heimat bietet. Die beste Hardware liefert Digital Devices (Gesamtnote 1,6), die beste Software Geniatech (Gesamtnote 1,7), die privaten Sender gibt es nur bei Freenet (Gesamtnote 2,1) und Dvblogic (Gesamtenote 2,7) ist die günstigste Lösung, um auf dem iPad fernzusehen – wenn es denn funktionieren würde. Die Alternativen aus dem kostenfreien DVB-S und den kostenpflichtigen Online-Diensten machen die Wahl nicht einfacher.

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Und USB-C … für ein Macbook / MacBook Pro?

Ich habe keinen Mac, finde den Artikel aber übersichtlich.
Mein Medion -Fernseher hat jetzt 63 Sender gefunden. Ausser dass die Macher versucht haben eine Gelddruckmaschine zu installieren sind die "neuen" Sender nur mit Werbung vollgesstopft. Die brauche ich nicht.
Mfg Th aus Berlin