Studio Display XDR

Studio Display XDR im Test: Leuchtendes Meisterstück?

Apple schickt mit dem Studio Display XDR den Nachfolger des Pro Display XDR ins Rennen – zum halben Preis. Ob Mini-LED, 2.000 Nits und 120 Hertz den happigen Aufpreis zum regulären Studio Display rechtfertigen, klärt unser Test.

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Wer das Studio Display XDR zum ersten Mal einschaltet, hat einen dieser seltenen Aha-Momente. Wo das Studio Display bereits ein helles, farbtreues Bild liefert, setzt die XDR-Variante noch einen drauf: HDR-Inhalte erstrahlen dank Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung mit 2.304 lokalen Dimmzonen in einer Brillanz, die man bisher nur von Apples MacBook-Pro-Displays kannte – nur eben deutlich größer. Die 1.000 Nits SDR-Dauerhelligkeit strahlen selbst lichtdurchfluteten Büros entgegen, und bei HDR-Material knallt das Display Spitzenwerte von 2.000 Nits auf die „Mattscheibe“, die in unserem Fall in Hochglanz daherkommt. Gegen 300 Euro Aufpreis ist das Glas auch in mattiertem und Reflexionen streuendem Nanotextur-Finish zu haben, welches wir aus der Erfahrung mit anderen Apple-Displays heraus uneingeschränkt empfehlen wollen.

Das fast unsichtbare Blooming, das bei Mini-LED-Displays normalerweise helle Objekte vor dunklem Hintergrund begleitet, hat Apple dank intelligenter Algorithmen und der hohen Zonendichte im Griff. Im Direktvergleich mit einem OLED-Panel zeigen sich zwar bei genauem Hinsehen insbesondere bei viel Schwarz im Bild noch Unterschiede, doch im Alltag fällt das kaum auf. Die 120 Hertz indes machen, so der Mac wortwörtlich mitspielt, nicht nur bei Spielen, sondern vor allem beim Scrollen durch lange Timelines in Final Cut Pro, Logic Pro oder auch schlicht beim Browsen und Arbeiten mit dem Finder einen spürbaren Unterschied. „Adaptive Sync“ passt die Bildwiederholrate dynamisch in einem Bereich von 47 bis 120 Hertz an und sorgt für butterweiche Bewegungen bei gleichzeitig moderatem Stromverbrauch. Wer vom alten Studio Display mit seinen 60 Hertz umsteigt, wird nicht mehr zurückwollen. Die vollen 120 Hertz stehen nur an Macs mit M4-Chip oder neuer sowie an Macs mit M2 Pro/Max/Ultra oder M3 Pro/Max/Ultra zur Verfügung.

Technik, die begeistert

Unter der Haube werkelt ein A19-Pro-Chip mit satten 12 Gigabyte Arbeitsspeicher, was mehr ist, als im neuen MacBook Neo steckt. Der Prozessor steuert unter anderem die Hintergrundbeleuchtung per maschinellem Lernen, minimiert Blooming-Effekte und verarbeitet das Kamerabild der 12-Megapixel-Webcam mit Folgemodus und Schreibtischansicht. Dieser attestierten Kollegen eine Qualität, die sie von einer integrierten Webcam so nicht erwartet hätten. Das Sechs-Lautsprecher-System mit vier Tieftönern und zwei Hochtönern liefert laut Apple 30 Prozent tieferen Bass als im Studio Display der ersten Generation. Kaum jemand hätte einmal gedacht, dass ein Display explizit für seinen Klang zu loben ist, aber genau das ist hier der Fall: Selbst Musik hören macht hier Spaß, 3D Audio und Dolby Atmos sind dabei gewissermaßen die Kirsche auf der Torte, auch weil das Pro Display XDR seinerzeit noch ohne Soundsystem daherkam. Darüber hinaus sorgen drei Mikrofone mit Beamforming für klare Sprachübertragung in Videokonferenzen, wenn auch „Studioqualität“ etwas zu sehr nach dick aufgetragenem Marketing schmeckt.

(Bild: Stefan Molz)

Anschlussseitig hat Apple gründlich aufgeräumt: Zwei Thunderbolt-5-Ports mit bis zu 120 Gigabit pro Sekunde und zwei USB-C-Buchsen mit 10 Gigabit pro Sekunde bieten reichlich Bandbreite. Der Upstream-Port liefert zudem bis zu 140 Watt Ladeleistung. Das ist genug, um ein 16-Zoll-MacBook-Pro unter Last bei Laune zu halten. Per Daisy-Chaining lassen sich zwei Studio Display XDR mit nur einem Kabel an einem Mac betreiben. Einen HDMI-Anschluss sucht man indes vergebens: Windows- und Linux-Rechner benötigen in der Regel einen Adapter – und selbst dann ist die Nutzung ob fehlender Einstellmöglichkeiten dürftig. Auch bezüglich des Stromkabels darf die Nase gerümpft werden. Es ist fest verbaut und lässt sich nicht ohne weiteres austauschen. Das ist bei einem Gerät dieser Preisklasse ärgerlich.

Apple unterstützt den Adobe-RGB-Farbraum nativ neben P3 auf seinem neuen externen Display. Neue Referenzmodi für HDR-Fotografie, Adobe RGB Design und Druck sowie DICOM-Presets für die medizinische Bildgebung (der „Medical Imaging Calibrator“ für macOS wartet noch auf behördliche Freigabe) erweitern den Einsatzbereich über den typischen Kreativ-Workflow hinaus. Insgesamt stehen 16 vorkalibrierte Einstellungen zur Auswahl.

(Bild: Stefan Molz)

Wer sich angesprochen fühlen sollte

Das Studio Display XDR richtet sich an Fotografinnen und Fotografen, Filmschaffende sowie Designerinnen und Designer, die kompromisslose Farbgenauigkeit und HDR-Leistung auf dem Schreibtisch brauchen. Auch für Nischen wie die Radiologie ist das Gerät interessant. Wer indes primär im Webbrowser arbeitet und gelegentlich mal Fotos bearbeitet, ist mit dem normalen Studio Display für 1.699 Euro besser bedient.

Innerhalb des Apple-Kosmos gibt es keine echte Alternative mit vergleichbarer HDR-Leistung, 120 Hertz und Integration in macOS. Außerhalb locken kommende Mini-LED-5K-Monitore von LG und MSI zu deutlich niedrigeren Preisen, denen aber die nahtlose macOS-Integration fehlt. Wem 32 Zoll und 6K wichtiger sind als HDR, findet im LG UltraFine evo eine Alternative.

Für Profis im Ökosystem

Für Profis, die auf Farbgenauigkeit und HDR-Leistung angewiesen sind, hat die Suche mit dem Erscheinen des Studio Display XDR ein Ende. Es ist das beste externe Display, das Apple je gebaut hat – und überhaupt eines der besten auf dem gesamten Markt. Bildqualität, Integration ins Apple-Ökosystem, Lautsprecher, Kamera und Anschlüsse setzen Maßstäbe. Die recht breiten Ränder und das fest verbaute Stromkabel sind verschmerzbar, der fehlende HDMI-Port und die auf 27 Zoll begrenzte Diagonale je nach Einsatzzweck weniger. Außerdem sind 3.499 Euro sehr viel Geld. Doch immerhin: Der neigungs- und höhenverstellbare Standfuß ist beim XDR-Modell bereits im Preis enthalten.

Standpunkt von Stefan Molz

»Das Studio Display XDR ist brillant – im Wortsinn. Die Bildqualität lässt keine Wünsche offen, die Integration ins Ökosystem ist konkurrenzlos. Aber 3.499 Euro für 27 Zoll? Dass Apple zudem auf eine größere Variante verzichtet, enttäuscht. Man könnte fast meinen, Apple baue darauf, dass Menschen mehr als eines dieser Displays kaufen …«

Fazit

Apples bislang bestes externes Display: Farbgenauigkeit, HDR-Leistung und perfekte Mac-Integration – hier gibt es das Nonplusultra.

Testergebnis
ProduktnameStudio Display XDR
HerstellerApple
Preis3499 €
Webseitewww.apple.de
Pro
  • + herausragende HDR-Bildqualität
  • + nahtlose macOS-Integration mit Ein-Kabel-Lösung und 140-Watt-Laden
  • + erstklassiges Lautsprechersystem
  • + integrierte Webcam
  • + viele Referenz-Modi
Contra
  • - kein HDMI-Anschluss
  • - fest verbautes Stromkabel
Bewertung
1,1sehr gut

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