Hintergrund

OLED & die Zukunft von Apples Displays

Apple setzt bei iPhone und iPad auf OLED-Displays, beim Mac bislang noch nicht. Das könnte sich schon bald ändern …

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Es gab eine Zeit, in der Apple OLED-Displays eher ablehnend gegenüberstand. 2010 stellte Apple mit dem iPhone 4 und dem iPod touch das Retina Display vor, das auf LED-hinterleuchteter IPS-LCD-Technik basierte. Steve Jobs sagte dazu auf der Apple Worldwide Developers Conference: „Man kann kein OLED-Display mit dieser Auflösung herstellen.“

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Drei Jahre später legte Apple nach und erklärte, das Retina Display sei doppelt so hell und leide nicht unter einer „schrecklichen“ Farbsättigung. „Wenn du jemals online etwas kaufst und wirklich wissen willst, wie die Farbe aussieht – was viele Menschen möchten –, solltest du es dir gut überlegen, bevor du dich auf die Farbdarstellung eines OLED-Displays verlässt“, verkündete Tim Cook auf einer Investorenkonferenz.

Doch nur ein Jahr später setzte Apple erstmals ein OLED-Display ein – und zwar in der Apple Watch. 2017 verabschiedete sich das Unternehmen beim iPhone vom LCD und spendierte dem iPhone X ein beeindruckendes OLED-Display, das es Super Retina HD nannte. Zuletzt, im Jahr 2024, kam OLED beim iPad Pro mit M4 zum Einsatz, kreativ betitelt als Ultra Retina XDR. Nun deutet vieles darauf hin, dass OLED auch auf den Mac kommt. Warum also der Sinneswandel – von scharfer Kritik hin zur Umarmung der Technologie?

Das MacBook Pro nutzt derzeit ein Liquid-Retina-XDR-Display, doch Gerüchte deuten darauf hin, dass ein Wechsel zu OLED bevorsteht.
Das MacBook Pro nutzt derzeit ein Liquid-Retina-XDR-Display, doch Gerüchte deuten darauf hin, dass ein Wechsel zu OLED bevorsteht. (Bild: Apple)

Die Antwort liegt in Timing, Technologie und Kontrolle über die Lieferkette. In den frühen 2010er-Jahren galt der Markt für OLED-Displays als fest in der Hand von Samsung. Das Unternehmen produzierte OLED-Panels in großem Maßstab für Smartphones und Tablets, nutzte sie in eigenen Geräten und verkaufte sie zugleich an andere Elektronikhersteller. Auf diese Weise kontrollierte Samsung rund 90 Prozent des Marktes.

Als Cook die zuvor zitierten Aussagen machte, war Apple der einzige große Hersteller, der sich noch gegen OLED stemmte. Berichten zufolge hätte Apple bei einem früheren Umstieg ohnehin mit Lieferengpässen zu kämpfen gehabt, da Samsung bereits ausgelastet war, um die weltweite Nachfrage zu bedienen. Für Apple war es sinnvoller, OLED öffentlich kritisch zu sehen und die eigene Display-Technologie zu bewerben, während man im Hintergrund an einer Lösung arbeitete. Schließlich hatte Apple mit den bestehenden Displays keinerlei Probleme.

Parallel dazu arbeitete Apple jedoch längst an OLED-Technik, meldete Patente an und holte sich führende Experten ins Haus – darunter den erfahrenen OLED-Forscher Jueng Jil Lee, zuvor bei LG Display tätig. Die OLED-Fertigung entwickelte sich rasch weiter, und die Technik begann, Apples Ansprüchen zu genügen. Schließlich gelang es dem Unternehmen, mit LG Display einen Liefervertrag für flexible Retina-OLED-Displays abzuschließen – ideal für die Apple Watch, da OLED bei dunklen Inhalten wesentlich weniger Energie verbraucht.

Es tut sich was beim Mac

Diese Vorarbeit ebnete den Weg für den schrittweisen Umstieg weiterer Produkte. Es wurde deutlich, dass OLED erhebliche Vorteile bietet. Neben dem Wegfall einer Hintergrundbeleuchtung – OLED-Pixel leuchten selbst, wenn Strom durch dünne organische Schichten fließt – ermöglichen diese Displays größere Blickwinkel, echtes Schwarz und einen sehr großen Farbraum. Mit der nächsten Entwicklungsstufe, AMOLED-Displays wie im iPhone X, ließ sich zudem jedes einzelne Pixel effizient über eine aktive Matrix aus Dünnschichttransistoren steuern – daher das zusätzliche „AM“.

Trotz dieser Vorteile hat Apple LCD jedoch noch nicht vollständig aufgegeben. Beim iPad Air und iPad mini kommt weiterhin das Liquid Retina Display zum Einsatz. Besonders auffällig: Auf dem Mac blieb Apple lange bei LCD und machte die Rechnerfamilie damit zu einem Sonderfall.

Apples Displays

2010: Retina

(Bild: Apple)

Beim iPhone 4/iPhone 5 kam das Retina-Display mit LCD-Technologie und hoher Pixeldichte zum Einsatz. Die Apple Watch nutzte ein Retina-Display auf OLED-Basis.

2014: Retina HD

(Bild: Apple)

Das Retina-HD-Display feierte sein Debüt mit dem iPhone 6 und kam bis zum iPhone 8 zum Einsatz. Es bot eine Full-HD-Auflösung von bis zu 1.920 mal 1.080 Pixeln.

Ab 2015: Höher aufgelöstes Retina

(Bild: Apple)

Aka Retina 4K, 4,5K, 5K und 6K mit 4.096 mal 2.304 Pixeln beim 21,5-Zoll-iMac bis zu 6.016 mal 3.384 Pixeln beim Pro Display XDR.

2017: Super Retina HD

(Bild: Apple)

Kam nur bei iPhone X, XS und XS Max zum Einsatz, den ersten iPhones mit einem vollflächigen OLED-Multi-Touch-Display, das von Samsung geliefert wurde.

2018: Liquid Retina

(Bild: Apple)

Die Liquid-Retina-Displays des iPhone XR und iPhone 11 sowie einiger iPad- und MacBook-Air-Modelle nutzen Kantenglättung (Anti-Aliasing) und Pixelmaskierung.

2020: Super Retina XDR

(Bild: Apple)

Seit dem iPhone 12 in allen iPhones verbaut, setzt dieses Display ebenfalls auf OLED, ist heller und bietet ein verbessertes Kontrastverhältnis.

2021: Liquid Retina XDR

(Bild: Apple)

Liquid-Retina-XDR-Displays waren dank Extreme-Dynamic-Range-Technologie deutlich heller und boten ein verbessertes Kontrastverhältnis.

2024: Ultra Retina XDR

(Bild: Apple)

Debütierte im iPad Pro (M4) und nutzt Tandem-OLED, zwei übereinanderliegende lichtemittierende Schichten gegen Einbrenneffekte und Wärmeentwicklung.

Das dürfte sich jedoch bald ändern. Laut Bloomberg-Journalist Mark Gurman plant Apple, OLED-Displays in MacBook Air sowie im iPad mini und iPad Air einzuführen. Bis spätestens 2028 sollen diese Geräte umgestellt sein, das iPad mini möglicherweise bereits 2026.

Auch weitere Macs könnten folgen. Gurman und der Analyst Ming-Chi Kuo halten ein MacBook Pro mit OLED-Touchscreen für wahrscheinlich – eventuell schon Ende 2026. Bleibt die Frage: Werden OLED-Displays wirklich ein spürbarer Fortschritt gegenüber den ohnehin hervorragenden Bildschirmen sein, die Apple heute verbaut? Schließlich gelten Apples Mac-Displays trotz OLED-Vorteilen seit Jahren als überlegen.

Das aktuelle MacBook Pro nutzt ein Liquid Retina XDR Display mit Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung. Winzige LEDs ermöglichen eine höhere Spitzenhelligkeit als OLED, zugleich aber auch tiefere Schwarztöne und besseren Kontrast als klassische LED-LCDs.

Da hier nicht alternde LED-Bauteile zum Einsatz kommen, besteht keine Gefahr von dauerhaftem Einbrennen. OLED hingegen nutzt organische Materialien, die mit der Zeit degradieren können. Warum also der Sinneswandel, wenn Apples bestehende Technik hervorragend funktioniert – und Mac-Displays allgemein als besser gelten als die OLED-Panels vieler PC-Laptops?

Über die Grundlagen hinaus

Apple Displays nutzen fortschrittliche Technologien, um das Seherlebnis zu verbessern. Dazu gehört ProMotion, das 2017 mit dem iPad Pro eingeführt und inzwischen auf alle iPhone-17-Modelle sowie das iPhone Air ausgeweitet wurde. ProMotion ist mit OLED-Displays kompatibel und erreicht eine maximale Bildwiederholrate von 120 Hertz, was bedeutet, dass sich der Bildschirminhalt bis zu 120-mal pro Sekunde aktualisiert. Das erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit und sorgt für besonders flüssiges Scrollen.

Ebenfalls an Bord ist die 2016 eingeführte True-Tone-Technologie. Sie nutzt Sensoren, um Farbe und Helligkeit des Umgebungslichts zu messen, und passt daraufhin den Weißabgleich des Displays an. Das Ergebnis ist eine natürlichere Darstellung, die auch bei OLED-Displays zum Einsatz kommt und zudem das Risiko von Einbrenneffekten reduziert.

Ein Umstieg auf OLED-Displays beim Mac sollte daher keine Nachteile mit sich bringen. OLED-Panels bieten schnelle Reaktionszeiten, tiefere Schwarztöne, einen großen Farbraum und eine bessere Gleichmäßigkeit. Tandem-OLED-Technik behebt zudem frühere Helligkeitsprobleme und verlängert gleichzeitig die Lebensdauer der Displays.

Zukunftssicher

Hier lautet die Antwort abermals: technischer Fortschritt, insbesondere bei Samsung Display, das voraussichtlich die OLED-Panels für Macs fertigen wird. Analyst Ross Young von R-display & Lighting, mit über 30 Jahren Branchenerfahrung, erklärte, dass OLED-Technik kurz vor einem weiteren großen Entwicklungsschritt stehe.

„Bislang werden OLEDs auf Gen-5.5- und Gen-6-Substraten gefertigt, die nicht für eine kosteneffiziente Laptop-Produktion optimiert sind“, so Young. „Doch Samsung bringt alsbald eine Gen-8.7-Fabrik an den Start. Dann wird Apple seine MacBook Pros auf OLED umstellen. Gen-8.7-Glas ist doppelt so groß wie Gen 6 und macht OLED-Displays für Laptops deutlich wirtschaftlicher.“

Zudem modernisiert Samsung Display die Backplane-Schicht, welche die Pixel ansteuert. Bisher kommen dafür LTPS (Low-Temperature Polycrystalline Silicon) und LTPO (Low-Temperature Polycrystalline Oxide) zum Einsatz. „Samsung Display wird die Investitionskosten für TFT-Backplanes senken, indem man auf Gen 8.7 von LTPS und LTPO zu Metalloxid wechselt“, erklärt Young. „Metalloxid, auch als IGZO bekannt, benötigt deutlich weniger Masken und senkt die Kosten erheblich. OLEDs aus Gen-8.7-Fabriken werden somit günstiger und besser für Laptops und Tablets geeignet sein als Panels aus kleineren Fabriken, die primär für Smartphones gedacht sind.“

Das deutet darauf hin, dass OLED-Macs günstiger werden könnten. Laut Gurman ist das jedoch nicht zwingend zu erwarten, da weitere neue Technologien integriert werden. Er rechnet sogar damit, dass ein überarbeitetes MacBook Pro „wahrscheinlich teurer“ ausfallen wird als das aktuelle Modell – aber dennoch äußerst attraktiv bleibt. Denn OLED-Displays sind dünner und leichter als hintergrundbeleuchtete LCD-Retina-Displays. Das kommende MacBook Pro dürfte also schlanker und weniger schwer werden. Zudem soll es einen M6-Chip und einen Touchscreen erhalten. „Es wird ein Touchpanel mit On-Cell-Touch-Technologie integrieren“, schrieb Kuo in den sozialen Medien.

Eines ist sicher: Apples Geduld zahlt sich wieder einmal aus. Die OLED-Technologie ist inzwischen so ausgereift, dass sie den hohen Ansprüchen aus Cupertino gerecht wird – dünner, leichter und effizienter denn je. Wie so oft hat Apple gewartet, bis der richtige Moment gekommen ist.

Sven T. Möller // Layouter & Redakteur
Sven T. Möller

Wenn jemand bei der Mac Life Ordnung ins Chaos bringt, dann ist es Sven T. Möller – und das gleich in doppelter Hinsicht. Als Layouter gibt er jeder Ausgabe ihre unverwechselbare Gestalt, als Redakteur sorgt er dafür, dass Apple-Themen mit der nötigen Tiefe behandelt werden. Sven ist seit Mitte der 2000er Jahre an Bord und damit eines der echten Urgesteine des Teams. Smarthome beschäftigt ihn als Eigenheimbesitzer mit besonderer Ernsthaftigkeit – und gelegentlich auch Frustration. Außerdem ist er mit Leidenschaft Musikhörer, wobei „hören“ bei Sven gerne auch als „beschallen“ interpretiert werden darf: Tests etwa für Bluetooth-Lautsprecher verantwortet er, frei nach dem Motto „je größer und lauter, desto besser“. Sven ist Mitbegründer und Co-Host des Apple-Podcasts Schleifenquadrat.

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