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Twitter stoppt politische Werbung, weltweit und vor US-2020-Wahlkampf

Twitter möchte weltweit keine politische Anzeigen mehr über sein Netzwerk an seine Nutzer verbreiten. Der Unternehmensgründer Jack Dorsey begründet diesen Schritt auf Twitter und mit der Ansicht, dass Reichweite für politische Botschaften verdient werden müsse, statt gekauft zu werden. Damit geht die Diskussion um Wahlbeeinflussung über Social-Media, Fake-News und Wahlkampf 2.0 in eine neue Runde - auch für Facebook.

Vor zwei Wochen sprach Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor Studierenden der Georgetown University über Meinungsfreiheit beziehungsweise die Möglichkeiten eines freien Ausdrucks. Allerdings widerspricht sich Zuckerberg selbst. Denn während Facebook selbst nach eigenen Regeln gegen Nacktheit oder Auberginen, Birnen und Pfirsich-Emojies vorgeht, sobald diese in einem sexualisierten Kontext erscheinen, möchte Zuckerberg Aussagen von Politikern nicht zensieren und schon gar nicht, wenn Facebook mit den Anzeigen von Politikern Geld verdient. Dabei waren es politische Kampagnen, die auf Facebook im Sommer 2016 den Brexit unterstützten und im Herbst 2016 den US-Wahlkampf zugunsten von Trump entschieden. 

Ohne den Ausgang der Abstimmung in England und das Ergebnis der US-Wahl zu bewerten, weiß man inzwischen, dass Daten von Facebook durch Cambridge Analytica missbraucht wurden. In der Brexit-Kampagnen gibt es Überschneidungen mit der Trump-2016-Kampagne, die etwa beim britischen Guardian herausgearbeitet wurden. Facebook zahlt jetzt in UK eine Strafe von 500.000 Pfund – ohne seine Schuld anzuerkennen. 

In der Vorwoche musste sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress verantworten, wie New York Times zusammenfasst. Auch dort wurde klar, dass für Zuckerberg die Freiheit vor allem darin besteht, als Facebook nicht eingeschränkt zu werden. Dabei geht es auch um ältere Versprechen. So sollten ursprünglich die Daten von Whatsapp und Facebook nicht zusammengelegt werden.

Auch Jack Dorsey kritisiert indirekt die Position von Facebook, denn Facebook möchte nichts unternehmen, wenn Politiker falsche oder irreführende Informationen verbreiten. Twitter hingegen hatte angekündigt, die Funktionen „Like“ und „Retweet“ einzuschränken, sollten Politiker übergriffige und abwertende Aussagen treffen. 

Für Facebook steht aber noch mehr auf dem Spiel - auch, weil Facebook betont, politische Anzeigen machten allenfalls maximal 0,5 Prozent der Erlöse aus. Im Gegensatz zu Twitter beschneidet Facebook die organischen Reichweiten von Inhalten rigoros, um sie dann gegen Bezahlung wieder künstlich zu erhöhen. Während das ohnehin kleinere Twitter auf Politik-Promotion verzichten kann, stellt Jack Dorsey kurzerhand das Geschäftsmodell von Facebook in Frage: Wenn man nämlich nicht einmal mehr mit Geld mehr als fünf Prozent seiner eigenen „Fans“ bei Facebook erreichen kann, warum sollte man überhaupt noch bei Facebook eine Fanseite oder Diskussionsgruppe betreiben?

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