Soundboks Rider im Test: Halbe Größe, volle Lautstärke
Wie stellt man im TikTok-Zeitalter einen neuen Lautsprecher vor? Bei Soundboks jedenfalls nicht mit einer Keynote. Die Dänen haben die Rider zum Launch kurzerhand rund 110 Meter in den Himmel geschossen – und sie hat die Landung laut Hersteller sogar mehrfach überlebt. Auf den Raketenstart haben wir verzichtet. Die Frage dahinter ist trotzdem die richtige: Was hält diese Box aus, und was hält sie durch?
Zur Einordnung: Soundboks war bislang eine Marke für Menschen mit Bandscheiben aus Stahl. Die große Soundboks 4 wiegt gut 16 Kilogramm, selbst die erst in diesem Jahr vorgestellte Mix bringt noch knapp 10 Kilogramm auf die Waage. Die Rider kommt mit 6,5 Kilogramm aus – inklusive Akku. Soundboks nennt die Rider selbstbewusst den kleinsten Partylautsprecher, der je gebaut wurde. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Klar ist: Zum ersten Mal ist eine Soundboks nicht nur tragbar im Sinne von „mit zwei Händen und leisem Fluchen“, sondern wirklich transportabel.
Endlich wirklich mobil
Optisch bleibt alles beim Alten, nur eben im Miniaturformat: vorne das pulverbeschichtete Stahlgitter mit Wabenlochung, an den Ecken die markanten Silikonkugeln, dazu ein nüchternes schwarzes Kunststoffgehäuse. Stellt man die Rider neben eine Soundboks 4, sieht das weniger nach Geschwistern aus als nach Großmutter und Enkelin. Mit 35 mal 24 mal 20 Zentimetern ist sie kaum größer als ein Karton für Wanderstiefel.
Oben ist ein stabiler Griff ins Gehäuse eingelassen, mit dem sich die Rider entspannt einhändig tragen lässt. Vor allem aber passt sie endlich wirklich in den Rucksack oder auf den Fahrradgepäckträger. Bei der Mix war das noch eine wackelige Angelegenheit, die meist mit Spanngurten und Gottvertrauen endete. Für einen Schultergurt ist die Rider ebenfalls vorbereitet, der Gurt selbst kostet allerdings rund 60 Euro extra.
Und robust ist sie ebenfalls. Die Rider ist nach IP66 zertifiziert, also staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt. Damit übertrifft sie sogar ihre großen Schwestern, die es nur für die Elektronik auf IP65 bringen. Sand am Strand, ein Platzregen im Park oder der umgekippte Aperol auf dem Balkon: alles kein Drama. Das Frontgitter lässt sich wie immer zum Reinigen oder zum Ansprühen abnehmen, die Gummikugeln fangen Stöße ab, wenn die Box doch einmal vom Gartentisch kippt.
Ein Akku für alle
Das vielleicht klügste Detail sitzt auf der Rückseite: Soundboks verbaut denselben Wechselakku wie in der Soundboks 4, der Go, der Mix und der Soundboks 3. Wer bereits eine große Soundboks besitzt, hat damit automatisch einen Ersatzakku im Haus – und umgekehrt. Der Tausch dauert Sekunden, ein Werkzeug braucht es nicht.
Angesichts der Gehäusegröße wirkt der Akku fast überdimensioniert, doch genau das zahlt sich aus. Soundboks verspricht bis zu 35 Stunden bei mittlerer Lautstärke und immerhin noch 8 Stunden auf Anschlag. Für einen Lautsprecher dieser Klasse ist das ein Ausdauerwert, bei dem viele Bluetooth-Boxen schon nach dem halben Wochenende aufgeben. Geladen wird per USB-C mit bis zu 65 Watt. Über denselben Anschluss lässt sich der Akku auch als Powerbank nutzen – praktisch, wenn das iPhone mitten in der Playlist schlappmacht. Ein Druck auf die Taste am Akku zeigt den Ladestand per LED an. Tipp für die Erstinbetriebnahme: Halten Sie diese Taste einmal lang gedrückt, sonst lässt sich die Box nicht einschalten.
Die Bedienung an der Box selbst ist auf das Nötigste reduziert. Seitlich sitzen der Ein-/Ausschalter, der große Lautstärkeregler mit LED-Kranz (wie immer bis 11) und eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Zuspieler per Kabel. Mehr gibt es nicht: keinen Aux-Ausgang, keinen Mikrofoneingang, keine Taste zum Wechseln der Klangprofile. Musik kommt also in der Regel per Bluetooth. Gut zu wissen: Die Lautstärke der Box ist von der des iPhone entkoppelt. Bleibt es trotz voll aufgedrehtem Smartphone still, steht der Regler an der Rider vermutlich auf null.
Die App: ein Klangprofil für alle Boxen
Die eigentliche Steuerzentrale ist die Soundboks-App. Ab Werk stehen drei Klangprofile bereit: „Bass+“, „Indoor“ und „Outdoor“. Neu ist der benutzerdefinierte Equalizer mit sechs Bändern, über den Sie Bass, Mitten und Höhen nach Gusto formen. Die Einstellungen lassen sich als Presets speichern und frei benennen – etwa „Grillabend“ oder „Sonntagmorgen“. Eine Obergrenze gibt es nicht.
Der Clou: Die Presets landen im Soundboks-Konto und stehen auf jeder Soundboks zur Verfügung, mit der Sie sich verbinden. Wer seine Rider an Freunde verleiht, gibt den Lieblingssound also gleich mit. Ebenfalls praktisch ist die Sperre für die Tasten am Gerät. Damit hat sich das Thema „Gast, der alle zehn Sekunden am Lautstärkeregler dreht“ elegant erledigt.
Klang: mehr Wumms, als das Volumen erlaubt
Im Inneren arbeiten ein 8-Zoll-Tieftöner und ein 1,2-Zoll-Kalottenhochtöner, der in einem kleinen Horn sitzt. Ein Bassreflexrohr hat im kompakten Gehäuse keinen Platz mehr gefunden – die Rider ist geschlossen aufgebaut. Auf dem Papier klingt das nach einem Kompromiss. In der Praxis klingt es schlicht gut.
Der erste Eindruck ist ein ungläubiger Blick zur Box. Bis zu mittleren Lautstärken liefert die Rider echten, druckvollen Tiefbass, den man einem Gehäuse dieser Größe nicht zutraut. Der Kickbass sitzt punchig und kontrolliert, die Höhen bleiben auch bei hohem Pegel angenehm und werden nie schrill. Im direkten Vergleich wirkt die Rider sogar knackiger als die Mix, die zwar mehr Basspegel, aber nicht das sauberere Klangbild liefert.
Die drei Profile machen spürbare Unterschiede. „Indoor“ hebt den Tiefbass an und senkt die Mitten leicht ab – im Wohnzimmer unser Favorit. „Outdoor“ betont den Kickbereich, holt die Mitten nach vorne und lässt den Tiefbass weg, der draußen ohnehin verpufft. Nebenbei spart das Strom. „Bass+“ ist, nun ja, Geschmackssache.
Physik lässt sich allerdings nicht überlisten. Ab etwa 70 Prozent Lautstärke regelt die Elektronik den Tiefbass hörbar zurück und verlagert das Fundament in den Oberbass. Das schützt den Treiber und hält den Klang verzerrungsfrei – es geht ab hier eben um Lautstärke, nicht mehr um Tiefe. Die von Soundboks angegebenen 118 Dezibel sind wie üblich ein Laborwert. Zum Vergleich: Die Mix soll 121, die Soundboks 4 sogar 126 Dezibel schaffen. Mit Musik bleibt die Rider darunter, für Balkon, Garten oder die Picknickdecke im Park reicht der Pegel aber locker – und die Nachbarn bekommen es in jedem Fall mit.
Am wohlsten fühlt sich die Rider bei elektronischer Musik, Hip-Hop und Pop. Bei akustischen Aufnahmen trägt sie in den Tiefmitten mitunter etwas dick auf. Hier hilft ein Wechsel ins Indoor-Profil oder ein eigenes Equalizer-Preset.
Allein auf weiter Flur: kein TeamUp
So viel Lob, so ein Dämpfer: Die Rider unterstützt kein TeamUp. Mit dieser Funktion lassen sich Soundboks 4 und Mix kabellos zu einem Verbund koppeln – die Rider bleibt außen vor. Soundboks begründet das ganz offen: Die Rider sei als Solistin konzipiert, für spontane, kleine Runden statt für die durchgeplante Gartenparty mit 100 Gästen. Das klingt in der Pressemappe schlüssig, geht in der Praxis aber an genau der Zielgruppe vorbei, die bereits eine Soundboks besitzt. Gerade wer eine große Box hat, hätte die Rider gern als handlichen Satelliten für die Terrasse oder den Grillplatz.
Einen Ausweg per Kabel gibt es auch nicht, denn ein Aux-Ausgang fehlt. Und auf Auracast, mit dem JBL, Marshall und Sony ihre Boxen untereinander verbinden, verzichtet Soundboks weiterhin. Immerhin lässt sich in der App der Kanal festlegen: Die Rider spielt wahlweise nur den linken, nur den rechten oder beide Kanäle ab. Eine echte Stereokopplung ersetzt das allerdings nicht. Unterm Strich bleibt das Fehlen von TeamUp aber der größte Kritikpunkt.
Auch sonst ist die Rider eine Puristin. Spielereien wie Dolby Atmos Music oder einen virtuellen Raumklangmodus sucht man vergeblich, ebenso Lichtshow, Karaoke-Funktion oder DJ-Effekte. Das passt zur nüchternen Soundboks-Philosophie und hält die Bedienung angenehm schlank. Wer seine Partybox gern als Gadget-Spielwiese nutzt, wird bei der Konkurrenz allerdings mehr finden.
Was wir uns dagegen wirklich wünschen würden: AirPlay. Denn die meisten portablen Boxen verbringen den Großteil ihres Lebens nicht am Strand, sondern im Wohnzimmer – und genau dort stehen sie oft ungenutzt herum, weil das Koppeln per Bluetooth jedes Mal ein kleines Ritual ist. Wechselt das Smartphone, heißt es trennen, neu verbinden und hoffen. Mit AirPlay wäre die Rider im heimischen WLAN jederzeit nur einen Fingertipp entfernt und würde vom gelegentlichen Partygast zum festen Mitbewohner. Dass das auch bei Akkuboxen funktioniert, zeigt Sonos mit Move und Roam.
| Produktname | Rider |
|---|---|
| Hersteller | Soundboks |
| Preis | 499 € |
| Webseite | www.soundboks.de |
| Pro |
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| Contra |
|
| 1,4sehr gut |














