Zug nach unten
Was man als iPhone-Besitzer seit Jahren im Schlaf beherrscht, zieht nun auf dem Mac ein: Die Geste „Nach unten streichen, um neu zu laden“ aktualisiert Inhalte per Trackpad-Wischgeste – aktuell in Safari, Mail, News, Podcasts und Kalender. Das geht schneller von der Hand als ein Tastenkürzel.
Liquid Glass, fein dosiert
Über die den Hintergrund durchscheinen lassende Oberfläche gehen die Meinungen auseinander. Apple weiß das und liefert unter „Systemeinstellungen > Erscheinungsbild“ einen Regler mit, der von ultraklar über Milchglas bis vollständig getönt reicht. Direkt nach der Installation fragt Golden Gate sogar aktiv nach der Wunscheinstellung. Wer Fensterinhalte lieber deckend mag, dreht die Transparenz einfach heraus, Freunde des Glas-Looks ziehen den Regler indes ganz nach links. Geschmackssache bleibt es – nun aber eine, über die jeder selbst entscheidet.
Skizzen in Notizen und Freeform
Ein Pfeil sagt mehr als drei Sätze: Notizen und Freeform erhalten die vom iPhone vertrauten Markup-Zeichenwerkzeuge – freihand per Trackpad oder Maus, mit Stiften, Formen und Farben. Das eignet sich für schnelle Wegskizzen ebenso wie für den dezenten Hinweis, welches Kabel am Router gemeint ist.
Mail findet statt sucht
Die Mail-Suche galt lange als Geduldsprobe. Golden Gate baut sie auf ein neues Fundament: Die Trefferliste sortiert nach Relevanz statt stur nach Datum, und die Suche versteht die Absicht hinter dem Wortlaut – wer „Zahnarzt“ eingibt, findet auch die Mail der „Zahnklinik“. Auch Tippfehler verzeiht die Suche großzügiger.
Notizen sprechen jetzt Markdown
Die Notizen-App exportiert Texte nun per „Als Markdown kopieren“ – inklusive Überschriften, Listen und Formatierungen. Das freut alle, die Texte in CMS, Wikis oder andere Apps übertragen wollen: kopieren, einfügen – fertig! Der Befehl findet sich im Bearbeiten-Menü.
Podcasts mit Bild
Die Podcasts-App zeigt nun auch Video-Podcasts: Formate mit Bildspur starten automatisch mit Video. Ein Klick auf „Video deaktivieren“ im Wiedergabefenster wechselt zur reinen Tonspur, das Bild-in-Bild-Symbol oben links lässt das Video über allen Fenstern schweben, während nebenbei die Arbeit weiterläuft.
Das Tempo-Paket
Nicht jede Neuerung braucht eine Schlagzeile: Apps starten laut Apple bis zu 30 Prozent schneller, AirDrop überträgt Dateien flotter, Netzwerkdateien öffnen sich zügiger, und die Safari-Startseite erscheint ohne Gedenksekunde. Und das schon jetzt in der Public Beta schneller als je unter macOS 26.
Als langjähriger Mac-Anwender verabschiedet man sich mit Golden Gate gleich von mehreren Weggefährten. Das Apple Filing Protocol verschwindet – und mit ihm die Time-Machine-Sicherung auf der Time Capsule. Das AirPort-Dienstprogramm fehlt auf Neuinstallationen komplett. Betroffene ziehen vor dem Update auf eine USB-Festplatte oder ein NAS mit SMB-Freigabe um. Bastler verlängern das Leben der Time Capsule mit dem GitHub-Projekt TimeCapsuleSMB, das sie als modernen Samba-Server weiterbetreibt – offiziell unterstützt ist das freilich nicht.
Auch auf der Abschiedsliste: verschlüsselte Laufwerke im betagten Mac OS Extended (HFS+)-Format. Golden Gate liest sie noch, macOS 28 dann nicht mehr. Ein Blick in die Schublade mit alten Backup-Platten aus der Zeit vor 2018 lohnt also jetzt: Daten sichern, Platte entschlüsseln oder gleich auf APFS umformatieren – unverschlüsselte HFS+-Laufwerke indes bleiben lesbar. Der DVD Player gilt samt Framework als veraltet und verschwindet in einer künftigen Version, am externen Laufwerk springt der kostenlose VLC Player ein.
Schönere Städtereisen
Die Karten-App kommt mit verbessertem Flyover, auch auf den Mac: fotorealistische 3D-Ansichten großer Städte, die dank KI-Upscaling nun deutlich schärfer dargestellt werden. Das taugt zur Vorbereitung auf die nächste Reise ebenso wie zum virtuellen „Heimwehbesuch“.
Surfanfrage für die Enkel
Kommen die Enkel am Wochenende zu Besuch, wird der Mac mitunter zum Spielgerät. Die neue Surfanfrage macht das entspannt: Ruft das Kind in seinem Account eine noch nicht freigegebene Website auf, landet die Anfrage samt Vorschau als Nachricht auf iPhone oder Mac der Aufsichtsperson – ansehen, freigeben oder ablehnen, fertig. Einmal erlaubte Seiten bleiben dauerhaft offen. Bei Kindern unter 13 ist die Funktion standardmäßig aktiv, nötig ist ein Kinder-Account in der Familienfreigabe. Ehrlicherweise gilt: Die Kontrolle greift nur in Safari – andere Browser sperren Sie bei Bedarf gänzlich über die Bildschirmzeit.
Live-Übersetzungen
Starten Sie ein fremdsprachiges Video, etwa in QuickTime, so blendet Golden Gate das Gesprochene live ein. Schriftgröße und Stil passen Sie im Wiedergabemenü an. Zum Übersetzen wählen Sie im Untertitel-Menü die Zielsprache – erkennbar am Funkeln-Symbol.
Fenster mit Gedächtnis
Wer ein MacBook regelmäßig an externe Displays anschließt, kennt das Fensterchaos nach dem Andocken. Golden Gate merkt sich die Anordnung von Bildschirmen und Fensterpositionen deutlich zuverlässiger: Nach dem Anstecken liegt alles wieder dort, wo es hingehört – ganz ohne Zusatzsoftware.
Breitbild in Bestform
Golden Gate unterstützt ultrabreite Displays nun mit 5K-Auflösung bei 120 Hertz. Wer am Schreibtisch mit einem Breitbildmonitor arbeitet, profitiert von gestochen scharfer Darstellung und geschmeidigem Bildlauf – vorausgesetzt, der Monitor spielt mit.
Bildschirmaufnahme mit Ton
Die eingebaute Bildschirmaufnahme ([cmd] + [shift] + [5]) zeichnet in Golden Gate endlich auch den Systemton auf – bislang half nur Zusatzsoftware. Praktisch etwa für Videoanleitungen mit Originalton.
Menschen aus Europa bleiben weiterhin außen vor bei der iPhone-Synchronisierung. Diese legt gleich dreifach zu: Das Fenster lässt sich nun frei in der Größe ändern, das Kontrollzentrum des iPhone ist direkt vom Mac aus erreichbar und erstmals laufen auch kopiergeschützte Videos im gespiegelten Fenster.
Kabel oder Funk? Ein Blick genügt
Kleines Symbol, große Klarheit: Ist der Mac per Ethernet-Kabel verbunden, wird das AirPort-Symbol in der Menüleiste nun durch ein eigenes Stecker-Symbol ersetzt. So erkennen Sie sofort, ob gerade die schnelle Kabelverbindung oder das Funknetz aktiv ist.
Seit dem Wechsel zu Apple Silicon übersetzt Rosetta 2 im Hintergrund Intel-Programme so unauffällig, dass viele Anwender gar nicht wissen, welche ihrer Apps darauf angewiesen sind. Doch das Ende naht: macOS 27 ist die letzte Version mit uneingeschränkter Rosetta-2-Unterstützung – ab macOS 28 bietet Apples „Übersetzungsdienst“ nur noch eingeschränkte Dienste. Das heißt: Intel-Programme werden künftig auf Apple-Silicon-Macs nicht mehr uneingeschränkt laufen. Die Bestandsaufnahme ist so einfach wie nie: Unter „Systemeinstellungen > Allgemein > Info“ listet Golden Gate alle installierten Intel-Programme auf – samt Warnung, dass sie ab macOS 28 nicht mehr unterstützt werden. Alternativ hilft die kostenlose App Silicon oder der Blick in die Systeminformationen (Bereich „Programme“, Spalte „Art“). Steht dort „Intel“, ist Handeln angesagt: Prüfen Sie, ob der Hersteller eine native Version anbietet – oft genügt ein Update. Für verwaiste Software lohnt die Suche nach Alternativen, solange Zeit bleibt. Und wer eine unersetzliche Intel-App besitzt, bleibt vorerst einfach bei macOS 27 – und gewinnt mindestens ein weiteres Jahr Bedenkzeit.
macOS 27 Golden Gate in der Praxis
Dieser Artikel ist Teil unserer kleinen Serie „macOS 27 Golden Gate in der Praxis“. Hier finden Sie die anderen Artikel zum Thema:
- macOS 27 Golden Gate in der Praxis
- Kleine Kniffe, große Wirkung
- Apple Intelligence: Der Mac denkt mit
- Bilder und Fotos: Nachbessern ausdrücklich erlaubt

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.
















