Speicherpreise explodieren

Apple kämpft gegen drastisch steigende RAM-Preise – doch wie lange noch?

Die KI-Industrie treibt Speicherpreise in die Höhe. Apple zeigt sich zuversichtlich, die Kosten zu absorbieren – doch die Strategie hat Grenzen.

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Die Preise für Arbeitsspeicher und Flash-Speicher sind in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen – teilweise um bis zu 500 Prozent. Grund dafür ist die enorme Nachfrage seitens der KI-Industrie, die Speicherchips in großen Mengen für ihre Rechenzentren benötigt. Die drei größten Hersteller – Samsung, SK Hynix und Micron – priorisieren zunehmend die lukrativen Aufträge aus dem KI-Sektor gegenüber der Produktion von Consumer-Speicher. Diese Entwicklung betrifft nicht nur PC-Enthusiasten, sondern könnte sich bald auf die Preise zahlreicher Geräte auswirken – von Smartphones über Laptops bis hin zu Spielekonsolen.

Quickread: Auf einen Blick
  • Speicherpreise sind in den vergangenen Monaten um bis zu 500 Prozent gestiegen, weil KI-Unternehmen massiv Chips für ihre Rechenzentren aufkaufen.
  • Apple-CEO Tim Cook erwartet größere Auswirkungen auf die Bruttomarge im laufenden Quartal, will aber iPhone 18-Preise möglichst stabil halten.
  • Apple setzt verstärkt auf Samsung als Speicherlieferanten und ist laut Analysten besser positioniert als die meisten Wettbewerber.

Apple zeigt sich zuversichtlich trotz steigender Kosten

In der jüngsten Telefonkonferenz mit Investoren äußerte sich Apple-CEO Tim Cook zur aktuellen Situation. Er erklärte, dass die steigenden Speicherpreise im vierten Quartal des Kalenderjahres 2025 nur minimale Auswirkungen auf die Bruttomarge von Apple hatten. Allerdings erwartet er für das laufende Quartal einen etwas stärkeren Einfluss. Cook betonte, dass Apple sich der Problematik bewusst sei und man langfristig „eine Reihe von Optionen prüfen“ werde, um damit umzugehen.

Trotz der Herausforderungen präsentierte Apple beeindruckende Quartalszahlen mit einem Rekordumsatz von 143,8 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich. Für das laufende Quartal prognostiziert das Unternehmen ein ähnliches Wachstum von 13 bis 16 Prozent bei einer Bruttomarge von 48 bis 49 Prozent.

Strategie für iPhone 18: Preise sollen stabil bleiben

Laut dem renommierten Apple-Analysten Ming-Chi Kuo plant Apple, die Einstiegspreise für das iPhone 18 „so weit wie möglich“ stabil zu halten, obwohl die Speicherkosten weiter steigen. Apple verhandelt mittlerweile quartalsweise statt halbjährlich über Speicherpreise mit seinen Zulieferern und erwartet für das zweite Quartal 2026 weitere Preiserhöhungen.

LPDDR erklärt!

LPDDR steht für Low-Power Double Data Rate und bezeichnet Arbeitsspeicher, der speziell für mobile Geräte optimiert ist. Im Gegensatz zu normalem RAM verbraucht LPDDR deutlich weniger Energie und erzeugt weniger Wärme, was für Smartphones und Tablets entscheidend ist. Die aktuelle Generation LPDDR5X wird in iPhones verwendet und ermöglicht schnelle Datenübertragung bei minimaler Akkubelastung.

Kuo zufolge ist Apple in einer besseren Position als die meisten Wettbewerber: „Die Tatsache, dass Apple einen solchen Deal abschließen kann, zeigt, wie viel Verhandlungsmacht das Unternehmen hat.“ Apple plane, die höheren Kosten kurzfristig zu absorbieren und langfristig über das Dienstleistungsgeschäft auszugleichen, das Abonnements für Apps und Services umfasst.

Die Schätzungen gehen davon aus, dass die Speicherpreise im Vergleich zum Vorjahr um zehn bis 25 Prozent gestiegen sind. Ein 12-GB-LPDDR5X-Modul, wie es im iPhone Air und iPhone 17 Pro verwendet wird, kostete Anfang 2025 etwa 30 US-Dollar – heute liegt der Preis bei rund 70 US-Dollar.

Apple setzt verstärkt auf Samsung als Speicherlieferant

Um die Versorgung sicherzustellen, intensiviert Apple die Zusammenarbeit mit Samsung. Berichten der Korea Economic Daily zufolge soll Samsung künftig etwa 60 bis 70 Prozent des Low-Power-DRAM für das iPhone 17 liefern – deutlich mehr als in früheren Generationen, als die Anteile zwischen Samsung und SK Hynix gleichmäßiger verteilt waren.

Dieser Strategiewechsel ist der Tatsache geschuldet, dass SK Hynix und Micron ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Beschleuniger und Rechenzentren ausrichten. Samsung hingegen hat die Produktion von allgemeinem und mobilem DRAM aufrechterhalten und kann somit die enormen Mengen liefern, die Apple benötigt.

Besonders wichtig für Apple: Die Speichermodule müssen über große Produktionsläufe hinweg identische Leistung bieten, da die neuesten Chips wie der A19 und A19 Pro besonders empfindlich auf Spannungsspitzen reagieren.

Auswirkungen auf die gesamte Branche

Die Speicherknappheit betrifft längst nicht nur Apple. PC-Hersteller wie CyberPowerPC haben bereits Preiserhöhungen angekündigt, während einzelne Händler wie Micro Center und Central Computers dazu übergegangen sind, RAM zu Tagespreisen zu verkaufen – ähnlich wie Restaurants den Tagesfang anbieten.

Analysten der International Data Corporation erwarten, dass die Speicherknappheit „bis weit ins Jahr 2027 hinein“ anhalten wird. Dies markiere „das Ende einer Ära von günstigem und reichlich vorhandenem Speicher“, so die Einschätzung der Experten.

Laut Counterpoint Research ist Apple zusammen mit Samsung am besten positioniert, um die steigenden Kosten zu bewältigen. Chinesische Hersteller wie Honor und Oppo stehen aufgrund niedrigerer Gewinnmargen unter größerem Druck, insbesondere im Einstiegssegment, wo die Kosten seit Anfang 2025 um 20 bis 30 Prozent gestiegen sind.

Die Analysten prognostizieren, dass die durchschnittlichen Smartphone-Preise weltweit im kommenden Jahr um 6,9 Prozent steigen könnten, während die globalen Smartphone-Auslieferungen voraussichtlich um 2,1 Prozent zurückgehen werden.

Langfristige Perspektiven bleiben unsicher

Epic-CEO Tim Sweeney warnt, dass es Jahre dauern könnte, bis sich der High-End-Gaming-Bereich von der Speicherknappheit erholt. Der Grund: Fabriken verlagern ihre modernsten DRAM-Kapazitäten, um die Bedürfnisse der KI-Branche zu erfüllen, wo Rechenzentren deutlich höhere Preise bieten als Hersteller von Consumer-Geräten.

Für Apple-Nutzer bedeutet dies: Während das Unternehmen aufgrund seiner Marktmacht und finanziellen Ressourcen besser als die meisten Wettbewerber aufgestellt ist, bleibt abzuwarten, wie lange Apple die steigenden Kosten absorbieren kann, ohne sie an die Kundschaft weiterzugeben. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Apple seine Strategie stabiler Preise durchhalten kann oder ob letztlich doch Anpassungen notwendig werden.

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