Musikproduktion

6 Apps zum Musikmachen

Ob Beats, Bandaufnahme oder komplette Songproduktion: Mit dem Mac lassen sich Musikideen schnell in fertige Tracks verwandeln. Wir haben sechs Apps getestet – vom kostenlosen GarageBand bis zu Profi-Werkzeugen wie Logic Pro und Ableton Live – und zeigen, welche Software zu welchem Musikstil, Anspruch und Budget passt.

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Macs sind prädestiniert für das Musikmachen. Digidesign Sound Designer, das zum legendären Studiosystem ProTools wurde, startete 1985 auf dem Macintosh und löste eine Revolution aus, die das Musikmachen nachhaltig veränderte. Auch GarageBands Einführung 2004 darf als Revolution gelten: Musikproduktion wurde einfacher, zugänglicher und unterhaltsamer als je zuvor.

Diese Apps haben wir getestet
  • Ableton Live 12 Intro
  • FL Studio (Fruity Edition)
  • GarageBand
  • Logic Pro
  • Reaper
  • Waveform Free

Macs und iPads haben Generationen von Musikerinnen, Musikern und Produzierenden dabei geholfen, ihre Ideen und ihr Talent in Klang zu verwandeln. Und es standen noch nie so viele Möglichkeiten zur Wahl wie heute: Apps für alle Musikstile, alle Genres und alle Ziele, von der Bühne bis zum gemeinsamen Musizieren über das Internet.

In dieser Vorstellung handverlesener Apps konzentrieren wir uns auf sehr konkrete Arten von Musik-Apps: solche, die sich für aufstrebende und Hobbymusiker eignen und nicht nur für Profis. Apps, die den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Track ermöglichen, zum Teilen oder Verkaufen – und Apps, die lokal auf dem Gerät laufen, nicht in der Cloud, damit man das volle Musikpotenzial des eigenen Mac voll ausschöpfen kann.

So haben wir getestet

Wir haben alle sechs Apps auf einem MacBook Pro und einem MacBook Air getestet, beide mit Apple-Silicon-Prozessoren und 36 respektive 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Apps mit iPad-Entsprechung testeten wir auf einem iPad Pro der achten Hardware-Generation mit M5-Chip. Für Audioaufnahmen nutzten wir ein Komplete Audio 6, ein Shure MVX2U für ein Mikrofon, als MIDI-Controller für Instrumente und Drum-Kits kamen eine Maschine und ein Kontrol 61 von NI zum Einsatz.

Das sollten Sie bedenken

1. Der eigene Sound

Apps, die bei Samples und Loops brillieren, eignen sich nicht immer auch für Live-Aufnahmen – gerade Bands brauchen stattdessen eher viele Audio-Spuren samt Effekten.

2. Zukunftssicherheit

Mit wachsender Erfahrung steigen auch die Ansprüche. Lässt sich die App einfach erweitern? Können Plug-ins, Sounds und Instrumente ergänzt werden? Gibt es einen Upgrade-Pfad auf eine Pro-Version?

3. Allein oder im Team?

Manche Apps laufen auch auf Windows- oder Linux-Rechnern sowie auf iPhone und iPad – ein großer Vorteil für kollaborative Produktionen.

4. Mac-Leistung

Wer viele Spuren, Effekte und Plug-ins nutzt, braucht dafür auch ausreichend Platz auf der SSD, genügend Arbeitsspeicher und vor allem entsprechend viel Prozessorleistung.

Live 12 Intro

Live 12 Intro
Live 12 Intro (Bild: Screenshot)

Auf den Bühnen dieser Welt laufen Macs meist mit Ableton. Das gilt besonders für den Bereich der elektronischen Musik und Dance. Aber auch viele traditionelle Musiker, DJs und sogar Podcast-Produzierende setzen auf Live. Der Grund: Die App ist vielseitig. Ihr Kern ist die loop-basierte Live-Performance, in der sie glänzt, aber sie ist auch ein leistungsstarkes und erweiterbares Mehrspur-Aufnahmeprogramm der Profi-Klasse.

Die Intro-Version bietet 16 Spuren, acht Software-Instrumente, vier Sound-Pakete und 27 Audio-Effekte – teurere Versionen haben unbegrenzte Spuren. Alle Versionen unterstützen Audio-Unit- und VST-2/3-Plug-ins, sodass sich Instrumente und Effekte von Drittanbietern kinderleicht ergänzen lassen.

Abletons Oberfläche ist nicht die bedienfreundlichste, aber auf YouTube gibt es viele Tutorials – die steile Lernkurve lohnt sich für alle, die den Weg zum Profi planen.

Preis: 79 Euro
Web: ableton.com

+ Top-Looping und Sampling
+ nahezu unbegrenzt erweiterbar

- Einstieg recht komplex
- Intro-Version eingeschränkt

Note: 1,9

FL Studio (Fruity Edition)

FL Studio (Fruity Edition)
FL Studio (Fruity Edition) (Bild: Screenshot)

Auch FL Studio brilliert bei Beats und elektronischen Sounds. Die als „Fruity Loops“ bekannte App hat Generationen von Electronic- und Hip-Hop-Produzierenden geprägt – und bewahrt bis heute ihren spielerischen Ansatz. Für loop-basierte Musik ist sie hervorragend geeignet, außerdem gibt es ein Testangebot: Die App lässt sich unbegrenzt kostenlos testen. Der Haken: Mehrere Projekte gleichzeitig offenzuhalten, ist nicht möglich, gespeicherte Projekte lassen sich ohne Lizenz nicht mehr öffnen.

Die günstigste Ausgabe bietet keine Audioaufnahme, dafür braucht es die Producer-Version. Doch 84 Software-Instrumente und -Effekte, MIDI und Scripting sind drin, was alle Grundlagen der elektronischen Musik abdeckt. Besonders überzeugend ist der pattern-basierte Ansatz: Sequenzen fügen sich zu einem kompletten Song – Apple hat das für den GarageBand Beat Sequencer gelungen adaptiert.

Preis: 99 Euro
Web: image-line.com

+ spaßig für Beats und Loops
+ Einmalkauf mit Updates

- keine Audioaufnahme
- auf acht Clips begrenzt

Note: 2,0

GarageBand

GarageBand
GarageBand (Bild: Screenshot)

GarageBand ist kostenfrei und dennoch erstaunlich gut. Die App sieht aus und fühlt sich an wie eine freundlichere Variante von Logic Pro und bietet viele Logic-Funktionen: virtuelle Gitarrenpedale und Verstärker, schöne Synth-Sounds sowie den cleveren Drummer – eine intelligente Begleitautomatik für Percussion mit echten oder elektronischen Sounds.

Obwohl es deutlich weniger komplex als Logic Pro ist, bleibt GarageBand leistungsstark – bis zu 255 Audio- und MIDI-Spuren, zudem versteht sich die Anwendung auf Audio-Unit-Plug-ins. Zudem lässt sich geräteübergreifend arbeiten: auf dem iPhone mit einer Idee wie einer Hook beginnen, am iPad weiterarbeiten und am Mac in GarageBand oder Logic Pro fertigstellen und mastern.

Diese Flexibilität macht GarageBand zum idealen Musiknotizbuch für unterwegs und portablen Rekorder für Logic-Projekte. Wer neu in der Mac-Musikwelt ist, beginnt ganz klar hier!

Preis: kostenfrei
Web: apple.com

+ Ausnahmepreis
+ Ausnahmequalität

- kann zu simpel sein
- MIDI-Export umständlich

Note: 1,3

Logic Pro

Logic Pro
Logic Pro (Bild: Screenshot)

Apples leistungsstärkste Musik-App gibt es auch für das iPad, beide Versionen unterscheiden sich aber leicht. Die Mac-Version kann alles, wirkt aber ob der Funktionsvielfalt auch überwältigend. Die iPad-Version indes ist schlichter, „fingerfreundlich“ und hat etwas vom Charme von Ableton Live.

Auf dem iPad eignet sich Logic Pro für Live-Arbeit und Experimente. Auch die Mac-Version bietet Live-Looping, aber ihr Kern liegt beim Komponieren und Produzieren. Mit bis zu 2.000 Spuren, vielen integrierten Instrumenten und AU/VST-Kompatibilität ist es ein musikalisches Schweizer Taschenmesser – für Audioaufnahmen, MIDI, integrierte Effekte und Instrumente und sogar räumliches Audio.

Der Nachteil: Logic wirkt einschüchternd, erweiterte Funktionen lassen sich aber ausblenden. Projekte vom Mac aufs iPad zu übertragen, ist umständlich, wenn Plug-ins im Spiel sind, die auf dem iPad fehlen.

Preis: 229,99 Euro oder Abo
Web: apple.com

+ extrem leistungsstark
+ iPad-Version macht Spaß

- komplex für Einsteiger
- Mac-iPad-Sync holprig

Note: 1,1

Reaper

Reaper
Reaper (Bild: Screenshot)

Reaper ist blitzschnell. Das Programm wirkt nicht so Mac-typisch wie etwa Logic oder GarageBand. Seine Wurzeln in der Linux-Welt zeigen sich in Optik und Interface-Eigenheiten, auch wenn die aktuelle Version deutlich angenehmer ist. Instrumente sind nicht enthalten und müssen per VST-, AU- oder CLAP-Plug-ins ergänzt werden. Das klingt abschreckend, lohnt sich aber: Reaper bietet Logic/Ableton-Qualität zu einem Bruchteil des Preises und läuft plattformübergreifend – das ist ideal für die Zusammenarbeit in einer Band.

Die Funktionen sind üppig: Live-Aufnahme, Automation, Scripting, Makros und eine anpassbare Oberfläche, dazu eine riesige Auswahl an Effekten. Ressourcenhungrig ist Reaper nicht, es läuft auch auf älteren Macs flüssig. Wer nur schnell einen Song einspielen will, findet hier mehr als eigentlich nötig. Wer aber jedes Detail einer Produktion formen möchte, wird Freude daran haben!

Preis: circa 55 Euro
Web: reaper.fm

+ sehr schnell und günstig
+ leistungsstark

- Lernkurve vorhanden
- für reine Aufnahmen zu mächtig

Note: 2,2

Waveform Free

Waveform Free
Waveform Free (Bild: Screenshot)

Waveform Free ist die beste kostenlose Digital-Audio-Workstation. Es ist die abgespeckte Variante von Tracktions plattformübergreifendem Waveform Pro, mit demselben leistungsstarken Software-Motor und einer flotten Oberfläche.

Die Pro-Version enthält mehr Werkzeuge und Instrumente, die Sie paketweise auch für die kostenfreie Version zukaufen können, etwa erweiterte Aufnahmefunktionen, MIDI-Steuerung, DJ-Tools und weitere Synthesizer. Jedes Paket kostet aber um die 50 Euro.

Die kostenlose Version beschränkt die Spurenanzahl nicht – selten ist ein Hersteller derart großzügig. Die App unterstützt VST-, VST3- und AU-Plug-ins und eignet sich besonders gut für Mehrspuraufnahmen ganzer Bands, was erstaunlich unkompliziert funktioniert. Die Oberfläche wirkt etwas einschüchternd, doch Tracktion bietet viele Anleitungen und Video-Tutorials zum Einstieg.

Preis: kostenfrei
Web: tracktion.com

+ gratis und unbegrenzt
+ gut für Live-Aufnahmen

- komplex für Einsteiger
- nur wenig Instrumente

Note: 2,0

Der Gewinner: GarageBand

Unser Gewinner: GarageBand
Unser Gewinner: GarageBand (Bild: Screenshot)

Jede App auf der Bühne dieses Vergleichstests brilliert auf ihre ganz eigene Art und Weise – und unterscheidet sich daher auch stark von den anderen. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall, kostenlose oder Testversionen auszuprobieren, um die für sich und die eigene Musik passende App ohne Fehlkaufrisiko zu finden.

Wer Studio-Leistung zum Nulltarif sucht, ist mit Waveform Free gut beraten – für Einsteiger ist es allerdings zu komplex, ebenso wie das günstige Reaper. Das führt zu zwei Schwergewichten: Ableton Live und Logic Pro. Beide sind hervorragend, aber mit erheblichem Zeitaufwand verbunden. Außerdem sind sie teurer.

GarageBand ist daher unser Testsieger – nicht nur ob des „Nulltarifs“, sondern weil die App wirklich alles bietet: loop-basierte Musik oder Live-Aufnahmen, Sound-Pakete und smarte Instrumente sowie integrierte Tutorials zum Lernen.

Wächst der Ehrgeiz bis zu dem Punkt, an dem eine professionelle Digital-Audio-Workstation gefragt ist, lässt sich aufrüsten: Alle Projekte lassen sich nahtlos in Logic Pro über- und weiterführen.

Stefan Molz // Chefredakteur
Stefan Molz

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.

Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.

Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.

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