Klage gegen OpenAI

Warum Jony Ive in Apples OpenAI-Klage nicht genannt wird

Apple wirft OpenAI den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor, erwähnt den früheren Designchef Jony Ive in der Klage aber nicht namentlich. Laut Bloomberg dürfte diese Entscheidung bewusst gefallen sein – aus juristischen und persönlichen Gründen.

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Apple erhebt in einer Klage schwere Vorwürfe gegen OpenAI: Ehemalige Apple-Beschäftigte sollen vertrauliche Informationen über unveröffentlichte Geräte, Komponenten, Fertigungsprozesse und Zulieferer weitergegeben haben. Auffällig ist jedoch, dass der langjährige Apple-Designchef Jony Ive in der rund 40 Seiten langen Klageschrift nicht namentlich genannt wird.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Apple wirft OpenAI den Diebstahl vertraulicher Hardwareinformationen vor
  • Jony Ive wird in der Klageschrift nicht namentlich genannt
  • Laut Bloomberg fehlen offenbar konkrete Belege gegen Ive
  • Auch seine Verbindung zu Laurene Powell Jobs könnte eine Rolle spielen
  • Im Zentrum der Vorwürfe steht OpenAI-Hardwarechef Tang Tan

Laut einem Bericht von Bloomberg dürfte Apple Ive bewusst aus der Klage herausgehalten haben. Ein naheliegender Grund sei, dass dem Unternehmen offenbar keine konkreten Belege für ein persönliches Fehlverhalten des Designers vorliegen. Ive soll weder eng in das tägliche Recruiting noch in die technische Entwicklung bei OpenAI eingebunden sein.

Geschäftsgeheimnisse im Zentrum der Klage

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht stattdessen Tang Tan. Der frühere Apple-Manager ist inzwischen Hardware-Chef bei OpenAI. Apple wirft ihm unter anderem vor, Bewerber dazu angeleitet zu haben, interne Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen und Apple-Hardware zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen.

Geschäftsgeheimnisse erklärt!

Geschäftsgeheimnisse sind vertrauliche Informationen, die einem Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen. Dazu zählen etwa technische Verfahren, Produktpläne, Lieferantenlisten oder interne Entwicklungsdaten. Unternehmen müssen nachweisen, dass diese Informationen tatsächlich geheim gehalten und unrechtmäßig genutzt wurden.

Nach Darstellung von Apple sollen Bewerber dabei Bauteile wie Batterien, System-in-Package-Module oder Logicboards gezeigt haben. Zudem hätten ehemalige Beschäftigte vertrauliche Dokumente an private Konten gesendet oder Informationen über Lieferanten und Produktionsverfahren weitergegeben. Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich bestätigt.

Jony Ive arbeitet über seine Designfirma LoveFrom an der Hardware-Strategie von OpenAI. Grundlage der Zusammenarbeit ist die Übernahme seines Start-ups io Products, für das OpenAI rund 6,5 Milliarden US-Dollar gezahlt haben soll. In der Klageschrift ist dennoch lediglich von nicht näher benannten „ehemaligen Apple-Führungskräften“ die Rede.

Laurene Powell Jobs könnte eine Rolle spielen

Bloomberg-Reporter Mark Gurman führt noch einen weiteren möglichen Grund an: die enge Verbindung zwischen Jony Ive und Laurene Powell Jobs, der Witwe des früheren Apple-Chefs Steve Jobs. Powell Jobs soll zu den Investoren von io Products gehört haben und LoveFrom weiterhin unterstützen.

Zudem gilt sie dem Bericht zufolge als einflussreiche Persönlichkeit im Umfeld von Apple. Bei Apples Entwicklerkonferenz im Juni habe sie in der ersten Reihe neben Konzernchef Tim Cook und John Ternus gesessen. Eine direkte Nennung Ives in der Klage hätte dieses Verhältnis belasten können.

Auch die öffentliche Wirkung könnte eine Rolle gespielt haben. Während Tang Tan außerhalb der Branche kaum bekannt ist, zählt Ive zu den prägendsten Persönlichkeiten der Apple-Geschichte. Eine direkte Anschuldigung hätte Apple demnach dem Vorwurf aussetzen können, alte Konflikte mit seinem früheren Designchef auszutragen.

Klage richtet sich gegen OpenAIs Hardwaregeschäft

Apple verlangt unter anderem, dass OpenAI die mutmaßlich erlangten Geschäftsgeheimnisse weder verwendet noch weitergibt. Zudem fordert der Konzern Schadenersatz in bislang nicht bezifferter Höhe.

OpenAI beschäftigt dem Bericht zufolge inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter. Das erste eigene Hardwareprodukt des KI-Unternehmens soll langfristig als neue Geräteklasse neben dem Smartphone positioniert werden. Konkrete Angaben zum Produkt hat OpenAI bislang nicht veröffentlicht.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Dass Jony Ive nicht namentlich genannt wird, muss keine politische Entscheidung sein. Ohne konkrete Belege wäre eine direkte Anschuldigung juristisch riskant. Die persönlichen Verbindungen zu Laurene Powell Jobs könnten Apples Vorgehen zusätzlich beeinflusst haben, bleiben bislang aber eine journalistische Einordnung. Spannender wird sein, welche Beweise Apple im weiteren Verfahren gegen OpenAI und die genannten ehemaligen Beschäftigten vorlegen kann.

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