„Diese Nachricht wird sich selbst zerstören“

WhatsApp testet Nachrichten, die nach dem Lesen verschwinden

WhatsApp testet eine neue Variante selbstlöschender Nachrichten: Künftig sollen Nachrichten nicht nur nach einem festen Zeitraum verschwinden können, sondern erst, nachdem sie gelesen wurden.

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WhatsApp arbeitet offenbar an einer neuen Einstellung für selbstlöschende Nachrichten. Laut WABetaInfo ist die Funktion in der iOS-Beta 26.19.10.72 aufgetaucht und wird derzeit für einige Testerinnen und Tester ausgerollt. Auch in der Android-Beta wurde die Option bereits gesichtet.

Quickread: Auf einen Blick
  • WhatsApp testet eine neue Option für selbstlöschende Nachrichten
  • Nachrichten sollen nach dem Lesen automatisch verschwinden können
  • Geplant sind offenbar Timer von fünf Minuten, einer Stunde oder zwölf Stunden
  • Ungelesene Nachrichten sollen nach 24 Stunden gelöscht werden
  • Die Funktion ist derzeit nur für ausgewählte Beta-Nutzer verfügbar

Konkret geht es um einen neuen Timer mit der Bezeichnung „After reading“. Damit sollen Nachrichten nicht mehr ausschließlich nach einem festen Zeitraum ab dem Versand gelöscht werden. Stattdessen kann der Löschvorgang daran gekoppelt werden, wann die Empfängerin oder der Empfänger die Nachricht tatsächlich gelesen hat.

Test zunächst in der Beta

Nach Angaben von WABetaInfo steht die Funktion aktuell nur einem Teil der Beta-Nutzer zur Verfügung. Auf iOS wird sie über die TestFlight-Version von WhatsApp verteilt. Vereinzelt könnten auch Nutzerinnen und Nutzer der App-Store-Version Zugriff erhalten, der breite Rollout ist aber noch nicht offiziell angekündigt.

TestFlight erklärt!

TestFlight ist Apples Plattform zum Testen von Beta-Versionen. Entwickler können darüber neue App-Funktionen vor dem offiziellen Start an ausgewählte Nutzerinnen und Nutzer verteilen. Bei WhatsApp tauchen neue Funktionen deshalb häufig zuerst in TestFlight-Builds auf.

Die neue Option soll optional sein. Wer sie nicht aktiviert, nutzt WhatsApp demnach weiterhin wie bisher. Bereits heute lassen sich selbstlöschende Nachrichten entweder für einzelne Chats oder standardmäßig für neue Chats einschalten. Verfügbar sind dabei bislang feste Zeiträume wie 24 Stunden, sieben Tage oder 90 Tage.

Nachrichten verschwinden nach dem Lesen

Mit dem neuen „After reading“-Timer könnten Nutzerinnen und Nutzer offenbar festlegen, dass eine Nachricht nach dem Lesen nach fünf Minuten, einer Stunde oder zwölf Stunden gelöscht wird. Ungelesene Nachrichten sollen laut Bericht unabhängig davon nach 24 Stunden verschwinden.

Das unterscheidet die neue Variante von klassischen selbstlöschenden Nachrichten: Entscheidend ist nicht nur der Zeitpunkt des Versands, sondern auch der Moment, in dem die Nachricht auf dem Gerät des Empfängers gelesen wird. Damit würde WhatsApp die bestehenden Privatsphäre-Einstellungen um eine feinere Steuerung ergänzen.

Noch kein offizieller Starttermin

Meta beziehungsweise WhatsApp haben die Funktion bislang nicht offiziell angekündigt. Entsprechend ist offen, wann und in welcher Form sie für alle Nutzerinnen und Nutzer erscheint. Da die Option aber sowohl in der iOS- als auch in der Android-Beta getestet wird, wirkt ein späterer öffentlicher Rollout grundsätzlich plausibel.

Für WhatsApp wäre die Neuerung vor allem eine Erweiterung bestehender Datenschutzfunktionen. Sie ersetzt keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und verhindert auch nicht grundsätzlich, dass Inhalte vor dem Löschen etwa per Screenshot oder auf anderem Weg gesichert werden. Sie könnte aber helfen, Chatverläufe kürzer zu halten und sensible Nachrichten nicht dauerhaft im Verlauf zu belassen.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Die neue Funktion hat durchaus einen gewissen Mission-Impossible-Charme: Eine Nachricht lesen – und kurz darauf ist sie wieder verschwunden. Ganz so geheimagententauglich ist das Prinzip in der Praxis aber nicht. Selbstlöschende Nachrichten erhöhen zwar die Kontrolle über Chatverläufe, garantieren aber nicht, dass Inhalte wirklich unwiederbringlich verschwinden. Screenshots, Backups oder technische Rückstände können je nach App und Umsetzung weiterhin eine Rolle spielen.

Dass die Funktion in der Beta-Version auftaucht, zeigt zumindest, dass Meta diese Option aktiv testet. Eine Garantie für einen baldigen Start ist das aber nicht. WhatsApp probiert regelmäßig Funktionen aus, die später verändert, verschoben oder auch wieder verworfen werden. Dennoch liefert der Test einen interessanten Hinweis darauf, wie der Messenger seine Datenschutzfunktionen weiter ausbauen könnte.

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