Unterwegs in die Tasten hauen

4 iPad-Cases mit Tastatur im Test

Mit einem echten Keyboard ersetzt das iPad vielleicht doch ein MacBook. Wir lassen vier Tastatur-Cases zum Vergleich antreten. Es handelt sich um Produkte von Logitech, Griffin, Moshi und Zagg. Am Ende küren wir einen klaren Gewinner, aus verschiedenen Gründen, der aber nicht in allen Disziplinen vorne liegt.

Von   Uhr

Apple lehnte sich 2017 weit aus dem Fenster, als man in der eigenen Werbung behauptete, dass das iPod Pro einen Laptop – und damit auch das MacBook – ersetzen könne. Das normale iPad versucht der iPhone-Multi hingegen im US-amerikanischen Education-Markt in Schulen, Colleges und Universitäten zu platzieren – mit mäßigen Erfolg, laufen doch hier die oft günstigeren Chromebooks den Tablet-PC längst den Rang ab.

Der größte Nachteil des iPad gegenüber echten Laptops: das Fehlen einer eigenen Tastatur. Apple selbst versucht diesem Mangel bei den Pro-Modellen mit dem Smart Keyboard entgegenzutreten – die Tastatur ist zwar schick, das Tippen darauf jedoch gewöhnungsbedürftig und der Preis happig.

Wie gut, dass es genügend Alternativen gibt: Die vier von uns ausgewählten Kombinationen aus Schutzhülle und Tastatur verwandeln Apples Tabletcomputer auch optisch in eine Kompletteinheit, die auf der ersten Blick tatsächlich einem Laptop zum Verwechseln ähnlich wird. Und mit seinem Touchdisplay ist das iPad jedem MacBook zumindest in dieser Hinsicht tatsächlich überlegen.

Wir haben uns dabei auf Keyboard-Cases für iPad-Modelle mit einer Bildschirmdiagonale von 9,7 Zoll konzentriert. Während viele davon durchaus auch mit dem kleinen iPad Pro zusammenarbeiten, sollten Sie sich als dessen stolzer Besitzer lieber nach einem spezifischen Modell umsehen: Das Logitech Create etwa nutzt zur Verbindung Apples Smart-Connector-Leiste anstatt wie die hier vorgestellten Geräte die Bluetooth-Technologie.

Nicht alle Cases arbeiten mit allen 9,7-Zoll-Modellen zusammen, was an den verschiedenen Bauhöhen liegt: Während die aktuelle iPad-Generation 7,5 Millimeter „hoch“ ist, kommt das iPad Pro mit 9,7-Zoll-Schirm nur auf 6,1 Millimeter.

Eine letzte Warnung: Kein Tastatur-Case für das iPad eignet sich für das Tippen auf dem Schoß – inklusive Tablet sind sie schlichtweg kopflastig. Anders formuliert: Alle von uns getesteten Keyboard-Hüllen erwiesen sich als bruchsicher zumindest auf kurze Höhen.

Augen auf beim Case-Kauf!

Fragen Sie vor einem Kauf beim Händler nach, ob sich das iPad-Case auch wirklich mit der von Ihnen genutzten Modellgeneration versteht.

So haben wir getestet:

Wir haben unser iPad mit den verschiedenen Tastatur-Cases in den verschiedensten Arbeitsumgebungen vom Büro über das Café bis hin zum Balkontisch genutzt, um möglichst viele Anwendungsfälle abzudecken. Um die Bruchsicherheit zu testen, ließen wir das geschützte Apple-Tablet schweren Herzens von der Arbeitsfläche kippen.

Extravagant …

Apple Smart Keyboard

Apples Eigenlösung ist elegant und verbindet sich per dreipoligem Smart Connector mit dem iPad Pro. Die Tasten sind allerdings gewöhnungsbedürftig.

Apple Smart Keyboard
Apple Smart Keyboard (Bild: Apple)

… oder Mac-Feeling?

Apple Magic Keyboard

Die kleine Apple-Tastatur nimmt Ihr iPad zwar nicht auf, verschafft ihm dafür aber dasselbe Tastengefühl, das Sie von Ihrem Mac gewohnt sind.

Apple Magic Keyboard
Apple Magic Keyboard (Bild: Apple)

Was Sie vor dem Kauf bedenken sollten

  • Wie groß sind die Tasten? Die Tastengröße des Smart Keyboard ist gewöhnungsbedürftig – aber die Vorstellungen über eine gute Tastatur variieren. Achten Sie jedoch darauf, dass die Tastenfläche 12 bis 15 Millimeter nicht unterschreitet.
  • Wie sieht die Oberfläche aus? Eine seidenmatte Oberfläche hält auch beim Einsatz auf dem Balkon die Reflexionen gering. Eine helle Oberfläche ist einer dunklen grundsätzlich vorzuziehen, da der Kontrast zu den Tasten größer ist.
  • Wie ist das Tippgefühl? Das Tippgefühl lässt sich meist nur im Selbstversuch herausfinden. Dabei sollte der Druckpunkt deutlich wahrnehmbar sein. Der optimale Tastenweg beträgt 2 Millimeter, Laptop-Tastaturen verfügen meist über einen kürzeren.
  • Wie ist die Beschriftung? Den besten Kontrast bietet eine dunkle Schrift auf einem hellem Grund – zumeist ist es aber umgekehrt. Außerdem sollte die Schriftgröße auf der Tastatur 3,2 Millimeter nicht unterschreiten und die Beschriftung sollte abriebfest sein.
  • Wie lang hält die Batterie? Tastaturen sind recht sparsam im Umgang mit ihrem Akku – einige Modelle lassen sich jahrelang ohne Aufladen betreiben. Achten Sie darauf, dass sich das Keyboard von selbst abschaltet, wenn Sie es nicht benutzten.
  • Sind Sie im Außeneinsatz? Nutzen Sie Ihr iPad etwa im Baustelleneinsatz, sollte die Hülle Stöße oder sogar einen Fall abfedern. Einige Hersteller werben mit einer Bruchsicherheit für Stürze aus bis zu zwei Metern Höhe.

Test 1: Aussehen (Elegantes Accessoire oder kantiges Raubein?)

Moshi VersaKeyboard
Moshi VersaKeyboard (Bild: Moshi)

Das iPad ist nach wie vor ein Hingucker – und eine Tastaturhülle sollte es nicht verschandeln. Am besten ist die Symbiose sicherlich Apple selbst mit dem Smart Keyboard gelungen, allerdings kommt das Logitech Slim Folio nah heran. Dank seiner eckigen Standardtasten werden es viele Nutzer sogar der Apple-Tastatur vorziehen und dabei auch noch viel Geld sparen. Das Moshi-Keyboard sieht hingegen recht billig aus – und fühlt sich leider beim Tippen auch so an. Das Griffin Snapbook verzichtet ebenfalls auf ein besonders elegantes Äußeres, opfert dies aber für einen besseren Schutz des Tablets: Stürze aus bis zu 1,8 Metern will es locker abfedern. Allerdings bietet es keine deutsche Tastatur. Ebenso hart im Nehmen ist der Rugged Messenger von Zagg, der auf eine Polycarbonatstruktur setzt. Etwas raubeinig wirkt die Hülle aber auch von außen – filigranen Naturen mag es etwas zu kantig vorkommen.

Einzelergebnisse zum Aussehen
Einzelergebnisse zum Aussehen (Bild: Falkemedia)

Test 2: Batterielaufzeit (Welche Tastatur hält am längsten durch?)

Griffin SnapBook Folio + Keyboard
Griffin SnapBook Folio + Keyboard (Bild: Griffin Technology)

Alle hier vorgestellten Tastaturhüllen verfügen über iPad-gerechte Funktionstasten, um etwa die Helligkeit oder die Lautstärke einzustellen sowie Filme und Musik zu starten und zu stoppen. Der Zagg Messenger beherbergt zusätzlich zwei Bluetooth-Tasten, mit denen sich zwischen verschiedenen Geräten umschalten lässt. Dies ist nicht die einzige Besonderheit der Zagg-Kombination: Die Tastatur des Rugged Messenger ist hintergrundbeleuchtet, der Nutzer hat die Auswahl zwischen sieben (!) Farben. Darunter leidet nicht einmal der Akku über Gebühr: Nutzen Sie die Beleuchtung nur eine Stunde am Tag, verspricht Zagg eine Laufzeit von immer noch zwei Jahren. Das will Logitech toppen: Das Slim Folio verspricht bei einem Dienst von täglich zwei Stunden bis zu vier Jahre Leistung. Das Versakeyboard von Moshi hinkt hinterher: Nach nur 130 Stunden geht ihm die Puste aus.

Einzelergebnisse zur Batterielaufzeit
Einzelergebnisse zur Batterielaufzeit (Bild: Falkemedia)

Test 3: Flexibilität (Stellt sich das Case auf Sie ein oder umgekehrt?)

Flexible Displaywinkel sorgen für eine gesunde Arbeitshaltung. Das Logitech Slim Folio ist hier ähnlich unflexibel wie Apples Smart Keyboard: Entweder nutzen Sie es als rückseitige Hülle im Tablet-Modus oder als Tastatur zum Tippen – verschiedene Neigungswinkel haben die Schweizer vergessen. Hier ist das Griffin Snapbook mit seiner abnehmbaren Tablet-Hülle flexibler, allerdings macht das Anbringen nicht viel Spaß. Die Zagg- und Moshi-Modelle verbinden sich hingegen nicht mit dem iPad: Während Zagg Magnete nutzt, um den Bildschirmwinkel auszurichten, glänzt das Versakeyboard durch eine an Origami erinnernde Faltung. Dadurch ergeben sich Winkel von 40, 50 und 60 Grad im Porträt- und Horizontalmodus für das komfortable Tippen, Lesen und zum Schauen von Filmen. Die Tastatur darf dabei in einem Fach der Hülle verschwinden, um freie Sicht auf das Display zu gewährleisten.

Einzelergebnisse zur Flexibilität
Einzelergebnisse zur Flexibilität (Bild: Falkemedia)

Test 4: Komfort (Das Wichtigste: Wie tippt es sich denn nun?)

Zagg Rugged Messenger
Zagg Rugged Messenger (Bild: Zagg)

Sind Sie Vielschreiber? Dann sollte Ihre Wahl auf das Slim Folio von Logitech fallen. Es bietet mit Abstand die komfortabelste und hochwertigste Tastatur. Zudem orientiert sich das Layout der Tasten an dem der Mac-Tastatur – ein fliegender Wechsel sollte Ihnen also leicht fallen. Genauso wie der Zagg Rugged Messenger verfügt das Slim Folio zudem über Nummerntasten in voller Höhe und eine separate Funktionstastenleiste in halber Höhe, während Moshi und Griffin Zahlen und Funktionsaufrufe in einer Reihe miteinander kombinieren. Das Snapbook sowie der Rugged Messenger sind robuster in ihrem Anschlag und bieten etwas mehr Widerstand als die Logitech-Tastatur, was wiederum einige Nutzer ansprechen könnte. Das Versakeyboard von Moshi eignet sich hingegen nur für gelegentliche Eingaben statt für lange Texte – die Qualität der Tasten kann nicht mit der Konkurrenz mithalten.

Einzelergebnisse zum Komfort
Einzelergebnisse zum Komfort (Bild: Falkemedia)

Der Gewinner: Logitech Slim Folio iPad Keyboard Case

Na klar haben alle hier vorgestellten Kombinationen aus Tastatur und Hülle ihre Vorteile. Das Moshi Versakeyboard ist sehr flexibel, wenn es um die Aufstellung des iPad geht, verliert aber durch die qualitativ enttäuschende Tastatur. Nutzen Sie Ihr iPad „on the Road“, sollten Sie sich besonders den Zagg Rugged Messenger ansehen, der Ihren Tablet-PC robust verwahrt und Stürze sicher abfängt. Zudem eröffnet das Umschalten zwischen zwei Bluetooth-Zielen per Tastatur zusätzliche Einsatzmöglichkeiten.
Suchen Sie jedoch ein wirklich exzellentes Keyboard, kommen Sie nicht um das Logitech Slim Folio herum. Es dürfte eines der besten am Markt sein und macht das iPad tatsächlich weitestgehend zum MacBook-Ersatz.

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Moin,

Das Problem für mich ist, dass es egal wie man es dreht, aus dem iPad keinen Laptop macht, aufgrund von iOS. Klar kann man viel damit machen und für die meisten wird es reichen. Mir persönlich fehlt dann aber ein Touchpad. Ich hab diverse Tastaturen und Cases probiert, am besten hat mir Logitech Slim Combo gefallen, es macht am ehesten ein Surface draus, aber es ist halt keins und es nimmt die Schönheit und Leichtigkeit des iPads, deswegen ging es zurück. Ich werde wieder zum Surface wechseln, es gibt mir persönlich einfach mehr.

Moin Konsumkind,

mir gehts da genauso. iOS hat zu viele Einschränkungen und fehlende Mausunterstützung. Daher bin ich meist dazu gezwungen das Surface zu nutzen. Was heißt gezwungen!? Es bietet das individuellere Nutzungserlebnis, da das Pro 4 ja ein echtes Notebook in Tabletform ist. Schade eigentlich, denn das iPad hätte das Zeug dazu eine echte Alternative zu sein. Ich weiß auch nicht, warum Apple sich da quer stellt, denn ein offeneres iOS mit richtigem Datei Explorer usw. würde sehr viele Menschen ansprechen die Apple Geräte lieben und nicht noch einmal mind. 1350€ für ein MacBook ausgeben wollen. Ich will es zumindest nicht und werde es auch nicht, denn je weniger Geräte zuhause rumliegen, desto besser.

Ich wünsche mir ein Gerät, das mit Tastatur mit MacOS läuft und mit dem abnehmen der Tastatur auf iOS wechselt. Das wäre eigentlich perfekt. Das problem bei Windows 10 ist, dass es zwar für laptops und PCs ok ist, aber nicht als Betriebssystem für ein Tablet.

Ich hatte zuerst das Logitech Slim Folio Case, das Teil ist wirklich gut, aber die Tastatur ist nicht beleuchtet und auch nicht abnehmbar.

Daher bin ich zu dem Logitech Slim Combo gewechselt. Hier ist die Tastatur mit Beleuchtung, via Micro-USB aufladbar (keine CR2032 wie beim Slim Folio) und mit Magneten am iPad befestigt, so kann man sie abnehmen wenn man sie nicht benötigt.
Zudem kann man den Aufstellwinkel stufenlos an seine Bedürfnisse anpassen.

Schade, daß es das Slim Combo nicht in den Vergleich ist.

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