Nimmt Apple Mac-Gamer endlich ernst?

Spiele am Mac: Ein schlechter Witz oder echte Alternative zu Windows-PCs und Konsolen?

Mit den neuesten Entwicklungen bei Soft- und Hardware ist es an der Zeit, mit dem Spielen auf dem Mac zu starten. Oder nicht?

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Traditionell ist der Mac nicht das System der Wahl für überzeugte Gamer. Eine Kombination aus den in den meisten Macs integrierten Grafikchips und der wenigen Spiele-Highlights, die den Weg auf die Plattform finden, hat die Spieler hin zu Windows oder zu Konsolen gedrängt. Aber es sieht so aus, als änderten sich die Dinge. Es gibt – wenn auch subtile – Anzeichen, dass sich Apple derzeit doch noch für die Idee des Mac als Spielplattform erwärmen kann. Von verbesserter Hardware bis hin zu völlig neuen Aboangeboten – jetzt könnte die beste Zeit seit Jahren sein, um mit dem Gaming auf dem Mac zu starten. Das neue MacBook Pro 16-Zoll unterstreicht diesen Plan mit den leistungsstärksten Grafikchips, die Apple je in einem Mac-Laptop verwendete. Apple hat mittlerweile sogar eine eigene Spieleplattform, Apple Arcade, veröffentlicht.

Pippin: Das ist Apples gescheiterte Konsole

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple sich in der Welt der Spiele versucht: 1996 debütierte das Home-Entertainment-System Pippin. Dies war nicht nur für Spiele, sondern auch für alle CD-ROM-Inhalte gedacht und wollte auch beim Surfen im gerade aufkommenden Internet dienen. Apple wollte die Multimedia-Box zu einem Standard ähnlich des VHS-Systems entwickeln.

Es kam anders: Apple ging zwar eine Partnerschaft mit dem japanischen Spielemulti Bandai ein, aber die Pippin-Geräte verkauften sich trotzdem unterirdisch. Das war auf mangelnde Software und die geringen Anstrengungen von Apple, das Produkt ernsthaft zu vermarkten, zurückzuführen. Den letzten „Sargnagel“ schlug Steve Jobs 1997 bei seiner Rückkehr ein: Jobs zog die Notbremse und strich Pippin mit einer Reihe anderer experimenteller Projekte (etwa dem Mobilgerät Newton) aus dem Programm.

Doch wie geht es weiter? Öffnet Apple den Mac jetzt wirklich für High-End-Spiele? Wir wollen das herausfinden.

Apple Arcade ist der große Wurf

Wenn Sie sich in den vergangenen Monaten mit Spielen auf Apple-Plattformen beschäftigten, ist Apple Arcade Ihrer Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen. Apples Abodienst bietet bereits über 100 werbefreie Spiele von bekannten Studios für nur 4,99 Euro pro Monat. Alle Spiele sind auf jedem Ihrer Apple-Geräte nutzbar – auch auf dem Mac.

Dass Apple Arcade auf iOS-Geräten startete, ist indes nicht überraschend: iPhone und iPad sind seit Langem beliebte, mobile Gaming-Plattformen, wobei Apple die entsprechenden Fähigkeiten seiner Smartphones bei jeder Neuvorstellung prominent zur Schau stellt. Ungewöhnlicher ist die Aufmerksamkeit, die Apple nun dem Mac entgegenbringt.

Apple trommelte iOS-Entwickler zusammen und bat sie, ihre Spiele auf den Mac zu portieren. Dazu gehören „Final Fantasy“-Schöpfer Hironobu Sakaguchi und Will Wright, der Vater von „The Sims“.

In einem Interview mit dem Videospiele-Nachrichtendienst „IGN“ erklärte P'ng Yi Wei, Entwickler von „King's League II“, was Apple Arcade von anderen Spiele-Vertriebsplattformen unterscheidet: „Das Niveau ist sehr hoch. Der Einstieg in Apple Arcade ist ähnlich wie bei Konsolen, bei denen es bekanntermaßen schwierig ist, seine Spiele einzureichen.”

Diese hohen Standards für die Aufnahme bei Arcade machen die Spiele aber auch potenziell zu den qualitativ besten. Apple baut seinen Dienst konsequent als eine hervorragend kuratierte Spieleplattform aus. In Cupertino sieht man in Arcade anscheinend nicht nur eine beiläufige Methode, mit der das Unternehmen schnelles Geld machen kann. Mit anderen Worten: Apple nimmt das Gaming nun sehr viel ernster.

Tatsächlich loben viele Entwickler das Unternehmen dafür, dass sie Spiele so gestalten können, wie sie es wollen, ohne sich um deren Monetarisierung zu kümmern. Andrew Schimmel, Entwickler der Apple-Arcade-Spiele „Skate City“ und „Where Cards Fall“, sieht das Potenzial: „Apple Arcade hat eine neue Spielwiese eröffnet, in der Entwickler Premiumspiele wieder als ein praktikables Geschäftsmodell betrachten dürfen. Wenn genügend Gamer qualitativ hochwertige Spiele für diesen niedrigen Preis entdecken, macht es die Entwicklung lukrativ und sie resultiert in viel bessere Spiele“.

Hört man den Entwicklern zu, sieht es so aus, dass Apple sich nicht nur damit begnügt, Gaming als etwas anzubieten, das iPhone, iPad und Mac „können”. Apple baut seine Hardware zu einer erstklassigen Heimat für Spieler aus, die nach einer neuen Herausforderung suchen. Glücklicherweise hat man auch bei der Hardware nachgelegt: leistungsfähige Macs sind verfügbar.

Spiele unter macOS: Der Mac ist wieder da!

Einer der ersten Anhaltspunkte, dass Apple Spieler auf dem Mac endlich ernst nimmt, tauchte mit macOS 10.13.4 „High Sierra“ auf. Damals kam die Unterstützung für externe Grafikkarten (eGPUs) hinzu. Zu dieser Zeit waren die in Macs genutzten Grafikkarten bestenfalls im mittleren Bereich anzusiedeln. Macs der Einstiegsklasse gab es überhaupt nicht mit diskreten Grafikkarten. Das alles machte das Spielen auf dem Mac sehr schwierig – was die Unterstützung von eGPUs auf einen Schlag drastisch änderte.

Apple pries die eGPU-Unterstützung nie direkt für Gamer an, hatte diese Gruppe dabei aber ganz klar mit im Sinn. Zum Beispiel erklärt Apples Supportseite zur Einrichtung einer eGPU, dass diese die Erfahrung in „professionellen Anwendungen, 3-D-Spielen, der Erstellung von VR-Inhalten und mehr" verbessert. Vermutlich dient die Formulierung dazu, sicherzustellen, dass der Mac weiterhin als ein Gerät für Profis anzusehen ist, anstatt in die Welt der High-End-Gamer abzugleiten.

Aber es ist nicht nur die Hardware von Drittanbietern, die ein Angebot für Gamer ermöglicht. Apples eigene Hardwareentwicklungen weisen auf eine ermutigende Zukunft für Gaming auf dem Mac hin. „Der Elefant im Raum“ ist der Mac Pro.

Der Mac Pro ist als kompromissloser High-End-Arbeitsplatz konzipiert. Das Desktop-Monster nimmt bis zu vier leistungsstarke Grafikkarten auf, da jedes der auswechselbaren MPX-Module bis zu zwei Karten beherbergt.

Das ist für das Gaming zwar massiv übertrieben. Aber der Punkt ist: Es zeigt, dass Apple Optionen bietet. Sie müssen aber nicht ein kleines Vermögen für einen Mac Pro ausgeben, wenn Sie auf einem Mac spielen möchten: Apples jüngster Laptop, das MacBook Pro mit 16-Zoll-Display, bietet man in den Basiskonfigurationen mit den AMD-Grafikkarten Radeon Pro 5300M beziehungsweise 5500M an. Diese nutzen die neue Navi-Architektur, die laut Apple mehr Bandbreite und mehr Leistung für „die größte Grafikleistung, die je in einem MacBook Pro vorhanden war”, offeriert.

Verglichen mit dem bisherigen 15-Zoll-MacBook-Pro der Einstiegsklasse erlangt das 16-ZollGerät laut Apple eine um 95 Prozent schnellere Spieleleistung in „Fortnite“. Die High-End-Grafikkarte bietet eine um 55 Prozent schnellere Grafikleistung als das alte 15-Zoll-Modell der Spitzenklasse.

Hello, Operator?

Eine der Geschichten, die Apple Arcade bereits hervorbrachte, ist die von „Operator 41“. Dieses Spiel hat kein großes Studio hinter sich – ein 14-jährige Londoner namens Spruce Campbell entwarf es. Campbell begann mit acht Jahren zu programmieren, seine erste App folgte mit zwölf. Diese fiel Apple auf, er gewann einen Platz bei der Entwicklerkonferenz WWDC.

Was hat ihn an Apple Arcade anstelle des App Store gereizt? „Im heutigen App Store erwarten die Leute kostenfreie Spiele, und deshalb muss alles, was ich entwerfe, einer Monetarisierung unterliegen – was die Vielfalt der Ideen, die ich entwickee, behindert hat”, sagt Campbell. Apple Arcade mit seinem garantierten, wiederkehrenden Einkommen bedeute hingegen, dass nichts davon notwendig sei. Apple muss etwas richtig machen, wenn Spieleentwickler speziell Arcade und nicht den milliardenschweren App Store auswählen. Das verheißt Gutes.

Das heißt: Egal, für welches Modell Sie sich entscheiden, Sie merken den Unterschied. Es würde uns nicht überraschen, wenn AMDs Navi-GPUs in Zukunft auch den Weg in andere Modelle finden würden, die Ihnen noch mehr Spielepower bieten, ohne dass Sie sich auf einem MacBook der Spitzenklasse austoben müssen.

Was bedeutet das alles für das Spielen am Mac?

Bedeutet das, dass Apple seine Macs in Spielkonsolen verwandelt? Sicherlich nicht. Aber Apple wendet sich nicht mehr von Spielern ab. Man wäre töricht, sich von den hohen Einnahmen der Spieleindustrie fernzuhalten. Das hat man in Cupertino, wie man an Arcade sieht, klar erkannt. Es scheint, als ob der ungezügelte Erfolg der Spiele unter iOS (immerhin sind sieben der zehn beliebtesten Apps auf der Plattform Spiele) Apple davon überzeugt hat, dass aus der Gaming-Leidenschaft noch mehr herauszuholen ist.

Doch wenn etwa die Verfügbarkeit von Premiumspielen auf dem Mac hinterherhinkt, wird es Apple weiter schwer fallen, besonders viele Entwickler davon zu überzeugen, dass der Mac ein lohnendes Ziel für Gamer darstellt. Aber die Schritte, die Apple derzeit mit Arcade unternimmt, könnten die Zurückhaltung zumindest etwas mindern. Sicher scheint aber, dass Apple endlich etwas unternimmt.

Pippin: Das ist Apples gescheiterte Konsole

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple sich in der Welt der Spiele versucht: 1996 debütierte das Home-Entertainment-System Pippin. Dies war nicht nur für Spiele, sondern auch für alle CD-ROM-Inhalte gedacht und wollte auch beim Surfen im gerade aufkommenden Internet dienen. Apple wollte die Multimedia-Box zu einem Standard ähnlich des VHS-Systems entwickeln.

Es kam anders: Apple ging zwar eine Partnerschaft mit dem japanischen Spielemulti Bandai ein, aber die Pippin-Geräte verkauften sich trotzdem unterirdisch. Das war auf mangelnde Software und die geringen Anstrengungen von Apple, das Produkt ernsthaft zu vermarkten, zurückzuführen. Den letzten „Sargnagel“ schlug Steve Jobs 1997 bei seiner Rückkehr ein: Jobs zog die Notbremse und strich Pippin mit einer Reihe anderer experimenteller Projekte (etwa dem Mobilgerät Newton) aus dem Programm.

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