WWDC

Apple stellt Siri AI vor – aber iPhone-Nutzer in der EU müssen warten

Apple hat Siri AI vorgestellt, eine neu entwickelte Version seiner Sprachassistenz. Sie soll stärker mit Apps, persönlichen Inhalten und dem sichtbaren Bildschirminhalt arbeiten – auf iPhone und iPad aber zunächst nicht in der EU starten.

Von   Uhr

Apple hat mit Siri AI eine neue Version seiner Sprachassistenz vorgestellt. Sie basiert auf Apple Intelligence und soll deutlich stärker in das Betriebssystem eingebunden sein als die bisherige Siri-Version. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen ein besseres Verständnis persönlicher Kontexte, Antworten auf Basis von Webinformationen, Bildschirmverständnis und eine eigene Siri-App für frühere Gespräche.

BenQ MA270S vs. Apple Studio Display: Der günstigere gewinnt?

Beide bieten 27 Zoll und 5K, zwischen ihnen liegen aber 700 Euro Preisunterschied. Was der BenQ besser kann, was er vermisst lässt und für wen er die richtige Wahl ist: unser ausführlicher Test.

→ BenQ MA270S im Test

Quickread: Auf einen Blick
  • Apple hat Siri AI als neue Version seiner Sprachassistenz vorgestellt
  • Siri AI versteht Bildschirminhalte, persönliche Kontexte und Webinformationen
  • Eine eigene Siri-App speichert frühere Gespräche geräteübergreifend
  • Entwickler können die Funktionen ab sofort testen
  • Auf iPhone und iPad startet Siri AI in der EU zunächst nicht

Nach Angaben von Apple können Nutzer Siri AI künftig Fragen zu Inhalten stellen, die gerade auf dem Bildschirm sichtbar sind. Die Assistenz soll außerdem Informationen aus Nachrichten, E-Mails, Fotos und weiteren Apps berücksichtigen können. Als Beispiele nennt Apple das Wiederfinden einer Restaurantempfehlung aus einer Nachricht, einer Hotelbestätigung aus einer alten E-Mail oder bestimmter Fotos von einer Reise.

Stärker ins System eingebunden

Siri AI soll nicht nur Antworten liefern, sondern auch Aktionen über Apps hinweg ausführen. Apple nennt etwa das Entwerfen einer E-Mail, das Bearbeiten und Teilen von Fotos oder das Ablegen einer Rezeptidee in der Notizen-App. Auf iPhone-Modellen lässt sich die neue Assistenz weiterhin per „Hey Siri“ oder Seitentaste starten, zusätzlich aber auch über eine Wischgeste von der Dynamic Island.

Auf iPad und Mac wird Siri AI in Spotlight integriert. Dort sollen Nutzer Fragen stellen oder über Kontextmenüs Inhalte wie Bilder, Dateien und Texte analysieren lassen können. Auf der Apple Vision Pro ist eine räumliche 3D-Darstellung vorgesehen, die sich im Sichtfeld platzieren lässt.

Private Cloud Compute als Datenschutz-Baustein

Technisch setzt Apple auf eine neue Architektur für Apple Intelligence. Ein Teil der Verarbeitung soll direkt auf dem Gerät laufen, komplexere Anfragen können über Private Cloud Compute verarbeitet werden. Apple betont, dass persönliche Daten dabei nicht gespeichert und auch nicht für Apple zugänglich gemacht werden sollen.

Private Cloud Compute erklärt!

Private Cloud Compute ist Apples Ansatz, komplexere KI-Anfragen nicht nur direkt auf dem Gerät, sondern auch über speziell abgesicherte Apple-Server zu verarbeiten. Der zentrale Punkt: Persönliche Daten sollen dabei laut Apple nicht gespeichert und nicht für Apple zugänglich gemacht werden. Damit will Apple leistungsfähigere KI-Funktionen ermöglichen, ohne den eigenen Datenschutzanspruch aufzugeben.

Neu ist außerdem eine eigene Siri-App. Dort sollen Nutzer frühere Unterhaltungen wieder öffnen und Gespräche geräteübergreifend fortsetzen können. Die Synchronisierung erfolgt laut Apple über iCloud und soll privat umgesetzt sein.

Visual Intelligence kommt auf weitere Geräte

Apple erweitert Siri AI zudem um visuelle Funktionen. Auf dem iPhone wird Siri in die Kamera-App integriert, sodass Nutzer Fragen zu dem stellen können, was sie gerade sehen. Auf iPad und Mac wird Visual Intelligence erstmals ebenfalls verfügbar: Auf dem iPad über die Screenshot-Funktion, auf dem Mac über eine Tastenkombination zum Auswählen von Bildschirminhalten.

Auch Schreibfunktionen werden ausgebaut. Siri AI kann laut Apple Texte neu entwerfen, vorhandene Texte überarbeiten und in Mail oder Nachrichten den üblichen Tonfall gegenüber bestimmten Kontakten berücksichtigen. Zudem soll Siri systemweit Korrekturen während des Tippens anbieten, auch in vielen Drittanbieter-Apps.

Start zunächst als Entwickler-Test

Die neuen Siri-AI-Funktionen stehen ab sofort für Entwickler zum Testen bereit. Unterstützt werden iOS 27, iPadOS 27, macOS 27 und visionOS 27; watchOS 27 soll später folgen. Eine öffentliche Beta ist für später in diesem Jahr geplant, zunächst mit Geräten, die auf Englisch eingestellt sind.

Unterstützt werden unter anderem iPhone 16 und neuer, iPhone 15 Pro, iPhone 15 Pro Max, iPads mit M1 oder neuer, Macs mit M1 oder neuer, Apple Vision Pro sowie bestimmte neuere Apple-Watch-Modelle in Verbindung mit einem Apple-Intelligence-fähigen iPhone.

Wichtig für Europa: Auf dem Mac, der Apple Watch und der Apple Vision Pro soll Siri AI in der EU nutzbar sein, sofern eine unterstützte Sprache eingestellt ist. Auf iPhone und iPad startet Siri AI in der EU dagegen zunächst nicht. Apple verweist dabei auf Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen, an einer Lösung werde gearbeitet. In China sollen Siri AI und weitere neue Apple-Intelligence-Funktionen vorerst ebenfalls nicht verfügbar sein.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Siri AI ist Apples bislang klarster Versuch, die eigene Sprachassistenz an moderne KI-Assistenten heranzuführen. Entscheidend wird aber nicht die Ankündigung, sondern die Alltagstauglichkeit: Gerade persönlicher Kontext, App-Aktionen und Bildschirmverständnis müssen zuverlässig funktionieren, sonst bleibt der Mehrwert begrenzt. Für Nutzer in der EU ist die wichtigste Einschränkung ohnehin der verspätete Start auf iPhone und iPad – ausgerechnet auf den Geräten, auf denen Siri am häufigsten genutzt wird.