Kommentar: Apples Abschied vom Computer

Revolution oder Evolution?

Stellt sich die Frage, ob Apple die Welt nun einmal mehr revolutionierte?

Nun, es ist beinahe schon eine grotesk anmutende Bewandtnis, dass Microsoft vor wenigen Wochen mit dem "Zune" einen iPod-Killer vorstellen wollte. Ein Gerät, das in einigen wenigen Punkten etwas besser, in anderen schwächer als ein iPod ist. Das, was Apple heute vorstellte, ist weit, weit weg von dem, was sich die Microsoft-Entwickler in ihrem Plagiats-Bestreben erdachten. Wenn das Unternehmen es sich auch nicht nehmen ließ, heute kurz vor Apples Keynote darauf hinzuweisen, dass man bald einen telefonfähigen Zune vorstellen würde.

So wirklich neu ist das iPhone natürlich nicht. Es vereint einfach nur alle derzeit erwünschten, relevanten Funktionen auf kleinstem Raum. So neu, wie Jobs tut, ist die Bedienung nicht wirklich, denn letztlich ist ein Tochscreen ein Touchscreen. Bequem natürlich, wenn Bildschirm und Bedienung dafür ausgelegt werden können, mit dem Finger gesteuert zu werden. Toll ist, dass der Anwender durch den Einsatz zweier Finger Fotos vergrößern oder verkleinern kann – ein paar Neuheiten sind hier natürlich schon zu entdecken.

Und wenn das iPhone auch nur eine Ansammlung bekannter Funktionen in einem winzigen Gerät darstellt, so eröffnet gerade diese Kombination verbunden mit einem vollwertigen Betriebssystem neue Möglichkeiten. iPhone als WiFi-Kamera für die Eingangstür, iPhone als Fernbedienung für den Fernseher, iPhone als Spielekonsole – auch für vernetzte Spiele. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und werden in den kommende Monaten und Jahren sicherlich von Tausenden Entwicklern ausgelotet werden.

Masterplan?

Alles in allem hat Apple nach gut zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit, dem Einsatz von über einer Milliarde US Dollar, wie Jobs behauptet, der Anmeldung von über 200 Patenten ein Gerät geschaffen, das einmal mehr eine Revolution einläuten wird. Anders als beim iPod jedoch nicht aus heiterem Himmel. iPhone ist die logische Konsequenz aller Technologien und wäre früher oder später irgendwoher gekommen. Sich auf den Mobilfunkmarkt zu stürzen, um einmal mehr bedeutende Stückzahlen zu erzielen, war nur zu logisch: 100 Millionen Digitalkameras, 135 Millionen Mp3-Player, 200 Millionen PCs, aber knapp eine Milliarde Handys wurden weltweit 2006 abgesetzt. Was Apple nicht verriet: Viele Hundert Millionen davon in die Länder der so genannten dritten Welt. Es sind die preiswertesten aller möglichen Geräte, mit SW-Display und rudimentären Funktionen.

Dennoch wird sich Apple ein riesiger Markt eröffnen, denn das Bedürfnis nach schicken und zudem funktionellen Gadgets, die die Fantasie beflügeln, ist da. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, die Mitte schrumpft, und Apple bedient strategisch nachvollziehbar die Zielgruppe der wachsenden Reichen. Und damit ist das iPhone auch nicht zu teuer, wie einige vermuten: 499 US$ sind für den Einstieg in Ordnung. Ein SonyEricsson K800i kostete zur Markteinführung inkl. 2-Jahres-Vertrag auch über 250 Euro, ein Nokia-Communicator, oder ein Blackberry liegen darüber.

Was noch gar nicht erwähnt wurde, ist, dass es Apple noch intensiver als mit dem iPod gelingen wird, Menschen an OS X heranzuführen. Und so kann es sein, dass Steve Jobs hier durchaus die Hoffnung hegt, mittelfristig immer mehr Menschen zum Mac bewegen zu können. Die Karten wurden also einmal mehr neu gemischt – harren wir gespannt der Dinge!

Kassian Alexander Goukassian

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9cm hoch? Es sind 11,5 cm :-)
http://www.apple.com/iphone/technology/specs.html

Apple wird bestimmt wieder ein paar millionen Abnehmer finden, die glauben das haben zu müssen. Das iPhone ist wie schon der iPod ein teures sinnloses Spielzeug. Warum man unterwegs Musik hören und Videos glotzen muss war mir schon immer ein Rätsel. Dafür habe ich einen schönen Fernseher und ein erstklassikes Musiksystem.

Mir fällt gerade ein, dass ein Klo mit MP3 Player auch Millionen Käufer finden könnte.

das ist "nichtnur" ein sinnloses spielzeug

wozu brauchst du einen pc???

für's internet, arbeit????

Gibt's doch schon:
http://www.dutchguard.com/p-icarta-ipod-roll.html
HG

Kommentar zu Seite 2:
Klar lag die Entwicklung eines iPhones irgendwie auf der Hand. Genauso klar ist aber auch, daß zumindest mir keine einzige Firma außer Apple einfällt, die ein solches Gerät tatsächlich hätte entwickeln können. Und der Grund dafür ist, wie Steve Jobs es auch selbst auf der Keynote sagte: Hardware und Software kommen aus einem Haus. - Und werden zudem von Menschen entwickelt, die anscheinend ein mindestens ebenso großes Interesse an wirklich guten Produkten wie an Gewinnmaximierung haben. Steve scheint für seine Visionen dann auch die Kriegskasse aufzumachen. Gut also, daß Apple derzeit in Geld schwimmt.

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