Alles andere als ein Datengrab

Datenspeicher mit lokaler KI: Ugreen iDX6011 Pro ausprobiert

Ugreens NASync iDX6011 Pro definiert NAS neu. Es kombiniert Speicherung und leistungsstarke lokale KI. Ein Blick auf einen Speicher, der Daten nicht nur bereithält, sondern verfügbar und nutzbar macht.

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Mit der iDX-Serie revolutioniert Ugreen den NAS-Markt: Anstatt bloßer Datenspeicherung bietet das Unternehmen nun ein „AI-Native NAS“. Das Spitzenmodell, das iDX6011 Pro, kombiniert leistungsstarke Hardware mit einer tief integrierten, ausschließlich lokal arbeitenden Künstlichen Intelligenz. Ugreen positioniert das System als datenschutzfreundliche Alternative zur öffentlichen Cloud. Durch den Einsatz lokaler Sprachmodelle (LLMs) liefert es einen echten Mehrwert bei der Organisation und Analyse von Daten – ein wichtiger Schritt angesichts wachsender Datenschutzbedenken bei Cloud-Diensten.

Massive Rechenpower

Die technische Basis bildet ein Intel Core Ultra 7 255H aus der Arrow-Lake-H-Familie, der mit 16 Kernen und einer Turbofrequenz von bis zu 5,1 GHz eine für NAS-Systeme außergewöhnliche Rechenleistung bereitstellt. Besonders entscheidend für die KI-Workflows ist die integrierte NPU (Neural Processing Unit), die zusammen mit der GPU eine Systemleistung von bis zu 96 TOPS (Trillion Operations Per Second = Billionen Operationen pro Sekunde) erreicht. Unterstützt wird das System von 64 GB LPDDR5X-8400 Arbeitsspeicher, der zwar fest verlötet und somit nicht erweiterbar ist, aber die notwendige Bandbreite für große KI-Modelle liefert. 

Das Gehäuse aus einer robusten Aluminiumlegierung ist haptisch massiv gefertigt und verfügt an der Front über ein 3,71-Zoll-Touch-Display, das Systemmetriken wie CPU-, NPU- und Netzwerkauslastung in Echtzeit anzeigt und sich wie ein iPhone bedienen lässt.

Schnittstellen für Profi-Workflows

In puncto Konnektivität und Speicherplatz lässt das iDX6011 Pro kaum Wünsche offen. Es verfügt über sechs SATA-Einschübe für 3,5-Zoll- respektive 2,5-Zoll-Laufwerke sowie zwei interne M.2 NVMe-Slots, was eine Gesamtkapazität von bis zu 196 TB ermöglicht. Für extrem schnelle Datenübertragungen sorgen zwei 10-Gigabit-Ethernet-Ports, die per Link-Aggregation eine Bandbreite von bis zu 20 Gbps und Übertragungsraten von fast 2.500 MB/s erreichen können. 

Maximale Konnektivität: Auf der Rückseite verfügt das Kraft­paket neben USB-Anschlüssen über zwei 10-Gigabit-Ethernet-Ports, einen OCuLink-Port zur Anbindung externer Grafikkarten und einen 8K-HDMI-Anschluss.
Maximale Konnektivität: Auf der Rückseite verfügt das Kraft­paket neben USB-Anschlüssen über zwei 10-Gigabit-Ethernet-Ports, einen OCuLink-Port zur Anbindung externer Grafikkarten und einen 8K-HDMI-Anschluss. (Bild: Sven T. Möller)

Ein besonderes Highlight für professionelle Anwender ist der OCuLink-Port, der eine direkte PCIe-Anbindung mit 64 Gbps nach außen führt. Damit lässt sich das NAS durch externe Grafikkarten (eGPUs) wie die angekündigte Ugreen Link-Station erweitern, um die KI-Rechenleistung oder Rendering-Prozesse massiv zu beschleunigen.

Erste Einrichtung und Installation

Die physische Installation der Laufwerke gestaltet sich dank werkzeugloser Schächte denkbar einfach. Das iDX6011 Pro nutzt einen geführten Installationsprozess über das Display, der es selbst unerfahrenen Nutzern erlaubt, das System schnell in Betrieb zu nehmen. Nach der initialen Netzwerkverbindung erfolgt die eigentliche Konfiguration von UGOS Pro über den Webbrowser.

Die Einrichtung des Speicherpools, die Erstellung von Volumes und die initiale Konfiguration der Benutzerrechte sind logisch strukturiert. Für die Einbindung in professionelle Umgebungen bietet das System umfangreiche Optionen zur Netzwerkkonfiguration, von der Link-Aggregation bis hin zur Einrichtung des RAID-Levels, wobei alle gängigen Standards unterstützt werden.

UGOS Pro im Alltagseinsatz

Das Betriebssystem UGOS Pro basiert auf Debian 12 und bietet eine moderne, intuitive Benutzeroberfläche, die auch Einsteigern den Zugang erleichtert. Für Power-User ist die native Unterstützung von Docker-Containern und virtuellen Maschinen (VM) essenziell, die über eine grafische Oberfläche verwaltet werden können. Trotz der hohen Hardware-Leistung arbeitet das System dank hydraulischer Lüfter mit einer Lautstärke von 29 bis 34 Dezibel vergleichsweise leise. Der Stromverbrauch liegt im Leerlauf bei etwa 25 Watt und kann unter Last auf über 100 Watt ansteigen, was bei derart potenter Hardware jedoch erwartbar ist.

Werkzeuglose Einschübe: Sie setzen die Festplatte in den Rahmen und schieben den Tray mit einem Handgriff ein.
Werkzeuglose Einschübe: Sie setzen die Festplatte in den Rahmen und schieben den Tray mit einem Handgriff ein. (Bild: Sven T. Möller)

Uliya und datenschutzkonforme Intelligenz

Die Software-Suite „Uliya“ stellt das Herzstück der KI-Funktionen dar und umfasst Werkzeuge wie den Uliya AI Chat, der Dokumente lokal analysiert und zusammenfasst. Durch den Einsatz von RAG (Retrieval-Augmented Generation) greift die KI auf eine private Wissensdatenbank zu, die aus gespeicherten Dateien erstellt wird, ohne dass Daten in die Cloud abfließen. Ergänzt wird dies durch das „AI Album“, das Gesichter, Objekte und Szenen erkennt sowie Texte in Bildern via OCR durchsuchbar macht. Auch Audioaufnahmen können direkt auf dem Gerät transkribiert und beispielsweise in Mind-Maps umgewandelt werden.

Dennoch ist das System nicht auf die lokale KI-Verarbeitung beschränkt. Über die Docker- und VM-Unterstützung haben Anwender die Möglichkeit, auch öffentliche Large Language Models (LLMs) wie GPT-4 oder externe Bildgenerierungs-Dienste in ihre Workflows zu integrieren. Dies erlaubt eine flexible Nutzung der jeweils besten Tools, sei es die datenschutzkonforme lokale Analyse durch Uliya oder die Nutzung externer Cloud-Dienste für Aufgaben, die eine massivere, externe Rechenleistung erfordern.

Obwohl uns die KI-Funktionen im ersten Test (den wir vor dem offiziellen Launch durchgeführt haben) beeindruckt haben, fühlt sich die Software in einigen Bereichen noch wie eine Beta-Version an und benötigt weitere Optimierungen beispielsweise beim „Pre-Scraping“ der Daten.

Datenschutz-Versprechen und Anwenderkontrolle

Das zentrale Verkaufsargument des iDX6011 Pro ist die strikt lokale Datenverarbeitung. Ugreen löst das Versprechen von datenschutzkonformer KI dadurch ein, dass die großen Sprachmodelle (LLMs) nicht vorinstalliert sind. Der Anwender entscheidet selbst, welche KI-Funktionen er nutzen möchte und lädt die entsprechenden Modelle erst bei Bedarf über das System herunter. Dies verhindert eine unbemerkte oder unfreiwillige Nutzung von KI-Services und gewährleistet maximale Kontrolle über die im System laufenden Prozesse.

Obwohl Ugreen großen Wert auf die lokale Privatsphäre legt, bietet das System mit dem „Ugreen Link“-Dienst eine bequeme Option für den Fernzugriff. Für Nutzer, die auch bei der externen Anbindung keine Kompromisse eingehen wollen, empfiehlt sich jedoch die Nutzung eines eigenen VPN-Servers, der direkt auf dem NAS eingerichtet werden kann. Dies bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene und schirmt den gesamten externen Datenverkehr vom Komfort-Dienst des Herstellers ab.

Preise und Verfügbarkeit

Ugreen setzt beim NASync iDX6011 Pro zunächst auf eine Kickstarter-Kampagne, die laut Hersteller am 24. März 2026 startet und bis Mai läuft. Wer sich vorab über die Ugreen-Seite einen Platz reserviert, zahlt 30 US-Dollar Anzahlung und erhält vor Kampagnenstart einen privaten Reward-Link, der Zugang zu den „Super Early Bird“-Preisen geben soll. Ugreen verspricht zudem, dass Sie die Anzahlung bis zum Ende der Kampagne wieder stornieren können. 

Beim Preis nennt Ugreen für das iDX6011 Pro eine UVP von 2.599 US-Dollar. Im Vorverkauf und rund um den Kickstarter-Start sinkt der Preis je nach Kontingent deutlich. Für Vorbesteller  kostet das NAS 1.599 US-Dollar, eine Ersparnis von bis zu 1.040 US-Dollar gegenüber der UVP. 

Den Versand plant Ugreen ab Mai, ausgeliefert wird in Chargen nach Zahlungsreihenfolge. Einen konkreten Termin für den späteren Retail-Start außerhalb der Kampagne kommuniziert Ugreen bislang nicht. 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ugreen mit dem NASync iDX6011 Pro ein Kraftpaket geschnürt hat, das die Grenze zwischen klassischem Speicher und Workstation verwischt. Mit einem Listenpreis von etwa 2.600 US-Dollar richtet es sich klar an Profis und Studios, die maximale lokale Rechenpower für KI-Workflows und Medienbearbeitung benötigen. Während die Hardware die etablierte Konkurrenz von Synology und QNAP in vielen Aspekten übertrifft, bleibt die langfristige Reife und Tiefe des Software-Ökosystems der entscheidende Faktor für den endgültigen Erfolg in der professionellen Anwendung.

Testergebnis
ProduktnameiDX6011 Pro
HerstellerUgreen
Preis2.599 $
Webseitewww.ugreen.com
Pro
  • enorme Rechenleistung
  • tiefe lokale KI-Integration
  • umfangreiche Konnektivität
  • massives, hochwertiges Gehäuse
Contra
  • Arbeitsspeicher fest verlötet
  • Software muss noch reifen
  • hoher Stromverbrauch
  • preisintensiv
Bewertung
1,8gut