Übergangslösung

Apple plant eigene KI-Chips – doch bis dahin braucht es Google

Apple setzt vorübergehend auf Google Gemini, um Zeit für die Entwicklung eigener KI-Technologien zu gewinnen. Ab 2026 sollen eigene Server-Chips folgen.

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Apples Partnerschaft mit Google für künstliche Intelligenz ist laut Analyst Ming-Chi Kuo eine vorübergehende Lösung, die dem iPhone-Hersteller Zeit verschafft, bis die eigenen KI-Technologien ausgereift sind. Kuo zufolge plant Apple, in der zweiten Jahreshälfte 2026 mit der Massenproduktion eigener KI-Server-Chips zu beginnen.

Quickread: Auf einen Blick
  • Apple kooperiert kurzfristig mit Google, um Druck bei KI-Funktionen zu mindern und Zeit für eigene Entwicklungen zu gewinnen.
  • Eigene KI-Server-Chips sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Massenproduktion gehen, Apple-Rechenzentren 2027 folgen.
  • Langfristig will Apple vollständige Kontrolle über KI-Technologien erlangen, da diese für Hardware und Nutzererlebnis zentral werden.

In einem aktuellen Beitrag auf X erklärt Kuo, dass Apple derzeit unter erheblichem Druck steht, zeitnah konkurrenzfähige KI-Funktionen zu liefern. Das Unternehmen sieht sich mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen muss Apple auf der diesjährigen WWDC überzeugende KI-Fortschritte präsentieren, nachdem bereits Apple Intelligence und bedeutende Siri-Verbesserungen angekündigt wurden, die bislang nicht vollständig umgesetzt wurden. Zum anderen haben sich cloudbasierte KI-Systeme so rasant weiterentwickelt, dass die ursprünglich geplanten Funktionen möglicherweise nicht mehr ausreichen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Kurzfristige Lösung mit langfristiger Perspektive

KI-Server-Chips erklärt!

KI-Server-Chips sind spezialisierte Prozessoren, die für rechenintensive Aufgaben künstlicher Intelligenz in Rechenzentren optimiert sind. Sie verarbeiten große Datenmengen und komplexe KI-Modelle deutlich effizienter als herkömmliche Prozessoren. Apple entwickelt solche Chips, um cloudbasierte KI-Funktionen auf eigener Infrastruktur bereitzustellen und unabhängig von Drittanbietern zu werden.

Kuo betont, dass die Partnerschaft mit Google in erster Linie dazu dient, kurzfristig den Erwartungsdruck zu mindern. Die Integration von Googles Gemini-Modell verschafft Apple die nötige Zeit, um seine eigenen KI-Technologien weiterzuentwickeln, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Langfristig, so Kuo, wird künstliche Intelligenz zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal für Hardware, Betriebssysteme und das gesamte Nutzererlebnis werden.

Dem Analysten zufolge wird On-Device-KI kurzfristig kaum als Kaufargument für neue Hardware dienen. Die Zusammenarbeit mit Google ermöglicht es Apple jedoch, die Erwartungen über alle Plattformen hinweg zu managen und gleichzeitig die Entwicklung eigener Lösungen voranzutreiben. Die Bedeutung der Kontrolle über zentrale KI-Technologien wächst dabei stetig.

Eigene Server-Chips ab 2026

Wie Kuo weiter ausführt, sollen Apples hauseigene KI-Server-Chips in der zweiten Jahreshälfte 2026 in die Massenproduktion gehen. Die von Apple betriebenen Rechenzentren werden voraussichtlich 2027 in Betrieb genommen. Dieser Zeitplan deutet darauf hin, dass Apple mit einer deutlichen Zunahme der Nachfrage nach On-Device- und Hybrid-KI-Workloads ab 2027 rechnet, sobald das Unternehmen mehr Kontrolle über seine serverseitige Rechenleistung und Infrastruktur erlangt hat.

Die Partnerschaft mit Google erscheint in diesem Kontext als strategisch kluger Schachzug: Apple kauft sich Zeit, um seine eigenen Technologien zu perfektionieren, ohne dabei den Anschluss im schnelllebigen KI-Markt zu verlieren. Gleichzeitig behält das Unternehmen seine langfristige Vision bei, die Kontrolle über alle wichtigen Technologien im eigenen Ökosystem zu behalten – ein Ansatz, der sich bereits bei Prozessoren und anderen Komponenten bewährt hat.