Anki Overdrive im Vorab-Test: Das Autorenn-Spielzeug der nächsten Generation

Eingefleischte Apple-Fans werden sich an die Präsentation von „Anki Drive“ auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC 2013 erinnern. Außerhalb der USA und Großbritannien ist es danach still um den geheimen Star der WWDC 2013 geworden. Im Hebst dieses Jahres kommt der Nachfolger, Anki Overdrive, nach Deutschland. Wir hatten schon jetzt die Möglichkeit Anki Overdrive auszuprobieren und mit dem Präsidenten von Anki zu sprechen.

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Anki Overdrive ist schwer zu erklären und mit „Carrera-Bahn 2.0“ wird man dem Produkt nicht wirklich gerecht. Anki Overdrive bringt Videospiele auf den Wohn- oder Kinderzimmerfußboden; und das in einer Weise, wie wir sie bislang noch nie erlebt haben. Und gerade weil man Anki Overdrive erlebt haben muss, um es wirklich zu begreifen, wollte ich es unbedingt selbst ausprobieren und habe mich mit Anki-Präsident Hanns Tappeiner und ein paar seiner Mitarbeiter in Hamburg zum Spielen getroffen.
 

Der Autoteppich hat ausgesorgt

Praktisch jeder kennt zumindest jemanden, der in seiner Kindheit einen Autoteppich in seinem Zimmer hatte. Ein Teppich, auf dem Straßen und Gebäude aufgemalt waren und auf dem man dann mit seinen eigenen Spielzeug-Autos fahren konnte. Anki Overdrive ist eine Mischung aus diesem Teppich und einer klassischen Carrera-Bahn, gepaart mit der Rechenpower eines iPhone, einer unglaublichen künstlichen Intelligenz (KI) – und cooleren Spielzeugautos als zumindest ich sie jemals hatte.
 

Aufbauen und loslegen

Anders als beim Vorgänger Anki Drive, der wirklich mit einer Art ausrollbarem Autoteppich daher kam, bringt Anki Overdrive Straßenteile aus biegsamem Plastik mit. Im Starter-Kit sind 10 dieser Teile – Kurven und Geraden – enthalten. Mit ihnen kann man eine von acht verschiedenen Strecken konstruieren. Die einzelnen Teile halten magnetisch zusammen, sodass man jederzeit umbauen kann.
 
 
Setzt man nun eines der Anki-Overdrive-Autos auf die Strecke, fängt es sofort an den Kurs abzufahren. Dabei tasten Sensoren ständig den Untergrund ab und erkennen für das menschliche Auge praktisch unsichtbare Kodierungen auf der Fahrbahn. Diese Kodierungen verraten dem Auto und der zugehörigen App, um was für ein Streckenteil es sich handelt. Nach einer vergleichsweise behutsamen Einführungsrunde kennen App und Auto dann die Strecke und können noch intelligenter reagieren und fahren.
 
Natürlich ist man als Spieler nicht zum Zugucken verdammt. Über die App kann man das Auto durch neigen des iPhones nach links oder rechts über die Fahrbahn bewegen und über einen Schieberegler beschleunigen.
 
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Endlose Möglichkeiten

Im Starter-Set enthalten sind neben den 10 Streckenteilen und zwei Fahrzeugen auch Brückenpfeiler, sodass man noch mehr Variationsmöglichkeiten beim Streckenbau erhält. Aber auch ohne diese sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die von mir selbst konstruierte Rennstrecke optimierte Anki-Präsident Tappeiner durch das Platzierung einer Mineralwasserflasche und eines Glases unter den Streckenteilen. Man kann also auch mit ganz gewöhnlichen Haushaltsgegenständen die Streckenführung deutlich interessanter machen.
 
 
Anki wird darüber hinaus auch Erweiterungssets anbieten. Vorgesehen sind beispielsweise Kreuzungen, Sprungschanzen und Bauteile, die die Autos dazu veranlassen, einen U-Turn hinzulegen und in entgegengesetzter Richtung weiterzufahren. 
 

Race oder Battle

Das Fahren als Einzelspieler macht schon erschreckend viel Spaß. Vermutlich wird es aber schon nach wenigen Stunden langweilig. Deshalb ist Anki Overdrive eigentlich auch ein Mehrspieler-Spiel. Andere Spieler können dabei Menschen oder Computer-Gegner sein. Aktuell können bis zu vier Autos gleichzeitig auf der Strecke fahren. Tappeiner erklärte, dass es eigentlich keinen Grund für eine Beschränkung der Autoanzahl gebe. Man sei noch dabei herauszufinden, welche Limits für welche Kurslängen sinnvoll sind. Denn wenn die Strecke zu voll wird, ist der Spaß dahin. Es ist wie im echten Leben: Schnell fahren ist deutlich lustiger als im Stau zu stehen.
 
Mit mehreren Autos wird man zunächst zwischen zwei Spiel-Modi entscheiden können. Der erste Modus ist ein klassisches Rennen. Wer zuerst 5 oder 10 oder wie viele Runden auch immer hinter sich gebracht hat, ist der Sieger. Um das Rennen noch etwas aufzupeppen, verfügen die Autos über virtuelle Waffen. Schießt man beispielsweise ein vor sich fahrendes Auto ab und trifft häufig genug, bleibt es kurz stehen. Neben einem Traktorstrahl, der das eigene Gefährt näher an den Vordermann bringt, in dem er diesen verlangsamt, gibt es noch zig weitere Waffen und Abwehrmechanismen.
 
Wenn man schon Waffen in einem Spiel hat, bietet es sich auch an, einen Kampf-Modus anzubieten. Wählt man „Battle“ aus, fahren die Autos im Prinzip endlos lang über den Kurs. Treffer mit den oben erwähnten Waffen kosten den Getroffenen Energie und bringen dem Schützen Punkte. Wer zuerst eine vorher definierte Anzahl an Punkten erreicht hat, gewinnt.
 

Kampagnen

Neben diesen klassischen, zum Beispiel auch von Mario Kart bekannten Modi, wird es noch einen Kampagnen-Modus geben. In einer Art Turnier muss man sich gegen immer stärker werdende Gegner behaupten, um es bis an die Spitze zu schaffen. Wie viele Gegner es in der finalen Version geben wird, steht noch nicht ganz fest. In der heute gezeigten Testversion war aber bereits eine deutlich zweistellige Anzahl enthalten.
 

Aufmotzen ohne In-App-Käufe

Bei allen Spielweisen können Punkte gesammelt werden. Punkte gibt es natürlich für Rennsiege, aber auch für Treffer und Abschüsse. Mit diesen Punkten kann man dann in der App sein Auto verbessern. So kann man beispielsweise die Karosserie resistenter gegen Treffer machen oder neue Waffen erstehen. Erfreulicher Weise können diese Punkt nur erspielt, nicht aber via In-App-Käufe erstanden werden, was das Ganze in meinen Augen noch ein Stück weit sympathischer macht.
 

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High-Tech im Spielzimmer

Was so einfach klingt, erfordert ein unglaublich hohes Maß an künstlicher Intelligenz. Die Autos tasten die Strecke 500 Mal in der Sekunde ab. Würde man das, was Anki leistet, auf echte Autos übertragen, so würde das etwa bedeuten, dass man ein Auto mit 400 Stundenkilometer über eine Strecke jagt, die nur wenige Millimeter breiter ist als das Fahrzeug selbst.
 
 

Fazit

Nach ein paar Minuten Spielzeit kann man natürlich nur wenig über Langzeitspaß oder den Kampagnen-Modus sagen. Persönlich war ich aber sehr davon überrascht, wie gut Anki Overdrive funktioniert und wie viel Spaß es tatsächlich immer noch macht, mit kleinen Spielzeugautos im Kreis zu fahren.

Darin steckt dann auch das Erfolgsrezept von Anki Overdrive. Wie Tappeiner richtig anmerkte, haben sich Videospiele in den letzten 20 bis 30 Jahren rasant weiterentwickelt. Spielzeuge hingegen praktisch gar nicht. Mit zunächst Drive und jetzt Overdrive gelingt Anki eine erstaunliche Symbiose aus Videospiel und klassischem Spielzeug.

Besonders im autoverrückten Deutschland ist ein ähnlicher Siegeszug wie in den USA zu erwarten. Hier war Anki Drive bei Amazon.com das am zweithäufigsten verkaufte Spielzeug im Weihnachtsgeschäft nach einer Figur zum Disney-Film „Frozen“ – Nummer zwei hinter Disney zu sein wird die Anki-Macher nicht sonderlich gestört haben.

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