Neue Welten

Age of Empires 3

Seit der Ankündigung zur Mac-Version von „Age of Empires 3“ fiebert die ganze Redaktion dem Eintreffen des Testmusters entgegen. Wie erwartet, hat das Spiel in den ersten Tagen den Redaktionsalltag radikal verändert. Hat sich das Warten auf den Nachfolger eines der meist verkauften Macintosh-Spiele aller Zeiten wirklich gelohnt?

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Wer sich mit den Ensemble Studios auf die Reise in Neue Welten machen möchte, benötigt einen relativ modernen Mac, denn wie andere Klassiker hat auch die neueste Inkarnation der „Age of Empires“-Reihe den Sprung in die dritte Dimension gemacht. Ein 512-MB-Rechner mit einer modernen 3D-Grafikkarte und einen G4 mit mindestens 1,2 GHz Taktfrequenz sollten Sie mindestens Ihr Eigen nennen um sich am Erforschen der Neuen Welt beteiligen zu können. Wer dank modernster Hardware in den Optionen bei den Grafikdetails auch wirklich auf Maximum stellen kann, wird auf dieser Entdeckungsreise ebenso optisch verwöhnt werden. Besonders die Landschaftsgrafik ist dabei unglaublich schön und abwechslungsreich gelungen.

Egal ob Sie sich im südamerikanischen Urwald bewegen, auf neuenglischem Waldboden oder in den Wüstengebieten Arizonas, die Landschaft ist im wahrsten Sinne ein echter Hingucker. Auch die Licht- und Schatteneffekte, die die Entwickler modernen Grafikkarten entlocken konnten, sorgen für stimmungsvolles Ambiente und gehören sicherlich mit zum Schönsten was Mac-Strategen bisher auf dem Monitor präsentiert bekamen. Dank moderner Physikengine wiegen sich Bäume und Gräser im Wind und erwecken so den Eindruck einer sehr lebendigen Spielwelt.

Altbekanntes

Der Spieler kann zu Beginn aus einer wahren Flut an Optionen wählen. Zur Auswahl stehen erstmal acht europäische Großmächte, die alle gerne in der Neuen Welt Fuß fassen würden und dazu die Hilfe des Spielers benötigen. Jede dieser Nationen verfügt über ihre Besonderheiten. So haben die Spanier besonders großen Rückhalt in ihrer Heimatstadt, die Briten sind wirtschaftlich sehr stark und den Franzosen sagt man einen sehr guten Draht zu den Indianern nach. Neben dem recht kurz gehaltenen Tutorial, über das sich vor allem Neueinsteiger freuen werden, bietet das neue „Age of Empires“ für jeden Geschmack etwas. Freunde von Multiplayer-Gefechten können sich im LAN oder mittels des Online-Services GameRanger im Deathmatch oder Vorherrschaftsmodus austoben.

Einzelspielernaturen können sich entweder in die Kampagne rund um die Familie Black und deren Abenteuer in der Neuen Welt stürzen oder sich in Einzelgefechten auf verschiedenen Teilen der Karte versuchen. Hier kann auch festgelegt werden, wie viele Gegner auf der Karte vorhanden sind und in welchen Teams gekämpft wird. Wie gehabt beginnt ein Spiel in der weiten Prärie, und es gilt Rohstoffe zu sammeln, das Land zu erkunden, neue Gebäude zu bauen und Einheiten weiter zu entwickeln, um dann irgendwann den Gegner in die Knie zu zwingen.

Heimweh und der rote Mann

Eines der wichtigsten neuen Spielfeatures im dritten Teil dieser Serie ist das Einbinden der Heimatstadt. Diese wurde optisch für jede Nation ein klein wenig anders gestaltet. Während des laufenden Spieles kann man jederzeit über den Knopf „Heimatstadt“ in diese Ansicht wechseln. In der Heimatstadt werden Technologien weiter entwickelt und natürlich auch Rohstoffe gesammelt und Truppen ausgebildet. Diese kann man sich dann per Schiffsladung in die Neue Welt transportieren lassen, wo sie anschließend im Dorfzentrum plötzlich als neu verfügbare Einheiten auftauchen. Der Umfang der Hilfe aus der Heimat nimmt mit fortschreitenden Zeitaltern zu, wobei aber zu beachten ist, dass einige Lieferungen nur einmal erfolgen können. Zudem werden mit jeder erfolgreichen Mission bzw. anhand der gesammelten Erfahrungspunkte neue Technologien oder Hilfsleistungen verfügbar.

Das Suchen und Bergen von Schätzen, die teilweise von finsteren Gesellen oder wilden Tieren bewacht werden, ist ein weiteres spannendes Element mit dem man sich vor allem zu Spielbeginn ungeahnte Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschaffen kann. Außerdem wird so der etwas zähe Spielbeginn, bei dem man auf das Einsammeln der notwendigen Rohstoffe warten muss, umgangen. Natürlich wird die Neue Welt nicht nur von europäischen Kolonisten bevölkert sondern auch von den Ureinwohnern. Diese können nicht selbst gespielt werden, aber alle Spielparteien können mit den Cherokee, Maya, Lakota, Inka oder Komantschen ein Bündnis eingehen. Das bringt zum einen militärische Vorteile mit sich, denn der Indianerstamm kämpft dann Seite an Seite mit dem Bündnispartner. Auch in wirtschaftlicher Sicht ist so ein Bund zweckdienlich, denn die verschiedenen Stämme verfügen nicht nur über unterschiedliche militärische Einheiten, sondern bringen oft auch logistische Vorteile, etwa durch deren Jagdgeschick.

Schwachpunkte

Wo so viel Licht ist, ist leider auch etwas Schatten. Wer einen Intel-Mac mit vollwertiger Grafikkarte hat, kann das Spiel in ganzer Schönheit geniessen. PPC-Anwender müssen leider mit einigen Performanz-Einbußen leben oder den Detailgrad der Grafik runterschrauben. Gleiches Recht für beide Systeme, was die Abstürze betrifft: Im Testlauf stürzte das Spiel auf beiden Plattformen immer mal wieder ab; hier bleibt zu hoffen, dass ein Patch dieses Problem bald lösen wird. Ein etwas größerer Kritikpunkt ist die teilweise sehr schwache KI der Einheiten. Sowohl die eigenen als auch die gegnerischen Truppen waren nicht sehr wählerisch, was ihre Angriffsziele betrifft. So kam es öfters vor, dass eigene Truppen harmlose Bauern unter Feuer nahmen statt sich gegen die Angriffe der hinter ihnen stehenden Lanzenträger zur Wehr zu setzen, was diese natürlich genüsslich ausnutzten.

Glücklicherweise wirkt dieser Malus in beide Richtungen. Auch ist es um die Moral der Truppe nicht wirklich gut bestellt, und man nimmt es mit Befehlen nicht immer so genau. Trotz der Anweisung, sich defensiv zu verhalten, brach bei manchen Soldaten der Enthusiasmus durch, und sie ließen sich dummerweise zu einer Verfolgungsjagd hinreißen, die dann meistens auch mit ihrem Ableben endete. Auch die Physikengine kann nicht ganz von der Kritik ausgespart werden. Es ist zwar ebenso amüsant wie beeindruckend zu sehen, welche Auswirkungen ein Kanonenschuss auf Einheiten oder Gebäude des Gegners hat.

Schade aber ist, dass sich etwa Terrain-Gegebenheiten auf den Spielablauf kaum auswirken. Obgleich eine Einheit für Kanoniere durch einen Hügel verdeckt war, geriet jeder Schuss zum Treffer. Wer braucht da noch GPS oder Satellitenunterstützung? Auch wirken sich Höhenunterschiede auf das Kampfverhalten der Truppen leider überhaupt nicht aus. Schade, hier haben teilweise ältere Spiele bereits deutlich mehr zu bieten gehabt.

Fazit

Trotz der oben genannten Kritikpunkte ist „Age of Empires 3“ für uns ganz klar eines der ganz großen Highlights des abgelaufenen Spieljahrgangs 2006 für den Macintosh. Jeder, der den Vorgänger gespielt hat und über die notwendige Rechenleistung verfügt, sollte sich diesen Titel zulegen. Spielerisch bietet der Titel Veteranen und Fans dieses Genres durch das Feature Heimatstadt der acht recht verschieden gehaltenen Nationen und der Indianerverbündeten genügend Neues, mit dem man viel experimentieren kann. Grafisch ist der Titel voll auf der Höhe der Zeit und derzeit sicher einer der optisch ansprechendsten Strategietitel überhaupt. Neueinsteiger freuen sich über das kurze Tutorial und die vielen Schwierigkeitsgrade, die es eigentlich jedem Spieler erlauben, in der Neuen Welt schnell ein paar erste Schritte zu gehen.

Testergebnis
ProduktnameAge of Empire 3
HerstellerEnsemble Studios
Preisca. 50 Euro
Webseitewww.ashgames.de
Pro
  • Neue Elemente durch Heimatstadt und Indianerstämme
Contra
  • gelegentliche Abstürze
SystemvoraussetzungenMac OS X 10.3.9, G4/5 oder Intel-Chipsatz mit min. 1,2 GHz, 512 MB RAM
Bewertung
1,5sehr gut

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