Was ihr nicht sagt …

Dell: Käufer interessieren sich kaum für künstliche Intelligenz

Dell gibt zu, dass Käuferinnen und Käufer von PCs derzeit kaum Interesse an AI-Funktionen zeigen. Die ehrliche Aussage markiert einen Wendepunkt.

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Dell hat eingeräumt, was viele Beobachter der Tech-Branche bereits vermutet haben: Käuferinnen und Käufer von PCs interessieren sich derzeit kaum für künstliche Intelligenz. Diese überraschend ehrliche Aussage kommt von einem der größten PC-Hersteller der Welt und wirft ein neues Licht auf die AI-Offensive, die die gesamte Branche in den vergangenen Jahren dominiert hat.

Quickread: Auf einen Blick
  • Dell-Produktchef Kevin Terwilliger räumt ein, dass Verbraucher PCs nicht aufgrund von AI-Features kaufen – die Technologie verwirre mehr als sie helfe.
  • Nur elf Prozent der Menschen upgraden ihr Smartphone wegen AI-Funktionen, das Interesse ist im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken.
  • Dell konzentriert sich 2026 wieder auf traditionelle Produktqualitäten statt auf AI-Marketing, obwohl alle Geräte weiterhin NPUs enthalten.

Dell rückt von der AI-first-Strategie ab

In einem Interview mit PC Gamer vor der CES 2026 machte Kevin Terwilliger, Produktchef bei Dell, eine bemerkenswerte Aussage: „Wir haben im Laufe dieses Jahres gelernt, besonders aus der Verbraucherperspektive, dass die Menschen nicht aufgrund von AI kaufen. Ich denke sogar, AI verwirrt sie mehr, als dass es ihnen hilft.“

Diese Erkenntnis führt zu einer strategischen Neuausrichtung bei Dell. Während alle 2026er-Produkte des Unternehmens weiterhin mit einer NPU (Neural Processing Unit) ausgestattet sind, konzentriert sich Dell nun wieder auf traditionelle Produktqualitäten. Die Botschaft ist klar: AI-Funktionen bleiben Teil der Hardware, stehen aber nicht mehr im Mittelpunkt der Marketingstrategie.

Verbraucher zeigen wenig Interesse an AI-Features

Die Zurückhaltung der Kundschaft gegenüber AI ist kein isoliertes Phänomen. Eine CNET-Umfrage ergab, dass nur elf Prozent der Menschen ihr Smartphone wegen AI-Funktionen aufrüsten. Noch bemerkenswerter ist, dass das Interesse an mobiler AI im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken ist – und das, obwohl Unternehmen wie Apple, Samsung und Google massiv in neue AI-Fähigkeiten investiert haben.

NPU erklärt!

Eine NPU (Neural Processing Unit) ist ein spezialisierter Prozessor, der für Berechnungen im Bereich künstlicher Intelligenz optimiert ist. Anders als herkömmliche CPUs oder GPUs ist die NPU speziell für maschinelles Lernen und neuronale Netzwerke ausgelegt. Sie ermöglicht AI-Aufgaben wie Bilderkennung oder Sprachverarbeitung direkt auf dem Gerät, ohne Cloud-Anbindung.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Dell sind rund 500 Millionen Rechner in der Lage, auf Windows 11 zu aktualisieren, verbleiben aber bei Windows 10. Weitere 500 Millionen Geräte sind mindestens vier Jahre alt und erfüllen die Systemanforderungen für Windows 11 nicht. Diese Zahlen zeigen, dass Nutzende eher an der Funktionalität ihrer bestehenden Systeme festhalten, als auf neue AI-Features zu setzen.

Die AI-Blase in der Tech-Industrie

Die übermäßige Verwendung des AI-Labels ist zu einem Problem geworden. Auf Messen wie der IFA 2025 wurde deutlich, wie verschwommen die Definition von AI mittlerweile ist. Viele Hersteller versehen ihre Produkte mit dem AI-Stempel, auch wenn die zugrunde liegende Technologie kaum mehr als herkömmliche Automatisierung bietet.

Selbst bei Apple, das mit Apple Intelligence eine eigene AI-Strategie verfolgt, zeigte sich ein interessanter Wandel: Während das iPhone 16 noch massiv mit AI-Features beworben wurde, spielte künstliche Intelligenz beim iPhone-17-Event eine deutlich geringere Rolle. Das Unternehmen scheint aus den Erfahrungen des ersten Jahres mit Apple Intelligence gelernt zu haben, das hinter den Erwartungen zurückblieb.

Reale Nutzung bleibt begrenzt

Eine Umfrage ergab, dass bisher nur ein Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner AI jemals beruflich genutzt hat. Die meisten behandeln AI-Chatbots dabei wie einen Ersatz für Suchmaschinen – eine deutlich simplere Anwendung als die transformativen Versprechen der Hersteller.

Auch bei Samsung-Geräten zeigt sich eine Diskrepanz zwischen Marketing und Realität. Obwohl Samsung seine Galaxy-AI-Features als transformativ bewirbt, berichten Nutzende, dass sie diese Funktionen im Alltag kaum wahrnehmen oder verwenden.

Bedenken überwiegen die Begeisterung

Eine Deloitte-Umfrage offenbarte, dass Menschen vor allem Datenschutzbedenken haben, wenn es um AI geht. Besonders problematisch wird es, wenn AI in sensiblen Bereichen eingesetzt wird – etwa in Kinderspielzeug mit integrierten Chatbots. Expertinnen und Experten warnen eindringlich vor solchen Produkten und raten Eltern davon ab, ihren Kindern Spielzeug mit AI-Funktionen zu kaufen.

Auch die Investorenwelt wird skeptisch

Selbst an der Wall Street scheint das Vertrauen in AI zu bröckeln. Eine schwierige Woche für Tech-Aktien im November 2025 deutete auf einen möglichen Vertrauensverlust der Investorinnen und Investoren in künstliche Intelligenz hin. Unternehmen wie AWS stellen auf Konferenzen zwar massiv neue AI-Technologien vor, aber ihre Enterprise-Kunden sind möglicherweise noch nicht bereit dafür.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Dells ehrliche Einschätzung könnte einen Wendepunkt markieren. Statt weiter auf AI als Hauptverkaufsargument zu setzen, konzentriert sich das Unternehmen wieder auf die Grundlagen: Leistung, Verarbeitung, Design und Benutzerfreundlichkeit. Die XPS-Produktlinie von Dell wird als willkommene Abkehr vom „AI-PC“-Trend gefeiert.

Für Apple und andere Hersteller bedeutet dies, dass sie ihre Strategie überdenken müssen. Erfolgreiche AI-Integration sollte sich auf praktische, verständliche Anwendungsfälle konzentrieren, die echten Mehrwert bieten – nicht auf technische Spezifikationen und Buzzwords. Die Herausforderung besteht darin, AI-Funktionen so zu gestalten, dass sie im Hintergrund arbeiten und das Nutzererlebnis verbessern, ohne dass Anwendende sich damit auseinandersetzen müssen.

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Ich denke auch, dass AI einfach nütlich eingebaut werden sollte und als solche dann nicht erkannt wird. Man merkt zwar dann das die geräte und Anwendungen inteligenter werden, wird mit dem Thema aber nicht belästigt.
Halbgare Anwedungen so zu bewerben wie es Apple mit dem iPhone 16 und iPads der Generation gemacht hat, schädigen das Vertrauen nicht nur in das Thema selber sondern auch in die Fähigkeiten des Unternehmens und deren Glaubwürdigkeit.
Weiter machen ohne darüber zu sprechen, einfach neue Funktionen die entstehen als diese bewerben ohne damit zu wedeln dass hier die mega KI hintersteckt.

Ich persönlich nehme es Apple übel, dass sie die iPhone 16 Generation mit Funktionen beworben haben die noch immer nicht wirklich umgesetzt sind. Als interessierter in dieses Thema war das ärgerlich. Wegen kleiner Spielereien kauf sich sicher kaum jemand ein neues Gerät. Schon eher wegen den dingen die beworben wurden und nun endlich in 26.4 kommen sollen.

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