Übernahme bestätigt

Apple mischt sich ins digitale Abo-Geschäft ein, kauft Texture

Apple kauft Texture. Der iPhone-Hersteller bestätigt die Übernahme. Damit tritt der Konzern aus Cupertino nun in das Geschäft mit Digital-Abos ein und in direkte Konkurrenz zu anderen Anbietern. Tim Cook eröffnet eine neue Baustelle. Der iPad-Anbieter wird nun auch zum Spotify für Zeitschriften. Eigentlich ein Credo, das sich beispielsweise Readly auf die Fahnen schreiben kann.

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Einmal im Monat zahlen, und die ganze Zeit so viele Zeitschriften lesen, wie das Angebot hergibt. Readly macht so etwas und Amazon auch. Mit Prime Reading können Sie Zeitschriften und E-Books konsumieren, wenn Sie über ein Prime-Abo verfügen.

Apple kauft Texture

Mit der Übernahme von Texture tritt der iPhone-Hersteller nun ebenfalls in diesen Markt ein. Das Angebot umfasst momentan rund 200 Magazine, darunter People, Fortune, Vanity Fair oder The New Yorker.

Subventionierung für Journalismus?

Eddy Cue betont, dass Apple sich für Qualitätsjournalismus einsetzt, der aus vertrauenswürdigen Quellen stammt. Zudem bietet er ansprechende Geschichten. Das lässt vermuten, dass Apple mit der Übernahme vielleicht sogar versucht, Journalismus zu subventionieren.

Die Pressemeldung des Konzerns jedenfalls enthält darüber hinaus keinen Hinweis, wie der iPhone-Hersteller mit dem Angebot umgehen will. Verschwindet der Name Texture von der Bildfläche und kommt der „Newsstand“ Apples zurück? Geht das Angebot in iBooks auf, oder wird es demnächst ein Apple Magazines Angebot analog zu Apple Music geben? Leider ist das Unternehmen nicht dafür bekannt, solche Fragen zu beantworten.

Apples Interesse an Print-Medien

Mit der Einführung von iOS 6 bekundete Apple ziemlich deutlich, dass es auch an Print-Medien interessiert ist. Seinerzeit führte das Unternehmen die App Newsstand ein. Es ist dann die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei, die man beantworten müsste, um zu verstehen, warum sich das Angebot nie richtig durchgesetzt hat.

Ganz Apple-typisch mussten Anbieter sehr viel Aufwand betreiben, um ihre Inhalte für Newsstand fit zu machen. Mit iOS 9 bekam die App einen neuen Namen: News. Doch an den Voraussetzungen änderte sich nicht viel. Apple nutzt weiterhin ein proprietäres Format, mit dem Anbieter Ihre Nachhrichten kennzeichnen müssen, vergleichbar mit Markup, das für Facebooks Instant Articles notwendig ist und zumindest ein bisschen Ähnlichkeit auch mit Googles AMP aufweist. Ist der Kauf von Texture nun der dritte Anlauf, einen Fuß in die Tür der (digitalen) Print-Medien zu bekommen? Und was bedeutet er für andere Anbieter wie Readly? Immerhin hat Apple Geld, fast bedrohlich viel Geld.

Was wird aus Texture?

Obwohl ich sie schon angeschnitten habe, wiederhole ich die Frage trotzdem gerne noch einmal. Was wird aus Texture? Immerhin ist das Angebot momentan auch für Android verfügbar. Nach der Übernahme von Beats bot Apple seinen Musikstreaming-Service auch für Android an. Doch solange wir nicht eindeutig beantworten können, was Apples Ansinnen eigentlich ist, können wir auch die Strategie dahinter nicht ableiten.

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Nach einem Probemonat können Abonnenten dann für 9,99 US-Dollar im Monat auf das Angebot an Zeitschriften zugreifen. Momentan ist das aber auf eine englischsprachige Auswahl beschränkt. Sorgt die Übernahme durch Apple womöglich dafür, dass Texture sich internationaler aufstellt? Auch das eine Frage, deren Antwort wir leider abwarten müssen.

Verstrickung mit Medienkonzernen

Texture ist übrigens ein Angebot von „Next Issue Media“, das 2009 gegründet wurde und in Menlo Park sitzt, also ein direkter Nachbar von Apple.

Momentan gehört die Firma noch Condé Nast, Hearst, Meredith, Rogers Media und dem Finanzinvestor KKR. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Apple diese alten Zöpfe komplett abschneidet oder ob die Verbindung besonders zu den involvierten Medienkonzernen noch enger wird.

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Apple braucht Content und sie brauchen Know How. Ihr eigenes Know How hat immer nicht funktioniert - wahrscheinlich auch, weil sie es meistens nicht für andere Plattformen freischalten wollten.

Zuerst die Musik, jetzt die Zeitschriften. Filme wären dahingehend ein sehr großes Risiko für einen Ersteinstieg - zumal die Konkurrenz ja immens ist (bei Music gibt es ja nicht die vielen großen Player).

Daher vermute ich, dass nach diesen beiden Testballons die Filme der dritte Wurf werden, wobei das Kaufangebot in iTunes umfänglich ist - aber ohne Abo. Wobei ich mich schon gefragt habe, ob der wöchentliche 99 Cent Leihfilm, der Mittwoch 1,99-Leihfilm und der 6,99 Kauffilm am Sonntag hier nicht unterschiedliche Preisklassen im Zuspruch testen soll. Vielleicht wird daraus ja ein Abo aus aktuellem Filmangebot bzw. ein Klassik-Angebot bzw. ein Kauf-Abo. Also eine Abstufung ja nach den Vorzügen der Nutzer. Sicherlich soll aber getestet werden, ob sich das eine oder andere unter dem Strich rechnet. Wir werden sehen, was passiert.

Auf blauen Dunst werden sie jedenfalls nichts starten!

Mit Texture hat Apple aber deutlich mehr Arbeit. Das ist ein Angebot, das sich nur an englischsprachige Kunden richtet. Bislang. Für andere Märkte müsste man wieder zusätzliche Mitarbeiter einstellen, die den Markt kennen.

Apple wollte ja schon bei der Musik Preise schaffen, die für den Konsumenten gut sind. Das hat nicht geklappt. Wie soll Apple da in einem Markt verhandeln, in dem es gar keine Argumente aus der Vergangenheit hat wie bei der Musik mit dem Verkauf derselben.

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