Røde LPA1 und DS3: Mikrofonhalterungen im Test
Wer am Mac Podcasts aufnimmt, streamt oder viel Zeit in Videokonferenzen verbringt, steht früher oder später vor der Frage: Wohin mit dem Mikrofon? Auf dem Tisch stehend ist es meist zu weit vom Mund entfernt, an einem klassischen Galgenarm hängt es zwar an der richtigen Stelle, ragt aber von oben ins Kamerabild und verdeckt mitunter den Monitor. Røde hat für beide Szenarien eine Antwort parat – und setzt dabei kompromisslos auf Metall und Gewicht.
LPA1: Der Tiefstapler
Der LPA1 ist ein sogenannter Low-Profile-Arm. Statt sich über den Schreibtisch zu erheben, verläuft er flach über der Tischplatte und führt das Mikrofon von vorn an den Sprecher heran. Im Kamerabild taucht so allenfalls der Mikrofonkopf auf, der Blick auf den Monitor bleibt frei. Auch im Alltag ist das praktisch: Wer gerade nicht spricht, schiebt das Mikrofon mit einer Handbewegung zur Seite und hat den Schreibtisch wieder für sich.
Schon beim Auspacken wird klar, dass Røde hier nicht gespart hat. Der Arm wiegt rund 1,65 Kilogramm und besteht komplett aus Metall, Gelenke und Oberflächen wirken ausgesprochen hochwertig, nichts klappert oder knarzt. Der Aufbau ist in wenigen Sekunden erledigt: Arm in die Tischklemme stecken, verschrauben, fertig. Die Klemme fasst Tischplatten mit einer Stärke von bis zu 7 Zentimetern und passt damit auch an die meisten massiven Schreibtische. Wer Druckstellen auf empfindlichen Oberflächen vermeiden möchte, legt ein Stück Kork oder Filz unter die Klemmbacken.
2 Kilogramm ohne Durchhängen
Die wichtigste Kennzahl ist die Traglast: Bis zu 2 Kilogramm darf das Mikrofon samt Halterung wiegen – mehr als bei jedem anderen Studioarm von Røde. Bemerkenswert ist das vor allem in Kombination mit der Reichweite von 75 Zentimetern, denn je weiter der Arm ausgefahren ist, desto größer der Hebel. In der Praxis hält der LPA1 auch schwere Broadcast-Mikrofone zuverlässig in Position, ohne nach einigen Minuten langsam abzusacken – ein Ärgernis, das man von günstigen Armen nur zu gut kennt.
Beweglich ist der Arm in nahezu alle Richtungen: Das erste Segment dreht sich an der Klemme frei um 360 Grad, das zweite lässt sich zudem um 90 Grad nach oben und 60 Grad nach unten neigen. Am Ende sitzt ein Kugelkopf mit 3/8-Zoll-Gewinde, über den Sie das Mikrofon präzise ausrichten. Alle Bewegungen laufen leise ab, sodass Sie auch während einer laufenden Aufnahme nachjustieren können.
Kabel: sichtbar, aber flexibel
Bei der Kabelführung geht Røde einen pragmatischen Weg. Statt die Leitungen im Inneren des Arms zu verstecken, fixieren Sie sie mit vier mitgelieferten Clips außen am Arm. Ganz unsichtbar ist das nicht – wer eine perfekt aufgeräumte Optik sucht, wird das bemängeln. Der Vorteil wiegt aber schwerer: XLR- oder USB-Kabel lassen sich jederzeit tauschen, ohne den Arm zu zerlegen oder Leitungen mühsam durch Kanäle zu fädeln. Und da der LPA1 ohnehin unterhalb der Kameralinie verläuft, fallen die Kabel im Bild kaum auf.
DS3: Steht wie eine Eins
Nicht jeder Schreibtisch hat eine freie Kante für eine Klemme – und nicht jeder möchte eine dort anbringen. Hier kommt der DS3 ins Spiel. Das Tischstativ ist der Nachfolger des DS2, der weiterhin erhältlich bleibt, und setzt auf eine gusseiserne Bodenplatte statt auf eine Klemme. Mit 21,4 mal 13 Zentimetern ist die Grundfläche erfreulich kompakt, das gesamte Stativ bringt rund 2,6 Kilogramm auf die Waage. Das Ergebnis: Der DS3 steht an jeder beliebigen Stelle auf dem Tisch absolut stabil, kippelt nicht und lässt sich bei Bedarf einfach verschieben. Eine gummierte Unterseite schützt die Tischplatte vor Kratzern und verhindert das Verrutschen. Auf der Oberseite der Bodenplatte sitzt zudem eine Ablagefläche, etwa für das iPhone. Bei der schwarzen Ausführung ist sie gummiert, bei der weißen besteht sie aus Kork – ein sehr schickes Detail, das dem Stativ eine fast wohnliche Note verleiht.
Auch der DS3 ist schnell aufgebaut: Der Arm wird auf die Bodenplatte gesteckt und mit einer Schraube fixiert, deren Griff sich anschließend wegklappen lässt – Werkzeug ist nicht nötig. Schön gelöst: Die beiden Gewindeadapter sind auf der Rückseite des unteren Arms verschraubt und landen so nicht irgendwann in der Krimskrams-Schublade.
Mehr als nur ein Mikrofonständer
Mit 1,5 Kilogramm Traglast stemmt der DS3 deutlich mehr als sein Vorgänger, der bei rund 950 Gramm Schluss macht. Das eröffnet neue Einsatzgebiete: Neben Mikrofonen hält der DS3 problemlos eine Kamera, eine Videoleuchte, einen mobilen Recorder oder – mit passender Halterung – ein iPhone. Für Streamer und Videocreator wird das Stativ so zum vielseitigen Helfer, der je nach Projekt eine andere Aufgabe übernimmt.
Statt der Scharniergelenke des DS2 sitzt am oberen Ende nun derselbe Kugelkopf wie beim LPA1, der eine deutlich flexiblere Ausrichtung erlaubt. Arretiert wird zentral, die Positionierung gelingt leise und ohne Kraftaufwand. Eine Einschränkung gibt es: Der untere Arm ist starr. Möchten Sie den Abstand zum Mikrofon verändern, verschieben Sie einfach das gesamte Stativ. Die Kabel bändigen auch hier zwei Clips, die in den Spalt der Arme geklemmt werden – mit denselben Vor- und Nachteilen wie beim LPA1. Andernorts wird bemängelt, dass sich klassische Poppschutz-Klemmen an den flachen, brettartigen Armen nur schlecht befestigen lassen. Wer ein Mikrofon mit integriertem oder aufsteckbarem Poppschutz nutzt, ist davon nicht betroffen.
Fazit
Røde liefert zwei durchdachte und hervorragend verarbeitete Halterungen, die vor allem mit ihrer hohen Traglast überzeugen. Der LPA1 ist die erste Wahl für alle, die vor der Kamera sitzen und das Mikrofon aus dem Bild halten möchten. Der DS3 punktet mit Standfestigkeit und Vielseitigkeit und eignet sich für alle, die nicht klemmen können oder wollen. Die sichtbare Kabelführung beider Modelle ist eher Geschmackssache als echter Kritikpunkt, denn sie macht den Kabelwechsel denkbar einfach.
| Produktname | LPA1 und DS3 |
|---|---|
| Hersteller | Røde |
| Preis | 120/140 € |
| Webseite | https://rode.com/de-de/ |
| Pro |
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| Contra |
|
| 1,3sehr gut |













