Seit Jahren sind wir an den vertrauten, regelmäßigen Rhythmus der iPhone-Neuvorstellungen gewöhnt. Seit 2019 erscheint jeden September oder Oktober ein neues „Standard“-iPhone, begleitet von den Pro- und Pro-Max-Modellen. Im Februar oder März folgten dann unregelmäßig die Einsteigergeräte der SE- respektive „e“-Reihe.
Im vergangenen Jahr kam mit dem iPhone Air ein Neuzugang hinzu und auch in diesem Herbst dürfte ein weiteres frisches Modell erscheinen. Vor allem aber zeichnet sich ein radikaler Wandel der Startstrategie ab: Erstmals sollen im Herbst nur die Premium-Modelle auf den Markt. Alle übrigen folgen laut Analysten erst viele Monate später.
Konkret bedeutet das: iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max erscheinen im September. Vermutlich gesellt sich das iPhone Ultra (alias iPhone Fold) im selben Monat oder im Dezember dazu. Das Standard-iPhone, das iPhone 18e und womöglich das iPhone Air 2 sollen erst im Frühjahr 2027 folgen. Doch was steckt hinter Apples neuer Startstrategie?
Laut Bloomberg-Journalist Mark Gurman hat sich Apple so entschieden, weil der „Release-Zyklus im Herbst irgendwann zur Last wurde“. So viele Produkte kurz vor dem Weihnachtsgeschäft setzten Teams innerhalb und außerhalb von Apple zu stark unter Druck. Und, wichtiger noch, verteilten sich die Umsätze zudem nicht gleichmäßig über das gesamte Jahr.
Gurman verweist vor allem auf die Belastung der Entwicklungsteams, die eine ganze Produktpalette rechtzeitig zum Jahresendgeschäft liefern müssen. Auch die Marketing-Abteilung ächzt, wenn sie so viele iPhones gleichzeitig bewerben soll. Da zudem die Zulieferer überlastet sind, ergibt Apples Entscheidung durchaus Sinn: Mit mehr Luft zwischen den Produktstarts kann sich das Unternehmen jedem Modell mit mehr Zeit und vor allem Aufmerksamkeit widmen.
Zugleich kann der designierte CEO John Ternus so den Druck auf Apples Fertigungsstandorte mindern – entscheidend, da die Produktion auf Druck aus Washington zunehmend aus China abwandert. Wie die Konkurrenz kämpft Apple außerdem mit stark steigenden Speicherpreisen, weil Anbieter Künstlicher Intelligenz den RAM-Markt leerkaufen. Zeit zu gewinnen, die Fertigung in den USA und Indien zu etablieren und die Abhängigkeit von China zu verringern, ist daher klug. Diese Strategie dürfte auch den Start künftiger Funktionen entlasten: Gurman zufolge ist die Eile, viele Produkte in kurzer Zeit zu bringen, ein Grund für den „holprigen Start“ von Apple Intelligence. Da heute mehr Produkte parallel laufen als früher, sollte Apple saisonale Nachfragespitzen so besser abfedern können. Und es gibt einiges, worauf wir uns freuen dürfen.
Die Profis sind zuerst dran
iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max dürften so groß ausfallen wie die aktuellen Modelle und deren Design weitgehend übernehmen. Die größte Neuerung an der Hardware sind wohl die zusätzliche Farboption Dark Cherry und eine kleinere Dynamic Island. Gerüchten zufolge könnten die Face-ID-Sensoren zudem unter das Display wandern. Dann bräuchten die Geräte womöglich gar keine Dynamic Island mehr – auch wenn manche Experten bezweifeln, dass die Technik bereits reif dafür ist.
Experten erwarten das faltbare iPhone Ultra, so der kolportierte Name, noch in diesem Jahr, doch eine Verschiebung auf 2027 ist möglich. Laut dem Leaker Momentary Digital droht sogar ein Aufschub „auf unbestimmte Zeit“: Das Scharnier gelte als nicht zuverlässig genug und verfehle damit Apples hohe Ansprüche an die Qualität.
Schon länger heißt es, Apple zögere den Start eines faltbaren iPhone hinaus, um das Scharnier zu perfektionieren und ein Display ohne sichtbare Falte zu liefern – was schwierig ist angesichts der Materialermüdung durch das ständige Biegen.
Die meisten Analysten glauben dennoch, dass Apple das gelungen ist – allerdings zu einem stolzen Preis: Bloombergs Mark Gurman rechnet mit mehr als 1850 Euro. Der genaue Betrag hängt laut Instant Digital davon ab, ob man 256 oder 512 Gigabyte oder 1 Terabyte Speicher wählt.
Wie bereits berichtet, sollen iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max außerdem ein Objektiv mit variabler Blende bekommen. Die Hauptkamera könnte damit die einfallende Lichtmenge exakt regulieren, was die Belichtungskontrolle bei wechselnden Lichtverhältnissen verbessern würde und mehr Kontrolle über die Schärfentiefe für einen präziseren Fokus erlauben dürfte. Zudem setzen die neuen Pro-Modelle auf die weiterentwickelte, stromsparende LTPO+-Displaytechnik (Low-Temperature Polycrystalline Oxide plus) und Apples A20-Chip, womöglich eine A20-Pro-Variante, der bis zu 30 Prozent effizienter arbeiten könnte als die aktuell im Einsatz befindlichen A19-Chips.
Mit einem erwarteten C2-Modem der nächsten Generation, das 5G-Satellitenverbindungen unterstützt, und erweiterten Datenschutzfunktionen verspricht das nächste iPhone ein deutliches Upgrade. Trotzdem dürfte das iPhone Ultra in diesem Jahr mehr Aufmerksamkeit bekommen, denn es wäre Apples erster Schritt in den hart umkämpften Markt der faltbaren Smartphones.
Laut Analyst Ming-Chi Kuo bekommt das Faltbare von Apple ein buchartiges Design mit einem faltenfreien inneren OLED-Display (7,8 Zoll, 2.713 × 1.920 Pixel) und einem Außendisplay mit 5,5 Zoll und 2.088 × 1.422 Pixeln. Zwei Apps laufen darauf gleichzeitig nebeneinander. Zusammengeklappt misst das Gerät dabei bis zu 9,5 Millimeter, aufgeklappt bis zu 4,8 Millimeter.
Auf Face ID könnte Apple beim iPhone Ultra zugunsten eines seitlichen Touch-ID-Knopfs verzichten. Hinten ist eine Dual-Kamera denkbar (Weitwinkel und Ultraweitwinkel, ohne Teleobjektiv), dazu eine Frontkamera, die sich offen wie geschlossen nutzen lässt. Auch hier dürften der A20-Chip und ein C2-Modem der zweiten Generation stecken – und obwohl das Gerät in der Größe fast an das iPad mini heranreicht, läuft darauf iOS statt iPadOS.
Laut einer Umfrage von Binulabs Insight halten Studierende der Gen Z in Südkorea Samsung inzwischen für innovativer als Apple. Von 500 Befragten nennen 62 Prozent Samsung innovativ, Apple kommt auf 51 Prozent. 25 Prozent indes empfinden Apple gar als stillstehend – das sind sechs Punkte mehr als im Vorjahr.
Apple dürfte der Umfrage kein großes Gewicht beimessen, doch sie zeigt, wie stark die Konkurrenz wirkt. Wichtigstes Schlachtfeld ist Künstliche Intelligenz – und Samsungs Galaxy AI gibt das Tempo vor. Das zwingt Apple zu mehr Tempo und zur Kooperation mit Google, um Gemini in den eigenen Foundation-Modellen zu nutzen. Die Früchte sehen wir mit iOS 27.
Auch die Kameras von Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi erhöhen mit moderner Hardware und Bildverarbeitung den Druck. Das Vivo X300 Ultra bietet ein dreifaches 200-Megapixel-Kamerasystem mit echtem optischem Zoom, gemeinsam mit Zeiss entwickelt. Einige China-Handys nutzen zudem variable Blenden – darüber denkt nun auch Apple nach.

Gezieltes Downgrade?
All das lässt das Standard-iPhone 18, das iPhone 18e und das erwartete iPhone Air 2 etwas blasser wirken – doch auch hier ist Gutes in Sicht. iPhone 18 und 18e sollen ebenfalls den A20-Chip und das C2-Modem erhalten. Die Frontkamera des iPhone 18 könnte von 18 auf 24 Megapixel aufgewertet werden, zudem dürfte auch dieses Modell eine kleinere Dynamic Island spendiert bekommen.
Der chinesische Leaker Instant Digital rechnet zudem damit, dass die Kamerasteuerung des iPhone 18 einfacher ausfällt: Die kapazitive Sensorebene für Wischgesten entfällt, nur die Druckerkennung bleibt. Ob das auch fürs iPhone 18e gilt, ist offen, denn über dieses Modell wird weniger spekuliert. Der Leaker Fixed Focus Digital wiederum vermutet, dass iPhone 18 und 18e Komponenten teilen. „Glauben Sie mir“, schrieb er im Mai, „das Standardmodell des iPhone 18 wurde abgespeckt.“

Da Apple Spekulationen und Gerüchte nicht kommentiert, lässt sich kaum prüfen, ob der Konzern wirklich einzelne Komponenten „abspeckt“, um Kosten zu senken. Doch angesichts des „RAMageddon“ – die Preise für Arbeitsspeicher sind um Hunderte Prozent gestiegen – und des immer teureren Festspeichers wären kleine Sparmaßnahmen keine Überraschung, damit die Einsteiger-iPhones ungefähr auf dem Preisniveau ihrer Vorgänger verbleiben.
Fixed Focus Digital zufolge sieht die iPhone-18-Strategie vor, „Fertigungsprozess, Chip-Spezifikationen oder Speicher abzuwerten und das Gerät näher ans 18e zu rücken“. Träfe das zu, müsste Apple das 18e womöglich gar nicht mehr bringen. Immun gegen äußeren Druck ist der Konzern jedenfalls nicht: Der Preis etwa des Einsteiger-Mac-mini ist bereits gestiegen. Apple hat zwar RAM auf Lager, akzeptierte bei Samsungs LPDDR5X aber auch einen Aufschlag von 100 Prozent. Ewig lassen sich solche Kosten nicht ohne Kompromisse abfedern.
Gut möglich also, dass Apple sein Sortiment strafft. Schon jetzt gibt es Zweifel, ob das iPhone Air 2 im nächsten Jahr überhaupt erscheint. Falls ja, dürfte es noch dünner werden und eine zweite Kamera (Gurman widerspricht), einen A20-Chip sowie Stereolautsprecher mitbringen. Da sich das erste Modell aber schleppend verkauft und die Produktion stark gekürzt wurde, würde ein iPhone Air 2 wohl kaum schmerzlich vermisst. Ohne das Gerät hätte Apple ein schlankeres, fokussierteres Sortiment – genau jetzt, da dem iPhone ein tiefgreifender Umbruch bevorsteht.

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.










