Beats 360 im Test: Endlich wieder Farbe auf den Ohren!
Wer in den Achtzigern Kind war, erinnert sich: Der Walkman der Eltern trug Schwarz oder Silber, der eigene hieß „My First Sony“ und war kunterbunt. Niemand fand das peinlich, denn man war sieben. Irgendwann verordnete das Erwachsenwerden Anthrazit. Die Beats 360 heben diese Verordnung auf: Farbe darf wieder sein, und Beats liefert gleich den ganzen Malkasten dazu. Die 360 sind das erste wirklich neue Over-Ear-Design von Beats seit mehr als zehn Jahren. Studio 3 und Studio Pro stecken im Kern in der Hülle des Studio 2 von 2014 – Beats hat das Haus also mehrfach neu tapeziert, aber nie grundlegend umgebaut.
Beats 360: Ohrpolster als Teil der Garderobe
Ohr- und Kopfbügelpolster lassen sich tauschen – und das nicht bloß bei Verschleiß. Die Polster verstehen sich als Stilmittel: ein pinkfarbener Rahmen mit neongelben Polstern etwa, was auf dem Kopf ungefähr so diskret wirkt wie ein Textmarker im Sakko. Vier Rahmen und acht Polsteroptionen ergeben 32 Kombinationen, mit gemischten Kopfbügel- und Ohrpolstern sogar 256. Zur Wahl stehen atmungsaktives Strickgewebe in sechs Farben, von dem ein Satz beiliegt, und Premium mit Beats-typischem Kunstlederbezug in Schwarz und einem „Wolke“ getauften Elfenbeinweiß. Beats verkauft die Polster im Set aus Ohr- und Kopfpolstern zu 59,95 Euro. Bei ersteren genügt eine kurze Drehung zum Wechseln, ein leiser Ton bestätigt beim Einschalten den Sitz, Sensoren erkennen das Material und passen aktive Geräuschunterdrückung (ANC), Transparenz und EQ an. Das Kopfband indes wird eingeklippt. Über hundert Wechsel hinterließen keinerlei Spuren.
Apple verkauft seit Jahren AirPods für Android – sie heißen nur anders. Auch die Beats 360 koppeln sich per Fast Pair mit einem Fingertipp, melden sich über das Google-Konto automatisch bei weiteren Geräten an, wechseln die Quelle und tauchen bei Verlust in Googles Find Hub auf. Die Beats-App für Android ergänzt Akkustand, Widgets, Tastenbelegung und Firmware-Updates. Personalisiertes 3D Audio mit Headtracking bleibt Apple-Geräten vorbehalten.
Der auffallend dünne Kopfbügel hat einen Grund: Jede Ohrmuschel arbeitet autark mit eigenem Akku, eigener Antenne und eigener -Elektronik. Im Kern steckt eine hauchdünne Stahlfeder, drumherum Kunststoff. Das Tragegefühl ist exzellent: Fünf Testtage lang saßen die knapp 295 Gramm auf drei verschieden großen Köpfen, stets mit angenehmem Anpressdruck und dennoch sicherem Sitz, auch mit Brille. Nach Stunden wird es an den Ohren zwar wärmer, aber weniger als unter den AirPods Max 2. Dank IPX4, einer Premiere bei den Over-Ears von Beats, dürfen sie „offiziell“ mit ins Fitnessstudio.
Vier Tasten sitzen hinten an den Muscheln: links Hörmodus und Power samt USB-C-Buchse, rechts Lautstärkewippe und Wiedergabe/Pause. Auf iPhone, iPad und Mac erscheinen sie wie AirPods direkt in den Einstellungen, samt konfigurierbarer Hörmodus-Taste. Dazu kommt das Apple-Paket: Kopplung per Fingertipp, Anmeldung an allen Geräten desselben Apple-Accounts, automatisches Umschalten zwischen iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und sogar Vision Pro, freihändiges „Hey Siri“, Audiofreigabe, „Wo ist?“ samt Rufton sowie Firmware-Updates „Over-the-Air“. Android-Anwender nutzen erweiterte Funktionen über eine eigene App.
Powerbeats Pro 2
Der Ohrbügel bleibt, fast alles andere ist neu: kleinere Gehäuse, aktive Geräuschunterdrückung, Apples H2-Chip und ein Pulssensor, der Daten an Health- und Fitness-Apps liefert. Beim Sport sitzen die In-Ears bombenfest, auch klanglich gibt es kaum Anlass zur Klage. Einziger Makel: Das Ladecase fällt dann doch recht wuchtig aus.
Preis: 299,95 Euro
Beats Solo 4
Der On-Ear-Klassiker kehrte 2024 mit 50 Stunden Laufzeit, 3D Audio mit Headtracking sowie verlustfreier Wiedergabe über USB-C und Klinke zurück. Der Klang fällt erfreulich ausgewogen aus, deutlich braver als früher. Auf aktive Geräuschunterdrückung verzichtet Beats hier allerdings, und wer lange trägt, spürt den Anpressdruck an den Ohrmuscheln – Brillenträger zuerst.
Preis: 229,95 Euro
Beats Pill
Nach fast zehn Jahren Pause ist die Pille zurück: IP67-dicht, 24 Stunden Laufzeit, Lossless über USB-C und bei Bedarf Powerbank fürs iPhone. Der Tieftöner schiebt ordentlich, die Mitten wirken mitunter etwas blass. Zwei Exemplare lassen sich zum Stereopaar koppeln. „Wo ist?“ spürt eine vergessene Beats Pill zuverlässig auf.
Preis: 169,95 Euro
Geräuschunterdrückung und Akku im Alltag
Das tieffrequente Dröhnen der Triebwerke beim Flug quer durch Deutschland bügelt die Geräuschunterdrückung souverän glatt. Kniffliger sind die mittleren Frequenzen menschlicher Stimmen, doch selbst das Geschnatter im ICE-Großraumwagen schrumpft zu fernem Gemurmel. Beim Telefonieren rückt Beamforming die Stimme in den Fokus. Der Akku hält bis zu 32 Stunden – wohlgemerkt mit ANC. Fünf Minuten Laden reichen für eine Stunde Wiedergabe, ein Ladekabel liegt allerdings nicht bei. Wichtig für Vielflieger und Audiophile: Kabelbetrieb sehen die Beats 360 nicht vor, weder per Klinke (eine entsprechende Buchse fehlt ohnehin) noch per USB-C-Audio. Das Bordprogramm erreicht die Ohren daher nur über einen Bluetooth-Adapter. Die Ohrmuscheln lassen sich klappen, womit sich die Beats 360 flachgelegt in der leicht gefütterten Nylontasche sicher transportieren lassen.
So klingen die Beats 360
Klanglich spielen die 360 auf sehr hohem Niveau. Beats-Fans der ersten Stunde mögen bemängeln, dass hier kein Bassbomber mehr wummert.
Wir haben die Beats 360 durch denselben Hör-Parcours geschickt wie die AirPods Max 2. Bei Bon Jovis „Livin’ on a Prayer“ spannen sie mit 3D Audio eine weite Bühne auf, Größe und Druck passen so gut zusammen, dass der Abstand zu Apple zur Geschmacksfrage schrumpft. Die Kassengeräusche in Pink Floyds „Money“ ordnen die Beats 360 präzise links und rechts ein, Gitarren, Bass und Schlagzeug bleiben sauber entwirrbar – wer hier einen deutlichen Vorsprung der AirPods Max 2 heraushört, hört vermutlich vor allem das Preisschild. In „Teardrop“ von Massive Attack liefern Bass und Kick satten Druck, ohne Elizabeth Frasers zerbrechliche Stimme zuzudecken.

Direkte Konkurrenten sind die beiden ohnehin nicht, ihre Zielgruppen überschneiden sich kaum. Apple verlangt 579 Euro und bietet dafür viel Aluminium, Digital Crown und den H2-Chip samt Funktionen wie Adaptivem Audio, Live-Übersetzung und Kamera-Fernbedienung, dazu Lossless per USB-C – bei allerdings 386 Gramm auf der Waage. Die Beats 360 kosten weniger, wiegen weniger, tragen auf Wunsch mutigere Farbe und verstehen sich besser mit Android – klanglich ebenbürtig, mit Abstrichen jenseits der Musik.

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.
| Produktname | Beats 360 |
|---|---|
| Hersteller | Beats |
| Preis | 349,95 Euro, Polster-Sets je 59,95 Euro befristet zum Sonderpreis von 9,95 Euro) |
| Webseite | www.beatsbydre.com |
| Pro |
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| Contra |
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| 1,3sehr gut |






















