Viele neue Apps

App Store: Zahl neuer Apps steigt deutlich – Downloads kaum

KI-Werkzeuge erleichtern die Entwicklung neuer Anwendungen und beschleunigen offenbar die Veröffentlichungen im App Store. Neue Zahlen zeigen jedoch: Das Angebot wächst wesentlich schneller als die Nachfrage.

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Im App Store sind im ersten Halbjahr 2026 fast so viele neue Anwendungen erschienen wie im gesamten Vorjahr. Nach Schätzungen des Analyseunternehmens Sensor Tower kamen innerhalb von sechs Monaten rund 560.000 Apps hinzu. Im gesamten Jahr 2025 waren es etwa 600.000.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Rund 560.000 neue Apps im ersten Halbjahr 2026
  • Fast so viele Neuerscheinungen wie im gesamten Jahr 2025
  • Zahl der neuen Apps gegenüber dem Vorjahr verdoppelt
  • Downloads steigen lediglich um zwei Prozent
  • Apple prüft nach eigenen Angaben 90 Prozent der Einreichungen binnen 48 Stunden

Die Zahlen stammen aus einem Bericht der New York Times. Demnach hat sich die Zahl der neu veröffentlichten Apps gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres verdoppelt. Bereits 2025 war das Angebot um 30 Prozent gewachsen.

Downloads steigen nur um zwei Prozent

Das deutlich größere Angebot führt bislang allerdings nicht zu einem vergleichbaren Wachstum bei den Downloads. Sensor Tower schätzt, dass der App Store im ersten Halbjahr 2026 auf 17,6 Milliarden Downloads kam. Das entspricht einem Plus von lediglich zwei Prozent.

Im Gesamtjahr 2025 waren die Downloads um drei Prozent auf 35,4 Milliarden gestiegen. Die Zahlen legen damit nahe, dass Entwickler immer mehr Anwendungen veröffentlichen, während sich die Nachfrage der Nutzer nur geringfügig erhöht.

Als ein Grund für die steigende Zahl neuer Apps gilt das sogenannte Vibe Coding.

Vibe Coding erklärt!

Beim Vibe Coding beschreiben Entwickler einer KI in natürlicher Sprache, welche Funktionen eine Anwendung bieten soll. Das System erzeugt oder verändert daraufhin den Programmcode. Fachkenntnisse bleiben hilfreich, die Einstiegshürde sinkt jedoch deutlich.

KI-Werkzeuge senken die Einstiegshürde

Moderne KI-Dienste können Programmcode anhand natürlich formulierter Anweisungen erstellen, verändern und auf Fehler prüfen. Dadurch können auch Personen ohne langjährige Erfahrung in der Softwareentwicklung vergleichsweise schnell eigene Anwendungen umsetzen.

Die New York Times nennt unter anderem den Entwickler Marco Pérez. Für einen ersten App-Prototypen benötigte er dem Bericht zufolge fünf Wochen, anschließend weitere zwei Wochen für die Vorbereitung der Veröffentlichung. Die Anwendung InfoDrizzle erreichte rund 1.300 Downloads und erwirtschaftete etwa 500 US-Dollar Gewinn.

Eine weitere App namens Stampa soll Pérez innerhalb von ungefähr einer Woche entwickelt haben. Die Scrapbooking-Anwendung wurde laut Bericht rund 20.000-mal heruntergeladen und erzielte einen Gewinn von etwa 3.000 US-Dollar.

Ein anderer Entwickler soll innerhalb von fünf Monaten elf Nischen-Apps veröffentlicht haben. Solche Beispiele zeigen, wie stark KI-Werkzeuge die Zeit zwischen einer Idee und der Veröffentlichung im App Store verkürzen können.

Mehr Arbeit für Apples App-Prüfung

Die wachsende Zahl eingereichter Anwendungen belastet offenbar auch Apples Prüfprozess. Entwickler hatten in den vergangenen Monaten vereinzelt von längeren Wartezeiten berichtet.

Apple widerspricht jedoch dem Eindruck, dass die Prüfung grundsätzlich nicht mehr mit dem höheren Aufkommen Schritt halten könne. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der New York Times, dass 90 Prozent aller eingereichten Apps weiterhin innerhalb von 48 Stunden geprüft würden.

Für KI-gestützte Anwendungen gelten dem Unternehmen zufolge dieselben Vorgaben wie für konventionell entwickelte Software. Apple prüfe alle Apps nach den gleichen Anforderungen an Qualität, Datenschutz und Sicherheit.

Die größere Herausforderung könnte langfristig allerdings nicht allein in der technischen Prüfung liegen. Da immer mehr Anwendungen um nahezu gleichbleibende Downloadzahlen konkurrieren, wird es für einzelne Entwickler schwieriger, im App Store sichtbar zu werden und ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
KI-Werkzeuge machen die App-Entwicklung schneller und für mehr Menschen zugänglich. Die Zahlen zeigen aber auch die Kehrseite: Eine veröffentlichte App erreicht nicht automatisch ein Publikum. Je stärker das Angebot wächst, desto wichtiger werden Qualität, klare Anwendungsfälle und eine überzeugende Vermarktung. Für Apple steigt zugleich der Druck, Prüfung und Auffindbarkeit an die wachsende Zahl neuer Anwendungen anzupassen.