Verschwörungstheorie?

Prisma: iPhone-App womöglich verlängerter Arm des russischen Geheimdienstes

Man könnte es als Verschwörungstheorie abtun, was Julian Röpcke in einem Artikel zur iPhone-App Prisma formuliert. Er fragt: „Gehen unsere Daten an Putins Geheimdienst?“ Was er jedoch "aufdeckt" sind Verbindungen zu einem Freund des russischen Präsidenten, die jedoch nicht geheimgehalten wurden. Zudem erklärt er: Die Daten würden womöglich ganz legal beim Auslandsgeheimdienst FSB ankommen.

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Prisma ist kein solch großes Phänomen wie Pokémon Go, aber sehr wohl eine zuletzt viel beachtete iPhone-App. Mit ihr kann man auf simple Weise eigene Fotos zu „Kunstwerken“ machen. Filter manipulieren die Bild-Daten auf eine Weise, wie man sie sonst in professionellen Gemälden sieht.

App-Anbieter gehört Putin-Freund

Die erste Tatsache, die Röpcke in der Zeitung mit den vier Großbuchstaben verbreitet, handelt davon, wem der Entwickler der App gehört. Das Start-up Prisma Labs nutzt Technologie „Neuraler Netzwerke“ zur Berechnung der künstlerisch überarbeiteten Bilder.

Seit Juni hat Prisma Labs einen Großinvestor, „my.com“ aus den Niederlanden. Doch das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter von „mail.ru“, das unter anderem vKontakte betreibt. Allerdings machte daraus „mail.ru“ nie ein Geheimnis, veröffentlichte im Gegenteil sogar eine Pressemitteilung.

Der Gründer von Prisma Labs ist Alexey Moiseenkov. Der wiederum arbeitete vorher bei „mail.ru“. Vergleichbar ist dies mit der Situation um Pokémon Go. Entwickler Niantic ist ein Start-up, das aus den Google Labs hervorging, und der Gründer also ein ehemaliger „Googler“.

Im Klartext: Prisma Labs wurde von einem ehemaligen Mitarbeiter des russischen Internet-Unternehmens „mail.ru“ gegründet, dessen Miteigentümer der Putin-Freund Alisher Usmanow ist. Nun ist diese Person indirekt über die „my.com“ an Prisma Labs beteiligt. Um diese „Freundschaft“ zu belegen, wählt Röpcke folgendes Beispiel: Usmanow, dem die russische Zeitung „Kommersant“ gehört, hat einen Redakteur und den Chef-Verleger vor die Tür gesetzt, als ein putinkritischer Artikel veröffentlicht worden war.

Prisma sendet Daten an Server, erfasst Browserverlauf

In den Datenschutzbestimmungen der App kann man bestätigt finden, dass Prisma Zugriff auf die Telefondaten und die Fotobibliothek verlangt, den Browserverlauf und die IP-Adresse des Handys erfasst.

„Schade“ ist zudem, dass die App Prisma die Bilder nicht am Smartphone bearbeitet. Jedes Foto wird auf die Server der „my.com“ in den Niederlanden geschickt. Von dort werden sie berechnet und erst wieder zum Nutzer zurück gesandt. So verleibt sich das Unternehmen sehr viele Bilddaten ein.

Dass aber der Server in den Niederlanden steht, schützt die Kundendaten „theoretisch“ nicht davor, vom russischen Auslandsgeheimdienst FSB ausspioniert zu werden. Das russische Telekommunikationsgesetz sieht seit 2014 vor, dass einheimische Unternehmen Daten sammeln müssen. Ein Betreiber einer Internet-Plattform in Russland hat in einem Interview zugegeben, dass die Anbieter verpflichtet sind, die Kommunikation beim FSB „zertifizieren“ zu lassen. Was das nun genau heißt, ist nicht bekannt.

Dazu kommt, dass im Juni 2016 in Russland ein neues Anti-Terror-Gesetz verabschiedet wurde, das man mit der Vorratsdatenspeicherung vergleichen kann. Es zwingt Internet-Anbieter Kommunikationsdaten für sechs Monate aufzuheben und Metadaten sogar für drei Jahre.

Belege für Kooperation mit FSB

Zumindest "mail.ru" hat bereits über VKontakte mit dem FSB zusammengearbeitet. In der "Nowaja Gaseta" wurde der private E-Mail-Verkehr zwischen einem Abteilungsleiter des Social Network und Wladislaw Surkow abgedruckt. Dieser ist der "persönliche Berater des Präsidenten der Russischen Föderation" alias Wladimir Putin. Der E-Mail-Verkehr stellt klar, dass man schon "viele Jahre" mit dem FSB und dem Innenministerium kooperiere und rasch Informationen von Nutzern weitergebe, wenn sie benötigt wurden, Nutzer zu identifizieren.

Artem Chebotarev wurde vom FSB verhaftet, weil er auf VKontakte eine Grupper zur Unabhängigkeit St. Petersburgs geöffnet hatte. Anklage wurde außerdem gegen Yekaterina Vologzheninova erhoben, weil sie auf VKontakte Videos einer Luxusjacht veröffentlichte, die Präsident Putin gehören soll. Zudem hatte sie sich kritisch gegenüber der Ukraine-Politik des eigenen Landes geäußert.

Nun spannt Röpcke den Bogen, dass auch Prisma-Daten beim FSB landen, da es sich bei „my.com“ ja um eine Firma in russischem Besitz handelt, die wie "mail.ru" mit den gleichen Personen durchwandert ist und über die gleichen Kontakte verfügt. Er sagt nicht explizit, dass der russische Geheimdienst bei Prisma mithört. Er betont aber, es sei wegen allem, was bislang geschildert wurde, "nicht auszuschließen". Man kann allerdings ebenso wenig ausschließen, dass es morgen regnen wird.

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Womöglich, hat BILD ja gestern verbreitet. Fraglich ist es allemal eine App zu installieren, die mehr Zugriffsrechte will als nötig.

Ich habe das Thema auch nur aufgegriffen, weil es von Julian Röpcke stammt (auf Twitter @julianroepcke). Er hat sich schon bevor er zu Springer ging mit Nahost und Russland beschäftigt.

Julian R. ist ja bekanntermaßen einer der Top-Russland-Basher bei der Blöd-Zeitung. Da werden generell die wildesten Geschichten erfunden. Herr R. hat dafür auch schon des Öfteren vom Presserat eines auf die Finger bekommen. Hinter ihm steht jedoch das mächtigste Medienhaus Deutschlands. Und wenn Mutti Merkel sich wieder mal mit ihrer Freundin Friede Springer trifft, wird dem Herrn R. nur noch ein weiteres mal der Rücken gestärkt. Er darf und soll sich austoben. Springers Anwälte, viel Geld und natürlich Vitamin B sorgen für "Straffreiheit".

Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber ... Smartphones sind kleine Computer. Und da ich kein Freund von Hintertüren in Computerprogrammen bin, suche ich mir die App Lieferanten genau aus. Und App Lieferanten aus Russland, China oder sonstigen Staaten, die keine Fruende vom "dekadenten Westen" sind bin in vorsichtig und installieren sie im Zweifelsfall nicht. Das muss aber jeder selbst wissen, welche Art und Ausmaß persönlicher Sicherheit er oder sie betreibt.

@Harald Jäger: Das ist sicher eine gangbare Methode. Aber es ist doch lustig, wie man/wir dann diese Unterscheidung in Ost und West macht. Es hat denke ich auch mit unserer Sozialisation zu tun, "wie" wir gewisse Dinge sehen. Ich kenne russische Bürger, die genauso "vorsichtig" gegenüber Anbietern aus dem Westen sind.

Hallo Zusammen,

der Punkt ist doch, dass es völlig egal ist ob wir aus dem Westen oder Osten ausspioniert werden. Beides ist nicht in Ordnung und muss bekämpft werden. Ein weiteres Problem ist, was mit den ermittelten Daten angefangen und vor allem welche Rückschlüsse seitens der Varntwortlichen gezogen wird. Ich möchte nicht eines Tages in einem Alptraumzenario aufwachen und mich rechtfertigen müssen, nur weil einer seine Theorie an meine Überwachungsdaten angepasst hat.

Gruß,
Thomas

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