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Musikdownloads statt Streaming

iTunes Store erlebt überraschendes Comeback – dank Taylor Swift und Co.

Während Musikstreaming längst den Markt bestimmt, erlebt Apples iTunes Store eine unerwartete Renaissance. Künstler wie Taylor Swift, Ariana Grande und Charli XCX nutzen exklusive digitale Veröffentlichungen, um Fans zum Kauf zu bewegen und ihre Platzierungen in den Musikcharts zu verbessern.

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Eigentlich schien die Zeit klassischer Musikdownloads längst vorbei zu sein. Streamingdienste wie Apple Music und Spotify haben den Musikkonsum grundlegend verändert. Doch ausgerechnet der iTunes Store, der in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung verloren hat, erlebt offenbar eine neue Nachfrage. Verantwortlich dafür sind vor allem bekannte Popstars, die den digitalen Musikverkauf für exklusive Veröffentlichungen wiederentdecken.

Herbst-Angebot

Quickread: Auf einen Blick
  • Der iTunes Store gewinnt durch exklusive Musikveröffentlichungen wieder an Bedeutung.
  • Taylor Swift, Ariana Grande und weitere Popstars setzen auf digitale Sondereditionen.
  • Zusätzliche Musikverkäufe können die Platzierung in den Albumcharts verbessern.
  • Apple hatte die klassische iTunes-App auf dem Mac 2019 eingestellt, nicht aber den Musikshop.
  • Streaming bleibt das dominierende Geschäftsmodell der Musikbranche.

Wie die Financial Times berichtet (via), setzen Künstler wie Taylor Swift, Ariana Grande, Charli XCX, Doja Cat, Summer Walker und Tinashe gezielt auf Inhalte, die ausschließlich über den iTunes Store erhältlich sind. Dazu gehören zusätzliche Songs, Liveaufnahmen und besondere Albumversionen, die Fans nicht ohne Weiteres bei den üblichen Streamingdiensten finden.

Exklusive Musikdownloads sollen die Charts verbessern

Hinter dieser Strategie steckt mehr als der Verkauf zusätzlicher Musik. Digitale Käufe können sich unmittelbar auf die Platzierung eines Albums in den Musikcharts auswirken. Während beim Streaming zahlreiche Wiedergaben erforderlich sind, um die gleiche Gewichtung zu erreichen, zählt ein verkaufter digitaler Tonträger als vollständige Albumeinheit.

Albumcharts erklärt!

Albumcharts zeigen, welche Musikalben innerhalb eines bestimmten Zeitraums besonders erfolgreich sind. In den USA fließen neben klassischen Albumverkäufen auch digitale Downloads und Streamingabrufe in die Berechnung ein. Ein verkauftes Album zählt dabei als vollständige Albumeinheit. Beim Streaming müssen dagegen viele einzelne Wiedergaben zusammenkommen, um denselben Wert zu erreichen. Deshalb können gezielte digitale Verkäufe die Chartplatzierung eines Albums verbessern.

Ein Beispiel liefert Ariana Grande. Laut Financial Times veröffentlichte die Sängerin eine exklusive Liveversion eines Albums über den iTunes Store. Die zusätzlichen Verkäufe trugen dazu bei, dass das zugehörige Album in den US-Charts von Platz 15 auf Platz sechs kletterte.

Auch Taylor Swift setzt auf diese Strategie. Bei einem ihrer jüngsten Alben sollen physische und digitale Verkäufe in der ersten Veröffentlichungswoche in den USA stärker zum kommerziellen Ergebnis beigetragen haben als die Streamingabrufe.

Charli XCX wiederum nutzt den iTunes Store, um ausgewählte zusätzliche Songs exklusiv anzubieten. Damit erhalten besonders interessierte Fans einen Anreiz, Musik auch dann zu kaufen, wenn sie bereits für einen Streamingdienst bezahlen.

Warum der iTunes Store wieder interessant wird

Für Musiklabels und Künstler bietet der klassische Downloadverkauf gleich mehrere Vorteile. Exklusive Veröffentlichungen sprechen besonders engagierte Fans an, die bereit sind, zusätzliches Geld für besondere Inhalte auszugeben.

Gleichzeitig können solche Aktionen kurzfristig neue Aufmerksamkeit für bereits veröffentlichte Alben erzeugen. Das ist insbesondere dann interessant, wenn sich ein Album schon mehrere Wochen in den Charts befindet und die Streamingzahlen nachlassen.

Die Financial Times berichtet allerdings auch von unterschiedlichen Einschätzungen innerhalb der Musikbranche. Nicht jeder Künstler verfügt über eine Fangemeinde, die regelmäßig zusätzliche digitale Albumversionen kauft. Außerdem besteht das Risiko, Fans mit immer neuen exklusiven Veröffentlichungen zu verärgern.

Apple hatte iTunes auf dem Mac bereits 2019 abgelöst

Bemerkenswert ist die Entwicklung auch mit Blick auf Apples eigene Softwaregeschichte. Im Jahr 2019 verabschiedete sich das Unternehmen mit macOS Catalina von der klassischen iTunes-Anwendung auf dem Mac. Ihre Aufgaben wurden auf separate Programme für Musik, Podcasts und TV-Inhalte verteilt.

Der iTunes Store selbst wurde allerdings nie eingestellt. Musik lässt sich weiterhin digital kaufen und herunterladen, auch wenn Apple mit seinem Streamingdienst Apple Music inzwischen ein anderes Geschäftsmodell in den Mittelpunkt stellt.

Das aktuelle Interesse bedeutet deshalb keine Rückkehr der alten iTunes-Anwendung. Vielmehr erhält der weiterhin bestehende Musikshop durch eine veränderte Veröffentlichungsstrategie der Musikbranche neuen Auftrieb.

Für Apple könnte das eine zusätzliche Einnahmequelle stärken, ohne dass das Unternehmen dafür größere Änderungen an seinem bestehenden Angebot vornehmen müsste. Ob die Entwicklung über besonders erfolgreiche Popstars hinaus Bestand hat, lässt sich anhand der bisherigen Beispiele allerdings noch nicht beurteilen.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Ein grundlegendes Comeback des klassischen Musikdownloads ist derzeit nicht zu erkennen. Vielmehr entdecken große Künstler den iTunes Store als zusätzlichen Vertriebskanal für besonders kaufbereite Fans. Die Strategie zeigt, dass digitale Musikverkäufe trotz der Dominanz von Streaming weiterhin wirtschaftlich interessant sein können. Vor allem die Auswirkungen auf die Albumcharts machen exklusive Downloads attraktiv. Für Apple ist das eine erfreuliche Entwicklung, die allerdings wenig daran ändern dürfte, dass Streaming für die meisten Musikhörer die bevorzugte Form des Musikkonsums bleibt.

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