Genmoji und Image Playground, neu gemischt
Beide KI-Bildfunktionen Apples erhalten frische Modelle. Genmoji liefert sichtbar bessere Ergebnisse, dazu schlägt das System passende Genmoji auf Basis der eigenen Fotomediathek vor. Image Playground indes kommt mit weniger Reglern aus und bietet stattdessen das Feld „Änderung beschreiben“, um ein erzeugtes Motiv durch eine Anweisung in natürlicher Sprache nachträglich zu verfeinern. Erzeugte Bilder tragen weiterhin eine Kennzeichnung.
Kameras melden Klartext
Die Home-App fasst Ereignisse von HomeKit-Kameras künftig in Worte: „Person erkannt“ oder „Tier erkannt“ steht direkt in der Mitteilung, die Beschreibungen erscheinen zusätzlich in der Zeitleiste der Aufzeichnung. Bewegt sich jemand durch zwei Kamerabereiche, führt das System beide Aufnahmen zusammen. Der Haken steckt im Kleingedruckten: Apple verlangt dafür einen iCloud+-Tarif mit mindestens 2 Terabyte, dazu einen Heim-Hub wie HomePod oder Apple TV 4K und ein Apple-Intelligence-fähiges Gerät. Immerhin zählen die Kameraaufnahmen selbst nicht auf das Speicherkontingent.
Safari sortiert Tabs selbst
Wer Tabs sammelt wie andere Leute Weinkorken, bekommt Hilfe: Safari gruppiert offene Tabs auf Wunsch automatisch nach Themen und ordnet neu geöffnete Seiten gleich der passenden Gruppe zu. Konfigurieren können Sie die Funktion über das Sortieren-Symbol links oben in der Tab-Ansicht. „Tabs ordnen > Themen automatisch erstellen“ führt hier zum Ziel.
Der Kalender versteht ganze Sätze
Ein Termin entsteht künftig aus einem einzigen Satz: „Kino mit Sarah am Donnerstag um 20 Uhr“ genügt, schon schlägt der Kalender Datum, Uhrzeit, Ort und die passenden Kontakte zum Antippen vor. Auch Wiederholungen versteht die App – wird aus einem wöchentlichen ein zweiwöchentlicher Termin, zieht sie alle künftigen Einträge nach. Die Erinnerungen-App arbeitet nach demselben Prinzip und füllt Fälligkeit, Zeit und Ort selbstständig aus. In der Vorabversion trifft die Erkennung allerdings noch nicht jeden Vorschlag auf Anhieb.
„Mitteilung an mich“: Preis und mehr im Blick
Safari beobachtet auf Zuruf eine Webseite und meldet sich, sobald sich etwas ändert – beschrieben in Alltagssprache, etwa „Artikel ist wieder auf Lager“. Die passenden Seitenelemente sucht das System selbst. In der Entwickler-Vorabversion war die Funktion auch in Deutschland verfügbar, sie versteckt sich links im Menü der Safari-Adressleiste.
Passwort wechsel dich!
Die Passwörter-App kann schwache und kompromittierte Zugangsdaten eigenständig ersetzen. Anmelden, neues Passwort erzeugen, speichern – all das erledigt die App von selbst, begleitet von einer Live-Aktivität. Aus Sicherheitssicht ist das die vielleicht sinnvollste Anwendung agentischer Künstlicher Intelligenz. Voraussetzung sind ein Apple-Intelligence-fähiges iPhone sowie die Nutzung von iCloud-Schlüsselbund und Safari. Sie können den Vorgang unter dem Reiter „Sicherheit“ der Passwörter-App starten.
Siri mit Wunschstimme
Zwei Regler für Sprechtempo und Ausdrucksstärke verändern den Klang der Sprachassistenz erheblich. Die Rechenarbeit übernimmt vollständig das Gerät, entsprechend anspruchsvoll fallen die Voraussetzungen aus: Es muss ein iPhone 17 Pro, iPhone 17 Pro Max oder iPhone Air sein, denn unter den iPhones verfügen nur diese Modelle über die laut Apple nötigen 12 Gigabyte Arbeitsspeicher. Hieran hängt eine zweite Neuerung, die im Alltag mehr bringt als die Stimmfarbe: ein deutlich treffsichereres Diktat. Der Haken: Die neue Siri-Stimme spricht bislang nur Englisch.
Siri AI – die große Abwesende
Die neue Siri führt echte Dialoge, versteht Bildschirminhalte, handelt über App-Grenzen hinweg und bewahrt den Gesprächsverlauf in einer eigenen App auf. In Spotlight verschmelzen Suche und Assistentin. Auf dem iPad ändert sich mit ihr sogar eine Grundgeste: Ein Wischen von der Bildschirmmitte nach unten ruft Siri auf, die Mitteilungszentrale erreicht man dann nur noch von der linken oberen Ecke aus. Für uns in der EU aber bleibt das alles vorerst Theorie.
Der Grund für Apples Zurückhaltung hat einen Namen: „Digital Markets Act“, kurz DMA. Apple argumentiert, der DMA zwinge das Unternehmen, konkurrierenden Sprachassistenten denselben tiefen Systemzugang zu gewähren wie der eigenen Siri – und verzichtet deshalb vorerst ganz. Die EU-Kommission widerspricht dieser Lesart und verweist auf die geltenden Interoperabilitätspflichten; einen Vorschlag Apples mit einem „Trusted System Agent“ und 18 Monaten Umsetzungsfrist lehnten die Behörden ab. Wichtig zur Einordnung: Die Einschränkung gilt für iOS und iPadOS – auf dem Mac und der Vision Pro läuft Siri AI, zunächst allerdings nur auf Englisch. Die Apple Watch geht ebenfalls leer aus, weil watchOS für Siri AI ein passend ausgestattetes iPhone voraussetzt. Wann Siri AI nachgeliefert wird, nennt Apple nicht. Und Apple kann warten: Auf die Funktion „iPhone-Synchronisierung“ aus macOS Sequoia zum Spiegeln des iPhone auf dem Mac-Schreibtisch warten wir hierzulande bis heute.
Erhalten bleiben in Deutschland alle Funktionen der bisherigen Apple-Intelligence-Generation: Schreibwerkzeuge, Zusammenfassungen von Mitteilungen, Live-Übersetzung, Bereinigen in Fotos, Genmoji und Image Playground – sämtlich auf Deutsch. Dazu kommen die Designänderungen, die Leistungsverbesserungen, die vereinfachte Fotobearbeitung, die neuen Kinderschutzfunktionen und der AirPods-Equalizer.
Der Reader für Bedienungshilfen
Die Leseansicht aus iOS 26 befreit Text in jeder App von Spalten und Werbung, Schrift und Farben bleiben frei einstellbar. Mit iOS 27 kommt sie auch mit komplexen Vorlagen zurecht und lernt zwei Dinge hinzu: Zusammenfassungen auf Abruf und Übersetzung in der Leseansicht. Aus dem langen Schreiben der Versicherung wird ein Absatz, aus der englischen Anleitung ein deutscher Text. Eingeschaltet wird der Reader unter „Einstellungen > Bedienungshilfen > Lesen & Sprechen“, aufgerufen per Aktionstaste, Kontrollzentrum oder dreifachem Drücken der Seitentaste.
Kurzbefehle warten auf neue Stichworte
Automationen starten künftig nicht mehr nur zur Uhrzeit oder am Ort: Als Auslöser dienen jetzt auch etwa das Sichern eines Screenshots, das Verbinden oder Trennen einer externen Tastatur sowie die Mitteilung einer bestimmten App. Auf die Meldung des Lieferdienstes hin lässt sich so das Licht im Flur einschalten. Die Auslöser stehen künftig bei den übrigen Aktionen. Neu ist außerdem ein dauerhafter „Datenparkplatz“ innerhalb eines Kurzbefehls für Zähler und Listen sowie die erweiterte Aktion „Modell verwenden“ im KI-Kontext.
Der Sperrbildschirm füllt sich von selbst
Alte Fotos passen selten exakt auf den Sperrbildschirm. Bislang half da nur beherztes Beschneiden. iOS 27 rechnet stattdessen an den Rändern weiter: Die Option „Erweitern“ analysiert das vorhandene Bild und ergänzt die fehlenden Flächen so, dass die Uhr auf dem Sperrbildschirm nicht mehr im Nichts hängt und dennoch vom Motiv nichts verloren geht. Der Weg führt dabei über die Einrichtung eines neuen Hintergrundbilds. Nützlich ist das vor allem bei älteren Aufnahmen aus Zeiten, in denen Displays noch andere Seitenverhältnisse hatten.
Die Kurzbefehle-App bekommt in diesem Jahr besonders viel Zuwendung aus Apples Entwicklungsabteilung. Die erste Neuerung richtet sich an alle, die neu einsteigen: Neue Kurzbefehle entstehen ganz einfach aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache, die Automation baut das System dann wie von Geisterhand zusammen. Diese Abkürzung setzt Siri AI voraus und ist in der EU vorerst nicht auf iPhone und iPad, wohl aber auf dem Mac verfügbar.
Die zweite große Neuerung richtet sich an alle, die gern selbst basteln – und sie funktioniert in Deutschland. Der überarbeitete Editor macht das Zusammensetzen von Aktionen übersichtlicher, vor allem aber ziehen „Sonst-wenn“-Verzweigungen ein. Bislang zwang jede zusätzliche Bedingung zu einem weiteren verschachtelten Wenn-Block, bis der Durchblick verloren ging. Künftig reihen sich Fälle sauber untereinander: Ist der Kalender leer, spiele Musik; sonst, wenn ein Termin ansteht, zeige die Route; sonst schalte den Fokus ein. Wer sich in der Beta bereits an eigenen Abläufen versucht hat, findet außerdem einen Schalter, der festlegt, ob beim Anlegen eines neuen Kurzbefehls die Beschreibungsoberfläche oder gleich der klassische Editor erscheint.
Schritt 1
Öffnen Sie „Einstellungen > Bedienungshilfen > Live-Erkennung“ und aktivieren Sie die Funktion. Das iPhone lädt dabei die nötigen Modelle auf das Gerät. Die Auswertung erfolgt anschließend vollständig lokal, es verlässt also kein Bild das iPhone. Die Funktion setzt Apple-Intelligence-fähige Hardware voraus.
Schritt 2
Legen Sie fest, worüber die Kamera Auskunft geben soll: Personen, Objekte, Text oder eine Beschreibung der gesamten Umgebung. Praktisch ist die hinterlegbare Standardfrage, etwa „Was steht auf dem Etikett?“. Sie wird bei jedem Start automatisch gestellt. Über Kurzbefehle können Sie leicht zwischen Fragen wechseln.
Schritt 3
Damit die Funktion im Alltag ankommt, legen Sie sie auf einen schnellen Auslöser: Wahlweise auf die Aktionstaste, auf „Auf Rückseite tippen“ oder auf den Bedienungshilfen-Kurzbefehl mit dreifachem Drücken der Seitentaste. Dann die Kamera auf das Kleingedruckte richten, etwa Beipackzettel, Speisekarte, Sicherungskasten.
Schritt 1
Öffnen Sie ein Bild in der Fotos-App und tippen Sie auf „Bearbeiten“, das Symbol mit den drei Schiebereglern. Unter Werkzeuge finden Sie „Bereinigen“, um störende Elemente zu entfernen, „Erweitern“ ergänzt fehlende Bildbereiche am Rand, und „Neu ausrichten“ lässt Änderungen der Perspektive zu.
Schritt 2
Für „Bereinigen“ fahren Sie mit dem Finger über das störende Objekt. Arbeiten Sie in mehreren kleinen Schritten statt in einem großen Zug: Das Ergebnis wird sauberer, und einzelne Korrekturen lassen sich gezielt rückgängig machen, ohne die gelungenen zu verlieren.
Schritt 3
„Erweitern“ hilft dort, wo der Bildausschnitt zu knapp geriet – etwa beim abgeschnittenen Kirchturm. Prüfen Sie das Ergebnis anschließend in der Vergrößerung. Ein Tippen auf das X links oben lässt Sie jederzeit zum Original zurückkehren, denn die Fotos-App arbeitet grundsätzlich zerstörungsfrei.
iOS und iPadOS 27 in der Praxis
Dieser Artikel ist Teil unserer Vorstellung von iOS und iPadOS 27 und wie es sich in der Praxis schlägt. Hier finden Sie die anderen Artikel zum Thema:
- iOS und iPadOS 27 in der Praxis
- Kleine Kniffe, große Wirkung
- Apple Intelligence – was kommt und was fehlt

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.























