Hintergrund

Wie schlägt sich Apples MacBook Neo gegen Budget-Notebooks?

Jahrelang mied Apple den Markt günstiger Notebooks. Mit dem MacBook Neo greift der Konzern nun genau dort an – und zwingt Windows-Hersteller wie Chromebook-Anbieter, ihre Billigstrategie neu zu denken.

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Im Jahr 2008 erklärte Steve Jobs, Apple werde niemals in den Netbook-Markt mit einem günstigen Mac einsteigen. „Wir wissen nicht, wie man einen Computer unter 500 Dollar baut, der kein Schund ist“, lautete sein Argument – und jahrelang hielt das Unternehmen daran fest. Doch im März dieses Jahres warf Apple sein internes „Regelwerk“ über Bord und brachte das MacBook Neo auf den Markt. Seither droht es, den Markt der Budget-Notebooks komplett auf den Kopf zu stellen.

Inflationsbereinigt entsprechen 500 US-Dollar heute rund 750 US-Dollar – zuzüglich Steuer wären das etwa 700 Euro. Und siehe da: Das Neo startet bei 699 Euro, mit Bildungsrabatt sinkt der Preis sogar auf 599 Euro. Mit diesem Preispunkt betritt Apple einen Markt, der seit Jahren von günstigen Windows-Notebooks und Chromebooks dominiert wird. Letzteres sind schnell startende Geräte, die ChromeOS nutzen und auf Web-Apps sowie Cloud-Speicher setzen.

Diese Geräte bieten in der Regel weniger Rechen- und Grafikleistung, keine Spitzenprozessoren und sind selten für anspruchsvolle Aufgaben wie Videoschnitt oder 3D-Rendering geeignet. Mit dem A18-Pro-Chip aus dem iPhone 16 Pro mit seinen 8 Gigabyte Arbeitsspeicher, bis zu 512 Gigabyte Festspeicher und einem 13-Zoll-Display bedient das Neo hardwareseitig dieses Segment – und definiert dabei ganz nebenbei neu, was ein Budget-Laptop leisten kann. Bloomberg-Journalist Mark Gurman nennt es „klar das beste 600-US-Dollar-Notebook auf dem Markt“, sein Erscheinen könnte die Branche aufwirbeln.

Manche Laptops bieten ähnliche Basisdaten, doch das Neo überzeugt mit mehr: macOS, das Apple-Ökosystem, Apple Intelligence und einer Hülle aus Aluminium.
Manche Laptops bieten ähnliche Basisdaten, doch das Neo überzeugt mit mehr: macOS, das Apple-Ökosystem, Apple Intelligence und einer Hülle aus Aluminium. (Bild: Asus)

„Das MacBook Neo wird das untere PC-Segment erheblich beeinflussen, besonders im Bildungsbereich, der immerhin 6,7 Prozent des globalen PC-Markts ausmacht – 13,4 Millionen Einheiten im Jahr 2025“, sagte Francisco Jeronimo, Vice President Client Devices beim IDC („International Data Corporation“). Durch die gezielte Bewerbung des Neo bei Studierenden will Apple frühzeitig Nutzerinnen und Nutzer für Macs gewinnen – natürlich in der Hoffnung, sie dauerhaft ans Apple-Ökosystem zu binden. Doch womit genau hat es das MacBook Neo aufzunehmen?

Wie kann die PC-Branche mit Apple mithalten?

Die PC-Branche hatte den günstigen Markt lange für sich, doch mit dem MacBook Neo muss sie nachrüsten. Asus-Co-CEO SY Hsu räumte ein, dass es bereits „jede Menge Diskussionen gibt, wie man mit diesem Produkt konkurrieren kann“ – einfach wird das für Asus und Konsorten nicht.

PC-Hersteller könnten günstigere Modelle anbieten, doch Chips, Arbeitsspeicher und Festspeicher machen bereits rund 58 Prozent der Notebook-Fertigungskosten aus, ein Anstieg um 13 Prozent. PC-Hersteller sind auf Intel, AMD oder Qualcomm angewiesen, während Apple eigene Chips und das Betriebssystem selbst kontrolliert und so Kosten spart, etwa durch schlaues Binning bei den A-Chips.

Mit dem Premium-Auftritt des MacBook Neo mit Liquid-Retina-Display, Multi-Touch-Trackpad und Aluminiumgehäuse hat Apple klar Flagge gezeigt. PC-Hersteller müssen auf stärkere Chips setzen, denn die A-Serie schlägt günstige Intel- und AMD-Pendants deutlich. Das ist eine hohe Latte – und dann ist da ja auch noch macOS.

Laut Apple bietet das MacBook Neo bis zu dreimal mehr Leistung bei KI-Aufgaben als Konkurrenz-Modelle mit Intel-Core-Ultra-5-Prozessoren.
Laut Apple bietet das MacBook Neo bis zu dreimal mehr Leistung bei KI-Aufgaben als Konkurrenz-Modelle mit Intel-Core-Ultra-5-Prozessoren. (Bild: Apple)

Die Konkurrenz im Blick

Wer sich ein günstiges Notebook sucht, findet neben vielen minderwertigen Geräten mit wenig Arbeitsspeicher und trägen Prozessoren auch ernstzunehmende Konkurrenzmodelle von namhaften Anbietern wie etwa Asus, Acer, Lenovo, HP und Samsung. Auf dem Papier sind sie stets beeindruckend. Asus etwa bietet das Vivobook 14 an: Windows 11 Home, Schnelllade-Funktion, 14-Zoll-Display und ein Snapdragon-X-X1-26-100-Prozessor mit Qualcomm-Adreno-GPU und Qualcomm-Hexagon-NPU. Mit bis zu 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte Festspeicher kostet es 799 Euro, mit Rabatten deutlich weniger, und bietet für den Preis eine beachtliche Leistung.

Auf dem Papier kann sich dieses Gerät also mit Apples Angebot messen. Auf den ersten Blick ließe sich sogar argumentieren, das Asus Vivobook 14 sei die bessere Wahl. Doch solche Vergleiche greifen zu kurz. Ähnlich, wie Asus-Finanzchef Nick Wu, der das Neo als „eher ein Tablet, weil Tablets hauptsächlich für Content-Konsum gedacht sind“ abtat. Erstens suchen die meisten Budget-Käufer keine Hochleistungsmaschinen. Zweitens reichen die Stärken des MacBook Neo weit über bloße Datenblatt-Vergleiche hinaus – weshalb wir unserem Test auch einen Erfahrungsbericht einer Studentin beistellten.

Auch ein direkter Vergleich zwischen dem HP OmniBook 5 und dem Neo ist vertrackt. Die HP-Variante mit Intel-Core-i5-1334U, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte Festspeicher läuft auf Windows 11 Home, erzählt im Datenblatt aber nicht die ganze Geschichte. Ähnliches gilt für das Lenovo IdeaPad Slim 3x: Dank einer Preissenkung punktet es mit 15-Zoll-Display, Snapdragon-X-Prozessor sowie identischem Arbeitsspeicher und Festspeicher wie bei HP – doch gegen das Neo reicht das trotzdem nicht.

Längst nicht mehr nur den edukativen Markt bedienen heutige Chromebooks. Mit den „Plus“-Spezifikationen versuchte Google vor drei Jahren, die oftmals als Billigrechner abgetane Geräteklasse mit leistungsstärkerer Hardware im mittleren Preissegment neu zu etablieren. Das aktuelle Lenovo Chromebook Plus 14 etwa glänzt mit einem ARM-Chip von MediaTek, einem OLED-Display und 16 Gigabyte RAM. Sein Preis von 900 Euro übersteigt dann aber den des MacBook Neo um 100 Euro.

Wer ein Neo kauft, bekommt macOS 26 Tahoe. Für viele ein überzeugendes Argument, zumal es die vollwertige Version ist: dasselbe Betriebssystem wie auf iMac und MacBook Pro. Nutzerinnen und Nutzer mit iPhone oder iPad tauchen damit tiefer ins Apple-Ökosystem ein und profitieren von Apple Intelligence.

Obendrein holt das MacBook Neo das Beste aus beiden Welten. Parallels Desktop ist offiziell freigegeben, womit sich Windows 11 nutzen lässt. In Tests erzielte Windows 11 in einer virtuellen Maschine auf dem Neo eine um 20 Prozent höhere CPU-Einzelkern-Leistung als der native Betrieb auf einem vergleichbaren Intel-Notebook. Das macht klar: Das Neo ist kein direkter Wettbewerber im klassischen Sinne. Genau das dürfte PC-Herstellern am meisten Sorgen bereiten.

Was darf man vom kommenden MacBook Neo 2 erwarten?

(Bild: Apple)

Branchenbeobachter wie Bloombergs Chris Welch nennen das Neo einen „Gamechanger“, und Analysten erwarten, dass Apple bis zu fünf Millionen Geräte verkaufen könnte. Doch schon jetzt richtet sich der Blick auf Apples nächsten Schritt – vielleicht etwas verfrüht angesichts des starken Starts (das Neo läuft Cyberpunk 2077 mit mehr als 30 fps!), doch Luft nach oben gibt es immer.

Das Neo 2 könnte einen A19-Pro-Chip und 12 Gigabyte Arbeitsspeicher mitbringen, bislang sind 8 Gigabyte verbaut. Touch ID dürfte zum Standard werden, dazu kämen Tastaturbeleuchtung und noch lebhaftere Farben.

Ob ein Touchscreen kommt, bleibt offen. Kein MacBook hat bislang einen. Analyst Ming-Chi Kuo sagte, einer sei für Neo 2 „ursprünglich vorgesehen“ gewesen, um „mit Chromebooks zu konkurrieren (davon unterstützen mehr als 50 Prozent Touch)“. Mittlerweile erklärt er: „Meine jüngsten Branchen-Checks legen nahe, dass das Neo 2 darauf verzichten wird“ – Bloombergs Mark Gurman sieht das genauso.

Unter Druck

PC-Hersteller könnten versuchen, auf Augenhöhe zu konkurrieren. Doch wer macOS und eine reibungslose Zusammenarbeit mit iPhone und iPad über AirDrop und Integrationskamera will, dem hat Apple weiterhin etwas Entscheidendes voraus. Apple punktet zudem mit Übersichtlichkeit in einem Segment, das vor Geräten geradezu überquillt. Statt stundenlang Eckdaten zu vergleichen, können Kaufinteressierte schlicht zwischen zwei Modellen wählen: Neo mit Touch ID und mehr Festspeicher zu 799 Euro und dem Basis-Neo zu 699 Euro.

Das MacBook Neo punktet beim Preis-Leistungs-Verhältnis, und das sowohl lang- wie kurzfristig. Laut den Analysten von TrendForce werden die Preise für Windows-Notebooks 2026 um satte 40 Prozent steigen, weil Arbeitsspeicher- und Prozessorpreise klettern. TrendForce erklärt: „Intel hat bestimmte Einstiegs- und ältere Notebook-CPUs bereits um mehr als 15 Prozent verteuert und plant weitere Erhöhungen für gehobene Plattformen im zweiten Quartal 2026.“ Dazu kommt eine Analyse von Horace Dediu, Gründer und Analyst bei Asymco: Macs halten demnach doppelt so lange wie Windows-PCs – die Waagschale neigt sich damit deutlich zugunsten Apples.

Das MacBook Neo hat auch gegenüber Chromebook-Plus-Modellen einen Vorteil. Deren Preise steigen, weil Hersteller immer mehr Funktionen nachrüsten, wodurch sie zunehmend in jenem Segment landen, auf das Apple zielt. Doch ein noch größerer Konkurrent wartet: Google arbeitet am Googlebook auf Basis einer Desktop-Version von Android, das Apples nahtlos vernetztes Ökosystem direkt herausfordern würde. Mit dem Neo-Start im März hat sich Apple einen wichtigen Vorsprung gesichert.

Apples Einstieg ins günstige Notebook-Segment ist strategisch konsequent und zahlt sich bereits aus. „Der Mac hatte gerade seine beste Startwoche aller Zeiten bei Erstkundschaft“, sagte CEO Tim Cook. Der Ball liegt nun bei der PC-Branche, die mit besseren Produkten im unteren Preissegment antworten muss – ein Unterfangen, das ein grundlegendes Umdenken erfordern dürfte. Das Pendel schlägt in Apples Richtung, und der Kampf hat gerade erst so richtig begonnen!

Stefan Molz // Chefredakteur
Stefan Molz

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.

Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.

Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.

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