China einmal anders?

Zen Games

Laut Verpackungstext versprechen die Zen Games ein Wellness-Programm für coole Köpfe. Das klingt gar nicht mal schlecht, doch wie viel Erholung für Geist und Seele steckt tatsächlich in dieser Spielesammlung?

Von   Uhr

Haben Sie jemals einen Chinesen beim Mahjong-Spielen beobachtet? Mit schier unglaublicher Geschwindigkeit pflückt dieser die hübsch verzierten Steine vom Spielbrett. So geschwind und anmutig, dass unser europäisches Auge den Handbewegungen kaum folgen, geschweige denn die Spielsituation und korrekte Regelbefolgung überhaupt erfassen kann. Deshalb spielen wir das traditionsreiche Brettspiel auch lieber am Computer. Passende Züge werden bei Bedarf angezeigt, Zeitdruck ist nicht vorhanden und viel wichtiger: das kunstvolle, aber extrem lästige Auf- und Abbauen der Steinpyramiden fällt weg.

Doppeltes Spiel

Doch Computerumsetzungen von Mahjong scheint es so viele wie Reiskörner in China zu geben. Heutzutage sollte ein Klon schon etwas Eigenständiges bieten, um nicht im Steindschungel unterzugehen. Das in den Zen Games enthaltene Hexajong verwendet aus diesem Grunde sechseckige Spielsteine, was in etwa denselben Unterschied macht, als ob man mit eckigen oder runden Stäbchen isst. Der Spielablauf bleibt naturgemäß unangetastet. So hätte der, im übrigen durchaus talentierte Grafikdesigner, auch kreuzförmige oder achteckige Spielstein-Varianten erfinden können, trotzdem wäre das Spielprinzip gleich geblieben.

Auch beim zweiten Spiel im Bunde macht man diese Erfahrung. Ishidoku orientiert sich am momentan ungeheuer erfolgreichen Sudoku-Prinzip, bietet als einzigen Unterschied jedoch hübsch bunte Steine, die in den in unterschiedlichen Größen verfügbaren Spielfeldern platziert werden müssen. Derselbe Stein darf jedoch weder waagrecht noch senkrecht doppelt vorkommen, was höhere Ebenen zum extrem kniffligen Denksportvergnügen verkommen lässt.

Goldesel

In beiden Spielen lassen sich durch das Ablegen oder Entfernen bestimmter Steine Münzen sammeln, mit denen in vertrackten Spielsituationen Lösungshilfen bezahlt werden. Seltsamerweise scheint der Vorrat an goldenen Talern nie zur Neige zu gehen, denn wir konnten mehrere Ebenen nur durch stupides Klicken auf den Tipp-Knopf lösen, obwohl wir schon längst alle Münzen verbraucht hatten. Ob es sich dabei um einen Bug oder gewollte Absicht der Programmierer handelt, wissen wir nicht. Immerhin versprechen sie uns stressfreies Knobeln, was aufgrund dieser Situation auch gegeben ist.

Auf Unverständnis stoßen auf jeden Fall die langen Lade- und Pausenzeiten zwischen den einzelnen Abschnitten. Speziell bei Hexajong sind eben jene so nervig ausgefallen, dass eingangs erwähnter Chinese schon längst sein echtes Spielbrett aufgebaut und wieder entleert hätte. Wenig zu hören ist außerdem vom angepriesenen fernöstlichen Soundtrack. Nur einige kurze Jingles werden eingespielt, wunderschöne asiatische Melodien wie im Klassiker Shanghai: The 2nd Dynasty sind nicht enthalten.

Kommentar

Bin ich dumm? Die Frage muss ich mir stellen, denn Zen Games übt auf mich nicht die Faszination aus wie sie laut Packungsaufdruck versprochen wird. Von einer innovativen Version des bekannten Mahjong ist da die Rede, doch bei genauerer Betrachtung spielt sich Hexajong keinen Deut anders, nur dass die Steine jetzt sechs Ecken aufweisen. Selbiges gilt für Ishidoku. Hier jongliere ich mit bunten Steinen statt nüchterner Zahlen. Doch haben wir das nicht erst kürzlich schon in Buku Sudoku gesehen (siehe Mac Life 08.2006)?

Was übrig bleibt, sind zwei zeitlose Denkspielklassiker aus Fernost, verpackt in ein hübsches Gewand und suchterzeugend wie eh und je. Die mystische Erfahrung, für die das chinesische Wort „Zen“ steht, oder gar die Neudefinierung bekannter Spielprinzipien sucht man jedoch vergebens.

Testergebnis
ProduktnameZen Games
HerstellerLike Dynamite
Preisca. 13 Euro
Webseitewww.likedynamite.com
Pro
  • knifflige Ebenen
Contra
  • spartanische Musik
SystemvoraussetzungenMac OS X 10.4, G4 mit 1,0 GHz, 128 MB RAM, Grafikkarte mit 32 MB
Bewertung
3,5ausreichend

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