Smarte Waage im Test

Withings Bodyscan 2: Die Gesundheitsstation fürs Bad – zum Premiumpreis

Withings’ neueste smarte Gesundheitswaage der Oberklasse misst mehr als 60 Biomarker – verrät die spannendsten aber nur im Abo. Ob sich das lohnt und wann die halb so teure Bodyfit klüger ist, zeigt unser Test.

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Eine Waage, die morgens ein „Guten Morgen“ auf den Bildschirm zaubert, Ihr Herz vermisst und Ihnen ganz nebenbei verrät, wie alt Ihre Gefäße wirklich sind: Withings nennt die Bodyscan 2 nicht mehr Waage, sondern „Longevity-Station“. Knapp 500 Euro ruft der französische Hersteller dafür auf – und verspricht, aus dem lästigen Wiegen ein tägliches Gesundheits-Screening zu machen. Über 60 Biomarker, eine 6-Zonen-Körperanalyse, ein 6-Kanal-EKG, Blutsauerstoff, Gefäßalter, Hinweise auf Bluthochdruck. Wir haben ausprobiert, wie viel von diesem Versprechen im Alltag ankommt – und für wen sich der stolze Preis rechnet.

Sommer-Angebot

Vom Messgerät zum Möbelstück

Auspacken zuerst, und hier die erste Überraschung: Die Verpackung ist erstaunlich unspektakulär für ein derart hochpreisiges Produkt. Ein flacher Karton, die Waage, ein Ladekabel, etwas Papier – das war es. Wer bei fast 500 Euro ein Auspack-Erlebnis à la Apple erwartet, wird nüchtern empfangen. Das Gerät selbst macht das im Handumdrehen wett: Die massive Glasfläche im verstärkten Aluminiumrahmen fühlt sich an wie ein Stück Küchentresen, nicht wie ein Badezimmer-Gadget. Mit rund 3,4 Kilogramm und den Maßen 32,5 mal 35,7 mal 1,85 Zentimetern (4,7 Zentimeter inklusive Griff) ist die Bodyscan 2 kein Leichtgewicht, das man morgens aus der Ecke zieht und abends wieder versteckt. Man sucht ihr besser einen festen Platz – sie ist eher Möbelstück als Accessoire.

Der auffälligste Teil bleibt der ausziehbare Handgriff, schon bei der ersten Body Scan das eigentliche Alleinstellungsmerkmal gegenüber den einfacheren Modellen. Withings hat ihn spürbar überarbeitet: stabilere Elektroden für einen sicheren Handkontakt und zwei neue Daumensensoren, über die sich das Nutzerprofil direkt an der Waage wählen lässt, ohne morgens verschlafen zum Smartphone greifen zu müssen. Der größte Sprung aber ist das Display. Beim Vorgänger klebte die Anzeige noch unten auf der Waage, sodass man beim Ablesen den Kopf senken und eventuell eine Brille aufsetzen musste; jetzt sitzt ein 3,5 Zoll großes Farbdisplay (640 mal 172 Pixel) direkt im Griff, auf Augenhöhe. Die Optik der bunten Darstellung kennt man bereits von anderen Withings-Produkten wie dem Beam O – stimmig, aufgeräumt, wiedererkennbar.

Der ausziehbare Griff trägt jetzt ein eigenes Farbdisplay: Es begrüßt Sie mit Namen, zeigt das Wetter und lässt Sie per Daumentasten das richtige Profil wählen.
Der ausziehbare Griff trägt jetzt ein eigenes Farbdisplay: Es begrüßt Sie mit Namen, zeigt das Wetter und lässt Sie per Daumentasten das richtige Profil wählen. (Bild: Sven T. Möller)

Einrichtung im Handumdrehen, App wie ein Cockpit

Die Einrichtung ist erfreulich unkompliziert und klappt auf Anhieb: App öffnen, Gerät hinzufügen, WLAN einrichten, Firmware-Update abwarten, fertig. Danach synchronisiert die Waage automatisch, erkennt bis zu acht Profile und lässt sich am Griff auch manuell umschalten, falls zwei Familienmitglieder im ähnlichen Gewichtsbereich liegen.

Die Withings-App gehört zu den besten ihres Segments – empfängt Neulinge aber wie ein Cockpit voller Instrumente. Es gibt viel zu entdecken und zu lesen, und die schiere Zahl an Werten kann anfangs erschlagen. Der große Pluspunkt: Die Grafiken und Daten werden gut erklärt und eingeordnet, statt den Nutzer mit nackten Zahlen allein zu lassen. Wer sich einmal eingefunden hat, findet hier eine der übersichtlichsten Aufbereitungen am Markt. Und natürlich reicht die App ihre Daten auch an Apple Health weiter – ein Muss für alle, die ihre Werte ohnehin geräteübergreifend zusammenführen, etwa mit einer Apple Watch.

Ein Wort zum Datenschutz gehört an dieser Stelle dazu: Wer die Bodyscan 2 nutzt, vertraut sensible Gesundheitsdaten der Withings-Cloud an – die Messwerte wandern per WLAN auf die Server des Herstellers, bevor sie in der App und optional bei Apple Health landen. Immerhin ist Withings ein französisches Unternehmen und damit an die DSGVO gebunden, und die an Apple Health übergebenen Werte bleiben unter der vergleichsweise restriktiven Datenhoheit des iPhone. Ganz ohne Withings-Konto und Cloud läuft bei dieser Waage aber nichts. Wer mit vernetzten Gesundheitsdaten grundsätzlich fremdelt, ist mit einer solchen Waage schlicht an der falschen Adresse.

Die Withings-App zwischen Datenflut und Klarheit: Körperzusammensetzung im Überblick (links), die 6-Zonen-Analyse für Fett und Muskeln (Mitte) und die „Langlebigkeits-Insights“ mit Gefäß- und Herzalter (rechts) – Letztere teils nur mit Withings+.
Die Withings-App zwischen Datenflut und Klarheit: Körperzusammensetzung im Überblick (links), die 6-Zonen-Analyse für Fett und Muskeln (Mitte) und die „Langlebigkeits-Insights“ mit Gefäß- und Herzalter (rechts) – Letztere teils nur mit Withings+. (Bild: Screenshot)

90 Sekunden Stillstand

Für den vollständigen Scan stellt man sich barfuß auf die Glasfläche, zieht den Griff heraus und hält die Elektroden. Und dann heißt es: warten. Bis zu 90 Sekunden dauert der komplette Durchlauf – eine erstaunlich lange Zeit, wenn man reglos wie eine Schaufensterpuppe mit einem Griff in der Hand im Badezimmer steht. Der kurze Alltags-Check ist in Sekunden erledigt, den großen Longevity-Scan wird hingegen zum kleinen Morgenritual. Kein Drama, aber eben auch nicht das beiläufige „draufstellen, ablesen, weiter“.

Etwas Übung bedarf indes die Sauerstoffmessung: Sie gelingt nur bei exakt korrektem Druck auf den Sensor – zu zaghaft oder zu fest, und der Wert bricht ab. Immerhin hilft die App mit einer Grafik, die den ausgeübten Druck live sichtbar macht, fast wie ein Einparkassistent für den Daumen. Trotzdem braucht es gelegentlich mehrere Anläufe, bis SpO2 sauber durchläuft.

Festhalten und stillhalten: Bis zu 90 Sekunden dauert der volle Scan, während die Waage Herz, Gefäße und – hier angekündigt – den Stoffwechsel vermisst.
Festhalten und stillhalten: Bis zu 90 Sekunden dauert der volle Scan, während die Waage Herz, Gefäße und – hier angekündigt – den Stoffwechsel vermisst. (Bild: Sven T. Möller)

Was neu ist – und was hinter der Bezahlschranke liegt

Gegenüber der ersten Body Scan hat Withings vor allem im Inneren aufgerüstet. Die Bioimpedanzanalyse arbeitet jetzt mit 13 Frequenzen bis zu 800 Kilohertz und löst die Körperzusammensetzung damit spürbar feiner auf als der Vorgänger. Aus gut 40 werden über 60 Biomarker, der Blutsauerstoff-Sensor ist ganz neu, ebenso die Hinweise auf Bluthochdruck und die Impedanzkardiografie für das Herzalter. Der Akku hält laut Withings bis zu 15 Monate und lädt per USB-C. Rein äußerlich wirken die beiden Modelle allerdings fast wie Zwillinge – wer bereits eine Body Scan der ersten Generation besitzt, muss nicht in Panik zum Nachfolger greifen. 

Besonders sinnvoll ist die Aufteilung der Körperzusammensetzung in sechs Zonen: Arme, Beine und Rumpf getrennt betrachtet. Gerade beim Training oder Abnehmen sagt das weit mehr aus als eine einzelne Körperfettzahl – man sieht, ob mit dem Fett auch wertvolle Muskelmasse schwindet. Nur eines sollte man nie vergessen: die Bioimpedanz ist ein fluider Wert. Tageszeit, Flüssigkeit, Salz, Alkohol und Schlaf schieben die Werte hin und her wie Ebbe und Flut. Einzelne Messungen taugen wenig, der Schatz liegt im Trend über Wochen.

Und selbst dieser Trend will mit Vorsicht gelesen werden. Die Stiftung Warentest nahm 2024 (Heft 10/2024) 17 Körperanalysewaagen unter die Lupe, darunter die erste Body Scan. Das Ergebnis: Beim reinen Gewicht arbeiteten fast alle zuverlässig, doch rund ein Drittel der Geräte leistete sich bei der Muskelmasse teils grob falsche Werte – zwei Modelle bescheinigten Testpersonen sportlerhafte 75 Prozent Muskelanteil, wo realistisch eher 40 Prozent liegen. Auch Withings’ Körperanalyse geriet dabei in die Kritik. Ob die Bodyscan 2 mit ihrer feineren 13-Frequenz-Technik hier spürbar nachlegt, muss ein unabhängiger Test erst noch zeigen. Die vielzitierte 99-Prozent-Korrelation zu einem DEXA-Scan stammt jedenfalls aus einer Withings-eigenen Untersuchung – und wurde streng genommen noch mit dem Vorgängermodell erhoben.

Und damit zum wunden Punkt. Den vollen Funktionsumfang – beziehungsweise die vollumfängliche Auswertung – gibt es nur im Abo für rund 100 Euro extra pro Jahr (Withings+, 99,95 Euro jährlich). Ausgerechnet die am lautesten beworbenen Funktionen liegen hinter dieser Bezahlschranke: das Herzalter, der Glukose-Resilienz-Score, die kardiologische Auswertung der EKG-Daten durch echte Fachleute sowie die neuen „Intelligence“-Analysen (Longevity, Body und Lifestyle) samt KI-gestütztem Coaching. Abofrei bleiben immerhin die Rohwerte: Gewicht, 6-Zonen-Analyse, das 6-Kanal-EKG mit Vorhofflimmer-Erkennung, SpO2, Gefäßalter und die Bluthochdruck-Hinweise. Wer sich an einem 500-Euro-Gerät dauerhaft an dessen spannendsten Zahlen erfreuen will, zahlt also Jahr für Jahr nach – eine Rechnung, die man vor dem Kauf aufmachen sollte.

Bei aller Sensorik ist ein Hinweis Pflicht: „Longevity-Station“, „zelluläres Alter“, „gesunde Lebensjahre“ – das klingt nach Zukunftslabor, am Ende steht aber eine Waage im Bad. Eine ausgesprochen clevere, keine Frage. Aber keine Präventionsklinik. Sie gibt Hinweise, zeigt Trends und motiviert; sie stellt keine Diagnosen. Ein Bluthochdruck-Hinweis will mit einem echten Blutdruckmessgerät gegengeprüft werden, nicht als Urteil genommen.

Barfuß in die Sprechstunde: Für die komplette Messung zieht man den Griff an der Schnur nach oben und hält ihn mit beiden Händen.
Barfuß in die Sprechstunde: Für die komplette Messung zieht man den Griff an der Schnur nach oben und hält ihn mit beiden Händen. (Bild: Withings)

Die günstige Schwester: Withings Bodyfit

Und dann ist da noch der hauseigene Konkurrent. Fast zeitgleich hat Withings die Bodyfit vorgestellt – seit Anfang Juli für 249,95 Euro zu haben, also genau die Hälfte. Der Clou: Beim eigentlichen Messkern nehmen sich beide Waagen praktisch nichts. Dieselbe Bioimpedanzspektroskopie mit 13 Frequenzen bis 800 Kilohertz, dieselbe 6-Zonen-Analyse, acht Elektroden. Wer allein seine Körperzusammensetzung im Blick behalten will – Muskelaufbau, Fettabbau, Viszeralfett, gern auch im Rahmen einer GLP-1-Therapie –, bekommt bei der Bodyfit exakt dieselbe Präzision für den halben Preis. Und das sogar flotter: Die Bodyfit ist nach rund 10 Sekunden fertig, während die Bodyscan 2 ihre vollen 90 Sekunden braucht.

Was der kleinen Schwester fehlt, ist die gesamte Herz- und Longevity-Etage: kein 6-Kanal-EKG, kein SpO2, kein Herz- und Gefäßalter, keine Bluthochdruck-Hinweise. Auch das schicke Griffdisplay entfällt – hier liest man wieder auf der Waage selbst ab –, und das Premium-Aluminiumgehäuse weicht schlichterer Kost.

Ketzerisch gedacht drängt sich fast der Verdacht auf, die Bodyscan 2 sei auch deshalb so teuer, damit die Bodyfit daneben wie ein Schnäppchen aussieht. Ein 500-Euro-Anker, der die 250-Euro-Waage plötzlich vernünftig wirken lässt – Upselling, elegant von hinten aufgezäumt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Für die Mehrheit dürfte die Rechnung jedenfalls klar sein: Geht es primär um Fitnessdaten, ist die Bodyfit der Preis-Leistungs-Sieger.

Die halb so teure Schwester: Die BodyFit teilt sich den Messkern mit der BodyScan 2, zeigt ihre Werte aber auf einem Display in der Waage statt im Griff – hier etwa den Muskel-Trend.
Die halb so teure Schwester: Die BodyFit teilt sich den Messkern mit der BodyScan 2, zeigt ihre Werte aber auf einem Display in der Waage statt im Griff – hier etwa den Muskel-Trend. (Bild: Withings)

Für wen lohnt sich das?

Als reine Körperwaage für den Alltag ist die Bodyscan 2 schlicht viel zu teuer – als würde man für den Wetterbericht ein eigenes Observatorium aufs Dach stellen. Wer nur Gewicht, Körperfett und WLAN-Sync möchte, ist mit einer der günstigeren Withings-Waagen bestens bedient; wer zusätzlich die zonengenaue Körperanalyse will, greift zur halb so teuren Bodyfit. Zur Bodyscan 2 sollte nur greifen, wer die Herz- und Longevity-Funktionen wirklich nutzt – oder wer ein echtes Faible für Daten hat und Freude daran findet, seine Werte über Monate zu beobachten.

Withings
Withings
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos+

Fazit

Hardwareseitig liefert Withings ab: erstklassige Verarbeitung, ein durchdachtes Display im Griff, eine der besten Apps im Segment und eine wirklich hilfreiche 6-Zonen-Analyse. Die Kehrseite sind der happige Preis, das abolastige Modell und eine Extraportion Longevity-Marketing. Für Datenfans und ambitionierte Sportlerinnen und Sportler ist die Bodyscan 2 eines der umfangreichsten Consumer-Geräte ihrer Art – ein kleines Gesundheitslabor auf 4 Millimetern Glas. Für alle anderen bleibt sie ein teures Vergnügen, dessen schönste Kennzahlen zusätzlich Geld kosten.

Testergebnis
ProduktnameBodyscan 2
HerstellerWithings
Preis499,95 €
Webseitewww.withings.com
Pro
  • hochwertige Verarbeitung
  • sinnvolle 6-Zonen-Analyse
  • Display im Griff
  • einfache Einrichtung
  • gute App mit Apple-Health-Anbindung
Contra
  • sehr hoher Preis
  • BIA-Genauigkeit (vor allem Muskelmasse) beim Vormodell kritisiert
  • Kernauswertungen nur im Abo
  • Messung dauert bis zu 90 Sekunden
  • SpO2 reagiert empfindlich auf den Anpressdruck
  • viel Marketing-Vokabular
Bewertung
2,4gut