Wachstum um jeden Preis

Kolumne: In der Not frisst der Apfel Fliegen

In der Not frisst der Apfel Fliegen. Auf der Consumer Electronic Show kündigte Samsung an, zukünftig iTunes auf firmeneigenen Fernsehern anzubieten. Ein Paradigmenwechsel, wie Kolumnist Frank Krug in seiner aktuellen Kolumne für Mac Life feststellt. Vor Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen, doch seit einiger Zeit zeigt sich Apple unglaublich offen. Des Geldes wegen?

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Unglaublich aber wahr: Apple und Samsung, deren Beziehung bislang eher durch Patentstreitigkeiten denn durch Liebesbekundungen geprägt war, kündigen eine Zusammenarbeit an. Das hört sich wie ein Märchen an. Es ist aber ebenso wahr wie die Tatsache, dass bei der diesjährigen Handball-WM erstmals nord- und südkoreanische Spieler in einer Mannschaft zusammenspielen. Warum sollte den Kaliforniern nicht ähnlich Epochales gelingen wie den Koreanern? Zumal beide nicht aus spontaner Zuneigung zueinandergefunden haben, sondern aus blanker wirtschaftlicher Notwendigkeit. Und das wirtschaftliche Band einer Ehe erfahrungsgemäß länger hält als eine Verbindung aus purer Leidenschaft.

Tim Cook hat scheinbar endlich erkannt, dass er sich den Luxus einer elitären Abschottung nicht länger leisten kann. Wenn Apple zukünftig weiter bei der digitalen Gestaltung des Alltags mitmischen will, muss es den selbst errichteten Elfenbeinturm schleunigst verlassen und sich unters gemeine Fußvolk mischen. Denn bereits die Preisgestaltung der eigenen neuen Produkte dringt in Grenzbereiche vor, die sich mit Gewalt gegen alle Marktgesetze stemmen. Wie lange die Apple-Anhängerschaft da noch mitgeht, ist fragwürdig.

Die Meldungen über rückgängige Absatzzahlen im Hardwarebereich deuten jedoch eine Trendwende an. Amazon, Google und selbst die Deutsche Telekom mit ihrem neuen MagentaTV bieten inzwischen Systeme an, die fremde Dienste integrieren. Sich wie im Fall von Apple TV extra eine eigene Set-Top-Box anschaffen zu müssen, um iTunes-Inhalte auf dem Fernseher zu streamen, erscheint da wie ein überholtes Modell aus der Vorzeit. Der Anwender möchte auf einem Gerät die Möglichkeit haben, auszuwählen, welche Dienste er nutzen will.

Wer diese Flexibilität nicht anzubieten vermag, wird zukünftig schlichtweg keine Rolle mehr spielen. Selbst Sky musste wohl oder übel zusätzlich zum üblichen Pay-TV-Modell mit langen Vertragslaufzeiten das Modell „Sky-Ticket“ mit monatlicher Kündigungsfrist anbieten.

Zu guter Letzt geht jetzt endlich auch Apple fremd. Wenn diesem Entschluss nun möglichst bald auch die Produktion eigener Inhalte folgt, ist das Rennen wieder offen – auch wenn Amazon mit deutlichem Vorsprung auf die Zielgerade geht. Alle oben genannten Anbieter produzieren längst selbst qualitativ hochwertige Filme und Serien, die auf firmenfremder Hardware abrufbar sind. Apple muss hier nun schnell liefern. Dass sie dies können und auch in der Lage sind, Maßstäbe zu setzen, haben sie einst mit Pixar bewiesen. Nur ist dies leider schon eine Erfolgsgeschichte aus der „guten alten Zeit“, in der Streaming-Boxen in Space-Grau noch große Begeisterungsstürme hervorrufen konnten.

Frank Krug ist freier Autor, lebt in Berlin und schreibt regelmäßig für die Mac Life.

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Der Apfel ist am verfaulen, da kommen die Fliegen ganz von selbst!

Ich bin raus! Mir ist Apple zu teuer und qualitativ zu schlecht geworden.

Meine Begeisterung fürs iPhone X hielt genau 4 Wochen, dann musste es getauscht werden, wegen einem defekten Display. Mein vorerst letztes Apple Produkt!

Gestern habe ich ein Tablet eines anderen Herstellers gekauft, das hat ein Amoled Display, dünne Ränder, Dolby Atmos mit 4 Lautsprechern und kostete die Hälfte von einem iPad Pro.

Ich finde es sehr schade aber die Luft ist bei mir definitiv raus. Bei neuen Produkten bin ich immer skeptisch was für Mängel mich erwarten könnten, also lasse ich es lieber ganz bleiben!

Lieber Legomio. Willst du schon aufgeben? Da haben wir uns zwischendurch vortrefflich gestritten... Zugegeben ich habe seit zwei Jahren ein Huawei und wir werden auch sicher unsere iPads nicht mehr durch neue von Apple ersetzen, aber wir müssen schon dranbleiben, irgendwie wenigstens. Irgendwann ist der Cook weg und möglicherweise können wir dann wieder hoffen, dass Apple erkennt was sie zu tun haben. Die neuen Dienste sind für die Katz und zwar allesamt, aber das ist der Unfähigkeit des innovationslosen Tim Cook geschuldet und ich hoffe die fallen so richtig auf die Schnauze damit. Aber du hast schon recht, wir sollten aufhören all diesen endlosen Scheiss dieser Firma zu kaufen und uns aber wenigstens noch auf deren ursprünglichen Kernprodukte konzentrieren, also sprich die Macs, nein nur noch die iMacs. Den Pro kann man ja auch in die Tonne kloppen, die Preise sind ja nur noch eine Frechheit, da hast du völlig recht! Der Rest ist ja auch kopfloser Müll, den man eigentlich gar nicht wirklich braucht! Letzt' endlich sind die Rechner da um zu arbeiten und deshalb liebe ich auch meine Sammlung an Bleistiften. Schnell mal zu greifen und einfach zu handhaben. So sollte es sein.

Luxus der elitären Abschottung? Quatsch, in den Zeiten vor Bluetooth und Airplay hatte ich einmal ein Samsung-Homecinema mit Apple-Dock (damals noch der 30-Pin). In Zeiten der Smart-TVs die App in die Geräte zu bringen, ist also keineswegs ein noch nie dagewesener Schritt.

Randnotiz: das Gerät war während der Garantiezeit so oft in Reparatur, dass ich seitdem einen grossen Bogen um Samsung mache ;-)

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