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Fünf Stück an der Zahl

Profis testen Kopfhörer: Fünf Studiokopfhörer auf dem Prüfstein

Welcher Kopfhörer für welche Ohren der richtige ist, ist nicht so leicht herauszufinden. Die Geschmäcker sind unterschiedlich. Daher haben wir uns Hilfe geholt und fünf Profis aus der Musikproduktion gebeten, fünf Modelle zu testen.

Empfehlungen für Kopfhörer kommen in der Regel von Freunden, der Familie, von freundlichen Verkäufern oder Fachleuten in den diversen Medien. Bringen Popstars wie Dr. Dre oder Will.i.am von den Black Eyed Peas ihre eigene Kopfhörer-Flotte auf den Markt, vertraut der ein oder andere Kunde auch schon mal einem sogenannten populären Testimonial, einer bekannten Persönlichkeit also, die für die Ware wirbt. Doch welche Kopfhörer taugen nun wirklich etwas – und vor allem: Woher bekommen wir eine ehrliche, unvoreingenommene und wenn nötig schonungslose Analyse und Empfehlung?

Wieso nicht mal jene Protagonisten bitten, über die Eigenschaften diverser Kopfhörermodelle zu befinden, die tagtäglich auf professioneller Basis damit zu tun haben: die Musikschaffenden? Jene Menschen also, deren Beruf es ist, den möglichst perfekten Klang zu finden.

Um ein möglichst breites Spektrum zu bieten, haben wir einem Gitarristen, einem Produzenten, einem Live- und zwei Studio-Mischern die jeweils fünf gleichen Hi-Fi-Kopfhörer zur Verfügung gestellt und sie gebeten, über diese ehrlich und offen zu urteilen. Dabei wurde schnell klar: Die Ansprüche sind bei allen extrem hoch, die Toleranz auch für kleine Schwächen hingegen sehr gering.

Die Regeln

Jeder Proband durfte selbst aussuchen, welche Musikstücke er für den Test verwendet. Einzige Bedingung: Alle Lieder mussten mit jedem der Kopfhörer getestet werden. Es sollten sowohl leise, fragile Klänge zum Einsatz kommen als auch laute Lieder, die ordentlich Krach machen – und elektronische, die man gemeinhin als modern einstufen würde. Bewertet werden sollte alles vom Tragekomfort und der Ästhetik über den Klang bis hin zum Gewicht – also auch, wie lange man gut und bequem mit den Modellen hören und arbeiten kann.

Darüber hinaus sollten die Profis uns einerseits mitteilen, ob und wie die Kopfhörer für ihre tägliche Arbeit taugen, sie andererseits aber auch als Konsument beurteilen, welchen Kopfhörer-Typ sie also zum Beispiel zu Hause im Wohnzimmer bevorzugen würden. Am Ende mussten sie eine handfeste Bewertung abgeben: einen Stern für schwaches Abschneiden und bis zu fünf Sterne für Exzellenz. Dies führte zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen – und Begründungen!

Die Kopfhörer

Aus dem Meer aktueller Kopfhörer haben wir uns Modelle ausgesucht, die durchaus gehobenen Ansprüchen genügen sollten, die jedoch keine High-End-Kopfhörer sind. Sie kommen ausnahmslos von Herstellern, die eine gewisse Erfahrung vorweisen können. Der „Benjamin“ der Runde ist die amerikanische Firma Blue, die 1995 gegründet wurde, der „Methusalem“ hingegen das japanische Unternehmen Denon, das seit 1910 existiert.

  • Sennheiser HD 660 S (430 Euro): Der offene, dynamische Kopfhörer tritt das schwere Erbe seiner Vorgänger an (unter anderem des HD 650), die nicht nur unter Musikern einen sehr guten Ruf genießen.​
  • Denon D5200 (600 Euro): Vom Hersteller zurecht als Premium-Kopfhörer tituliert, überzeugt der D5200 bereits, wenn man ihn aus der Verpackung holt: schicke Ohrhörer aus Zebraholz und Polster aus Leder wirken beeindruckend.​
  • Beyerdynamic DT 1770 Pro (440 Euro): Ein weiterer Kandidat aus einer Klassiker-Familie: Bereits der DT 770 Pro wurde von Musikschaffenden und -hörern gleichermaßen geschätzt; der Nachfolger besticht unter anderem mit dem verbauten Tesla-System.​
  • Bowers & Wilkins P9 Signature (850 Euro): Bowers-&-Wilkins-Lautsprecher sind spätestens seit dem bekannten schneckenförmigen Nautilus weltbekannt. Seit 2011 stellt das Unternehmen auch Kopfhörer her.
  • Blue Lola (270 Euro): Blue wendet sich mit diesem Kopfhörer explizit an eine breite Kundschaft, die sowohl Musik aufnimmt als auch genießt, die aber auch Podcasts hört, den Lola beim Gaming oder zum Schauen von Youtube-Videos nutzt.

Die Probanden

  • Thimo Sander ist Gitarrist und musikalischer Leiter der Band von Adel Tawil (Ich & Ich), Songwriter und Produzent. Er hat zwei Soloplatten veröffentlicht, arbeitet derzeit an einer dritten und hat Musik zu Filmen wie Dani Levis „Väter“ oder Fatih Akins „Im Juli“ beigesteuert.
  • Moses Schneider hat sich als Produzent von Künstlern wie den Beatsteaks, Olli Schulz, Dendemann, Tocotronic oder Annenmaykantereit einen Namen gemacht. Er hat schon mit Bands wie den Pixies zusammengearbeitet und gilt als Spezialist für Liveaufnahmen.
  • Peter Schmidt ist seit den 1980er-Jahren als Tonmeister aktiv, arbeitete im Studio bereits mit Selig, Depeche Mode, BAP sowie Peter Fox zusammen und hat Dutzende Platten gemischt, unter anderem von Künstlern wie Nina Hagen oder Annett Louisan. Den Kopfhörertest hat er mit seinem Assistenten Alexandr Sitnikov durchgeführt.
  • Michael Ilbert kann auf eine internationale Laufbahn als Mischer und Produzent von Popmusik verweisen. Er war an Platten des schwedischen Duos Roxette beteiligt und arbeitete unter anderem mit Hit-Gigant Max Martin zusammen, mit Mando Diao und Herbert Grönemeyer.
  • Christian Rohs ist ein sogenannter Front-of-House-Mischer, der also vornehmlich bei Konzerten Bands den klanglichen Schliff verpasst. In dieser Funktion war er bereits für zahlreiche Musiker wie Beth Hart, Billy Bragg, Calexico, Revolverheld oder Balbina tätig.

Denon D5200

Neben seinem guten Klang lobten unsere Probanden vor allem den Tragekomfort von Denons D5200.
Neben seinem guten Klang lobten unsere Probanden vor allem den Tragekomfort von Denons D5200. (Bild: Denon)

Christian Rohs: Erster Eindruck: Der Kopfhörer bietet einen tollen Komfort, sitzt gut und gemütlich. Auch der Klang gefällt mir. Allerdings ist hier die Frequenz um die 10 Kilohertz sehr ausgeprägt, folglich hört man die S-Laute etwas zu stark. Ist sicherlich eine Berufskrankheit, dass ich darauf besonders achte. Im Vergleich ist der Denon um einiges lauter als die anderen Modelle.

Meine Wertung: 3/5

Moses Schneider: Der Denon ist wesentlich leichter als mein eigener Kopfhörer, den ich im Studio verwende. Fühlt sich direkt an, als könne man damit auch länger stressfrei hören.

Ich teste alle fünf Kopfhörer an Liedern, die ich in- und auswendig kenne, da ich sie selbst produziert habe. Der D5200 ist in den Bässen sehr glaubwürdig, klingt also genau so, wie es vom Urheber gemeint ist. Ich muss dazu sagen, dass ich im Studio nur manchmal Kopfhörer verwende, gerade weil viele den Klang verfälschen. Aber auch beim zweiten Mal Checken klingt der Denon ziemlich geil.

Meine Wertung: 4/5

Thimo Sander: Ein Kopfhörer sollte immer gut sitzen – und das kann der Denon für sich schon mal reklamieren. In Sachen Sound muss ich allerdings Abstriche machen. Nach meinem Empfinden klingt der D5200 zu mittig, alles klingt etwas zu belegt. Meine Hörbeispiele sind für alle Modelle die Great Lake Swimmers mit „Side Effects“, Faith No Mores „Midlife Crisis“ und Here We Go Magics „How Do I Know“.

Meine Wertung: 2/5

Peter Schmidt und Alexandr Sitnikov: Der Kopfhörer klingt sehr gesund, das trifft es wohl am besten. Ein wenig wirkt die Musik dadurch wie auf einem Empfang: Die Höhen sind schön, das tiefe Low-End gut abgebildet, nichts tut hier weh. Sowohl bei der von uns ausgewählten Band OK Kid als auch bei John Mayer und Snoop Dogg scheint der Kopfhörer genau richtig. Bei Klassik hingegen – wir haben ein Piano Concerto von Rachmaninow sowie Chormusik von Priester Paolo Spoladore eingesetzt – hat die Musik zu wenig Luft, man ist zu weit weg und dem Piano fehlt der Druck. Ganz anders wieder beim Hörbuch „Masita“. Hier ist der Raum deutlich und angenehm.

Gebaut ist der Denon super, mit dem kann man lange sitzen, er fühlt sich sehr leicht an.

Unsere Wertung: 3,5/5

Michael Ilbert: Der ist sehr laut! Manchmal habe ich fast den Eindruck, er würde ein klein wenig verzerren, wenn man sehr laut aufdreht. Für mich klingt er etwas zu hoch, zu spitz. Die Mitten sind mir nicht präzise genug. Andererseits muss ich sagen, dass er wirklich sehr gut sitzt, er fühlt sich auf dem Kopf sehr angenehm an.

Meine Wertung: 3/5

Blue Lola

Das Design von Blues Lola ist durchaus gewöhnungsbedürftig, klanglich konnte er schon eher überzeugen.
Das Design von Blues Lola ist durchaus gewöhnungsbedürftig, klanglich konnte er schon eher überzeugen. (Bild: Blue)

Christian Rohs: Auf den ersten Blick sieht der Lola mit seinen eckigen Bügeln etwas komisch aus, er sitzt aber weich und komfortabel. Für mich wichtig: Der Kopfhörer schließt gut ab, wenig Musik dringt nach außen. Die Low-Mids sind nicht überbetont und dröhnen nicht, alles klingt schön ausgewogen. Auf Dauer sitzt er etwas schwerer als die anderen.

Beim Blue Lola fallen mir keine Frequenzen auf, es gibt keine S-Laute, alles klingt ziemlich rund. Leider fehlt die Links-Rechts-Kennzeichnung an den Ohrmuscheln, auch wenn man aufgrund der Konstruktion schnell raus hat, wie er sitzen muss.

Meine Wertung: 3,5/5

Moses Schneider: Auf meinem Kopf saß der Blue-Kopfhörer etwas zu schwer, fest, aber ganz oben ein wenig zu locker. Ich hatte das Gefühl: Irgendetwas stimmt nicht. Wenn man aber einmal die perfekte Position gefunden hat, ist alles cool.

Was den Klang angeht, hat der Lola für mich ein zu übertriebenes Low-End. Für Hip-Hop ist das gut, aber bei Rockmusik nerven die unteren Frequenzen. Das Stereobild wirkt zu eingeengt, ist nicht räumlich genug. Der Gesamteindruck: Hier wird der Sound zu sehr gepimpt.

Meine Wertung: 1/5

Thimo Sander: Das erste, was mir am Blue auffällt: Er sitzt nicht bequem. Das hat sich auch bei längerem Hören leider nicht geändert. Der Klang wirkt aufgeräumt, auch bei den unterschiedlichen Musikstilen angenehm transparent, insgesamt für mich aber eine Idee zu mittig.

Hier stören mich eher die Dinge, die im Studio neben dem Klang auch wichtig sind: Wie sitzt ein Kopfhörer, wie kann ich mich mit ihm zwischen den Geräten bewegen? Die Beschaffenheit des Kabels gefiel mir nicht so, insgesamt gibt es zu viele unnötige kleine Nachteile.

Meine Wertung: 2/5

Peter Schmidt und Alexandr Sitnikov: Ein Brummer! Der sitzt zu massiv an den Ohren. Auf Dauer fühlt sich das unangenehm an. Zunächst scheinen die Höhen keine schöne Auflösung zu haben, die Trennung von den Mitten und dem Subbass ist etwas zu hölzern. Je länger man hört, desto besser wird der Eindruck jedoch.

Bei moderner Popmusik hat der Blue seine Stärken. Er ist sehr musikalisch, man hört, wo die Instrumente stehen. Der Lola ist sehr akkurat und dürfte somit für Schlagzeugaufnahmen gut geeignet sein. Beim Hörbuch ist ein schöner Bass in der Stimme zu hören.

Die Bewertung würde besser ausfallen, wenn er angenehmer zu tragen wäre. Insgesamt auf Dauer zu fest und zu schwer.

Unsere Wertung: 3/5

Michael Ilbert: Der Sound fühlt sich an, als wäre alles etwas aufeinander gestapelt. Die Höhen sind glücklicherweise nicht so gehyped, wie das bei manch anderen Kopfhörern heutzutage der Fall ist. Dafür gibt es hier zu viel Bass. Für meine Arbeit benötige ich einen Kopfhörer, der möglichst klar und authentisch alles abbildet – Linearität, das kann der Blue nicht leisten. Zudem sitzt er nicht sehr komfortabel auf dem Kopf.

Meine Wertung: 2,5/5

Sennheiser HD 660 S

Sennheiser kommt bei unseren Kritikern in den Studios häufig zum Einsatz und auch der HD 660S kam gut an.
Sennheiser kommt bei unseren Kritikern in den Studios häufig zum Einsatz und auch der HD 660S kam gut an. (Bild: Sennheiser)

Christian Rohs: Nimmt man den Kopfhörer das erste Mal in die Hand, fühlt er sich eher billig an, nicht sehr edel, zu sehr nach Plastik. Doch nach dem Aufsetzen ändert sich das. Der HD 660 S sitzt sehr leicht und angenehm, man spürt ihn kaum. Da es sich um einen offenen, dynamischen Kopfhörer handelt, dringt jedoch viel Musik nach außen. Das muss man wissen. Wenn man viel in der U-Bahn oder mit anderen Menschen in einem Raum sitzt, ist er eher ungeeignet. Der Klang ist aber sehr gut und ausgewogen. Es gibt keine Frequenz, die heraussticht, alle sind vorhanden, alles wird sehr linear abgebildet. Bei den Feinheiten fehlt mir das letzte Prozent, aber insgesamt schneidet er sehr gut ab.

Meine Wertung: 4/5

Moses Schneider: Der hier ist interessant. Zunächst einmal sitzt er wunderbar und ist schön leicht. Klanglich wirkt alles sehr nüchtern, was aber nicht schlecht ist. Ein Wort, das mir zu dem Sound einfällt, ist: stramm. Es macht Spaß, damit Musik zu hören. Unten herum ist er mir etwas zu schwach, man bekommt nicht alles mit, was da passiert. Da fehlt eine Information. Aber insgesamt macht der HD 660 S einen sehr guten Eindruck.

Meine Wertung: 4/5

Thimo Sander: Der Klang gefällt mir. Kein überkandidelter Hi-Fi-Sound, dafür schöne Höhen und weiche Mitten. Damit lässt sich sehr gut im Studio Musik hören. Auch zum Mixen ist er bestimmt hervorragend geeignet. Leider ist er zu offen, um mit dem HD 660 S Gesänge oder ruhige Musik aufzunehmen. Auch der Sitz gefällt mir; selbst nach längerer Zeit kann man den Kopfhörer noch gut tragen, ohne dass er unangenehm wird.

Meine Wertung: 4/5

Peter Schmidt und Alexandr Sitnikov: Alex kennt und nutzt den HD 600, das Vorgängermodell, und ist von dem sehr angetan, vor allem von den Mitten. Der 660 S bringt mehr Bass ins Spiel, ist unten herum klarer und tiefer. In den oberen Mitten klingt er noch echter. Bei John Mayer hört man sogar den Federhall auf der Snare-Drum. Und auch bei Klassik und beim Hörbuch kann Sennheisers Kopfhörer überzeugen. Er ist extrem ausbalanciert, gibt alles wieder – besonders Elemente wie Bläser oder auch den Hall einer Aufnahme. Ein musikalischer Kopfhörer, der sehr korrekt ist. Im Low-Mid-Bass-Gefüge könnte er trotzdem mehr bieten. Tragen lässt er sich sehr gut.

Unsere Wertung: 5/5

Michael Ilbert: Der HD 660 S ist etwas leiser als die anderen Kopfhörer. Dafür ist er wesentlich komfortabler und sitzt hervorragend. Was mir immer bei Kopfhörern – und so auch bei diesem – gefällt: Im Klang ist wenig Hype, wenig Schaumschlägerei. Hier klingt vieles schön linear. Hier und da ist mir der HD 660 S eine Spur zu diffus, der Sound etwas zu weit weg. Insgesamt gefällt er mir jedoch am besten.

Meine Wertung: 3/5

Beyerdynamic DT 1770 Pro

Beyerdynamics DT 1770 Pro wird vor allem wegen seines ausgewogenen Klangs gelobt.
Beyerdynamics DT 1770 Pro wird vor allem wegen seines ausgewogenen Klangs gelobt. (Bild: Beyerdynamic)

Christian Rohs: Der DT 1770 Pro klingt voll und warm. Die Low-Mids sind eine Spur überbetont. Mich als Mischer juckt es, eine bestimmte Frequenz herauszurechnen, die berühmten S-Laute mal wieder. Die hohen Mitten hingegen gefallen mir sehr gut. Auffallend gut ist auch der Raumklang: sehr krass, deutlicher als bei den anderen. Insgesamt atmet die Musik hier besser als bei der Konkurrenz. Und auch der Sitz ist lobenswert. Im Studio lässt sich mit diesem Kopfhörer sehr gut bestimmen, ob ein Endergebnis gelungen ist oder nicht.

Meine Wertung: 4,5/5

Moses Schneider: Aufsetzen, wohlfühlen! Der hier sitzt noch fluffiger als der Denon. Was soll ich sagen? Beyerdynamic, die können’s halt. Der ist wirklich super! Der DT 1770 Pro ist nicht nur der Tragekomfort-Gewinner, hier stimmt auch klanglich alles. Natürlich ist er leiser als die anderen, aber das räumliche Gefühl ist bemerkenswert. Ich habe gerade erst eine Liveaufnahme der Band Turbostaat gemischt, und mit dem Kopfhörer hier hört man das mitsingende Publikum perfekt; man hat das Gefühl, zu wissen, wo die Leute stehen. Der Übergang zwischen den Mitten und den Bässen ist sehr schön, sehr überzeugend.

Meine Wertung: 5/5

Thimo Sander: Vom ersten Moment an gut. Sitzt hervorragend und der Klang ist äußerst ausgewogen. Die Höhen sind zwar sehr hoch, aber nicht zu schrill. Hinzu kommen weiche Mitten, nicht zu viel Bass unten herum. Bei diesem Kopfhörer ist alles sehr gut austariert. Auch für Studioaufnahmen ist er sehr gut geeignet. Ich kann mir vorstellen, dass sich damit sehr schön Gesangsaufnahmen machen lassen. Den würde ich auch privat zum Einsatz kommen lassen. Für mich der Favorit!

Meine Wertung: 4,5/5

Peter Schmidt und Alexandr Sitnikov: Untenrum ist der Kopfhörer super, bei Hip-Hop wirkt er etwas zu „klein“. Aber er ist musikalisch und macht mich am meisten an. Er wirkt in der Summe klarer als die anderen, transparenter. Hier separiert sich alles besser. Bei Klassik zeigt er eine schöne Offenheit. Die Piano-Anschläge sind ein richtiges Event. Bei Popmusik sind die oberen Mitten etwas überzeichnet. In jedem Fall handelt es sich bei dem DT 1770 Pro um einen „Musiker“-Kopfhörer; er hat den besten Klang und macht Spaß!

Unsere Wertung: 4/5

Michael Ilbert: Was direkt auffällt: Dieser Kopfhörer ist leiser als die übrigen. Wenn ich ihn aufdrehe, habe ich das Gefühl, dass er ein wenig verzerrt. Mir fehlen hier die unteren Mitten. Er lässt sich aber hervorragend tragen, sitzt gemütlich auf dem Kopf. Der Klang stellt mich jedoch nicht voll zufrieden. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich aus professioneller Sicht auf einen ganz besonders linearen Klang angewiesen bin, was mein Urteil bei jedem der Kopfhörer beeinflusst und womöglich nicht mit gängigen Ansprüchen in Einklang steht.

Meine Wertung: 3/5

Bowers & Wilkins P9 Signature

Der P9 von Bowers & Wilkins kommt bei den meisten unserer Tester leider nicht sonderlich gut weg.
Der P9 von Bowers & Wilkins kommt bei den meisten unserer Tester leider nicht sonderlich gut weg. (Bild: Bowers & Wilkins)

Christian Rohs: Auf meinem Kopf sitzt der P9 zu schlecht, er ist mir zu hart und klobig. Die Lautstärke wiederum gefällt mir, ich mag es gern, wenn das ausgereizt wird. Die tiefen Mitten sind deutlich übertrieben, das „boomt“ zu sehr. Gleichzeitig ist mir der Klang nicht offen genug, er besitzt keine gute Räumlichkeit. Auch die Mitten sind zu schwach. Bei elektronischer Musik schneidet er deutlich besser ab. Dennoch: Hier atmen die Lieder nicht genug.

Meine Wertung: 2/5

Moses Schneider: Der sieht aus wie ein Möbelstück. Erinnert mich an die Revox-Anlage meines Vaters. Was den Sitz angeht, fühle ich mich zurückversetzt in die Zeit der alten Siebzigerjahre-Kopfhörer: Da gab es die Klassiker von Beyerdynamic, in diese Richtung geht der P9 vom Gefühl her auch. Für mich fühlt er sich angenehm leicht an. Klanglich fallen die guten Höhen auf. Er ist gefühlt lauter als andere und scheint ziemlich dicht an der Musik dran zu sein. Leider hat er gleichzeitig einen Drang zum Dröhnen, wie ich das von Audio-Technica-Kopfhörern kenne. Das betrifft dann die Qualität der unteren Mitten und wie sie in den Bassbereich übergehen.

Meine Wertung: 3,5/5

Thimo Sander: Bowers & Wilkins, die sehen natürlich schön aus. Der Sitz auf dem Kopf ist okay, weder besonders eng, noch zu schwer, eigentlich alles gut so weit. Der Klang kommt mir jedoch merkwürdig vor, als wäre alles ein wenig belegt, oder – in Ermangelung eines besseren Wortes – dosig. Da hatte ich mehr erwartet.

Meine Wertung: 1/5

Peter Schmidt und Alexandr Sitnikov: Da fällt mir sofort auf: Alles schwimmt in Bass! Selbst bei Klassik ist er zu dumpf, und wir testen hier gerade alle Kopfhörer mit Tidal als Streamingdienst. Irgendwie schwingt immer derselbe Grundton mit, das ist schon etwas komisch. Der Sound ist unausgewogen. Ob die Toms des Schlagzeugs, die Gitarren, die Bassdrum: Da findet keine Differenzierung statt, das Gerät kommt mit den Bässen nicht klar. Selbst beim Hörbuch klingt es, als wäre zu viel Loudness in der Aufnahme. In Sachen Design kann man dem Kopfhörer nichts vorwerfen – er sieht wirklich schön aus.

Unsere Wertung: 1/5

Michael Ilbert: Bei dem P9 missfallen mir diverse Dinge. Zunächst: Er sitzt nicht besonders komfortabel auf dem Kopf. Mir ist er zu schwer, um dauerhaft damit zu arbeiten. Wenn es einen Preis nur für das Aussehen gäbe, würde der Bowers & Wilkins aber gewinnen, keine Frage. Allein die schöne graue Stoffbox, in der man ihn transportieren kann.

Aber klanglich kann er nicht mithalten, besitzt keine wahren tiefen Mitten, dafür aber insgesamt zu viele Tiefen und Höhen. Alles klingt, als hätte jemand die Loudness-Taste gedrückt.

Meine Wertung: 2,5/5

Der Gewinner: Beyerdynamic DT 1770 Pro

Zwar hat Sennheisers HD 660 S die gleiche Punktzahl erreicht wie Beyerdynamics DT 1770 Pro, doch die verbalen Bewertungen sehen recht eindeutig Letztgenannten vorn. Und auch das Urteil der Probanden, welchen Kopfhörer sie für den Einsatz bei der Arbeit und zu Hause favorisieren würden, weisen den DT 1770 Pro als Sieger aus – wenn auch nur eine Nasenspitze. Wie gut ein Kopfhörer klingt – das beweisen auch die hier getesteten Exemplare –, hängt oftmals davon ab, welche Musik Sie hören. Im Schnitt liegt der DT 1770 Pro aber zu Recht an der Spitze des Feldes. Vor allen anderen Merkmalen ist es die Räumlichkeit und Echtheit, die ihn auszeichnen. Beim Hören hat man das Gefühl, dass auch die hintersten Ecken klanglich ausgeleuchtet werden und den ihnen zugedachten Platz erhalten – ob das ein dicker Beat ist oder eine Triangel, die jemand links hinten im Aufnahmeraum zum Klingen bringt. Einziger kleiner Wermutstropfen ist die etwas zu geringe Lautstärke, ansonsten stimmt hier eigentlich alles. Oder wie es Moses Schneider so treffend zusammenfasste, als er die ersten Sekunden des ersten Liedes über den DT 1770 Pro hörte: „Beyerdynamic, die können’s halt.“

Update: Wir haben die Sternewertung korrigiert und durch Ziffern ausgetauscht. Sie spiegelt jetzt das Gesagte wider.

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Ich verstehe die Sternewertungen nicht. Da sind oft 5 Sterne, obwohl vorher viel kritisiert wird. Etwas seltsam. Und warum ist manchmal in der Mitte ein Stern weiß?

Was ist das bitte für ein Test?!? Fast jeder Kopfhörer hat 5 Sterne und das trotz einiger Kritik. Was ist hier schief gegangen?!

Ich verstehe auch nicht wie die Probanden auf dem Hintergrund der schriftlichen Bewertungen zu den Sternebewertungen kommen. Am deutlichsten ist mir das bei Thimo Sander aufgefallen: Sein Favorit ist der Beyerdynamik, dem er vier Sterne gibt, allen anderen gibt er fünf Sterne.

Und Michael Ilbert schreibt, dass der HD 660 S "etwas leiser als die anderen Kopfhörer" ist, und der DT 1990 Pro ist ebenfalls "leiser als die übrigen.“ Was denn nun? Es kann ja nur einer der leiseste Kopfhörer sein.

Wieder mal cool: Mac-Life reagiert nicht, erläutert nichts, ändert nichts …

Doch, wir sind dran.

Betreibe noch Ursachenforschung. ;-)

Grüße aus der Redaktion,
Stefan

Und erledigt, Kollege Alexander hat den Fehler gefunden. Wir haben die Sternchen „repariert“, jetzt ergibt alles wieder Sinn.

Sorry und habt Dank für den Hinweis,
Stefan

Gut - hat zwar etwas gedauert (man sollte seine Artikel am Ende nach Veröffentlichung ja noch mal durchsehen) … Aber hat ja noch geklappt.