Bluetooth (die Kurzstrecken-Funktechnologie benannt nach dem dänischen König Harald Blauzahn) gehört zu jenen Technologien, die so allgegenwärtig sind, dass wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen – sei es beim Musikhören über Bluetooth-Kopfhörer und -Lautsprecher oder beim Einsatz von Geräten wie Tastaturen, Mäusen oder Apples AirTags.
Bluetooth gibt es bereits seit den 1990er-Jahren – ursprünglich entwickelt vom schwedischen Unternehmen Ericsson. Konzipiert war die Technologie zunächst als Kurzstreckenfunk zwischen Geräten – etwa einem Computer und einer Tastatur oder Maus. Erst mit dem Siegeszug der Mobiltelefone begann man, Bluetooth auch für drahtloses Audio und Headsets zu nutzen.
Doch wie alle Technologien entwickelt sich Bluetooth weiter: In den letzten Monaten hat Bluetooth 6 Einzug in eine Reihe neuer Geräte gehalten – darunter das neue MacBook Neo, MacBook Air und MacBook Pro, die iPhone-17-Serie sowie das M5 iPad Pro und das M4 iPad Air.
Genau genommen lautet die aktuelle Version Bluetooth 6.2, wobei sich sowohl 6.1 als auch 6.2 vor allem auf Leistungsoptimierungen konzentrieren und keine grundlegend neuen Funktionen mitbringen. Wer also einen aktuellen Mac, ein iPhone, ein iPad oder ein anderes Bluetooth-6-Gerät kauft, ist damit auf dem neuesten Stand der Technik.
Bevor wir aber auf die Neuerungen von Bluetooth 6 eingehen, ist ein wichtiger Hinweis nötig: Viele der in den letzten Jahren hinzugekommenen Bluetooth-Funktionen sind optional – und selbst in Geräten mit Bluetooth 6 nicht zwingend enthalten. Das bedeutet: Die Versionsnummer allein sagt wenig darüber aus, welche Fähigkeiten ein Gerät tatsächlich mitbringt.
Ein anschauliches Beispiel ist die Auracast-Übertragungstechnologie, die es einem Audiogerät ermöglicht, Bluetooth-Audio gleichzeitig an mehrere Kopfhörer zu streamen – vorausgesetzt, diese unterstützen ebenfalls Auracast. Das ist besonders nützlich an öffentlichen Orten wie Flughäfen oder Fitnessstudios, wo viele Menschen gleichzeitig zuhören möchten. Darüber hinaus bietet Auracast großes Potenzial als Barrierefreiheitshilfe: Flughäfen, Kinos und andere öffentliche Einrichtungen könnten wichtige Informationen direkt auf kompatible Kopfhörer und Hörgeräte übertragen.
Auracast wurde Anfang 2020 mit Bluetooth 5.2 eingeführt, gilt aber selbst in vielen Bluetooth-6-Geräten noch als optionales Feature. Trotz aller Bekenntnisse zur Barrierefreiheit unterstützt Apple Auracast bis heute nicht – weder in den neuesten AirPods noch im iPhone 17. Die AirPods Max 2 etwa kommen nach wie vor nur mit Bluetooth 5.3 – ein erstaunlicher Befund angesichts des Preises von 579 Euro.
Auracast mag in Bluetooth 6 eine optionale Funktion sein – als so bedeutsam gilt sie jedoch, dass sie über ein eigenes Logo verfügt, nach dem Sie auf der Verpackung neuer Kopfhörer Ausschau halten können. Und obwohl Apple Auracast bislang nicht unterstützt, gibt es eine praktische Übergangslösung: Spezielle Bluetooth-Transmitter – etwa der BTD 700 von Sennheiser (54 Euro) – lassen sich per USB-C an jedes Apple-Gerät anschließen und ermöglichen so die Nutzung von Auracast.
Präzise Ortung

Die Versionen 5.3 und 5.4 von Bluetooth brachten lediglich Verfeinerungen, bevor die Technologie mit Version 6 einen großen Sprung machte. Die technischen Spezifikationen für Bluetooth 6 wurden im Sommer 2024 vorgestellt, und erst seit Kurzem sind erste Kopfhörer mit Bluetooth-6-Unterstützung erhältlich – etwa der Focus A6 von OneOdio (80 Euro, oneodio.com).
Ehrlich gesagt sind die meisten neuen Funktionen von Bluetooth 6 technisch komplex, und die Bluetooth SIG (Special Interest Group), die die Technologie weiterentwickelt, richtet sich mit ihren Veröffentlichungen in erster Linie an Ingenieure und Hardwarehersteller. Hinter dem Fachjargon verbergen sich aber zwei Neuerungen, die für die meisten Nutzerinnen und Nutzer echten Mehrwert im Alltag bieten.
Apple sollte beim Thema Bluetooth einen Gang zulegen! Hier ein Überblick über einige der wichtigsten Funktionen, die die Bluetooth Special Interest Group (SIG) derzeit als „in Entwicklung“ führt.
Ganz oben steht die Unterstützung für verlustfreies Audio und Hi-Res-Audio. Wer aktuell die beste Klangqualität aus Apple Music und anderen Streamingdiensten herausholen möchte, kommt um kabelgebundene Kopfhörer kaum herum. Verlustfreies Audio und Hi-Res-Audio stehen aber auf der Roadmap, auch wenn es noch keinen konkreten Termin gibt. Auch Auracast wird kontinuierlich weiterentwickelt: Geplant ist unter anderem eine deutliche Reichweitenerweiterung, die Auracast-Übertragungen auch in Konzerthallen oder Sportstadien ermöglichen soll. Die Möglichkeit, mehrere Auracast-Sender gemeinsam zu betreiben, eröffnet zudem neue Anwendungsfelder.
Apples AirPods unterstützen bereits Spatial Audio auf Basis von Dolby Atmos. Eine künftige Bluetooth-Version soll jedoch eine standardisierte Form von Raumklang einführen, die herstellerübergreifend mit Kopfhörern und Lautsprechern unterschiedlicher Marken funktioniert.
Die wichtigste dürfte Channel Sounding sein. Warum die Funktion so heißt, ist nicht ganz nachvollziehbar – doch Channel Sounding ermöglicht eine präzise Abstandsmessung zwischen zwei Bluetooth-Geräten. Das ist besonders für Tracking-Tags interessant, mit denen sich Taschen, Schlüssel und andere Gegenstände wiederfinden lassen. Genau das ist der Einsatzzweck von Apples AirTags – doch die AirTags (einschließlich der kürzlich vorgestellten AirTags 2) kombinieren Bluetooth mit Apples eigenem Ultra-Wideband-Chip (UWB) für eine präzise Ortung. Channel Sounding in Bluetooth 6 erreicht nun eine Genauigkeit von bis zu 20 Zentimetern und kommt damit dem UWB-Chip von Apple deutlich näher. Das bedeutet: Geräte wie Bluetooth-Earbuds oder Schlüsselanhänger können künftig eigene, hochgenaue „Ortungsfunktionen“ bieten. Darüber hinaus enthält Channel Sounding erweiterte Sicherheitsfunktionen, die etwa Bluetooth-Schlüsselanhänger vor Manipulationen schützen.
Eine weitere Neuerung mit ebenso rätselhaftem Namen ist ISOAL (Isochronous Adaptation Layer), das die Latenz – also die Reaktionszeit – beim Audiostreaming oder beim Spielen verbessert. Eine Vorgängerversion von ISOAL wurde bereits mit Bluetooth 5.2 eingeführt; Version 6 überarbeitet das Verfahren grundlegend, um es präziser und reaktionsschneller zu machen – wovon vor allem Gamer und all jene profitieren, die auf verzögerungsfreien Sound angewiesen sind.
Wie erwähnt hat Apple noch nicht alle Produkte auf Bluetooth 6 umgestellt. Es besteht also kein Grund zur Eile, sofort neue Bluetooth-6-Kopfhörer oder -Lautsprecher zu kaufen. Doch je mehr Funktionen wie Channel Sounding und Auracast in Konkurrenzprodukten anderer Hersteller Verbreitung finden, desto mehr wird Apple unter Zugzwang geraten, diese Technologien ebenfalls zu übernehmen. Und Bluetooth hat noch einiges in der Pipeline – mehr dazu im Kasten oben.









