- John Ternus, Senior Vice President für Hardware-Engineering, gilt als wahrscheinlichster Nachfolger von Tim Cook als Apple-CEO.
- Ternus wird als kompetenter Ingenieur mit Detailliebe geschätzt, dem jedoch visionäres Denken und politische Erfahrung fehlen könnten.
- Trotz intensivierter Nachfolgeplanung gibt es keine konkreten Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Führungswechsel bei Apple.
Die New York Times hat John Ternus, Senior Vice President für Hardware-Engineering bei Apple, als wahrscheinlichsten Nachfolger von Tim Cook porträtiert. Ternus gilt als kompetenter Ingenieur mit Liebe zum Detail, dem jedoch visionäres Denken und politische Erfahrung fehlen könnten. Trotz Spekulationen über Cooks baldigen Rücktritt gibt es keine konkreten Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Führungswechsel.
John Ternus steht erneut im Rampenlicht als wahrscheinlicher Nachfolger von Tim Cook an der Spitze von Apple. Die New York Times hat dem 50-jährigen Hardware-Chef ein ausführliches Porträt gewidmet, das sowohl seine Stärken als auch mögliche Schwächen für die CEO-Position beleuchtet.
Ternus als Favorit für die Nachfolge
Laut Berichten der New York Times hat Apple im vergangenen Jahr begonnen, die Nachfolgeplanung für Tim Cook zu beschleunigen. Cook, der mittlerweile 65 Jahre alt ist und seit 2011 als CEO fungiert, soll den Wunsch geäußert haben, seine Arbeitsbelastung zu reduzieren. Unter den möglichen Kandidaten – darunter Software-Chef Craig Federighi, Services-Chef Eddy Cue, Marketing-Leiter Greg Joswiak und Retail-Chefin Deirdre O’Brien – scheint Ternus die Nase vorn zu haben.
Ternus arbeitet seit 2001 bei Apple und übernahm 2021 die Position des Senior Vice President für Hardware-Engineering. Unter seiner Führung hat Apple durchweg qualitativ hochwertige Hardware über alle Produktlinien hinweg geliefert. Seine Expertise erstreckt sich von iPhone und iPad bis hin zum Mac, dessen Transition zu Apple Silicon er maßgeblich vorangetrieben hat.
Stärken und Schwächen eines potenziellen CEOs
Der Senior Vice President ist eine hochrangige Führungsposition unterhalb der C-Level-Ebene wie CEO oder CFO. Bei Apple leiten Senior Vice Presidents wichtige Geschäftsbereiche wie Hardware-Engineering, Software oder Marketing. Sie berichten direkt an den CEO und gehören zum engsten Führungskreis des Unternehmens.
Die Quellen der New York Times beschreiben Ternus als ausgeglichenen Charakter mit ausgeprägter Liebe zum Detail und fundiertem Wissen über Apples Lieferkette. Diese Eigenschaften würden ihn zu einem natürlichen Nachfolger Cooks machen. Allerdings wird ihm nachgesagt, eher für die Pflege bestehender Produkte als für die Entwicklung revolutionär neuer Konzepte bekannt zu sein.
Ein ehemaliger Apple-Ingenieur namens Cameron Rogers äußerte sich kritisch: „Er ist ein netter Kerl. Jeder liebt ihn, weil er großartig ist. Hat er schwierige Entscheidungen getroffen? Nein. Hat er schwierige Probleme in der Hardware gelöst? Nein.“ Diese Einschätzung steht allerdings im Widerspruch zu Ternus’ Beteiligung an innovativen Projekten wie dem iPhone Air und der Arbeit am faltbaren iPhone.
Fehlende Erfahrung in Politik und Öffentlichkeitsarbeit
Ein potenzieller Schwachpunkt in Ternus’ Profil ist seine begrenzte Erfahrung im Umgang mit politischen und regulatorischen Fragen, die einen erheblichen Teil der CEO-Aufgaben ausmachen. In den vergangenen Jahren hat Cook einen Großteil seiner Zeit darauf verwendet, Beziehungen zu Regierungen weltweit zu pflegen und Apple durch komplexe geopolitische Herausforderungen zu navigieren.
Die Charakterisierung von Ternus als „low-profile“ durch die New York Times erscheint dabei fragwürdig. Tatsächlich gehört er zu den sichtbarsten Führungskräften des Unternehmens und ist in den vergangenen fünf Jahren häufiger in Keynotes aufgetreten als die meisten anderen Executives – mit Ausnahme von Cook und Federighi.
Debatte über die richtige Führung
Innerhalb von Apple gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten darüber, welche Art von Führungspersönlichkeit das Unternehmen benötigt. Während Ternus als kompetenter Verwalter und Ingenieur gilt, fehlt ihm möglicherweise die visionäre Ausrichtung und Risikobereitschaft, die Steve Jobs auszeichnete. Die Frage, ob Apple in seiner aktuellen Phase eher einen vorsichtigen Manager oder einen mutigen Visionär an der Spitze braucht, spaltet die Belegschaft.
Cooks mögliche neue Rolle
Sollte Cook tatsächlich als CEO zurücktreten, wird erwartet, dass er die Position des Board-Vorsitzenden übernimmt. In dieser Rolle könnte er weiterhin eine bedeutende, wenn auch nicht mehr führende Funktion ausüben, insbesondere bei politischen Angelegenheiten im In- und Ausland. Der aktuelle Vorsitzende Arthur D. Levinson ist 75 Jahre alt und hat damit die Altersgrenze erreicht, die Apple für Board-Mitglieder vorsieht.
Zeitplan für die Nachfolge
Die Financial Times berichtete kürzlich, dass Apple die Nachfolgeplanung intensiviert habe und eine Ankündigung bereits im kommenden Jahr erfolgen könnte. Eine Bekanntgabe Anfang des Jahres würde dem neuen Führungsteam Zeit geben, sich vor den großen jährlichen Keynote-Events im Juni und September einzuarbeiten. Bloomberg-Reporter Mark Gurman äußerte jedoch Zweifel an einem so zeitnahen Wechsel.
Die Spekulationen über Cooks Nachfolge haben auch mit seinem Alter zu tun – 65 Jahre ist in den USA ein typisches Rentenalter. Dennoch gibt es keine öffentlichen Ankündigungen oder eindeutigen Hinweise darauf, dass Cook unmittelbar plant, seine Position aufzugeben. Apple befindet sich derzeit in einer starken Position mit Rekordumsätzen und einem Aktienkurs nahe dem Allzeithoch.
Unabhängig vom genauen Zeitpunkt scheint klar zu sein, dass John Ternus bei der Nachfolgeplanung eine zentrale Rolle spielt. Mit 50 Jahren wäre er jung genug, um das Unternehmen über einen längeren Zeitraum zu führen – genau wie Cook, der ebenfalls 50 Jahre alt war, als er 2011 CEO wurde.







