Das Rad neu erfunden?

Smart Bikes: Gadget und Fahrrad treffen aufeinander – das musst du wissen

Smart Bikes: Das musst du wissen. Als Fahrrad-Liebhaber lebt man in einer aufregenden Zeit. Man kann wählen zwischen den schönsten Retro-Bikes und hochtechnisierten neuen Modellen. Wir stellen die nützlichsten Innovationen vor, beleuchten moderne Räder und die besten Gadgets und Accessoires, die das eigene Fahrrad flexibler machen.

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Die schlechte Nachricht zuerst. Das womöglich fortschrittlichste Fahrrad der Welt gibt es leider noch nicht auf dem Markt. Es heißt Blackline und wurde von der Design-Firma MNML und dem Fahrrad-Hersteller Method im Zuge einer Ausschreibung produziert. Neben einem ausgeklügelten Gepäckträgersystem mit Satteltaschen, die sich in Rucksäcke verwandeln lassen, einem nahezu wartungsfreien und unzerstörbaren Zahnriemenantrieb, robusten Reifen, einer automatischen 3-Gang-Schaltung und einem versteckten Bügelschloss wurde viel hilfreiche Technik verbaut. Im Lenker ist das Vorderlicht ebenso integriert wie Blinker in den Griffen. Ein Tippen genügt, um die Helligkeit anzupassen. Mittels einer App lassen sich den Lichtern Farben zuordnen und via Smartphone gewünschte Geschwindigkeiten eintragen. Ist ein bestimmtes Tempo erreicht, signalisiert ein Licht dem Fahrer, wie schnell er fährt. Natürlich lässt sich in die App auch der Zielort eintragen, das Fahrrad blinkt und zeigt, wo es lang geht, ohne dass der Fahrer zwischendurch sein iPhone hervorholen muss. Einmal angekommen, reicht eine SMS, die man an sein eigenes Rad sendet, um den Ort zu markieren, an dem es steht. Ach ja, ein USB-Port ist selbstverständlich ebenso im Lenker implementiert. Und bei Verlust hilft das im Rahmen verankerte GPS, das schöne Rad wiederzufinden. Spätestens hier werden Träume von Besitzern wertvoller Drahtesel wahr.

Und leider auch nicht, denn noch ist das Blackline ein Prototyp. Doch die Umsetzung deutet darauf hin, dass der Konsument nicht mehr allzu lange auf ein solches Traum-Fahrrad warten muss. Welche (sehr ähnlichen) Alternativen es derzeit bereits gibt und wie du dein Fahrrad nach Wunsch aufrüstest, erfährst du hier.

Die neuen Radtypen

Dem Blackline sehr nah kommt das Modell Jacob des Berliner Fahrrad-Herstellers Schindelhauer. Auch Jacob verfügt über einen Zahnriemenantrieb, es ist zwar ein Single-Speed-Bike, dafür jedoch mit einem System ausgestattet, das sich COBI nennt und in Verbindung mit dem iPhone als Schaltzentrale des Rades fungiert. Über 100 Funktionen stecken in COBI, darunter GPS-Navigation, die Möglichkeit, Anrufe zu steuern, eine digitale Fahrradklingel, Wettervorhersagen, ein Musikplayer, eine Alarmanlage oder eine Ladefunktion. Das Smartphone steckt in einer integrierten Halterung, die Ladefunktion erfolgt über den Dynamo. Zudem ist es nicht nötig, auf dem Bildschirm herumzutippen und womöglich den Verkehr aus den Augen zu verlieren. Über einen Daumen-Controller am Lenker lassen sich die Befehle erteilen. Scheibenbremsen, eigens mit Continental entwickelte Reifen sowie ein automatisch anspringendes Licht machen die Sache rund, aber auch nicht billig. 2.295 Euro sollte man zur Verfügung haben, um sich Jacob leisten zu können (schindelhauerbikes.com).

Das derzeit wohl modernste Rad in Deutschland ist das Modell Jacob von Schindelhauer.
Das derzeit wohl modernste Rad in Deutschland ist das Modell Jacob von Schindelhauer. (Bild: Hersteller)

Rund 1.000 Euro günstiger ist ein Rad namens Valour von der Firma Vanhawks. Einziger Wermutstropfen: Auch auf dieses Rad musst du noch warten, indes weniger lang, in Amerika wird es bereits ausgeliefert, ein Verkauf in Deutschland ist in Aussicht. Das äußerst schicke Valour informiert einen über Ultraschallsensoren, die in den Griffen einen spürbaren, aber sanften Alarm auslösen, über sich nähernde Verkehrsmittel im toten Winkel. Neben den bei modernen, hochklassigen Rädern fast schon zur Grundausstattung gehörenden Elementen wie Scheibenbremsen, eine stufenlosen Gangschaltung oder ein Carbon-Rahmen merkt sich das Valour oft benutzte Routen, speichert Nutzungsdaten, schlägt alternative Wege vor und erinnert sich sogar an mangelhafte Straßenverhältnisse. Zwar sind die technischen Finessen an eine App gebunden, bestimmte Fähigkeiten können jedoch selbst bei einem außer Betrieb befindlichen iPhone (oder Android-Phone) genutzt werden, wie zum Beispiel das mit Lichtsignalen im Lenker nutzbare Navigationssystem (vanhawks.com).

E-Bikes

Was bis vor kurzem noch eine Rarität war, wird man künftig immer öfter im Straßenverkehr sehen: Elektrofahrräder werden nicht nur schlanker, sondern auch vielfältiger. Das Vesterbro (4.599 Euro) der Heidelberger E-Bike-Manufaktur Coboc sieht aus wie ein herkömmliches Fahrrad, der elektronische Anteil, ein 350 Wattstunden starker Akku, versteckt sich im Unterrohr. Auch hier erhält der Kunde hochwertige Versatzstücke wie ein Supernova-Vorderlicht, Kojak-Bereifung oder Plattformpedale ohne Pins, dazu aber Alleinstellungsmerkmale wie ein im Rahmen unter dem Sattel integriertes Rücklicht, das seine Energie aus dem Akku speist. Das Vesterbro ist zudem an eine eigens entwickelte App gekoppelt, die über ein vollwertiges Navi und eine Tracking-Funktion verfügt und diverse Fahrinformationen sammelt und auf Wunsch preisgibt (coboc.biz).

Sieht aus wie ein normales Fahrrad, ist aber ein E-Bike: Das Coboc Vesterbro.
Sieht aus wie ein normales Fahrrad, ist aber ein E-Bike: Das Coboc Vesterbro. (Bild: Hersteller)

Ein echtes Schwergewicht ist das ST2 (4.090 Euro), ein Fabrikat der schweizer Firma myStromer AG. Per Knopfdruck bedient man hier sehr komfortabel eine 20-Gang-XTR-Di2-Schaltung von Shimano. Continental-Top-Contact-II-Reifen federn auch gröbere Straßenschäden ab und eine Supernova M99 Pro genannte Beleuchtung mit Tagfahrlicht, Abblend- und Fernlichtmodus mit bis zu 1.600 Lumen trotzt jedem Wetter und jeder Tages- und Nachtzeit. Über die Stromer-App lässt sich die Position und der Akkuladestand des ST2 anzeigen sowie das Rad sperren und entsperren. Das Modell gibt es auch in einer ST2-S-Version (6.490 Euro) mit einem 983 Wattstunden starken Akku, der eine Reichweite von bis zu 180 Kilometern ermöglicht (stromerbike.com).

Das Stromer ist ein Leichtgewicht, aber vielseitig.
Das Stromer ist ein Leichtgewicht, aber vielseitig. (Bild: Hersteller)

Optisch einen deutlichen Schritt Richtung Zukunft macht das Gi FlyBike (2.100 Euro), welches man eher einem Besitzer wie dem Star-Wars-Roboter C3-PO als einem Menschen zuordnen würde. Das sogenannte Pedelec hilft dem Fahrer mittels eines smarten, bürstenlosen Elektro-Motors automatisch beim Fahren. Bei dem Gi FlyBike sitzt das Smartphone ebenfalls als Zentrum vieler Fähigkeiten am Lenker. Mit einer komplementären App lassen sich die eingebauten Lichter, ein Schließmechanismus, GPS, Fitness-Statistiken und Social-Networking-Angebote steuern. Das von drei Argentiniern ausgeheckte Rad aus ultraleichtem Flugzeugaluminium kann man mit einem einzigen Handgriff in einer Sekunde zusammenfalten. Es verfügt über einen Zahnriemen und Annehmlichkeiten wie eine automatische Wegfahrsperre, wenn sich der Besitzer mehr als fünf Meter entfernt. Für Freunde kann das E-Bike per App freigegeben werden (giflybike.com).

Das Gi FlyBike wird in Sachen Zukunftsvision lediglich vom NCycle überboten, dessen Design das Rad nahezu neu erfindet. Für iPhone-Besitzer dürften hierbei eingebaute Lautsprecher und ein holographisches Display interessant sein. Beides wird per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Preis und Verfügbarkeitsdatum des faltbaren E-Bike sind noch unklar, beides dürfte aber im Frühjahr 2016 auf ncycle.net verlautbart werden.

Eine Nummer kleiner

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Kleinere E-Bike-Varianten sind das Jivr und das CMYK 4.0. Das Jivr ist ein elektrisches Klapprad, bei dem der gesamte Antrieb im Rahmen verschwindet. Bei dem komplett mechanisch funktionierenden Rad hat der Fahrer die Wahl zwischen eigenem Antrieb und elektrischer Unterstützung. In einer App lassen sich gewünschte Geschwindigkeiten, Routen und einiges mehr eingeben. Das offene System bietet Programmierern zusätzlich die Möglichkeit, eigene Funktionen umsetzen. Zu kaufen ist Jivr für ca. 2.050 Euro ab Frühjahr 2016 (jivrbike.com).

Bei dem Jivr verschwindet der Antrieb im Rahmen.
Bei dem Jivr verschwindet der Antrieb im Rahmen. (Bild: Hersteller)

Kleiner als das CMYK 4.0 von der Firma Brooklyness wird ein E-Bike in naher Zukunft wohl kaum. Das von dem vielfach prämierten Unternehmer Manuel Saez entworfene Smart-Bike erscheint zwar winzig – es wiegt lediglich knapp 12 Kilo, die Räder messen 36 cm – bietet jedoch eine Menge Technik. Sensoren erfassen, wie schnell der Fahrer fährt, wo gute und wo schlechte Wege das Fahren erleichtern oder erschweren und Pulsmesser in den Griffen geben Informationen über die Herzfrequenz an das iPhone weiter, von dem aus man zudem das Licht steuern kann. Natürlich lässt sich das Smartphone am Fahrrad während der Fahrt aufladen. Und auch das CMYK kann vom iPhone aus gesperrt und freigeschaltet werden. Diebe werden mit dem faltbaren E-Bike Probleme bekommen: Ein eingebauter Chip ermöglicht dem Besitzer stets zu erfahren, wo sich sein CMYK befindet. Knapp 1.500 Euro kostet das vielseitige Rad und kann ab Sommer bestellt werden (brooklyness.com).

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