Smart Gardening

Worauf du beim Kauf von Mährobotern achten musst – und welche Produkte deinen „smarten Garten“ noch cleverer machen

Nach per App steuerbaren Lampen waren Staubsaugroboter der zweite große Treiber für das Thema Smarthome. Mindestens so attraktiv sind aber automatische Rasenmäher.

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Roboter machen alles besser! Natürlich nur, so lange sie nicht die Macht übernehmen und die Menschheit auslöschen. Bis dahin aber machen sie erst einmal alles besser.

Ein Paradebeispiel dafür befindet sich vielleicht schon in Ihren eigenen vier Wänden. Und wenn nicht bei Ihnen zu Hause, dann wetten wir, dass Sie zumindest eine Person im Freundeskreis besitzen, die schon auf seine Dienste zurückgreift: Die Dienste eines Staubsaugroboters!

Das Onlineportal für Markt- und Meinungsforschung Statista schätzt, dass die Hersteller in diesem Jahr knapp 13 Millionen Haushaltsroboter absetzen. Damit würde sich die Verkaufszahl seit 2015 praktisch verdoppeln. In die Rubrik fallen nicht nur Staubsaugroboter, sondern auch solche, die zum Beispiel die Fenster oder andere vertikale Glasflächen, etwa Duschkabinen, reinigen. Die überwiegende Anzahl dieser Geräte dürfte sich allerdings dem Staub widmen.

Apple HomeKit

Mit Apples Smarthome-Lösung schränken Sie sich in der Auswahl ein, erfahren aber ein klares Komfortplus in der Bedienung.

So oder so: Roboter nehmen uns zunehmend Arbeit ab, die wir selbst oft nur ungern verrichten. Wobei besonders das Staubsaugen für manchen auch einen meditativen Charakter haben mag.

Mähroboter: Roboter in den Garten!

Das gilt für viele auf jeden Fall auch für das Rasenmähen, was sich rein von der Tätigkeit her letztlich nur sehr unwesentlich vom Staubsaugen unterscheidet: Man schiebt ein lärmendes Gerät durch die Gegend – und wenn man jede Ecke der zu bearbeitenden Fläche erreicht hat, sieht es dort besser aus als vorher.

Ersetzt man die rotierenden Bürsten des staubsaugenden Roboters kurzerhand durch Klingen, hat man eigentlichen schon einen Mähroboter. Gut, die Klingen sollten besser geschützt sein als die Bürsten und das Gehäuse muss noch wetterfest ausgestaltet werden. Aber das Prinzip ist zumindest sehr ähnlich.

Das erkennen auch immer mehr neue und altbekannte Hersteller von Gartenzubehör. Dabei scheint die Entwicklung schneller voranzuschreiten als sie es bei den staubsaugenden Robotern tat – vermutlich auch, weil man eben nicht bei null anfängt.

Wasser marsch! Oder eben auch nicht. Mit Smarthome-Ventilen können Sie die Sprinkleranlage bequem steuern.
Wasser marsch! Oder eben auch nicht. Mit Smarthome-Ventilen können Sie die Sprinkleranlage bequem steuern. (Bild: Hersteller)

Die Speerspitze der in Deutschland erhältlichen Mähroboter bilden die üblichen Verdächtigen: Bosch, Husqvarna, Gardena – wobei letztgenannter Hersteller bereits seit 2007 Teil der Husqvarna Group ist. Man darf also davon ausgehen, dass man sich hier eine Technologieplattform teilt.

Funktionsprinzip von Mährobotern

Günstige Mähroboter, die trotzdem etwas taugen, liegen aktuell noch bei einem Straßenpreis von 500 Euro und aufwärts und können dabei eine Fläche von 250 bis 300 Quadratmetern Rasenfläche bearbeiten. Teurere Modelle, die sich auch für größere Gärten eignen, unterscheiden sich meist nur in der Größe des verbauten Akkus. Lassen Sie etwa einen 500-Euro-Mähroboter den Rasen eines Fußballfeldes mit gut 5.000 Quadratmetern stutzen, muss der automatische Mäher wahrscheinlich so viele Ladepausen einlegen, dass Sie niemals einen ebenmäßig geschnittenen Rasen vorfinden werden.

Wo der Mähroboter seiner Aufgabe nachgehen darf und wo nicht, erkennt er übrigens an einem Draht, den Sie zunächst etwa zehn Zentimeter tief im Boden verlegen müssen und der sich durch Anschluss an die Basisstation des Roboters unter Strom setzen lässt. Grundsätzlich lässt sich dieser Draht (befestigt mit Heringen, wie Sie sie vielleicht von Zelten kennen) auch oberirdisch verlegen, was unser Erfahrung nach allerdings nur zu Problemen führt. Die Arbeit, den Draht zu vergraben, lohnt sich.

Erreicht der Roboter bei seiner Fahrt durch den Garten diesen Draht, fährt er nicht weiter, sondern wendet und mäht in anderer Richtung weiter. Das geschieht, wie auch bei den allermeisten Staubsaugrobotern, vermutlich nach dem Chaosprinzip.

Teurere Modelle, wie etwa der Husqvarna Automower 430X mit einem Preis von 3.200 Euro, kommen darüber hinaus mit einem GPS-Modul daher. Die so erlangten Positionsdaten dienen aber lediglich dazu, bereits gemähte Stellen nicht erneut abzufahren und somit die Mähdauer insgesamt zu verkürzen. Eine Lösung, die voll auf GPS setzt und auf einen Leitdraht im Boden verzichtet, ist uns nicht bekannt.

Alle von uns bislang getesteten oder ausprobierten Mähroboter leiden indes an derselben Krankheit wie ihre staubsaugenden Kollegen: Manchmal finden sie nicht nach Hause. Dabei kann es zu kuriosen Situationen kommen: Unser aktuelles Testgerät von Gardena meldet in schöner Regelmäßigkeit den Fehler „Ladestation blockiert“ an die zugehörige App. Bei einem Blick in den Garten und auf den um 90 Grad verdreht auf der Basisstation parkenden Mähroboter möchte man ihm dann immer ein mehr oder minder freundliches „Und zwar durch dich!” entgegenrufen.

Wie ist das Ergebnis der Arbeit eines Mähroboters?

Aber bei allen noch vorhandenen Unzulänglichkeiten der Technik (vor einer baldigen Machtübernahme zumindest durch Mähroboter müssen wir uns also nicht fürchten) gilt, was schon Bundeskanzler Kohl wusste und zu einem Bonmot geformt hat: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt!”

Und das ist bei Mährobotern eine Menge. Denn in aller Regel arbeiten diese nicht mit einem Fangkorb für das Schnittgut, sondern nach dem „Mulch-Prinzip“: Der Rasen wird so oft gemäht, dass sich die Länge der abgeschnittenen Grashalm-Schnipsel eher in Millimetern denn in Zentimetern messen lässt. Was abgeschnitten wird, bleibt liegen und düngt den Rasen.

Das erfordert zwar, dass der Roboter gleich mehrfach in der Woche loslegt. Aber erstens sind Mähroboter für gewöhnlich deutlich leiser als der Rasenmäher, den Sie per Hand durch den Garten schieben. Und zweitens ist er auf Ihre Anwesenheit nicht angewiesen und lässt sich zum Beispiel so programmieren, dass er in jedem Fall mit dem Mähvorgang fertig ist, bevor Sie nach Hause kommen.

Auch Bewässerung eine Option im „Smart Garten“

Zum Glück sind nicht alle smarten Geräte, die Sie in Ihrem Garten zum Einsatz bringen können, derart komplex und erklärungsbedürftig. Die Versorgung Ihrer Pflanzen und Rasenflächen mit ausreichend Wasser ist ein weiteres Thema, bei dem Sie moderne Technik unterstützen kann.

Mit „Aqua“ hat Eve ein Hilfsmittel im Angebot, das Sie einfach zwischen Wasserhahn und Schlauch zum Sprinkler installieren – und schon ist Ihre Bewässerungsanlage intelligent im Sinne von zeitgesteuert.

Etwas smarter ist da schon das „Smart Sensor Control Set“ von Gardena. Neben einem Gerät, das den Wasserfluss ähnlich wie Eve Aqua reguliert, erhält man hier auch noch einen Bodensensor. Dieser misst nicht nur die Temperatur und Lichtstärke am Einsatzort, sondern zudem die Feuchtigkeit im Boden und kann so einen wertvollen Indikator liefern, dessen Messwerte Ihnen dabei helfen wollen, den Garten nicht zu trocken aber auch nicht zu feucht geraten zu lassen.

Wetterstationen ergänzen das Smart-Garten-Setup

Was allen uns geläufigen Bewässerungssystemen fehlt, ist die Einbeziehung von Wetterdaten. Prognostiziert der Wetterbericht für 12:30 Uhr ohnehin einen längeren Regenschauer, ist es kontraproduktiv, den Garten morgens um 8:00 Uhr bereits künstlich zu bewässern. Wirklich smart wäre es daher, in Kenntnis des Wetterberichts abzuwarten und zum Beispiel den Luftdruck und natürlich auch die tatsächliche Niederschlagsmenge im Auge zu behalten, um angemessen zu reagieren.

Dabei gäbe es schon so praktische und obendrein noch optisch attraktive Lösungen – etwa von Netatmo. Für 240 Euro bekommt man ein Set, bestehend aus je einem Modul für den Innen- und Außeneinsatz sowie einem Regenmesser. Und tatsächlich ist die Netatmo-Wetterstation HomeKit-kompatibel (und funktioniert darüber hinaus mit Amazon Alexa und dem Automatisierungsdienst IFTTT), sodass andere ebenfalls eingebundene Geräte relativ einfach auf die Daten zugreifen könnten. Das wäre nicht nur für Bewässerungssysteme, sondern natürlich auch für Mähroboter interessant, damit sie nach zwei Tagen Dauerregen vermutlich mehr kaputtmachen, als einem lieb sein kann, wenn sie den Matsch aufwühlen.

Smarte Steckdosen – im Garten aber bitte wetterfest

Es gibt durchaus Ansätze verschiedener Hersteller, sich auch in Sachen Garten in HomeKit einzunisten. Gardena etwa hat schon erste Gehversuche in dieser Richtung unternommen: Outdoor-Steckdosen und Bewässerungssysteme lassen sich bereits in die Apple-Lösung integrierten – Rasenmäher leider noch nicht. Allerdings sieht Apple diese auch nicht als Produktkategorie in HomeKit vor – ebenso wenig übrigens wie Staubsaugroboter.

Wie schon im Innenbereich, so ist auch draußen das Schöne an sogenannten smarten Steckdosen, dass sie nicht nur selbst „Intelligenz“ besitzen, sondern auch andere Geräte schlauer machen. Im Garten können davon vor allem Beleuchtungsinstallationen von der Lampe bis zur Lichterkette profitieren, die Sie fortan per App oder in Abhängigkeit von anderen Geräten ein- und ausschalten und die Teil einer Anwesenheitssimulation im Urlaubsfall werden können.

Gardena hat inzwischen mehrere Smart-Garden-Produkte im Portfolio, die teilweise auch miteinander kommunizieren.
Gardena hat inzwischen mehrere Smart-Garden-Produkte im Portfolio, die teilweise auch miteinander kommunizieren. (Bild: Gardena)

Kein Garten? Kein Problem!

Es gibt einen neuen Trend, dem Sie vielleicht noch nicht begegnet sind: Indoor-Gardening. Einer der Vorreiter ist die Firma Emsa mit „Click & Grow“. In Deutschland gehört Bosch mit „Smartgrow“ zu den Unternehmen, die am schnellsten mit einem eigenen Produkt am Start waren. Das Konzept ist dabei denkbar einfach: Man bestellt den „Indoor Garden“, der meist aus einer Plastikschale und einem höhenverstellbaren Lichtsystem besteht. Dazu ordert man die Samen für die gewünschten Pflanzen, die – etwa Bosch – in Kapseln auf Steinwolle liefert, sodass Sie nicht einmal mehr Erde benötigen. Um die Bewässerung kümmern sich die Systeme für gewöhnlich ebenfalls.

Diese Indoor-Gärten eignen sich dabei nicht nur für Menschen, die eher über einen braunen als über einen grünen Daumen verfügen. Denn so ein Garten, bestehend aus Zier- oder Nutzpflanzen, ist in Küche oder Wohnzimmer auch durchaus ein dekoratives Element.

Fazit: Das taugen Mähroboter

Wirklich intelligent verhält sich keines der heute verfügbaren smarten Garten-Gadgets. Jeden menschlichen Assistenten, der sich ähnliche Unzulänglichkeiten leistete, würde man nach dem zweiten Arbeitstag entlassen.

Praktisch sind sie dennoch, die pseudo-smarten Gartenhelfer. Denn selbst wenn Sie den Mähroboter von Zeit zu Zeit per Hand korrekt auf der Ladestation positionieren müssen, ist das immer noch deutlich weniger Aufwand, als den Rasen selbst zu mähen.

Noch einmal deutlich interessanter wird das Ganze, wenn das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten noch besser funktionieren würde. Im Haus ist das häufig schon der Fall: Hier können verschiedenste Geräte auf einen Sensor reagieren und in Abhängigkeit von anderen Geräten agieren. Bis das auch im Garten der Fall ist, wird nicht mehr allzu viel Zeit vergehen.

Was uns auf absehbare Zeit erhalten bleibt, sind die vergleichsweise hohen Preise für Smarthome-Geräte im Außenbereich. Diese lassen sich durch den höheren Anspruch an Robustheit und natürlich auch den Bedarf an wasserfesten, wenn nicht gar wasserdichten Gehäusen erklären.

Trotzdem ist jetzt, mit Beginn des Frühjahrs, genau der richtige Zeitpunkt, sich mit modernen Gartenhelfern auseinanderzusetzen. Auch wenn Sie zu dem Schluss kommen sollten, dass der „smarte Garten“ noch kein Thema für Sie ist. Manchmal zahlt sich das Warten auf bessere Technologie schließlich aus.

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Wer bitte soll so lange Texte lesen? Davon abgesehen: seitdem unsere MähRoboter unseren schlafenden Dackel ermordet hat, kommt so ein Mistding uns nicht mehr ins Haus.

Es gibt sehr viele Gründe die gegen Mähroboter sprechen.
1. Aufgrund des dramatischen Artensterbens (Pflanzen-Insekten-Vögel) sollte vermieden werden, dass die Pflanzen nicht mehr zum Blühen kommen. So haben nicht einmal Gänseblümchen eine Chance.
2. Kleintiere wird damit zusätzlich der Garaus gemacht.
3. Igel werden ebenfalls öfters Opfer dieser Roboter
4. Zusätzlich zu den grünen Wüsten, die das ständige Mähen hinterlässt, wird es gesellschaftsfähig und findet Nachahmer. So wird man am Ende das Problem nicht los. Ist wie bei den unansehnlichen und ökologisch katastrophalen mit Kies zugeschütteten Vorgärten (Stichwort "Gärten des Grauens")

Leute werdet endlich faul im Garten und lasst auch mal was wachsen. Man kann ja einen Teil des Gartens als Spielwiese anlegen und muss nicht alles platt machen.

Also wegen mir, kann der Artikel wieder weg ;-)

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