Viele Innenkameras erledigen ihren Job solide, bleiben funktional aber überschaubar. Die Aqara Kamera-Hub G350 geht einen deutlich anderen Weg. Sie kombiniert Kamera, Smarthome-Zentrale und Matter-Brücke in einem Gerät und richtet sich damit an Anwender, die ihr Zuhause nicht nur beobachten, sondern zugleich besser vernetzen möchten. Genau dieser Ansatz macht die G350 spannend.
Ungewöhnliches Design, sinnvoll umgesetzt
Schon optisch fällt die Kamera aus dem üblichen Raster. Aqara verpasst der G350 einen verspielten Look mit aufgesteckten Ohren. Das wirkt weniger technisch als bei vielen Konkurrenzmodellen und dürfte in Wohnräumen oder im Kinderzimmer gefälliger wirken. Wer es schlichter mag, zieht die Silikonabdeckung einfach ab.
Praktisch zeigt sich die Kamera ebenfalls. Aqara liefert ein zwei Meter langes USB-C-Kabel mit, legt aber kein Netzteil bei. Dazu kommen ein Steckplatz für eine MicroSD-Karte mit bis zu 512 Gigabyte und ein Stativgewinde an der Unterseite. Verarbeitung und Materialanmutung machen einen hochwertigen Eindruck.
Zwei Linsen, viel Überblick
Die G350 setzt auf ein Dual-Kamera-System. Eine 4K-Weitwinkellinse deckt den Raum großzügig ab, eine zusätzliche 2,5K-Telelinse übernimmt den Zoom. Zusammen ergibt das einen bis zu neunfachen Hybrid-Zoom. Im Alltag ist das mehr als ein Datenblatt-Vorteil. Die Kamera zeigt nicht nur den Raum als Ganzes, sondern schaut bei Bedarf auch gezielt in einzelne Bereiche.
Genau hier hebt sich die Aqara von vielen Innenkameras ab. Wer unterwegs kurz prüfen möchte, ob auf dem Tisch wirklich der Schlüssel liegt oder ob sich im Hintergrund etwas bewegt, kommt deutlich näher ans Geschehen heran als mit einer einfachen Ein-Linsen-Kamera. Das klappt im Test erfreulich gut. Tagsüber wirkt das Bild scharf und detailreich, auch der Zoom bleibt über weite Strecken brauchbar.
Schwenken, neigen, antippen
Ebenfalls stark: die Beweglichkeit der Kamera. Die G350 schwenkt und neigt sich motorisch und deckt damit nahezu den ganzen Raum ab. Aqara spricht von einer 360-Grad-Sicht ohne blinde Flecken. Dazu kommen voreingestellte Positionen und eine Panorama-Funktion, über die Sie einzelne Bereiche direkt anspringen können.
Im Alltag macht genau das einen spürbaren Unterschied. Statt auf einen festen Bildausschnitt beschränkt zu sein, schauen Sie bei Bedarf schnell in eine andere Ecke des Raums. Die Kamera lässt sich klassisch per Steuerung bewegen, springt aber auch auf markierte Zonen oder gespeicherte Positionen. Das funktioniert komfortabel und macht die G350 besonders dann interessant, wenn ein einzelner Raum möglichst vollständig überwacht werden soll.
Ganz perfekt ist die Mechanik aber nicht. Steht die Kamera erhöht, etwa auf einem Schrank, fällt der Blickwinkel nach unten etwas knapp aus. Für die Überwachung eines Raums reicht das meist noch aus, kleinere Bereiche direkt unterhalb der Kamera erfasst die G350 aus solcher Position aber nicht immer optimal. Wer den Platz frei wählen kann, sollte das bei der Aufstellung im Hinterkopf behalten.
Gute Bildqualität auch bei Nacht
Bei Dunkelheit setzt die Kamera auf Infrarot-Nachtsicht. Farbige Nachtaufnahmen gibt es also nicht, dafür bleibt die Bildqualität ordentlich. Personen und Bewegungen lassen sich auch im Dunkeln gut erkennen, Aqara nennt eine Lichtstärke von f/1.6 sowie 940-Nanometer-Infrarot für schärfere Nachtaufnahmen.
Im Alltag reicht das für eine Innenkamera völlig aus. Wer allerdings unbedingt Farb-Nachtsicht möchte, muss sich anderswo umsehen. Genau das bleibt einer der wenigen klaren Ausstattungsabstriche.
KI mit viel Potenzial
Aqara packt reichlich smarte Funktionen in die G350. Die Kamera erkennt Personen, Tiere, Gesichter, verdeckte Linsen und verschiedene Geräusche. Zusätzlich reagiert sie auf Gesten und sogar auf Lächeln. Das klingt nach einer langen Liste, und genau so fühlt es sich in der App zunächst auch an. Die Kamera bietet enorm viele Optionen, die Sie erst einmal in Ruhe erkunden müssen.
Im Test funktioniert das Grundgerüst überzeugend. Personenverfolgung, Bewegungserkennung, Gesichtsmanagement und Gestensteuerung hinterlassen einen guten Eindruck. Einige Spezialfunktionen, etwa bestimmte Audio-Erkennungen, wirken noch nicht ganz so treffsicher. Trotzdem gilt: In dieser Geräteklasse bietet die G350 einen ungewöhnlich großen Funktionsumfang und hebt sich damit deutlich von vielen einfachen Innenkameras ab.

Datenschutz mit echtem Sichtbeweis
Besonders gelungen löst Aqara das Thema Privatsphäre. Aktivieren Sie den Datenschutz-Modus, dreht die Kamera ihre Linsen sichtbar weg und zeigt ein schlafendes Gesicht. Das ist nicht nur charmant gestaltet, sondern im Alltag auch beruhigend. Sie müssen nicht einer App vertrauen, sondern sehen direkt am Gerät, dass die Kamera gerade nichts aufnimmt. Gerade bei Innenkameras ist das ein echter Pluspunkt.
Stark im Smarthome, besonders mit Apple
Für Apple-Anwender bleibt die G350 besonders interessant. Die Kamera unterstützt Apple Home und HomeKit Secure Video. Wer iCloud+ nutzt und einen HomePod oder Apple TV als Steuerzentrale eingerichtet hat, bindet die Kamera damit sauber ins Apple-System ein. Bewegungen, Personen oder Tiere lassen sich dann direkt in Apple Home auswerten und absichern.
Allerdings gibt es einen Haken. In Apple Home landet das Bild nur in 1080p, und viele Komfortfunktionen wie Schwenken, Neigen oder der volle Zoom bleiben an die Aqara-App gebunden. Die Kamera funktioniert also mit HomeKit sehr gut, ihr ganzes Potenzial schöpft sie dort aber nicht aus. Wer die G350 kauft, sollte die Aqara-App deshalb nicht als lästiges Anhängsel betrachten, sondern als wichtigen Teil des Produkts.
Matter heute und morgen
Aqara bewirbt die G350 als eine der ersten Matter-Kameras mit Matter-1.5-Unterstützung. Das macht die Kamera zukunftssicher und erweitert ihre Möglichkeiten jenseits von Apple Home. Im Hier und Jetzt hängt der Nutzen allerdings davon ab, welche Plattform Sie einsetzen. Die Hardware ist bereit, viele Plattformen sind es noch nicht vollständig.
Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Zusatzfunktion als Hub. Die G350 arbeitet nicht nur als Kamera, sondern auch als Aqara-Zigbee-Hub, Matter Controller und Brücke. Wer bereits Aqara-Zubehör nutzt oder sein Smarthome ausbauen möchte, bekommt hier also mehr als eine reine Sicherheitskamera.
Lokal speichern oder in die Cloud
Bei der Speicherung bleibt Aqara angenehm flexibel. Die G350 speichert lokal auf MicroSD-Karte, unterstützt NAS-Transfer und lässt sich auf Wunsch auch mit der Aqara-Cloud nutzen. Das gefällt, denn nicht jeder möchte sensible Innenaufnahmen in einer Cloud ablegen. Gleichzeitig liegt hier auch der größte Kritikpunkt. Einige erweiterte KI- und Cloud-Funktionen stecken hinter dem kostenpflichtigen HomeGuardian-Angebot.
Das schmälert den sehr guten Gesamteindruck ein Stück weit. Die Kamera kann schon ohne Abo viel, aber Aqara reserviert manche Komfortfunktionen trotzdem für zahlende Kunden. Gerade in dieser Preisklasse hätte man sich etwas mehr Großzügigkeit gewünscht.
Fazit
Die Aqara Kamera-Hub G350 ist eine der spannendsten Innenkameras im aktuellen Smarthome-Markt. Sie bietet ein scharfes Bild, einen wirklich nützlichen Zoom, flexible Schwenk- und Neigefunktionen, einen überzeugenden Datenschutz-Modus und eine starke Einbindung in moderne Smarthome-Systeme. Für Apple-Nutzer ist sie wegen HomeKit Secure Video besonders interessant, auch wenn Apple nicht alle Fähigkeiten der Kamera freigibt.
| Produktname | Kamera-Hub G350 |
|---|---|
| Hersteller | Aqara |
| Preis | 139,99 € |
| Webseite | www.aqara.com/de |
| Pro |
|
| Contra |
|
| 1,3sehr gut |











