iPhone Duo: iFixit findet mögliche Ursache für Display-Schäden
Apples erstes faltbares iPhone ist erst seit wenigen Tagen erhältlich, doch bereits kurz nach dem Marktstart tauchten Berichte über beschädigte Innendisplays auf. Betroffene Besitzer berichten von Rissen entlang der Faltstelle und hellen Linien auf dem Bildschirm. Teilweise sollen die Schäden bereits nach wenigen Faltvorgängen aufgetreten sein.
Die Reparaturexperten von iFixit haben das iPhone Duo inzwischen vollständig zerlegt und sich dabei insbesondere das Scharnier und den Aufbau des faltbaren Displays angesehen. Die Untersuchung liefert erste Hinweise darauf, wodurch die gemeldeten Schäden entstehen könnten. Eine eindeutige Ursache konnten die Experten allerdings noch nicht nachweisen.
- iFixit untersucht erste Display-Schäden am iPhone Duo
- Scharnierkonstruktion als mögliche Ursache identifiziert
- Staub kann weiterhin in den Faltmechanismus eindringen
- Akkus und Außendisplay vergleichsweise einfach austauschbar
- Vorläufig fünf von zehn Punkten für die Reparierbarkeit
Scharnier könnte Display unter Druck setzen
Für die Untersuchung hat iFixit ein dreidimensionales Modell des Scharniers erstellt. Grundlage waren unter anderem CT-Aufnahmen, Patentunterlagen und Aufnahmen aus der Demontage. Anschließend verglichen die Experten den mechanischen Aufbau mit den Stellen, an denen bislang Display-Schäden gemeldet wurden.
Dabei fiel eine Gemeinsamkeit auf: Die betroffenen Bereiche liegen überwiegend in der Nähe eines Übergangs zwischen der Aussparung für ein Verbindungskabel und der zentralen Scharnierstütze. Dort treffen mehrere Bauteile und Kanten aufeinander, die das flexible Display während des Faltvorgangs unterschiedlich unterstützen.
Eine mögliche Erklärung wäre, dass sich ein bewegliches Element des Scharniers beim Zusammenklappen nicht vollständig zurückzieht. Dadurch könnte punktuell Druck auf das Display entstehen und empfindliche Strukturen beschädigen.
Auch kleine Fremdkörper, wiederholte mechanische Belastung oder ein Fertigungsfehler kommen als Ursache infrage. iFixit betont, dass sich anhand der bisherigen Erkenntnisse noch keine definitive Aussage treffen lässt.
Ein faltbares OLED-Display besteht aus mehreren dünnen und flexiblen Schichten. Anders als bei klassischen Smartphone-Bildschirmen kommt dabei kein starres Deckglas über die gesamte Displayfläche zum Einsatz.
Beim Öffnen und Schließen müssen sich die einzelnen Schichten unterschiedlich stark biegen und teilweise gegeneinander bewegen können. Das Scharnier unterstützt diesen Vorgang und verteilt die mechanische Belastung.
Entsteht an einer Stelle zu viel Druck oder wird die Bewegung behindert, können empfindliche Displaystrukturen beschädigt werden. Sichtbare Folgen sind beispielsweise Linien, Pixelfehler oder Risse im Bereich der Faltstelle.
Staub gelangt weiterhin ins Scharnier
Neben den Display-Schäden untersuchte iFixit auch, wie gut das iPhone Duo gegen eindringende Partikel geschützt ist. Dafür setzten die Experten das Gerät einem fluoreszierenden Pulver aus und betätigten anschließend mehrfach den Faltmechanismus.
Die Untersuchung zeigte, dass die Abdichtungen den Großteil der Partikel von der internen Elektronik fernhalten. Im Scharnier fanden sich allerdings dennoch Staubspuren. Die eingedrungenen Partikel verursachten beim Bewegen des Mechanismus hörbare Geräusche.
Im Vergleich zum Samsung Galaxy Z Fold8 und Google Pixel 11 Pro Fold gelangte bei ähnlichen Untersuchungen weniger sichtbares Pulver in das Scharnier des iPhone Duo. Vollständig geschützt ist der Faltmechanismus damit aber nicht.
Ob eingedrungene Partikel tatsächlich für die bereits gemeldeten Display-Schäden verantwortlich sind, lässt sich daraus nicht ableiten.
Apple setzt auf eine austauschbare Display-Oberfläche
Interessant ist auch der Aufbau des faltbaren Innendisplays. Apple verwendet mehrere übereinanderliegende Schichten, die sich beim Öffnen und Schließen gegeneinander bewegen können.
Die oberste Schicht besitzt eine spezielle Nanotextur. Diese soll Reflexionen reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Falte im Display weniger auffällt.
Bei der Demontage konnte iFixit diese Oberflächenschicht vom darunterliegenden Display trennen. Das ist ausdrücklich Teil des Reparaturkonzepts: Die Schutzschicht lässt sich austauschen, ohne zwangsläufig das gesamte OLED-Panel ersetzen zu müssen.
Allerdings sollten Besitzer die Schicht keinesfalls selbst entfernen. Anders als eine gewöhnliche Displayschutzfolie ist sie Bestandteil des vorgesehenen Displayaufbaus.
Akku lässt sich überraschend einfach entfernen
Bei der Reparierbarkeit hinterließ das iPhone Duo in mehreren Bereichen einen positiven Eindruck. Besonders die beiden Akkus überzeugten die Experten.
Apple verwendet einen elektrisch lösbaren Klebstoff, der bereits bei früheren iPhone-Modellen zum Einsatz kam. Durch das Anlegen einer geringen elektrischen Spannung lässt sich die Klebeverbindung lösen. Die Akkus können anschließend ohne aufwendiges Hebeln oder Verbiegen entnommen werden.
Auch das äußere Display ließ sich vergleichsweise unkompliziert und ohne Beschädigung entfernen. Das ist wichtig, weil zahlreiche Reparaturen am Gerät über diese Seite erfolgen.
Weitere Bauteile wie Kameras und Komponenten der Ladeelektronik sind ebenfalls gut erreichbar. Weniger erfreulich ist dagegen der Austausch des faltbaren Innendisplays oder des Scharniers. Beide Reparaturen erfordern deutlich mehr Aufwand.
iFixit vergibt fünf von zehn Punkten
Insgesamt erhält das iPhone Duo von iFixit eine vorläufige Bewertung von fünf von zehn Punkten für die Reparierbarkeit. Damit schneidet es besser ab als die bislang untersuchten faltbaren Smartphones von Samsung und Google, die jeweils vier Punkte erreichten.
Die Bewertung ist allerdings noch nicht endgültig. iFixit wartet unter anderem auf die Verfügbarkeit offizieller Ersatzteile, bevor die Reparierbarkeit abschließend beurteilt werden kann.
Das größte Problem bleibt das empfindliche Innendisplay. Sollte es außerhalb der Garantie beschädigt werden, können Kosten von 1.149 Euro für einen vollständigen Displayaustausch anfallen.
Die Untersuchung zeigt damit zwei unterschiedliche Seiten des iPhone Duo: Während Apple einige Reparaturen gegenüber anderen Foldables deutlich vereinfacht hat, bleiben das Scharnier und das faltbare Display technisch anspruchsvolle und potenziell kostspielige Komponenten.

Die frühen Berichte über Display-Schäden sind dennoch ein Punkt, den Apple ernst nehmen sollte. Die Untersuchung von iFixit liefert eine technisch nachvollziehbare Erklärung, aber noch keinen Beweis für einen grundsätzlichen Konstruktionsfehler. Auch ist bislang unklar, wie viele Geräte tatsächlich betroffen sind.
Für Käufer bleibt vor allem das mögliche Kostenrisiko relevant. Ein gut reparierbares Gerät hilft schließlich nur bedingt, wenn ausgerechnet sein empfindlichstes Bauteil besonders teuer ausgetauscht werden muss.









