Eigene 5G-Chips

Qualcomm erwartet schneller sinkende Apple-Umsätze

Apples Wechsel auf selbst entwickelte Mobilfunkchips trifft Qualcomm offenbar früher als erwartet. Beim kommenden iPhone soll der Anteil der Qualcomm-Komponenten deutlich unter der bisherigen Prognose liegen. Der Chiphersteller setzt deshalb verstärkt auf andere Geschäftsbereiche.

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Qualcomm rechnet damit, dass die Umsätze mit Apple schneller zurückgehen als bislang angenommen. Das sagte Qualcomm-Chef Cristiano Amon nach der Vorstellung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2026 gegenüber Reuters. Der Rückgang soll bereits im vierten Geschäftsquartal deutlicher zu spüren sein.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Qualcomm erwartet einen schnelleren Rückgang der Apple-Umsätze
  • Der Anteil in der nächsten iPhone-Generation soll deutlich unter 20 Prozent liegen
  • Apple setzt zunehmend auf selbst entwickelte 5G-Modems
  • Qualcomm will das Minus mit Auto-, IoT- und Rechenzentrum-Chips ausgleichen

Als Grund nennt Amon unter anderem Engpässe in der Lieferkette. Qualcomm war bislang davon ausgegangen, bei der nächsten iPhone-Generation noch rund 20 Prozent der benötigten Modemchips zu liefern. Der tatsächliche Anteil soll nun deutlich niedriger ausfallen. Konkrete Zahlen nannte der Manager nicht.

Apple baut Anteil eigener Modems aus

Apple arbeitet seit mehreren Jahren daran, die Mobilfunktechnik seiner Geräte stärker selbst zu kontrollieren. Eigene Modemchips kommen bereits im iPhone 16e, im iPhone 17e und im iPhone Air zum Einsatz. Bei weiteren Modellen greift der Hersteller bislang zumindest teilweise auf Technik von Qualcomm zurück.

Ein Modem verbindet das Smartphone mit Mobilfunknetzen und ist damit unter anderem für Datenübertragungen über 5G verantwortlich. Die Entwicklung gilt als technisch anspruchsvoll, weil der Chip zahlreiche Frequenzbereiche, Netzstandards und regionale Anforderungen unterstützen muss.

5G-Modem erklärt!

Ein 5G-Modem stellt die Verbindung zwischen einem Smartphone und dem Mobilfunknetz her. Es verarbeitet Funksignale und unterstützt je nach Ausführung unterschiedliche Frequenzen, Netzstandards und Mobilfunkanbieter. Neben der Geschwindigkeit beeinflusst der Chip auch den Energieverbrauch und die Empfangsqualität.

Gerüchten zufolge könnte Apple den Einsatz seiner eigenen Mobilfunkchips mit der iPhone-18-Reihe deutlich ausweiten. Für eine kommende Generation wird ein als C2 bezeichneter Chip gehandelt, der höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und eine bessere Energieeffizienz bieten soll. Apple hat entsprechende Pläne bislang nicht offiziell bestätigt.

Qualcomm will Abhängigkeit vom Smartphone-Geschäft reduzieren

Für Qualcomm bedeutet Apples Wechsel einen schrittweisen Verlust eines wichtigen Kunden im Smartphone-Segment. Der Konzern versucht deshalb schon länger, sein Geschäft breiter aufzustellen. Wachstum erwartet Qualcomm unter anderem mit Chips für Autos, vernetzte Geräte und Rechenzentren.

Im Fiskaljahr 2027 soll nach Angaben des Unternehmens bereits der Großteil des Chipumsatzes außerhalb klassischer Smartphones entstehen. Zusätzliche Einnahmen aus dem Geschäft mit Rechenzentren sollen den Rückgang der Apple-Umsätze zumindest teilweise ausgleichen.

Gleichzeitig kämpft Qualcomm mit steigenden Kosten entlang der Lieferkette. Zum 1. September will das Unternehmen deshalb die Preise seiner Prozessoren anheben. Wie stark die einzelnen Produktreihen betroffen sein werden, ist noch nicht bekannt.

Lizenzgeschäft bleibt vorerst bestehen

Vom Verkauf der Modemchips getrennt ist Qualcomms Lizenzgeschäft. Apple und Qualcomm verfügen über eine Patentvereinbarung, die derzeit bis März 2027 läuft. Selbst bei einem vollständigen Wechsel auf eigene Modems könnte Apple daher weiterhin Lizenzzahlungen an Qualcomm leisten.

Ob beide Unternehmen die Vereinbarung erneut verlängern, ist offen. Apple könnte seine Abhängigkeit von Qualcomm zwar bei den verbauten Komponenten reduzieren, für die Nutzung bestimmter Mobilfunkpatente aber weiterhin auf eine Lizenz angewiesen sein.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Der schnellere Umsatzrückgang überrascht weniger als der offenbar deutlich geringere Qualcomm-Anteil bei der nächsten iPhone-Generation. Apple scheint den Übergang auf eigene Modems zügiger voranzutreiben, bleibt bei Reichweite, Effizienz und weltweiter Netzunterstützung aber vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Für Qualcomm ist der Verlust absehbar – entscheidend wird sein, ob neue Geschäftsfelder die wegfallenden iPhone-Umsätze tatsächlich ersetzen können.

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