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Megatest: iPhone 11 und iPhone 11 Pro

Megatest: iPhone 11 und iPhone 11 Pro – Nicht nur auf Endor sind die iPhones grün

2018 gab es an dieser Stelle zwei unterschiedliche Testberichte: Einen zum iPhone XS und iPhone XS Max und einen weiteren zum iPhone XR. In diesem Jahr finden Sie nur einen Mac-Life-Testbericht zu allen drei neuen iPhone-Modellen – dem iPhone 11, dem iPhone 11 Pro und dem iPhone 11 Pro Max. Denn die Geräte sind abgesehen von den neuen Kamerasystemen so ähnlich, dass separate Tests nicht sinnvoll erscheinen.

Regelmäßige Mac-Life-Leser und die Zuhörer unseres Podcasts „Schleifenquadrat“ wissen, was wir von Apples aktuellem Namens-Chaos halten.

Bei den iPhones räumt Apple in dieser Hinsicht auf. Das letzte Jahr mit dem iPhone XS und dem iPhone XR war merkwürdig. Welches der beiden ist das neuere Telefon? Welches das bessere? Dieses Jahr ist alles ganz klar und einfach. Schon die Namen sind logisch. Es gibt das iPhone 11, das für die meisten Menschen das richtige iPhone ist. Und es gibt das iPhone 11 Pro für alle, die „mehr“ wollen – oder zu viel Geld haben. Wer dann auch noch Wert auf ein maximal großes Display legt, wird mit dem iPhone 11 Pro Max glücklich.

Beklagen kann man lediglich, dass die neuen iPhones nun einen (bis zu) vierteiligen Namen haben. Aber irgendeinen Tod muss man hier wohl sterben und solange Apple nicht anfängt, seine Geräte nach einem ähnlichen Muster wie TV-Hersteller zu benennen, fällt all das unter die Rubrik „Jammern auf hohem Niveau“.

Beruhigt bin ich, dass Apple sich wieder von römischen Ziffern verabschiedet und einen auf einen zukunftsfähigen Weg zurückkehrt. Es würde mich schon sehr wundern, wenn uns im nächsten Jahr ein iPhone XII und ein iPhone XII Pro Max erwarten würden.

Die neue Gehäusefarbe des iPhone 11 Pro erinnert sicherlich nicht nur mich stark an die Rüstung von Boba Fett aus Star Wars.
Die neue Gehäusefarbe des iPhone 11 Pro erinnert sicherlich nicht nur mich stark an die Rüstung von Boba Fett aus Star Wars. (Bild: Apple)

Das Gehäuse wie aus einem Star-Wars-Film

Apple beeindruckt bei seinem Gerätedesign immer wieder und vor allem mit den Details. Beim iPhone 11 und iPhone 11 Pro ist das Highlight: das aus einem einzigen Stück gefertigte rückwärtige Glas inklusive des Gehäuses für den Kamerabuckel. Das erhöht laut Apple die Stabilität des Chassis und punktet auch in Sachen Ästhetik.

Überhaupt behauptet Apple einmal mehr, sie verwendeten das bruchsicherste Glas der gesamten Industrie. Wenn man sich Apples Engagement bei Corning, dem Hersteller des bekannten „Gorilla Glas“ und seiner Nachfolger, anschaut, kann man der Aussage ruhig glauben. Das iPhone absichtlich auf den Boden zu werfen, empfiehlt sich trotzdem nicht.

Eine wirklich große Farbauswahl gibt es auch in diesem Jahr nur für die preisgünstigeren iPhone-Modelle.
Eine wirklich große Farbauswahl gibt es auch in diesem Jahr nur für die preisgünstigeren iPhone-Modelle. (Bild: Apple)

Während das iPhone 11 auf der Rückseite genau so aussieht wie das iPhone XR (abgesehen davon, dass es über ein zusätzliches Kameraobjektiv verfügt), unterscheidet sich das iPhone 11 Pro deutlicher von seinem Vorgänger, dem iPhone XS. Nicht nur, dass auch das Pro-Modell ein zusätzliches Kameraobjektiv bekommen hat, der Rücken ist nun mattiert. Das sieht besonders in Apples neuer Farbe „Midnight Green“ schön aus, was sicherlich kein Zufall ist.

Mich persönlich überzeugt der neue Grünton der Pro-Geräte auch deshalb, weil er mich an Boba Fett erinnert und damit meine Vorfreude auf „The Mandalorian“, die neue Star-Wars-Serie, die ab November zumindest in den USA bei Disney+ laufen wird, noch steigert. Auch wenn Boba Fett darin leider keine Rolle spielen wird, obwohl er doch als Klon des Mandalorianers Jango Fett geboren wurde – aber das führt hier vielleicht zu weit.

Im direkten Vergleich fühlt sich das mattierte iPhone 11 Pro unerwartet rutschiger an als das iPhone XS mit seinem glatten Rücken.

Da die meisten Menschen ihr iPhone aber sowieso mit einer Schutzhülle versehen, erübrigt sich dieses vermeintliche Problem. Und nicht nur das: Auch der ausgewachsene Kamerabuckel wird kaschiert.

Während das Display des iPhone 11 identisch zu dem des iPhone XR ist, hat Apple beim iPhone 11 Pro im Vergleich zum iPhone XS eine Schipp draufgelegt.
Während das Display des iPhone 11 identisch zu dem des iPhone XR ist, hat Apple beim iPhone 11 Pro im Vergleich zum iPhone XS eine Schipp draufgelegt. (Bild: Apple)

Das beste Display – jetzt noch besser

Zum Bildschirm des iPhone 11 wurde eigentlich schon im vorigen Jahr alles gesagt. Es ist der gleiche „Liquid Retina“-Bildschirm, ein LCD mit einer Auflösung von 720p bei einer Pixeldichte von 326 PPI (Pixels per Inch, Pixel pro Zoll), wie beim iPhone XR aus 2018. „Liquid Retina“ ist dabei Apples Name für die hauseigene Technologie, das Display perfekt in die abgerundeten Ecken des Gehäuses einzupassen.

Anders als das iPhone XR verfügten schon das iPhone XS und das iPhone X über einen OLED-Bildschirm. Diese Bildschirmtechnologie hat ein paar entscheidende Vorteile: sie ist energieeffizienter und ermöglicht deutlich tiefere Schwarztöne. Dafür werden OLED-Displays aus bestimmten Betrachtungswinkeln anfällig für einen leichten Blauschimmer.

Konnte der Bildschirm des iPhone XS seine Inhalte noch mit einer maximalen Helligkeit von 625 Nits darstellen, schafft das iPhone 11 Pro bei normaler Umgebungsbeleuchtung 800 Nits und kann in gleißendem Sonnenlicht auf bis zu 1.200 Nits hochschalten.

Das neue Display ermöglicht erstmals wirklich die Wiedergabe von HDR-Inhalten. Das hatte Apple bereits im letzten Jahr schon vom iPhone XS behauptet. Aber da wirkte es so, als hätten sie lediglich die Farbsättigung erhöht. Was Apple in dieser Hinsicht in diesem Jahr abliefert, spielt in einer ganz anderen Liga.

Den aberwitzigen Videoformate-Krieg, den Google und Apple gerade auf den Rücken der Nutzer austragen, darf man dabei aber nicht außer Acht lassen. So können 4K-HDR-Inhalte von Youtube auch auf dem neuen iPhone nicht in voller Farbdynamik wiedergegeben werden, weil Google solche Videos partout im hauseigenen VP9-Codec ausspielen möchte, Apple diesen aber ebenso partout nicht unterstützen möchte. Das ist einfach lächerlich – von beiden Seiten. Apple könnte das Problem allerdings deutlich einfacher beheben, in dem es eben jenen Codec unterstützte, statt von Google zu erwarten, alle betroffenen Youtube-Videos auch noch anders encodiert für iPhone-Nutzer vorzuhalten.

Neu ist ebenfalls, dass Apple zur Bereitstellung der „True Tone“-Technologie einen Sensor weggelassen hat. „True Tone“ ist Apples Weg, nicht nur die Displayhelligkeit sondern auch dessen Farbtemperatur an die Umgebung anzupassen. Das gelingt so atemberaubend gut, dass man diese Funktion eigentlich nur bemerkt, wenn man sie versehentlich ausschaltet.

Indem man den Weißkanal einfach weggelassen und die Farbkanäle sensibler ausgestaltet habe, konnte man sogar noch bessere Ergebnisse erzielen, so Apple.

Aufgefallen ist mir diese Veränderung nicht und auch im direkten Vergleich mit dem Display eines iPhone XS fällt der Unterschied nur auf, wenn man darauf hingewiesen wird.

Mit all diesen Änderungen und Optimierungen verdient das iPhone-11-Pro-Display wahrlich einen neuen Namen. „Super XDR Display“ der neue Bildschirm, wobei das „XDR“ vom erst noch erscheinenden Super-Monitor des neuen Mac Pro entliehen ist. Kein schlechter Namenspate.

Der Tod von 3D Touch

3D Touch, was ist das? Zumindest in meinem Freundeskreis und bei den Kollegen außerhalb der Mac-Redaktion des Medienhauses Falkemedia kann damit praktisch niemand etwas anfangen. Und das ist auch schon ein Teil des Problems von 3D Touch.

3D Touch wurde mit dem iPhone 6S eingeführt und ist eine gesonderte Schicht des Displays, die erkennt, wie fest man eine Stelle darauf berührt. Wird aus dem Antippen ein Drücken, so wird eine andere Aktion ausgelöst, etwa ein Kontextmenü geöffnet.

3D Touch wurde seither in jedem iPhone verbaut. Fast. Außer im iPhone SE und iPhone XR.

Mit dem iPhone XR hat Apple eine Alternative zu 3D Touch mit dem Namen „Haptic Touch“ eingeführt. Im Prinzip die gleiche Funktionalität, aber beruhend auf einer anderen Technologie. Denn im Gegensatz zu 3D Touch erkennt Haptic Touch nicht, wie stark man auf das Display drückt, sondern wie lange.

Fassen wir zusammen: Niemand kennt 3D Touch und es ist nicht auf allen Geräten verfügbar. Schon mal gar nicht, wenn man über den iPhone-Tellerrand hinausblickt. Bis zum heutigen Tag unterstützt kein iPad 3D Touch.

Anders bei Haptic Touch, womit Apple nun auf eine Technologie setzt, die von allen kommenden iOS- und iPadOS-Geräten unterstützt werden kann.

Tatsächlich sind sich 3D Touch und Haptic Touch so ähnlich, dass die meisten Menschen den Wechsel nicht merken werden. Wer allerdings von einem iPhone XS (mit 3D Touch) auf ein iPhone 11 oder iPhone 11 Pro (mit Haptic Touch) umsteigt, wird unter Umständen die langsamere Reaktionszeit von Haptic Touch spüren. Zum Beispiel beim Aufrufen der Kamera aus dem Sperrbildschirm.

Wo mir ganz persönlich 3D Touch fehlen und wo Haptic Touch nur ein halb garer Ersatz sein wird, ist eine Funktion des iPhone, die viele Menschen noch immer nicht kennen. (Grob geschätzt sorge ich mit diesen Trick bei jedem fünften iPhone-Nutzer für großes Erstaunen.) Wenn man gerade dabei ist, Text über die Bildschirmtastatur einzugeben und an irgendeiner Stelle der Tastatur kräftiger auf den Bildschirm drückt, wird die Tastatur zu einer Art Trackpad, über das man den Cursor bequem bewegen kann, ohne sich ständig selbst mit den Fingern den Blick auf den Text zu versperren.

Dieser Trick funktioniert zukünftig auch mit Haptic-Touch-Geräten – allerdings nur bei langem Drücken auf die Leertaste. Das ist wahrlich kein Beinbruch, für mich aber eine gute Gelegenheit, noch mehr Menschen von diesem Kniff zu berichten.

Eine Kamera, die auch telefonieren kann

Kommen wir zu dem Abschnitt des Testberichts, auf den Sie sicherlich am meisten gewartet haben: Was taugt die neue Kamera? In einem Satz: Mindestens bis Google das Pixel 4 auf den Markt gebracht haben wird, halten Sie mit dem iPhone 11 Pro potenziell die alles in allem beste Smartphone-Kamera in der Hand. Aber der Reihe nach. Denn um die Kamera-Fähigkeiten des iPhone 11 und iPhone 11 Pro zu testen, haben wir uns von Kiel aus mit zwei Leihgeräten von Comspot (Danke!) auf den Weg zum Marineehrenmal in Laboe gemacht und jede Menge Fotos am Strand, auf dem Aussichtsturm und in einem U-Boot geschossen.

Über Jahre hinweg war völlig klar, dass das jeweils aktuelle iPhone über das beste Smartphone-Kamerasystem verfügt. Zuletzt hat sich Apple bei dieser Thematik aber von Google und Huawei die Butter vom Brot nehmen lassen – und nicht nur beim Thema Nachtmodus. Google hatte in den letzten Jahren in Sachen „Künstliche Intelligenz“ zur automatischen Bildbearbeitung mehr Innovationen in petto, Huawei profitierte stark von einer Kooperation mit Leica.

2019 ist nun endlich das Jahr, in dem Apple den Spieß wieder umdreht.

Sowohl dem iPhone 11 als auch dem iPhone 11 Pro hat Apple ein zusätzliches Ultraweitwinkelobjektiv mit einer Blende von f/2.4 spendiert und außerdem das Standardobjektiv so verbessert, dass es jetzt mit einer Blende von f/1.8 daherkommt. Grundsätzlich gilt: je kleiner die Blendenzahl ist, desto mehr Licht fällt durch das Objektiv auf den Sensor. Und je mehr Licht auf den Sensor fällt, desto kürzer können die Verschlusszeiten sein. Für den Nutzer bedeutet das, dass Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen schon dadurch besser werden. Für perfekt scharfe Bilder muss das iPhone beim Auslösen der Kamera außerdem weniger lange ruhig gehalten werden.

Direkt nach der Präsentation der neuen iPhones begannen Apple-Fans zu diskutieren, ob Apple dem iPhone 11 nicht lieber ein Teleobjektiv spendiert hätte. (Das iPhone 11 Pro verfügt über alle drei.) Ich glaube das nicht. Ja, das Teleobjektiv von iPhone X, XS und jetzt 11 Pro ist gelegentlich ganz praktisch. Zu besseren Aufnahmen und zu kreativeren Experimenten verleitet mich jedoch das Ultraweitwinkelobjektiv.

Das neue Ultraweitwinkelobjektiv in allen iPhone-11-Modellen lädt zu mehr Kreativität beim Fotografieren ein.
Das neue Ultraweitwinkelobjektiv in allen iPhone-11-Modellen lädt zu mehr Kreativität beim Fotografieren ein. (Bild: Apple)

Allerdings verfügt das Ultraweitwinkelobjektiv über einen kleineren Sensor und hat im Vergleich zum Weitwinkelobjektiv auch die „langsamere“ Blende, liefert ergo potenziell die schlechteren Bilder ab. Zum Problem wird das allerdings nur im Dunkeln. Dort sollte der Fotograf lieber auf das Weitwinkelobjektiv setzen, weil dieses den Nachtmodus (siehe unten) hinzuschalten kann.

Liefert Apple mit dem iPhone 11 und iPhone 11 Pro das beste Kamerasystem aller aktuell verfügbarer Smartphones? Nein und ja. Nein, weil es nicht in allen Vergleichskategorien das beste Foto abliefert. Ja, weil Apple aber sehr wohl den besten Kompromiss anbietet. Wenn man sich durch alle möglichen Situationen und Lichtverhältnisse testet, wird die Mehrheit der Menschen in der Mehrheit der Fälle die iPhone-Bilder bevorzugen. Und mehr kann man vielleicht auch einfach nicht erwarten.

Bessere Bilder bei wenig Licht

Es ist so etwas wie ein offenes Geheimnis und ist auch jedes Jahr wieder Thema bei Mac Life: die Kamera des iPhone ist im Dunkeln quasi nicht zu gebrauchen und der Einsatz des Blitzes macht Bildern weder im stimmungsvoll düsteren Irish Pub noch in Chalmuns Cantina nicht besser, sondern „anders schlecht“.

Im vorigen Jahr preschte Google vor und hat einen „Night Mode“ für sein Pixel-3-Smartphone vorgestellt, der alle beeindruckt hat. Durch eine Kombination aus guter Hardware und Künstlicher Intelligenz liefert das Pixel 3 ohne Zutun des Fotografen auch bei äußerst bescheidenen Lichtverhältnissen erstaunlich gute Aufnahmen. Keine Bilder, mit denen man auf Anhieb Preise gewinnen würde. Aber das Google Pixel 3 liefert noch in Situationen brauchbare Bilder, in denen ich mein iPhone XS gar nicht mehr aus der Tasche geholt habe, weil klar war: das wird nichts.

In diesem Jahr legt Apple nach. iPhone 11 und iPhone 11 Pro verfügen ebenfalls über einen Nachtmodus, wobei dieser anders funktioniert, als wir es von Google kennen. Zunächst einmal findet die komplette Bildoptimierung auf dem iPhone statt und, wenn nicht explizit etwa durch das Aktivieren der iCloud-Fotomediathek gewünscht, verlassen die Fotos auch das Gerät nicht.

Während der Nachtmodus bei Googles Pixel 3 aktiv ausgewählt werden muss, aktiviert ihn das iPhone automatisch, wenn die Lichtverhältnisse es erfordern.

Die Resultate können sich sehen lassen. Bei unserem Ausflug ins an der Kieler Förde in Laboe liegende U-Boot haben wir ein Stilleben in der Kombüse aufgenommen. Das iPhone-Bild wirkt hier einmal mehr etwas gelbstichig – wie auch der Raum selbst Die Fotografien des iPhone 11 und iPhone 11 Pro ist am realistischsten. Googles Pixel 3 rechnet das gelbliche Licht praktisch komplett heraus, während das Huawei P30 Pro zu glauben scheint, dass ein Foto nicht gelbstichig genug sein kann.

Wenn Sie nicht im Nachtmodus fotografieren möchten, können Sie die Funktion während des Fotografierens analog zum Blitz abschalten. In iOS 13.0, der Betriebssystemversion, die mit den neuen iPhones ausgeliefert wird, ist das manchmal etwas hakelig. In der Beta-Version von iOS 13.1, die als finale Version allen Nutzern noch in diesem Monat zur Verfügung stehen wird, wurde dieses Problem behoben.

Die iPhone-Nachtmodus-Aufnahmen sind beeindruckend gut und erinnern nicht nur mich, sondern auch den Blogger und Podcaster John Gruber an eine wenig bekannte Filmtechnik namens „day for night“. Dabei werden Filmszenen, die nachts spielen, tagsüber gedreht und durch einige technische Kniffe so bearbeitet, dass sie wirken, als ob sie in einer – so absurd das auch klingt – hell erleuchteten Nacht gedreht wurden. Alfred Hitchcock war ein Meister darin.

Der Nachtmodus der neuen iPhone-Modelle funktioniert nicht mit dem Ultraweitwinkelobjektiv, beim iPhone 11 Pro aber sehr wohl mit dem Teleobjektiv.

Für eine spätere Version von iOS 13, die noch im Herbst folgen soll, verspricht Apple weitere Verbesserungen der Fotoqualität bei geringer Beleuchtung. Mit „Deep Fusion“ macht das iPhone schon vor dem Drücken des virtuellen Auslösers mehrer kurz belichtete Aufnahmen und beim Auslösen eine länger belichtete Aufnahme. Die insgesamt neun Aufnahmen werden Pixel für Pixel zu einem bestmöglichen Bild zusammengesetzt. In einer sensationellen Geschwindigkeit, so dass man diesen Vorgang in aller Regel nicht mitbekommen wird.

„Deep Fusion“ spielt eng zusammen mit einer anderen Fototechnologie, die Apple „Smart HDR“ nennt und in iOS 13 noch weiter optimiert hat. Smart HDR analysiert Fotos und versucht Objekte darin zu erkennen – vom Himmel bis zum Hund. Dafür zieht die Software alle im Hintergrund aufgenommenen Bilder heran. So werden etwa Barthaare oder Augen geschärft, der Himmel aber nicht.

Alles in allem hat Apple mit dem iPhone 11, dem iPhone 11 Pro und iOS 13 den aktuell besten Nachtmodus für Fotoaufnahmen im Gepäck. Nochmal: Zumindest, bis Google das Pixel 4 veröffentlicht.

Selfies mit 12 Megapixel und in Zeitlupe

Menschen hatten schon immer einen Hang dazu, sich selbst zu fotografieren. „Selfies“ gibt es seit den frühesten Anfängen der Geschichte der Fotografie. Ohne Frage ist die Selfie-Dichte – sowohl in absoluten Zahlen wie auch relativ zur Menge aller angefertigten Aufnahmen – in den letzten zehn Jahren exponentiell gestiegen. Da erscheint es nur logisch, dass Apple auch die vorderseitige Kamera des iPhone erneut verbessert. 2019 mit einem echten Sprung: Die „Selfie-Kamera“ steht ab sofort der rückwärtigen Kamera in kaum etwas nach. Fotos mit 12 Megapixel, Videoaufnahmen mit bis zu 4K. Dazu die Möglichkeit, Videos in „Slow Motion“ aufzunehmen. „Slofies“ tauft Apple die Resultate liebevoll.

Wie auch die rückseite Kamera, liefert die vorderseitige deutlich realistischere Aufnahmen als etwa das Google Pixel 3 oder das Huawei P30 Pro. Das Google-Phone überzieht jedes Gesicht mit einem Weichzeichner, der für meinen Geschmack deutlich zu krass ist. Gesichter verlieren an Zeichnung und werden vielleicht „perfekter“, aber auch langweilig. Beim Huawei P30 Pro muss es irgendwo einen versteckten Schalter geben, der den „Drama“-Filter ausschaltet. Wie beinahe alle Aufnahmen wirken auch die der Huawei-Selfie-Kamera etwas zu kühl, etwas zu kontraststark.

Diese Probleme hat das iPhone nicht. Das iPhone liegt dafür des Öfteren mit dem Weißabgleich daneben und liefert leicht gelbstichige Porträtaufnahmen.

Bei aller je nach Person mehr oder weniger ausgeprägten Freude über neue Selfie-Möglichkeiten wird ein weiterer Vorteil dieses Upgrades in der Diskussion um die neuen iPhones vergessen: das neue Kameramodul ermöglicht signifikant bessere Bildqualität bei der Videotelefonie, etwa bei FaceTime.

Vier gleichzeitig nutzbare Videokameras

Bei Filmaufnahmen überzeugen iPhone 11 und iPhone 11 Pro auf ganzer Linie. Das iPhone filmt 4K bei 60 Bildern pro Sekunde und macht dabei hervorragende Arbeit. Mithalten kann in unserem Vergleich (Video-Beispiele finden Sie in der ZIP-Datei am Ende dieses Artikels.) lediglich das Huawei P30 Pro und das Vorjahres-iPhone, wobei Huawei den Bildstabilisator etwas zu hart kalibriert zu haben scheint, so dass das Videomaterial ruckelig wirkt.

60 FPS (Frames Per Second, Bilder pro Sekunde) entsprechen nicht den ästhetischen Vorlieben vieler Menschen. Über Jahre und Jahrzehnte haben wir unsere Augen darauf trainiert, das Videomaterial eben in 24, höchstens 30 FPS daherkommt. Aufnahmen in 60 FPS wirken auf viele Zuschauer unnatürlich. Ich filme meistens trotzdem mit 60 FPS, getreu dem Motto „haben ist besser als brauchen“. Runterrechnen und mit 30 FPS ausspielen kann man die Aufnahmen trotzdem noch. Profis schlagen bei solchen Aussagen die Hände über dem Kopf zusammen, weil das eben doch nicht so einfach möglich ist und man eigentlich noch viel Detailarbeit investieren müsste. Aber ich produziere keine Hollywood-Blockbuster. Ich filme Hunde, die lustige Dinge tun, Kollegen, wenn sie etwas für Mac Life in die Kamera sprechen, Konzertschnipsel aus der 23. Reihe und gelegentlich mich selbst, wenn ich Freunden oder Familie etwas zeigen oder erklären möchte. Mein „Publikum“ beschwert sich ohnehin nicht über die 60 FPS und falls mir selbst mal etwas zu unnatürlich aussehen sollte, lasse ich das Videoschnittprogramm meiner Wahl (iMovie, Final Cut Pro X) eine 30-FPS-Version daraus machen.

Filmt man allerdings schon bei 30 FPS, dann bietet das iPhone 11 Pro zwei nicht zu verachtende Vorteile. Man kann zwischen dem Weit- und Ultraweitwinkelobjektiv wechseln, ohne, dass es Verschiebungen bei Farben oder Belichtung gäbe.

Das ist durchaus beachtlich und wird von kaum einem anderen Smartphone außer aktuellen Top-Modellen von Samsung angeboten.

Außerdem kann man in den Kameraeinstellungen so etwas wie einen Nachtmodus aktivieren. Die Funktion heißt „Autom. FPS bei wenig Licht“ und dahinter verbirgt sich eine automatische Reduktion der Bildrate „von 30 auf 24 FPS, um Videoaufnahmen bei wenig Licht zu verbessern.“ Das ist Physik und funktioniert wie beworben. Das iPhone erlangt damit keine Nachtsichtgerätqualitäten, aber die Aufnahmen sind merklich besser.

Neu in iOS 13: Sie können nicht länger nur Fotos, sondern jetzt auch direkt Videos in der Fotos-App bearbeiten.
Neu in iOS 13: Sie können nicht länger nur Fotos, sondern jetzt auch direkt Videos in der Fotos-App bearbeiten. (Bild: Apple)

Ein weiterer Zugewinn der Updates von 2019: die Fotos-App von iOS 13 kann jetzt auch Videos bearbeiten. Filme in Clips zerschneiden, Filter anwenden, Anpassungen bei Helligkeit und Kontrast – das und einiges mehr geht jetzt mit Bordmitteln und wird hoffentlich die Videoqualität vieler Hobbyfilmer voraussichtlich automatisch verbessern.

Besonders freut es mich, dass man nun endlich ein Video beschneiden kann, ohne, dass daraus zwei Videos entstehen. Bislang blieb das Original, wenn man die letzten verwackelten drei Sekunden davon abschnitt, nämlich erhalten.

Beeindruckend ist, dass das iPhone 11 Pro alle vier verbauten Kameras gleichzeitig ansteuern kann. Entsprechende Apps (etwa Filmic Pro) vorausgesetzt, zeichnen Sie so vier 4K-Videostreams parallel auf. Das kann doppelt nützlich sein. Zum einen nehmen Sie so mit dem rückwärtigen Kamersystem drei Perspektiven (Weitwinkel, Ultraweitwinkel, Tele) gleichzeitig auf und können im Nachgang entscheiden, welche die bessere Wahl ist oder zwischen den drei Aufnahmen wechseln.

Die Hinzunahme der Selfiekamera ermöglicht es beispielsweise, sich gegenüberstehende Personen aufzunehmen. Als Beispiel nennt Apple Interviewsituationen und zeigt ein Video mit zwei Musikern.

Filmen oder Fotografieren Sie mit dem Weitwinkel oder Teleobjektiv, können Sie in der neuen Kamera-App auch über den Bildausschnitt hinaus sehen.
Filmen oder Fotografieren Sie mit dem Weitwinkel oder Teleobjektiv, können Sie in der neuen Kamera-App auch über den Bildausschnitt hinaus sehen. (Bild: Apple)

Etwas Fleisch ums Bild

Von meinem Layouter bekomme ich immer dann Ärger, wenn ich ihm Bilder anliefere, auf denen sich das Motiv recht nah am Rand befindet. Damit beschränke ich ihn in seinen Möglichkeiten, das Bild etwa um 30 Grad zu kippen und trotzdem rechteckig zu beschneiden. Das Bild habe zu wenig Fleisch, also Bereiche, die man wegschneiden könnte, ohne, dass das Wesentliche verloren geht, sagt er dann.

Mit dem iPhone 11 und iPhone 11 Pro sowie iOS 13 rettet mich Apple vor seinem Groll. In den Einstellungen der Kamera gibt es zwei interessante Schalter, für die Apple kein knackiger deutscher Namen eingefallen ist, weshalb sie „Fotoaufnahmen außerhalb d. Rahme…“ und „Videoaufnahme außerhalb d. Rahm…“ heißen. Schaltet man diese Option ein, passiert etwas Großartiges.

Wenn Sie mit dieser Option Foto- oder Videoaufnahmen mit dem Weitwinkel- oder Teleobjektiv schießen, wird das Bildmaterial des nächstweitwinkligeren Objektivs, also Material, das über den eigentlich gewählten Bildausschnitt (oder: Rahmen) hinausgeht, mit aufgezeichnet und Ihre Aufnahmen haben automatisch genug Fleisch für nachträgliche Korrekturen.

Natürlich sorgt das auch für einen deutlich schneller gefüllten Speicher Ihres iPhones. Apple hat aber auch da mitgedacht: Sollte das zusätzliche Material innerhalb von 30 Tagen nicht für Korrekturen genutzt werden, wird es automatisch gelöscht.

In der aktuellen iOS-Version 13.0 scheint diese Funktion eher einen Beta-Status zu haben und funktioniert manchmal schlicht einfach nicht. Das ist ärgerlich, aber schon mit der (tatsächlichen) Beta iOS 13.1 tritt dieses Fehlverhalten nicht mehr auf. Es würde mich nicht wundern, wenn Apple diese beiden Schalter in einer der kommenden iOS-Versionen automatisch aktiviert.

Face ID

Apple verspricht, dass Face ID nun schneller und außerdem aus einem größeren Betrachtungswinkel funktioniert. Für mich hat Face ID schon zuvor sehr gut und zuverlässig funktioniert, sodass ich an der Stelle vielleicht die falsche Testperson bin. Und so kann ich auch keine echte Verbesserung feststellen. Aufgrund der Tatsache, dass viele andere Autoren von Testberichten überhaupt nicht auf Face ID eingehen, gehe ich davon aus, dass es den meisten ähnlich geht.

Apple verspricht Raumklang

Das iPhone 11 verfügt über etwas, das Apple „spatial audio“ nennt, und das einen räumlichen Klang vor allem bei der Wiedergabe von Videos und Spielen vermitteln soll. Vorausgesetzt, dass die Medien über eine entsprechende Tonspur verfügen. Apple verbaut dafür einen „virtual surround decoder“, der neben Dolby Digital 5.1 und 7.1 auch Dolby Atmos unterstützt. Dolby Atmos ist die relativ neue Raumklangtechnologie, bei der der Lautsprecher in Kinos beispielsweise auch über oder sogar unter dem Publikum angebracht werden kann, um eine Klangkugel um die Zuschauer zu erzeugen.

Das iPhone verfügt allerdings weiterhin lediglich über Stereolautsprecher. Diese klingen zwar im direkten Vergleich mit denen eines iPhone XS imposanter. Die Räumlichkeit muss man aber wirklich hören wollen, um sie zu erkennen – manche würden sagen: um sie sich einzubilden.

Mit Kopfhörern ist der virtuelle 3D-Klang deutlich einfacher zu erreichen, weil die Hörmuscheln immerhin schon links und rechts vom Kopf angebracht sind. Das iPhone mit seinen Lautsprechern, die mich als Filmzuschauer weiterhin von vorne anschreien, muss da auf mehr Fantasie beim Zuhörer hoffen.

Apples A13 schritt bietet das, was wir von Apple schon seit Jahren gewohnt sind: höher, schneller, weiter.
Apples A13 schritt bietet das, was wir von Apple schon seit Jahren gewohnt sind: höher, schneller, weiter. (Bild: Apple)

Prozessor

Wie schon im letzten Jahr unterscheidet Apple seine neuen iPhones nicht anhand von Rechenleistung. Alle drei Modelle – iPhone 11, iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max – sind mit Apples neuem A13-Bionic-Chip ausgestattet, der sowohl leistungsstärker als auch effizienter als der A12 aus dem Vorjahr ist.

Echte Performance-Sprünge, obwohl auf dem Papier vorhanden, merkt man allerdings nicht. Das liegt auch daran, dass viele neue Funktionen (besonders die des neuen Kamerasystems) leistungshungriger sind, als ihre Pendants auf dem iPhone XS oder XR. Dass sich die neuen iPhones nicht langsamer anfühlen, ist also eigentlich schon beeindruckend genug.

Dass Apple kontinuierlich an dieser Schraube dreht, hat darüber hinaus den Vorteil, dass jetzt gekaufte iPhones länger nutzbar bleiben, was vor allem für Käufer des iPhone 11 ein Argument sein wird. Für iPhone-11-Pro-Käufer wird das nicht als Argument gelten, da sie ohnehin schneller zum nächsten iPhone-Modell wechseln und nicht vier oder fünf Jahre warten werden.

U1-Chip

Über eine neue Funktion der iPhone-11-Reihe wurde während der Präsentation so gut wie gar nicht gesprochen: der U1-Chip. Dieser ergänzt das iPhone um eine „Ultra Wideband“-Technologie und soll für „spatial awareness“, also bessere Orientierung im Raum, sorgen.

Inhaltlich gehört der U1-Chip damit sehr eng zu den ebenfalls von der Gerüchteküche herbeifabulierten Bluetooth-Trackern, an denen Apple wohl arbeite. Mit diesen und dem U1-Chip im iPhone könnte es beispielsweise möglich sein, in einer AR-App, genau anzuzeigen, wo die vermissten Schlüssel im Zimmer liegen.

Die Bluetooth-Tracker gibt es allerdings bislang nicht. Trotzdem ist der U1-Chip alles andere als nutzlos: er wird bei aktiviertem AirDrop ermöglichen zwei iPhones aufeinander zeigen zu lassen, um den Datentransfer zu initiieren, respektive um die Auswahl der dafür bereitstehenden Geräte vorzusortieren. Aber auch das wird frühestens mit iOS 13.1 passieren, das Apple für den 24. September angekündigt hat.

Die Akku-Laufzeit der neuen iPhone-11-Pro-Modelle überflügelt die XS-Geräte aus dem Vorjahr bei weitem.
Die Akku-Laufzeit der neuen iPhone-11-Pro-Modelle überflügelt die XS-Geräte aus dem Vorjahr bei weitem. (Bild: Apple)

Endlich keine Akku-Probleme mehr?

Abgesehen von den oben beschriebenen Problemen von 3D Touch, gibt es einen weiteren Nachteil dieser Technologie: sie beansprucht mehr Platz im Gerät als Haptic Touch. Apple hat diesen eingespart und mit Akku gefüllt. Außerdem sind die Pro-Modell des iPhone 11 im Vergleich zu den XS-Geräten des Vorjahres minimal aber dafür in alle Dimension größer geworden. Noch mehr Platz für noch mehr Akku.

Und das merkt man. Apple gibt an, dass der Akku des iPhone 11 Pro bis zu vier Stunden länger durchhält als der des iPhone XS. Bei den Max-Varianten erhöht sich dieser Wert gar auf fünf Stunden, während das iPhone 11 in etwa so lange ohne neuerlich Stromzufuhr auskommt, wie das iPhone XR.

Das alles sind Werte, die sich nach mehrtägiger Nutzung der Geräte richtig anfühlen. Mein vorheriges iPhone, ein iPhone XS, habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit durchgetauscht, so dass der Akku des iPhone XS noch immer eine Kapazität von 100% hat. Wer sein iPhone XS ein Jahr lang täglich intensiv genutzt hat, liegt jetzt vermutlich bei etwa 90% Akkukapazität, so dass das gefühlte Plus an Akkulaufzeit sogar größer ausfallen dürfte, als Apple angibt.

Aber gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Apple hat die Akkulaufzeit seiner Top-Smartphones von 2018 auf 2019 um vier bis fünf Stunden verlängert. Das allein wäre mir schon fast Grund genug, um über ein Upgrade nachzudenken. Denn anders als meine Apple Watch schaffte es mein iPhone XS selten durch den Tag, ohne nicht zumindest kurz mal im Büro oder im Auto ans Ladegerät zu müssen. Der Akku des iPhone 11 Pro ist dahingehend ein „game changer“. An normalen Tagen mit durchschnittlicher Telefonie-, Twitter-, Instagram- und Slack-Nutzung muss ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, ob ich abends im Restaurant wohl einen Sitzplatz in Steckdosennähe zugeteilt bekomme.

Anders als im letzten Jahr, als das iPhone XR Akkulaufzeit-Champion war, ist die Reihenfolge gemessen am Preis jetzt korrekt: das iPhone 11 Pro Max hält länger durch als das iPhone 11 Pro, das wiederum länger durchhält das das iPhone 11, wobei das iPhone 11 seinerseits länger durchhält als das iPhone XR.

Echte Vergleiche von Akku-Laufzeiten gestalten sich schwierig. Man bekommt es mit Alltagstests schlicht nicht hin, über Tage hinweg auf mehreren parallel laufenden Geräten exakt das gleiche Nutzungsverhalten durchzuhalten. Und Apple ist dabei auch keine große Hilfe, gibt der iPhone-Hersteller doch selbst auch keine Werte für reale Nutzungsszenarien an, sondern beschränkt sich auf Angaben wie „11 Stunden Videostreaming“.

Apples Werte von vier bis fünf Stunden zusätzlicher Akkulaufzeit indes basieren nicht auf diesen Angaben. Apple verfügt mit ziemlicher Sicherheit über eine Datenbank realistischer Anwendungs- und Nutzungsszenarien und testet neue iPhone-Modelle damit.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Stromversorgung. Apple bekommt alle möglichen Pluspunkte dafür, dass das alte 5-Watt-Netzteil nicht mehr in der Box liegt. Es wird ersetzt durch ein Ladegerät, dass das iPhone mit 18 Watt befeuern kann. Leider gilt das allerdings nur für Käufer eines iPhone 11 Pro. Wer das „normale“ iPhone 11 kauft, bekommt weiterhin ein 5-Watt-Netzteil, was 2019 schlicht peinlich ist.

Hätte Apple das 5-Watt-Ladegerät allen iPhones der aktuellen Generation beigelegt, hätten wir alle darüber gelächelt. Das neue Netzteil aber zu einem Pro-Feature zu machen, ist einfach lächerlich und ähnlich unangemessen, wie das zu lange Festhalten an einer Speichergröße von 16 Gigabyte. Dann, Apple, dann legt doch lieber gar kein Netzteil mehr bei.

Eine weitere Kuriosität aus dem Strombereich war das Gerücht, man könne mit dem iPhone andere Smartphones kabellos laden. Technisch wäre das nicht weiter wild – schließlich können aktuelle iPhone-Modelle kabellos geladen werden, verfügen also über eine entsprechende Induktionsspule, die ohne großen Aufwand auch „anders herum“ genutzt werden könnte. Zumindest zum Verkaufsstart kommt das iPhone ohne diese Funktionalität. Gleichwohl könnte man sie per Software nachreichen, vorausgesetzt, dass die nötigen technischen Anpassungen bereits geschehen sind.

Ich habe mich von Anfang angefragt, was diese Funktion wohl soll. Ich kenne sie von Freunden mit Samsung-Telefonen, die dies schon länger können. Und mir will partout nicht in den Kopf, warum ich Akkuladung von meinem iPhone abgeben sollte. Bei keinem meiner täglich genutzten Geräte, ist Akkuladung wertvoller.

Ganz zu schweigen davon, dass induktives Laden alles andere als effizient ist. Ein guter Teil der so an ein anderes Gerät gespendeter Ladung verpufft im Nichts.

Das einzige wirklich clevere Szenario für diese Technologie hörte ich im Podcast ATP. Dort argumentierten Casey Liss, Marco Arment und John Siracusa: man stelle sich vor, man könnte auf Reisen gehen und bräuchte nicht noch ein extra Ladekabel für die Apple Watch, weil man nachts einfach das iPhone per Stromkabel lädt und die Uhr auf dem Rücken des Telefons platziert und am nächsten Morgen sind beider Geräte Akkus wieder bei 100 Prozent. Und nun will ich diese Funktion leider doch haben!

Fazit

In diesem Jahr gibt es in Sachen iPhones wahrlich wenig Anlass zur Klage: alle Modelle verfügen über brillante Displays, großartige Kameras und – neu 2019 – ausreichend lange Akkulaufzeiten.

Wenn Sie gerne und viel mit Ihrem Smartphone fotografieren, ist das neue iPhone 11 eine echte Empfehlung, da Apple die Konkurrenz in diesem Jahr in entscheidenen Punkten hinter sich lässt.

Das iPhone 11 ist ein grandioses Gerät und sicherlich die richtige Wahl für die große Mehrheit potenzieller Käufer. Wer sich für das iPhone 11 entscheidet, verzichtet im Vergleich zum iPhone 11 Pro auf ein besseres Display, ein Teleobjektiv und etwas LTE-Geschwindigkeit. Allerdings: Dass Sie ein schlechteres Display erworben haben, werden Sie nur im direkten Vergleich sehen und merken. Das nicht vorhandene Teleobjektiv werden Sie nur vermissen, wenn Sie vorher ein iPhone mit entsprechender Ausstattung besaßen. Und von dem theoretischen Plus an LTE-Geschwindigkeit werden Sie, Hand aufs Herz, in Deutschland sowieso nichts mitbekommen.

Sie machen mit dem iPhone 11 also auf keinen Fall etwas falsch. Wenn Sie mehr als die dafür von Apple verlangten 800 Euro ausgeben können, sollten Sie zunächst auf eine Erweiterung des Speichers schielen. Denn bei einem Smartphone, dass Fotos mit 12 Megapixel und Videos in 4K schießt, sind die für 800 Euro angebotenen 64 Gigabyte Speicherkapazität schon fast eine Frechheit. Apple hätte gut daran getan, auf ein paar Euro im Ertrag zu verzichten und im Sinne der Nutzer zu entscheiden, dass es das iPhone 11 immer mindestens mit 128 Gigabyte Speicherplatz gibt. So aber zahlen sie dafür die ersten 50 Euro Aufpreis. Wollen Sie die für das iPhone 11 maximale Speicherausbaustufe von 256 Gigabyte erreichen, müssen Sie 970 Euro investieren.

Mit weiteren 180 Euro, also einem Gerätepreis von 1.150 Euro, stoßen Sie dann zum iPhone 11 Pro vor, das Apple zu diesem Preis allerdings auch nur mit für 2019 und diesem Preis lächerlichen 64 Gigabyte anbietet. Die Ausbaustufe 128 Gigabyte gibt es bei den Pro-Modellen nicht. Hier springen Sie durch die Investition weiterer 170 Euro direkt zu 256 Gigabyte, mit weiteren 230 Euro, in Summe also 1.550 Euro erreichen Sie das absolute diesjährige Speichermaximum von 512 Gigabyte.

Wenn Sie dann auch noch das größere Display des iPhone 11 Pro Max haben möchten, müssen Sie bei jeder Preisstufe weitere 100 Euro drauflegen.

Ein Archiv mit allen für diesen Test angefertigten und unbearbeiteten Aufnahmen finden Sie hier zum Download.

Testergebnis
ProduktnameiPhone 11 Pro
HerstellerApple
Preis1150 €
Webseitewww.apple.de
Pro
  • Großartige Kamera
  • Großartiges Display
  • Großartige Akkulaufzeit
  • Hoher Bedienkomfort
Contra
  • 64 Gigabyte sind nicht einmal im Einstiegsmodell 2019 noch Standesgemäß
  • 18-Watt-Ladegerät liegt nur den Pro-Modellen bei
Bewertung
1.1
sehr gut
 

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man kann immer noch nicht die Weckerlautstärke getrennt von der KlingeltonLautstärke einstellen. Beschämend.

Troll

Wenn Du meinst... ich wüßte jetzt nicht warum ich beides unterschiedlich einstellen sollte, wenn ich’s wollte würde aber ggf mal nach Apps dazu suchen.

Doch das geht!

Aha, und wie?

Apple allein weiß was gut für dich ist und was du brauchst.... :) Und wie gesagt alles was fehlt ist ein Feature....!!

Einfach statt Wecker die Schlafenszeit in der Uhr App verwenden. Dort kann man genau die Wecklautstärke einstellen.

Wer braucht das ;-);-)

Ich verstehe nicht so recht warum in einem iPhone Test Bilder vom Huawei P30 untergebracht sind . Zumindest suggeriert der Autor dies in der Bilderbeschreibung

Vielleicht als Referenzgerät zum Vergleich?
Hättest auch selbst drauf kommen können ;-)

Was das Thema weißabgleich angeht, hier verändert sich die Farbgebung teilweise schon wenn man die Kamera minimal bewegt, ich kann nicht von einem grundsätzlichen GrünStich berichten in den Bildern.
Aber manchmal sieht man die Unterschiede wenn man die Kamerahaltung minimal verändert. Muss man also etwas aufpassen. Oder manuell setzen...

Stimmt. Wenn man die Einstellungen manuell vornimmt, erzielt das iPhone nochmal deutlich bessere Ergebnisse.

Aber uns ging es hierbei ja darum zu vergleichen, was die verschiedenen Telefone von sich aus wie lösen.

Hi, ja klar wäre der Gedanke einer Referenzierung sinnvoll und einleuchtend. Jedoch wie ich weiter unten beschrieben habe konnte ich zum Zeitpunkt meines Post die anderen Bilder nicht sehen... daher war der Eindruck verwirrend nur Bilder vom Huawei zu sehen. Nun sehe ich den Rest und bin konform dem was zu sehen ist und revidiere meinen ersten Post.

Ich stimme dem auch zu wenn man die Einstellungen manuell vornimmt deutlich bessere Bilder ohne Gelbstich bekommt. Auch wenn das vom Autor beabsichtigt ist , würde ich es bevorzugen welche Ergebnisse man erhält ,wenn man an den Einstellungen das beste herausholt . Auch in so einem Szenario würde mich der Unterschied zur Konkurrenz interessieren.

Das suggeriere ich nicht nur, das habe ich da ganz deutlich so hingeschrieben. Mir war es wichtig, nicht nur Bilder, die mit den neuen iPhone-Modellen geschossen wurden, zu zeigen, sondern sie vergleichbar zu machen. Die Bilder des Huawei P30 Pro, da dessen Kamera vielen Techjournalisten und Smartphone-Enthusiasten als die (bislang) beste Kamera in einem Smartphone gilt.

Hallo Herr Schack, im mobil Modus der Website ist mir die Galerie Funktion nicht aufgefallen. Jetzt sehe ich auch das mehrere Bilder je Sektion enthalten sind. So macht es natürlich Sinn ... ich nehm mein Kommentar zurück . Wie ich finde fällt das nicht direkt auf , ein Vorschlag wäre vielleicht unter dem Bild nochmal darauf hinzuweisen:) auch wenn’s überflüssig wirkt würde es Missverständnissen vorbeugend wirken

Alle die hier nicht grenzenlos vom iPhone 11 und iPhone 11 Pro und Apple begeistert sind, sind ganz böse Windows- Android oder Sonstwas-Trolle!!!! Den jeder Mensch ist sobald er zur Welt kommt sofort restlos begeistert von Apple und seinen wunderbaren Produkten. Pasta. Punkt. Hier hat man von Apple begeistert zu sein oder sich zu Windows rüber zu trollen.

Dann geh doch ! Mimimi ! Nennt sich auch Mac Life ! Klar sind hier Apple Fans unterwegs.