Apple und die EU-Kommission suchen offenbar weiter nach einem Weg, wie Siri AI auch in Europa starten kann. Laut Financial Times hat Apple-Chef Tim Cook am Dienstag virtuell mit EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen gesprochen. Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete den Austausch demnach als konstruktiv, die Arbeit an den offenen Fragen gehe weiter.
- Tim Cook hat laut Financial Times mit EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen gesprochen.
- Es geht um den Start von Siri AI in der Europäischen Union.
- Apple plant Siri AI mit iOS 27 und iPadOS 27, in der EU aber vorerst ohne Startzusage.
- Streitpunkt ist der Digital Markets Act und der Zugriff konkurrierender KI-Assistenten.
- Ein konkreter Termin für Deutschland ist weiter offen.
Der Hintergrund ist der Digital Markets Act. Apple will die überarbeitete Version von Siri mit iOS 27 und iPadOS 27 im September kostenlos bereitstellen. In der EU sollen die neuen Siri-Funktionen auf iPhone und iPad jedoch zunächst nicht verfügbar sein, solange Apple keinen Weg sieht, die Anforderungen der europäischen Plattformregeln umzusetzen.
Der Digital Markets Act ist ein EU-Gesetz für große digitale Plattformen. Es soll verhindern, dass marktmächtige Anbieter ihre eigenen Dienste bevorzugen und Wettbewerber ausschließen. Für Apple bedeutet das unter anderem, dass bestimmte iPhone-Funktionen unter fairen Bedingungen auch für Konkurrenzdienste zugänglich sein müssen.
Neue Siri-Funktionen bleiben in der EU vorerst außen vor
Siri AI soll deutlich stärker als bisher auf KI-Funktionen setzen. Dazu gehören laut Bericht unter anderem eine stärker chatbotartige Bedienung, eine eigene Siri-App für frühere Konversationen, erweiterte Funktionen für Visual Intelligence, Schreibwerkzeuge sowie ein Siri-Modus in der Kamera-App des iPhone.
Strittig ist vor allem die Frage, wie weit Apple konkurrierenden KI-Assistenten Zugriff auf iPhone-Funktionen geben muss. Nach Darstellung der EU verlangt der Digital Markets Act, dass alternative Assistenten mit Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer auf dieselben grundlegenden Systemfähigkeiten zugreifen können wie Siri. Apple warnt dagegen vor Risiken für Datenschutz und Sicherheit, wenn Drittanbieter zu weitreichenden Zugriff erhalten.
Apple spricht von abgelehntem Lösungsvorschlag
Apple hatte nach eigenen Angaben einen sogenannten „Trusted System Agent“ vorgeschlagen. Dabei soll eine Zwischenschicht dafür sorgen, dass Drittanbieter-Assistenten sicher auf bestimmte Systemfunktionen zugreifen können. Die EU-Kommission habe diesen Vorschlag laut Apple jedoch nicht akzeptiert.
Aus Brüssel klingt die Darstellung anders. Nach Angaben aus der Kommission habe Apple keinen ausreichend konkreten Vorschlag vorgelegt und stattdessen auf eine Ausnahme beziehungsweise eine Verzögerung der Interoperabilitätspflichten gedrängt. Ein Kommissionsvertreter warnte dem Bericht zufolge, Apple könne seinen eigenen Dienst sonst über längere Zeit etablieren, während Wettbewerber keinen vergleichbaren Zugang erhielten.
Noch kein Zeitplan für Europa
Ein konkreter Termin für Siri AI in der EU ist damit weiter offen. Apple hat sich zu der jüngsten Gesprächsrunde bislang nicht öffentlich geäußert. Dass Cook selbst mit der zuständigen EU-Kommissarin gesprochen hat, zeigt aber, wie wichtig das Thema für Apple ist: Siri AI soll eine zentrale Antwort auf ChatGPT, Claude und andere KI-Assistenten werden.
Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland bedeutet das vorerst: Selbst wenn iOS 27 im Herbst erscheint, könnten zentrale KI-Funktionen von Siri fehlen. Ob sich Apple und die EU-Kommission noch rechtzeitig einigen, lässt sich aus dem Bericht nicht ableiten.








